Diplomarbeit

für die Zulassung zur Diplomprüfung im Studiengang Psychologie

des Fachbereiches Psychologie der Universität Hamburg

Aspekte unglücklicher Paarbeziehungen:

Subjektive Kriterien für die Partnerwahl

und für das Verbleiben in Partnerschaften

Erste Prüferin: Dipl.-Psych., Dr. phil. Christiane Bleich

Zweiter Prüfer: Dr. phil., Dipl.-Psych., Prof. Gerhard Vagt

Note: Sehr gut

FB Psychologie

Klassifikation:

550 Paarbeziehungen

vorgelegt von Grit Hoffmann

Hamburg, im September 2000

 

Bitte geben Sie bei aus meiner Diplomarbeit kopierten Inhalten oder Textstellen meine Diplomarbeit als korrekte Quelle an.

 

copyright © 2000 diplom-psychologin grit hoffmann

 

INHALTSVERZEICHNIS

  1. Einleitung ...........................................................................................5

  2. Aufbau und Entwicklung von Paarbeziehungen.........................................5

2.1   Zum Begriff der Liebe............................................................................5

2.1.1        Loving-Liking-Modell von Rubin........................................................7

2.1.2        Liebesstile nach Lee......................................................................8

2.1.3        Sternbergs Dreieckstheorie der Liebe.............................................11

2.2   Anziehung und Partnerwahl..................................................................13

2.2.1        Freiheit der Wahl?: Verfügbarkeit und Konkurrenzkampf....................13

2.2.2        Physische Attraktivität..................................................................15

2.2.3        Ähnlichkeit.................................................................................15

2.2.4        Situativer Kontext, Stimmung und Selfmonitoring..............................17

2.2.5        Geschlechtsunterschiede bei der Partnerwahl.................................19

2.3   Stufenmodelle.....................................................................................21

2.3.1        Die Filtertheorie..........................................................................21

2.3.2        Die Stimulus-Werthaltung-Rollen-Theorie.........................................22

2.3.3        Das Modell der vorehelichen Dyadenbildung....................................23

  3. Beziehungszufriedenheit und Stabilität von Paarbeziehungen...................25

3.1     Bindungsstile....................................................................................25

3.1.1        Bindungstheorie (attachment theory).............................................27

3.1.2        Bindungsstile und Paarbeziehungen................................................28

3.1.3        Bindungstile und Beziehungsqualität...............................................30

3.2  Theorien des sozialen Austauschs...........................................................30

3.2.1         Die Theorie von Thibaut und Kelley...............................................30                                             

3.2.2        Das Investmentmodell von Rusbult.................................................31

3.2.3         Die Equitytheorie von Walster und Berscheid..................................31

3.3  Soziale Homogamie...............................................................................33

3.4  Weitere Beziehungsmerkmale.................................................................35

3.4.1         Liebe und Liebesstile...................................................................36

3.4.2         Gesundheit, Kompetenzen und Interaktion.....................................37

3.4.3         Geschlechtsunterschiede in der festen Partnerschaft

hinsichtlich der Beziehungszufriedenheit.......................................................37

  4.  Störungen in Paarbeziehungen und Trennungsprädiktoren.......................39

4.1     Trennungsprädiktoren........................................................................39

4.2     Geschlechtsunterschiede in Hinblick auf Trennungsgründe.....................43

4.3     Häufige Problembereiche in Ehen und Partnerschaften...........................43

4.4   Umgang mit Konflikten..........................................................................44

4.5   Kommunikation und Interaktionsverhalten:

Ein Vergleich von glücklichen und unglücklichen Paaren..................................47

4.6   Attributionsstile in unglücklichen Beziehungen........................................49

  5.  Empirische Studien zur Partnerwahl, Beziehungszufriedenheit und

Stabilität sowie zu Problembereichen in Partnerschaften im Überblick............50

  6.  Hypothesen........................................................................................74

6.1      Unterschiede zwischen unglücklichen und glücklichen

Paarbeziehungen in bezug auf bevorzugte Partnereigenschaften und die

Paarbeziehungsqualität.................................................................................74

6.2.   Geschlechtsunterschiede beim  Verlieben und bei der Partnerwahl

sowie bezüglich der Zufriedenheit in Paarbeziehungen.....................................74

  7.     Methode............................................................................................75

7.1     Untersuchungsdesign............................................................................75

7.2     Fragebogen..........................................................................................76

7.2.1          Demographische Daten und Glückseinschätzung................................77

7.2.2          Anfang der Liebesbeziehung............................................................77

7.2.3          Verlieben in den Partner und Bleiben bei dem Partner.......................78

7.2.4          Konfliktbereiche in der festen Partnerschaft.....................................80

7.2.5          Kohäsion und Adaptabilität (Familiy Adaptability

and Cohesion Evaluation Scale: FACES III)...........................................................82

7.3   Stichprobe.............................................................................................84

  7.3.1         Rekrutierung der Stichprobe..........................................................84

  7.3.2         Charakterisierung der Stichprobe....................................................85

7.4  Statistische Verfahren...............................................................................88

  8.     Ergebnisse...........................................................................................88

8.1      Unterschiede zwischen Unglücklichen und Glücklichen..............................88

8.2    Geschlechtsunterschiede.........................................................................93  

  9.    Diskussion.............................................................................................98 

9.1    Unterschiede zwischen Unglücklichen und Glücklichen hinsichtlich

der Paarbeziehungsqualität sowie in bezug auf

Partnerwahlkriterien und Gründe für das Bleiben in der Beziehung........................99

9.2     Unterschiede zwischen Männern und Frauen in bezug auf

Partnerwahlkriterien und Gründe für das Bleiben in der

Beziehung sowie hinsichtlich der Partnerschaftszufriedeneheit............................103   

10. Fazit und Ausblick...................................................................................105

11. Kurzzusammenfassung...............................................................................108

Literaturverzeichnis......................................................................................109

Erklärung......................................................................................................117

Anhang.........................................................................................................118

1.    Einleitung

Seit geraumer Zeit befaßt sich die Wissenschaft mit Faktoren, welche zur Qualität und Stabilität von Paarbeziehungen beitragen (als Überblick siehe z.B. Amelang, Ahrens & Bierhoff, 1991; Bierhoff & Grau, 1999) sowie mit Belastungen und Belastungsbewältigung im Rahmen von Partnerschaften (z.B. Bodenmann, 1993, 1995, 1997; Gottman, 1998; Hahlweg, 1991). Auch der Partnerwahl wurde große Aufmerksamkeit geschenkt (als Überblick siehe z.B. Amelang, Ahrens & Bierhoff, 1991), insbesondere in der US-amerikanischen Forschungstradition (z.B. Berscheid und Walster, 1974; Walster & Walster, 1979). Der Zeit des Verliebens zweier Partner und dem darin verborgenen „Potential“ für die Beziehung ist bislang in der empirischen Forschung jedoch wenig Raum gegeben worden.

       Die vorliegende Untersuchung widmet sich eben dieser Zeit, den Anfängen einer Liebesbeziehung und dessen möglichen Auswirkungen auf die spätere Partnerschaft. Dem zugrunde liegen Fragestellungen wie z.B.: Warum verliebt man sich? Welche Aspekte machen die Partner zu Beginn anziehend? Wie wird der Anfang der Partnerschaft erlebt? Gibt es hierbei Unterschiede zwischen den späteren unglücklichen Beziehungen und den glücklichen? Wie entwickelt sich eine Partnerschaft weiter? Warum bleibt man in einer unglücklichen Beziehung? Spielen unter belastenden Bedingungen oder gar am Ende einer Partnerschaft andere Aspekte eine Rolle? Welche sind dies? Welche Konfliktbereiche hängen damit zusammen? Lassen sich Hinweise finden zur Erklärung, Vorhersage und Prävention von Problemen und Konflikten innerhalb von Partnerschaften? Welche Unterschiede bestehen zwischen Männern und Frauen? Diese Punkte werden mit Hilfe einer schriftlichen Befragung von in ihrer Partnerschaft zufriedenen und unzufriedenen Frauen und Männern versucht zu beantworten.

       Im ersten Teil der Arbeit werden empirische Untersuchungen und theoretische Modelle vorgestellt, die sich mit Liebe und Partnerwahl (Kapitel 2) sowie mit Faktoren, die zur Stabilität und Beziehungszufriedenheit beitragen (Kapitel 3), befassen. Im Kapitel 4 werden Problembereiche und Störungen in Paarbeziehungen analysiert sowie bislang erforschte Trennungsprädiktoren herauskristallisiert. Im Anschluß daran werden empirische Studien zu den beschriebenen Bereichen zusammenfassend in einer Tabelle dargestellt (Kapitel 5).

       Aus dem derzeitigen Forschungsstand werden im Kapitel 6 die der Auswertung zugrunde liegenden Hypothesen abgeleitet. Im siebenten Kapitel werden dann die methodischen Vorgehensweisen zur Überprüfung der Hypothesen erläutert und begründet.  Abschließend werden im achten und neunten Kapitel die Ergebnisse dargestellt und diskutiert.

2.    Aufbau und Entwicklung von Paarbeziehungen

2.1   Zum Begriff der Liebe

In einer Experimentalstudie über verhaltensbiologische Korrelate emotionaler Prozesse fand Henzler (1994) heraus, daß leidenschaftlich verliebte Personen, genau wie Personen mit niedrigem Intelligenzquotienten, im Ruhezustand eine geringere kortikale Komplexität aufweisen. Macht Liebe also, wie man gemeinhin sagt, tatsächlich „blind“? Laut Henzler paßt diese Meinung zumindest zu dem vorgestellten Befund: „Das Gehirn fällt in einen geordneten und stabileren, weniger dynamischen und sozusagen anti-chaotischen Erregungszustand, der von den kortikalen ‚Verliebtheits‘-Netzwerken dominiert und in seiner Komplexität eingeschränkt wird.“ (Henzler, 1994, S.84)

      

Aus soziobiologischer Sicht dient „geschlechtsspezifisches Verhalten“ wie Lieben der Anpassung: „Biologisch betrachtet stellt romantische Liebe eine Orientierungsreaktion gegenüber dem Liebesobjekt dar. Die adaptive Bedeutung liegt in der Überwindung der Vorbehalte gegenüber Fremden, speziell nicht zur Familie gehörenden.“ (Maiwald & Schreiber, 1991, S. 30) In der Psychoanalyse nach Freud wird Liebe in Verbindung mit dem Triebbegriff erklärt. Hier wird die Wahl eines Partners abhängig gemacht von frühkindlichen Prägungen auf charakteristische Merkmale (Klein, 1991). Kognitive Theorien beschreiben Liebe als Produkt bestimmter Strukturen, die bei der Informationsverarbeitung entstehen. Hier erfüllt Liebe die Funktion, Belohnungen zu maximieren. In interaktionistischen Ansätzen dagegen wird der Sinn der Liebe in der Konstruktion des Selbst bzw. des Weltverständnisses betont (Kraft, 1988). Für Fromm (1999) ist die Liebe ein übergreifendes Persönlichkeitsmerkmal, das die Aspekte Fürsorge, Verantwortlichkeit, Respekt und Wissen beinhaltet. Liebe ist für ihn eine Haltung, eine Charakterorientierung, die sich nicht nur auf ein einzelnes Objekt, sondern auf die Welt als Ganzes bezieht. Für Fromm und auch für Lauster (1998) ist Liebe eine Tätigkeit, eine Aktivität, die man erlernen kann und muß.

       In einer Studie zu individuellen Vorstellungen über die Liebe wurden von Kraft (1988) Statements zusammengetragen, die für die Bevölkerung der Bundesrepublik repräsentativ sind. Für die überwiegende Mehrheit der Befragten steht bei der Wahrnehmung der Liebe ein Gefühl im Vordergrund, das Identität und emotionale Stabilität verleiht und das Respekt sowie gegenseitige Unterstützung beinhaltet. Verliebtheit wird, insbesondere von Männern, mit sexuellem Begehren in Verbindung gebracht. Zwischen Liebe und Verliebtsein wird deutlich unterschieden, wobei Verliebtheit als oberflächlicher und weniger bedeutsam als die Liebe bezeichnet wird. Liebe wird - ähnlich wie in interaktionistischen Ansätzen - beschrieben als Sinngebung, als der Selbstfindung und der Verbindung aller Menschen dienend. Sie wird als geheimnisvolle und unbestimmbare Kraft angesehen. In den Vorstellungen zeigt sich eine „Hochschätzung der Liebe und der relativ dauerhaften, auf gegenseitiger Unterstützung beruhenden Liebesbeziehung, für die die Partner in Eigenverantwortung nach Strategien zu handeln suchen, die eine emotionale Zufriedenheit beider gewährleisten soll.“ (Kraft, 1988; S. 253) Auf der Beziehungsebene wird Liebe als Übernahme von Verantwortlichkeit und Sorge für den Partner beschrieben.

       Mees (1997) untersuchte die Frage, ob es zwischen den Konzepten der eigenen Liebe zum Partner und der Liebe, die man vom Partner erwartet, Unterschiede gibt. Die beiden Profile waren einander sehr ähnlich, allerdings wurden vom Partner mehr „sichtbare Liebesbeweise“ erwartet, als man selber zu zeigen bereit war. Riehl-Emde und Willi (1997) führten mit 606 Frauen und Männern eine Fragebogenaktion zum Thema „Sich verlieben und die große Liebe“ durch. Es zeigte sich, daß intensives Verliebtsein ein fast allen Probanden bekanntes Phänomen war. Dabei unterschieden sich Männer und Frauen nicht in der Häufigkeit des Verliebtseins. Auch verliebten sich beide Geschlechter offenbar gleich schnell, wenn auch die Frauen häufiger davon ausgingen, daß sich ihre Partner auf den ersten Blick, und Männer davon, daß sich ihre Partnerinnen erst später in sie verliebt haben. Männer wie Frauen registrierten beim Verliebtsein deutliche Veränderungen im körperlichen und seelischen Befinden, wobei die Frauen von noch größeren Einschnitten berichteten als die Männer.

       In einigen Aspekten waren auch in der Studie von Kraft (1988) Geschlechtsunterschiede zu beobachten. So hatten Frauen eine andere Ansicht als Männer in Bezug auf die Stellung der Liebesbeziehung zum gesamten Lebensrahmen. Hier sahen Frauen die Beziehung häufiger gleichberechtigt eingebettet in die Gesamtheit der Lebensgestaltung, wohingegen Männer die Partnerschaft eher als einen von sonstigen sozialen Einbindungen getrennten Bereich betrachteten, in dem sie sich ganz einer Partnerin verpflichten wollten, von der sie sich möglichst nicht wieder trennen mochten. Darüber hinaus gab es einige Hinweise auf altersabhängige Unterschiede: So betonten die 16-25jährigen mehr als die 26-35jährigen ihre Verliebtheit und die Einzigartigkeit des geliebten Menschen. Liebe war für die Jüngeren geheimnisvoller und unerklärlicher. Generell stellten sie auch höhere Ansprüche an eine Liebesbeziehung als die Älteren, insofern als die 26-35jährigen weniger Verläßlichkeit, Autonomie, Fürsorglichkeit und Leidenschaft erwarteten als die Jüngeren, dafür jedoch mehr Übereinstimmung mit dem Partner erhofften. Diese Unterschiede waren allerdings nur gering ausgeprägt. Insgesamt wird davon ausgegangen, daß sich die Vorstellungen über Liebe innerhalb der Altersspanne von 16 bis 45 Jahren nur sehr wenig unterscheiden. Zu erkennen war ein genereller Wunsch beider Geschlechter und jeder Altersgruppe nach tiefen und langfristigen Beziehungen, die nach dem Prinzip der Partnerschaftlichkeit geführt werden und zugleich Leidenschaftlichkeit und sexuelle Erfüllung ermöglichen sollten.

       In den Anfängen der empirischen Auseinandersetzung mit dem Begriff der Liebe sind von Psychologen zwei unterschiedliche Ansätze entwickelt worden. Zum einen wird Liebe als einheitliches Konstrukt, als globale Einstellung gegenüber einer Zielperson aufgefaßt, zum anderen werden mehrere Einstellungen oder Ideologien, die eine oder mehrere Beziehungen betreffen, unter diesem Begriff vereint (Bierhoff, 1991).

2.1.1   Loving-Liking-Modell von Rubin

Das eindimensionale Modell der Liebe wurde vor 30 Jahren von Rubin (1970), einem der ersten Empiriker auf diesem Gebiet, formuliert. Er unterscheidet zwischen zwei Hauptfaktoren: Lieben und Mögen, wobei Mögen als Voraussetzung von Lieben angenommen wird. Romantische Liebe beinhaltet für Rubin (1970) die drei Komponenten: einander annehmen und brauchen („affiliative and dependent need“), die Bereitschaft, einander zu helfen („a predisposition to help“) und ein Interesse an Exklusivität der Beziehung („an orientation of exklusiveness and absorbtion“).

       Er entwickelte ein Meßsystem der Liebe, die „Loving Liking Scale“. Mit ihr sollen einzelne Bestandteile von Lieben und Mögen erfaßt werden. Tatsächlich wurde sie in zahlreichen empirischen Studien als Meßinstrument eingesetzt. Beispielsweise untersuchten Steck, Levitan, McLane und Kelly (1982) in fünf Untersuchungen verschiedene Beziehungsformen wie Freundschaft, Mögen, Attraktion füreinander und Lieben, und dabei insbesondere die Bedeutsamkeit der Bereiche: einander umsorgen („care“), einander brauchen („need“) und sich aufeinander verlassen („trust“). Außer der Liebesskala wurden verschiedene Variationen davon zugrunde gelegt. Bei den Ergebnissen zeigte sich ein Unterschied zwischen Attraktion füreinander und Liebe, insofern als „need“ bei Attraktion füreinander eine größere Rolle spielte als „care“, und umgekehrt bei Liebe „care“ wichtiger war als „need“.

       Lamm und Wiesmann (1997) widmeten sich der Frage, wie Personen zwischen Mögen, Lieben und Verliebtsein unterscheiden. Bei der Beantwortung entsprechender Fragebögen erwähnten 53 % der Befragten für Lieben positive Gefühle in der Gegenwart des anderen, wobei diese für Mögen sogar noch häufiger, nämlich von 62 % der Teilnehmer genannt wurden. Erregung wurde von ebenfalls 62 % der Probanden als typisch für Verliebtsein genannt. Als charakteristischste Merkmale für Mögen wurde das Verlangen nach Interaktion mit dem anderen und für Verliebtsein die Erregung angegeben. Das Vertrauen in den anderen stand beim Lieben im Mittelpunkt. Berscheid und Walster (1974) sehen Lieben und Mögen ebenfalls als voneinander unabhängige Faktoren an, die beide in partnerschaftlichen Beziehungen zum Tragen kommen und deren Verlauf über die Partnerschaftsdauer unterschiedlich ist. Liebe überwiegt in den Anfangsstadien und verliert später an Intensität, wobei Mögen über die Zeit konstant bleibt.

       Das Verdienst von Rubin (1973) ist es, „im Versuch das ‚Unmeßbare zu messen‘ einen Anfang gemacht und entsprechende Forschungen nicht nur selbst durchgeführt, sondern weitere auch nachhaltig angeregt zu haben.“. (Amelang, 1991, S. 159)

2.1.2   Liebesstile nach Lee

Ein mehrdimensionaler Ansatz der Liebe entspringt einer Multikomponententheorie und wurde von Lee (1973/1976) entwickelt. Dieses Klassifikationssystem von Liebesstilen wird der Vielfalt möglicher Liebeserfahrungen noch am ehesten gerecht (vgl. Bierhoff & Grau, 1999). Lee extrahierte aus mehr als 4000 Statements zur Liebe, aus unterschiedlichen Epochen und Fachgebieten drei Primärfaktoren: „Eros“, „Ludus“, „Storge“ und drei Sekundärfaktoren, die zum Teil mit den ersten Faktoren korrelieren: „Mania“, „Pragma“, „Agape“. Für Mania fand er zudem drei Tertiärfaktoren: „Manic-eros“, „Manic-storge“ und „Manic-ludus“ (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Liebesstile nach Lee (1973/76)

         

           

Er vergleicht Liebe mit Farben, da diese, genau wie die Liebe undefinierbar sind und ebenfalls aus primären und sekundären Anteilen bestehen (Lee, 1973). Die einzelnen Liebesformen bezeichnet er folgendermaßen:

·     Eros „love of beauty“ (rot) steht für die romantische, leidenschaftliche, körperbezogene Liebe. Unmittelbare Anziehung und die sogenannte „Liebe auf den ersten Blick“ gehören zu dieser Einstellung, die typischerweise mit physiologischer Erregung und sexuellem Interesse verbunden ist.

·     Ludus „playful love“ (blau) bezeichnet die oberflächliche, spielerische, nicht besitzergreifende Liebe, die oft parallel zu mehreren Partnern besteht, um nicht zu sehr in eine Beziehung involviert zu sein. Hier wird die Verführung, sexuelle Freiheit und das Abenteuer gesucht. Eine tiefere Bindung wird eher abgelehnt.

·     Storge „companionate love“ (gelb) bezieht sich auf die freundschaftliche, kameradschaftliche Liebe, die sich langsam entwickelt, auf gemeinsamen Interessen und Aktivitäten basiert und weitgehend leidenschaftslos verläuft. Sie zeichnet sich durch hohe Stabilität aus. Sexuelle Anziehung tritt erst relativ spät auf, wenn schon eine feste Bindung zwischen den Partnern besteht.

·     Mania „obsessive love“  (blau-violett) ist die besitzergreifende Liebe, die sich von obsessiver Leidenschaft in abgrundtiefen Haß verwandeln kann. Sie ist geprägt von einem unersättlichen Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zuwendung des Partners sowie von Angst und Eifersucht bei ausbleibendem Entgegenkommen.

·     Pragma „realistic love“ (gelb-grün) bezeichnet die vernunftgeleitete, pragmatische Liebe. Die Wahl des Partners erfolgt hier rational nach praktischen Gesichtspunkten und zielt auf Kompatibilität, gegenseitige Bedürfnisbefriedigung und Solidität der Beziehung ab. Im Mittelpunkt steht der Wunsch zusammenzupassen.

·     Mit Agape (rot-orange) schließlich ist die altruistische, hilfsbereite Liebe gemeint, bei der Geben wichtiger ist als Nehmen. Die selbstlose Liebe ist gekennzeichnet durch Geduld und Aufopferung im Interesse des Partners. Eifersucht kommt so gut wie nicht vor, und Reziprozität wird kaum eingeklagt. Die Opferbereitschaft für den Partner beruht in den meisten Fällen auf Gegenseitigkeit.

       Diese Dimensionen sind natürlich nicht starr und nur auf eine Person oder eine Beziehung ausgerichtet. Es gibt vielfältige Mischformen der Liebesstile. Außerdem kann jeder Mensch mehrere Liebesformen entwickeln, so wie auch eine Partnerschaft sich beispielsweise von einer erotischen zu einer pragmatischen Beziehung wandeln kann oder umgekehrt. Auch eine kulturelle Epoche kann durch die Dominanz bestimmter Liebesstile gekennzeichnet sein, so z.B. durch romantische, pragmatische und altruistische Liebe (Bierhoff & Grau, 1999). Für eine glückliche und zufriedene Beziehung scheint Lee (1976) eine Mischung aus Eros und Storge am besten geeignet.

       Hendrick, Hendrick, Foote und Slapion-Foote (1984), die neben vielen anderen Empirikern zu den sechs Liebesdimensionen forschten, berichten über signifikante Geschlechtsunterschiede in den einzelnen Dimensionen, die sich bei 800 Psychologie- und Soziologiestudenten finden ließen: Männer wiesen sehr viel höhere Werte in den Skalen  Ludus und Eros auf. Demgegenüber zeigten Frauen höhere Ausprägungen in den Skalen Mania, Storge und Pragma. Die Autoren vermuten sozio-kulturelle Faktoren als Ursachen dafür. Hendrick und Hendrick (1986) entwickelten die „Love Attitude Scale“ zur Messung der sechs Hauptdimensionen. In zwei Untersuchungen mit 807 und 567 Probanden fanden sie ebenfalls signifikante Zusammenhänge zwischen Liebesstilen und anderen Variablen wie Geschlecht, Nationalität, Anzahl bisheriger Liebesbeziehungen, gegenwärtige Beziehung und Selbstachtung. Männer hatten auch hier höhere Werte auf der Ludus-Skala. Die höheren Ausprägungen der Frauen in den Skalen Storge, Pragma und Mania wurden ebenfalls bestätigt. Entgegen vorangegangener Ergebnisse unterschieden sich die Frauen und Männer hier jedoch nicht in den Formen Eros und Agape. Im Zusammenhang mit der Variable Selbstachtung zeigte sich, daß Personen mit ausgeprägtem Selbstwertgefühl hohe Werte in Eros und Personen mit schwachem Selbstbewußtsein mehr in Richtung Mania tendierten. Hendrick und Hendrick (1989) gehen von einer ausreichenden empirischen Bestätigung des Modells der Liebesstile von Lee aus.

       In US-amerikanischen Studien wurden darüber hinaus Korrelationen zwischen Liebesformen und partnerschaftsrelevanten Merkmalen gefunden. Die folgende Tabelle bietet eine Übersicht über die einzelnen Ergebnisse. Zur vereinfachenden Darstellung stehen die Zeichen (+) für positive und (-) für negative Korrelationen (Pietsch, 1996).

Tabelle 1: Korrelationen zwischen Liebesstilen nach Lee und partnerschaftsrelevanten Merkmalen in amerikanischen Studien (Pietsch, 1996)

Eros

Ludus

Storge

Pragma

Mania

Agape

Intimität

+

-

+

+

+

Leidenschaft

+

-

+

+

Entscheidung/Bindung

+

-

+

+

Zufriedenheit

+

-

+

Selbstöffnung

+

-

+

Selbstsicherheit

+

+

-

+

aktuelle Verliebtheit

+

-

+

Anzahl bisheriger Beziehungen

+

sicherer Bindungsstil

+

-

+

vermeidender Bindungsstil

-

+

+

-

ängstlich ambivalenter Bindungsstil

+

-

+

+

Deutlich wird hier vor allem der positive Zusammenhang der beiden Formen Eros und Agape mit erwünschten Merkmalen in einer Partnerschaft wie beispielsweise Intimität, Leidenschaft, Zufriedenheit und Verliebtheit. Die Bereitschaft, sich an einen Partner zu binden sowie die eigene Selbstsicherheit korrelieren ebenfalls positiv mit Eros und Agape.

       Bierhoff und Klein (1991; Bierhoff, Grau & Ludwig, 1993c) entwickelten die deutschsprachige Fassung des oben beschriebenen Fragebogens, das „Marburger Einstellungs-Inventar für Liebesstile (MEIL), das eine zuverlässige Messung der sechs Faktoren erlaubt. Nach Beantwortung der 60 Items durch mehr als 2000 Personen ließen sich hier Geschlechtsunterschiede nur für Mania und Agape finden. Die höheren Werte der Frauen in Mania können laut Bierhoff (1991a) unter Berücksichtigung von Geschlechtsrollenvariablen erklärt werden. Die Autoren meinen damit, daß Frauen eher expressiv eingestellt sind und deswegen eher zu besitzergreifender Liebe tendieren. Die höheren Werte der Männer in der aufopfernden Liebe erscheinen auf den ersten Blick überraschend, finden jedoch Bestätigung durch Ergebnisse aus der Altruismusforschung, denen zufolge Männer hilfsbereiter sind als Frauen, insbesondere gegenüber Frauen (Bierhoff & Grau, 1999).

       Analog zu den US-amerikanischen Veröffentlichungen (siehe z.B. Hendrick, Hendrick, Foote und Slapion-Foote, 1984) werden von Bierhoff, Fink und Montag (1988) die gleichen geschlechtsspezifischen Unterschiede hervorgehoben. Es fällt auf, daß sich Partner hinsichtlich ihrer Ausprägungen von Eros und Pragma sehr ähnlich sind (Bierhoff, 1989a). Diese Einstellungen zur Liebe scheinen sich also gegenseitig zu verstärken. Auch hier stehen hohe Eros-Werte in deutlichem Zusammenhang mit dem eingeschätzten Glück des Paares, während hohe Ludus-Ausprägungen mit geringen Glückseinschätzungen verbunden sind. Die Tabelle 2 gibt einen Überblick über die Ergebnisse deutschsprachiger Arbeiten zum Zusammenhang zwischen den Liebesstilen und partnerschaftsbezogenen Merkmalen.

Tabelle 2:  Korrelationen zwischen Liebestilen nach Lee und partnerschaftsrelevanten Merkmalen in deutschen Studien (Pietsch, 1996)

Eros

Ludus

Storge

Pragma

Mania

Agape

Glück in der Partnerschaft

+

-

+

Vertrauen

+

-

+

Selbstöffnung

+

-

+

Bindung

+

-

+

Investment

+

+

+

Positive Emotionen

+

+

+

Negative Emotionen

-

+

Streit

-

+

Zärtlichkeit

+

-

Gemeinsamkeit/Kommunikation

+

-

+

Der enge Zusammenhang von Eros und Agape mit positiven Partnerschaftsmerkmalen findet auch hier eine klare Bestätigung. Beide korrelieren positiv mit Glück, Vertrauen, Selbstöffnung, Investment, positiven Emotionen und Gemeinsamkeit/Kommunikation in der Partnerschaft. Genau wie in den englischsprachigen Studien (siehe Tabelle 1) wurden auch hier keine signifikanten Effekte bei der freundschaftlichen und der pragmatischen Liebe gefunden. Dafür werden hier deutliche Zusammenhänge mit Rahmenbedingungen der Partnerschaft sichtbar. So gingen hohe Werte in Storge und Pragma einher mit höheren Werten in den Variablen: „Nichtabiturient“ und „wenige Eine-Nacht-Beziehungen“, Pragma korrelierte positiv mit: „zusammen lebend“, „mit Kindern“ und „längere Dauer der Partnerschaft“ (Pietsch, 1996).

       Klein und Bierhoff (1991) beweisen, daß die pragmatische und die altruistische Liebe einen zentralen Stellenwert für die Beständigkeit einer Beziehung besitzt. Bei Frauen in Therapiegruppen, die von Pietsch (1996) untersucht wurden, hing das Glück mit deren Liebesstil zusammen: Hohe Glückseinschätzungen waren auch hier mit Eros verbunden. Auch gab es in der Kontrollgruppe eine wechselseitige Abhängigkeit des Liebesstils des Partners und der eigenen Glückseinschätzung. Zur Frage, welche Liebesstile im allgemeinen in der westlichen Bevölkerung am höchsten ausgeprägt sind, bemerken Bierhoff und Grau (1999), daß die romantische Einstellung, also Eros, am stärksten, Ludus und Pragma dagegen am seltensten vertreten sind.

2.1.3   Sternbergs Dreieckstheorie der Liebe

Eine weitere mehrdimensionale Theorie der Liebe wurde von Sternberg (1986) entwickelt. So  besteht Liebe zum einen aus genetisch überlieferten Instinkten, zum anderen - und zum weitaus größeren Teil - aus sozial erlernten Rollengestaltungen, wie sie in allen Formen enger zwischenmenschlicher Beziehungen vorkommen. Sternberg unterteilt Liebe in drei Komponenten: Intimität, Leidenschaft und Entscheidung/Bindung. Intimität bezeichnet Gefühle von Nähe und Verbundenheit wobei die gegenseitige Unterstützung, Selbstöffnung, Fürsorge („care“) und Mitgefühl („compassion“) im Mittelpunkt stehen.

       Leidenschaft bezieht sich auf die physiologische Erregung, die aus physischer und sexueller Attraktion resultiert. Der Faktor Entscheidung/Bindung beeinflußt zu Beginn einer Partnerschaft den Wunsch, diese Beziehung überhaupt einzugehen, und später, diese aufrechtzuerhalten (Sternberg, 1988). Je nach Ausprägung der einzelnen Komponenten lassen sich in Tabelle 3 sieben Arten von Liebesbeziehungen ableiten (Sternberg 1986).

Tabelle 3: Liebe als Kombination hoher (+) und niedriger (-) Ausprägungen von Intimität; Leidenschaft und Entscheidung/Bindung (Sternberg, 1986)

Intimität Leidenschaft Entscheidung/Bindung Art der Liebe

-

-

-

keine Liebe

+

-

-

Mögen

-

+

-

verliebt sein

-

-

+

leere Liebe

+

+

-

romantische Liebe

+

-

+

kameradschaftliche Liebe

-

+

+

alberne Liebe

+

+

+

erfüllte Liebe

Anmerkung. Die deutschen Bezeichnungen werden von Amelang (1991) übernommen.

Intimität ist Bestandteil der romantischen, der erfüllten und der kameradschaftlichen Liebe sowie von Mögen. Leidenschaft wird eher beim Verliebtsein, bei der romantischen, der erfüllten, aber auch bei der sogenannten „albernen“ Liebe erlebt. Der Faktor Entscheidung/Bindung kann Bestandteil sowohl der erfüllten, als auch der albernen und auch der leeren Liebe sein. Sternberg (1986) weist darauf hin, daß Leidenschaft als die motivationale, Intimität als die emotionale und Bindung als die kognitive Komponente der Liebe betrachtet werden kann. Eine ähnliche Unterscheidung findet sich in der Philosophie, wenn zwischen Körper, Seele und Geist unterschieden wird (Bierhoff & Grau 1999).

       Diese drei Komponenten können unterschiedlich stark ausgeprägt sein, was graphisch in verschieden langen Seiten eines Dreiecks ausgedrückt werden kann (Sternberg, 1988). Bei Deckungsgleichheit der Dreiecke zweier Partner würde eine ideale Passung vorliegen und je größer die Abweichungen davon, desto mehr Probleme und Unzufriedenheit können die Beziehung belasten. Schließlich verdeutlicht eine größere Fläche des Dreiecks eine höhere Intensität der empfundenen Liebe.

       Genau wie die Liebesstile von Lee sind auch die Dimensionen von Sternberg (1986) nicht starr, und er betont, daß sich die beschriebenen Ausprägungen und Kombinationen innerhalb einer Partnerschaft verändern können, so wie auch eine Person in ihren verschiedenen Beziehungen zu anderen Menschen unterschiedliche Kombinationen und Intensitäten zeigen kann.

       Buhl und Hassebrauck (1995) prüften das 3-D-Modell empirisch, indem sie 100 Studenten daraufhin befragten, welche Dimensionen diese von sich aus verwandten, wenn sie Liebesbeziehungen einschätzten. Es gab eine hohe Übereinstimmung zwischen dem empirischen und dem dreieckstheoretischen Modell. Die Autoren resümieren, daß eine dimensionale Klassifikation grundsätzlich zur Systematisierung unterschiedlicher Paarbeziehungen geeignet ist.

       Die unterschiedlichen Befunde und Theorien zu Komponenten der Liebe wurden von Hazan und Shaver (1987) zusammengetragen und von Pietsch (1996) in dem folgenden Schema zusammengefaßt (siehe Tabelle 4):

Tabelle 4: Komponenten der Liebe, modifiziert von Hazan und Shaver (1987, zitiert nach Pietsch, 1996)

                                                   Bindung                   Fürsorge                        Sexualität

Soziobiologie                               Bindung             elterliche Fürsorge              Sexualität

Rubin (1970),

Steck et al. (1982)                         trust                            care                             need

Berscheid & Walster

(1974)                                            companionate love                passionate love

Sternberg (1986, 1988)           Intimität und Entscheidung/Bindung             Leidenschaft

Diese Übersicht macht deutlich, daß die verschiedenen Ansätze durchaus miteinander kompatibel sind (Pietsch, 1996). Zentrale Bezugspunkte in dieser Tabelle sind Bereiche, die evolutionstheoretisch bedeutsam sind, nämlich Bindung, Fürsorge und Sexualität.

       Aus evolutionstheoretischer und soziobiologischer Perspektive dienen soziale Interaktion und auch enge Beziehungen der Arterhaltung als Voraussetzungen für enge Beziehungen. Enge Kontakte entwickeln sich zunächst durch Reproduktionstätigkeiten und später in der Pflege der Nachkommen. Aus psychologischer Sicht dienen enge Beziehungen dem „Aufbau von Bindungen und damit der psycho-sozialen Entwicklung der Persönlichkeit.“ (Trommsdorff, 1991, S.191)

2.2   Anziehung und Partnerwahl

Im ersten Zusammentreffen zweier Personen werden in der Regel die Weichen dafür gestellt, ob weitere Kontakte und damit die Möglichkeit der Entwicklung einer Freundschafts- oder Liebesbeziehung angestrebt werden. In diesem Kapitel geht es um Ursachen und Auswirkungen erster Eindrücke und oberflächlicher Sympathien, wie sie bei kurzfristigen Begegnungen entstehen können. Es werden Faktoren beschrieben, die zur Erklärung zwischenmenschlicher Anziehung und Attraktion herangezogen und untersucht werden.

2.2.1   Freiheit der Wahl?: Verfügbarkeit und Konkurrenzkampf

In fremden Kulturen wie beispielsweise im kollektivistisch geprägten Japan werden Ehen überwiegend aus rational-ökonomischen Kriterien durch die Eltern des Paares gestiftet, wobei die Eheleute kaum Gelegenheit haben, sich vorher kennenzulernen (Asendorpf, 2000). In der westlichen individualistisch geprägten Kultur sind solche Arrangements nicht üblich, also sollte jeder seinen Partner frei wählen können. Hierbei gibt es jedoch Einschränkungen, auf die im folgenden eingegangen wird.

       Verfügbarkeit ist eine erste notwendige Voraussetzung dafür, daß ein Paar überhaupt zusammenfindet. Man könnte mutmaßen, daß zukünftige Partner sich eher im Urlaub kennenlernen, weil sie fernab vom Alltag offener für romantische Begegnungen sind. Stroebe (1987) bemerkt jedoch, daß Menschen selten Fremde heiraten. Und schon Bossard (1932) stellte fest, daß die räumliche Nähe eine wesentliche Einflußgröße für die spätere Partnerschaft darstellt. Er verglich die Adressen von 5000 späteren Ehepartnern, wobei ein Drittel vor der Hochzeit gerade fünf Straßen und weniger voneinander entfernt gewohnt hat. Dabei sank die Wahrscheinlichkeit einer Eheschließung mit der zunehmenden Entfernung der vorehelichen Adressen der Partner.

       Noch eher als im Wohnviertel lernen sich spätere Partner vor allem am Arbeitsplatz, in der Schule, beim Studium, beim Sport oder bei anderen Freizeitaktivitäten kennen. Sie kommen in Kontakt durch ähnliche Ausbildungen, Hobbys oder über gemeinsame Freunde. Dadurch finden sich zwangsläufig häufiger Personen zusammen, die einander ähnlich sind, in bezug auf biologische und soziologische Merkmale wie Alter, sozioökonomischer Status, Bildungsstand, Intelligenz, physische Attraktivität oder Einstellungen (vgl. Stroebe, 1987). Weit entfernte, unähnliche Personen werden also weniger wahrscheinlich kennengelernt. Im Zusammenhang mit der Ähnlichkeit in verschiedenen Merkmalen erfährt die Partnerwahl eine weitere Einschränkung durch den Konkurrenzkampf auf dem „Partnermarkt“, auf dem gutaussehende, vermögende und intelligente Personen unattraktiven, armen und unintelligenten Menschen vorgezogen werden. Murstein (1972) spricht von einem „concept of marital choice as an exchange-market phenomenon“, (Murstein, 1972, S. 8) und Fromm beklagt eine extreme Form dieser Austauschorientierung:„So verlieben sich zwei Menschen ineinander, wenn sie das Gefühl haben, das beste Objekt gefunden zu haben, das für sie in Anbetracht des eigenen Tauschwertes auf dem Markt erschwinglich ist. . . . In einer Kultur, in der die Marketing-Orientierung vorherrscht, in welcher der materielle Erfolg der höchste Wert ist, darf man sich kaum darüber wundern, daß sich auch die menschlichen Liebesbeziehungen nach den gleichen Tauschmethoden vollziehen, wie sie auf dem Waren- und Arbeitsmarkt herrschen.“ Fromm (1999, S. 14)               Walster und Walster (1979) sowie Walster, Berscheid und Walster (1973) sind der Meinung, daß die Wahl des Partners ein wohl ausgewogener Kompromiß zwischen dem Wunsch nach dem Idealpartner und der Erkenntnis sei, daß man sich mit dem zufrieden geben müsse, was man verdient. Ein Experiment, bei dem romantische Treffen zwischen Männern und Frauen initiiert wurden, veranschaulichte eine ähnliche Tendenz: Versuchsteilnehmer, die sich selbst als unattraktiv einstuften, zogen die Verabredung mit einer gleichfalls unattraktiven Person vor, auch wenn es attraktivere Alternativen gab. Diese Beobachtungen führen zu dem Schluß, daß Partner bevorzugt werden, die der eigenen Einschätzung des Selbstwertes entsprechen (Stroebe, Insko, Thompson und Layton, 1971).       Kiesler und Baral (1970) überprüften die Bedeutung der Ausgewogenheit im Erstkontakt. Sie ließen männliche Versuchsteilnehmer einen Intelligenztest durchführen und gaben ihnen manipulierte Rückmeldungen, um deren Selbstwertgefühl zu erhöhen oder zu erniedrigen. So wurden die Probanden in der „Hohes-Selbstwertgefühl“-Bedingung für angeblich extrem gute Leistungen gelobt, wohingegen die Probanden in der „Niedriges-Selbstwertgefühl“-Bedingung für ihre Leistungen in einem sehr schweren Test getadelt wurden, mit dem Hinweis, Hunderte vor ihnen hätten diesen mit Leichtigkeit absolviert. Nach der Beurteilung trafen die Probanden - wie zufällig - mit einer Frau zusammen, die in der ersten Versuchsanordnung durch Kleidung, Frisur und Make up sehr attraktiv und in der zweiten durch eine extrem große Brille, nachlässige Kleidung und einen Haarknoten unattraktiv zurechtgemacht war. Die in ihrem Selbstwertgefühl gestärkten Männer versuchten, eher die Frau kennenzulernen, wenn diese ein attraktives Äußeres hatte, wohingegen die erniedrigten Männer die Frau eher ansprachen, wenn sie unattraktiv wirkte.

       Kann ein Mangel in bestimmten Merkmalen durch eine andere Besonderheit ausgeglichen werden? Dieser Frage nachgehend wurden von Walster und Walster (1979) Leser der Zeitschrift „Psychology today“ befragt, wer in ihrer Partnerschaft der attraktivere, reichere oder liebevollere Partner sei und welche Eigenschaften der jeweils andere habe. In über sechzigtausend Zuschriften wurden die Annahmen der Autoren erhärtet, daß je mehr die Attraktivität des einen die des anderen Partners überstieg, desto liebevoller, hilfsbereiter oder reicher war der andere. Bierhoff und Grau (1999) indessen schränken ein, daß austauschtheoretische Überlegungen sehr plausibel seien, solange es um Rücksichtnahme und Liebe oder ähnliche Merkmale ginge, jedoch in Schwierigkeiten gerieten bei Eigenschaften wie Intelligenz, Beliebtheit oder Reichtum. Denn eine Person, deren Partner mehr erwünschte Qualitäten habe (z.B. Attraktivität), befinde sich in einer ungünstigeren Lage als eine Person, deren Partner den Vorzug hätte, mehr Liebe geben zu können  (Bierhoff & Grau, 1999). Solche und ähnliche Überlegungen bilden den Inhalt von Theorien des sozialen Austauschs, die einen eigenen Forschungszweig ins Leben gerufen haben, und auf die im Abschnitt 3.1 noch ausführlich eingegangen wird.

2.2.2   Physische Attraktivität

Eine große Anzahl von Aufsätzen und die Ergebnisse entsprechender Experimente gehen konform mit der Alltagserfahrung, daß sich physische Attraktivität generell positiv auf die zwischenmenschliche Anziehung auswirkt, und dies insbesondere bei der Partnerwahl.

       Walster, Aronson, Abrahams und Rottmann (1966) beispielsweise veranstalteten einen sogenannten „Computer“-Tanzabend für Studenten des ersten Semesters an der Universität von Minnesota, bei dem Paare angeblich aufgrund zuvor durchlaufener Persönlichkeits- und Intelligenztests per Computerauswahl zusammenkommen sollten. Tatsächlich erfolgte die Zusammenstellung der Paare zufällig. Beim Kartenkauf wurden die Studenten unbemerkt anhand ihrer Attraktivität eingestuft und während des Abends wurden sie nach ihrer Sympathie für den jeweiligen Tanzpartner bzw. die Tanzpartnerin befragt. Diese und der Wunsch nach weiteren Treffen ließen sich allein aufgrund der physischen Attraktivität vorhersagen. Je gutaussehender eine Person war, desto größer war auch die Sympathie, die ihr von dem jeweiligen Partner oder der Partnerin entgegengebracht wurde. Byrne, Ervin & Lamberth (1970) führten ebenfalls ein Feldexperiment durch. Aus einem Pool von 420 Studenten bildeten sie 44 Paare für ein Treffen, ein sogenanntes „computer dating“. Die Paare wurden hier tatsächlich auf der Basis minimaler oder maximaler Ähnlichkeit ihrer Antworten in Einstellungs- und Persönlichkeitsfragebögen zusammengestellt. Aber auch hier wurden sie anhand ihrer Attraktivität eingestuft und hinterher befragt, wie sympathisch sie den jeweils anderen empfunden hätten, wobei sich zeigte, daß physische Attraktivität und auch Ähnlichkeit entscheidend für den Wunsch nach weiteren Verabredungen waren (vgl. Stroebe, Insko, Thompson & Layton, 1971).

       „What is beautyful is good . . . “ [1], diese Aussage unterschreiben auch Dion, Berscheid und Walster (1972), deren Versuchsteilnehmer in einer Befragung attraktiven Personen mehr sozial erwünschte Eigenschaften zuschrieben als unattraktiven. Die Probanden vermuteten, daß die attraktiven Personen im Vergleich zu den unattraktiven bessere und angesehenere Berufe ausübten, daß sie die besseren Ehepartner seien und auch glücklichere Ehen führten.

„A person´s physical appearance, along with his sexual identity, is the personal characteristic that is most obvious and accessible to others in social interaction.“ Dion, Berscheid und Walster (1972, S. 285 )

2.2.3   Ähnlichkeit

Die Stimulus-Werthaltung-Rollen-Theorie der Partnerwahl, die im Abschnitt 2.3.2 genauer erläutert wird, besagt unter anderem, daß Personen dazu tendieren, sich Partner zu suchen, die ihnen im Ausmaß ihrer physischen Attraktivität entsprechen (Murstein, 1972).

            Klein (1991) bemerkt dazu ebenfalls, daß Partnerschaft eine gegenseitige Wahl voraussetzt (siehe Abschnitt 2.2.1), so daß schon der Konkurrenzkampf um möglichst attraktive Personen dazu führen muß, daß sich in diesen Merkmalen besonders ähnliche Partner wählen. Eine empirische Bestätigung dessen liefert White (1980), der die Übereinstimmung von Partnern bezüglich ihrer Attraktivität maß. Bei 123 Paaren errechnete er Korrelationen zwischen der Ausprägung der Attraktivität des einen mit der des anderen Partners von r = .18 bei Paaren, die sich nur gelegentlich trafen, von r = .56 bei Paaren, die fest zusammen waren, r = .37 bei zusammenlebenden und r = .63 bei verlobten bzw. verheirateten Paaren, wobei hohe Werte große, und niedrige Werte geringe Übereinstimmung in der Attraktivität bedeuten. In einer Follow-up-Erhebung nach neun Monaten korrelierten die später erhobenen Daten immer noch hoch mit den Ähnlichkeitswerten der physischen Attraktivität. D.h. je größer diese Ähnlichkeit war, desto stabiler war die Beziehung.  Umgekehrt waren unter jenen Paaren, die sich in der Zwischenzeit getrennt hatten, überzufällig häufig solche mit hoher Ähnlichkeitsdiskrepanz. Das bedeutet, daß Ähnlichkeit in der Attraktvität schon bei der Partnerwahl ein Prädiktor für die Entwicklung und Stabilität einer Beziehung sein kann (White, 1980).

       In der Fragebogenstudie von Kraft (1988, siehe Abschnitt 2.1), wurde in bezug auf Vorstellungen über Liebe von der überwiegenden Mehrheit zwar „Gleichheit“ favorisiert, allerdings unabhängig von dem beruflichen Status, der gesellschaftlichen Macht und der sozialen Rolle. Die Gleichheit sollte nicht im Sinne von Übereinstimmung oder Ähnlichkeit in den Lebensbezügen zu verstehen sein. Auch Ähnlichkeit der beruflichen, politischen und der Freizeitinteressen wurden bei der Partnerwahl als unwichtig erachtet. Demgegenüber steht eine Vielzahl empirischer Arbeiten, die auf den attraktionsfördernden Einfluß von Ähnlichkeit in bestimmten Merkmalen hinweisen, insbesondere die Übereinstimmung in Einstellungen und Werten. Byrne und Griffitt (1966) beispielsweise entdeckten schon bei Kindern das konsistente Resultat einer positiv linearen Funktion zwischen der wahrgenommenen Ähnlichkeit in den Einstellungen und der empfundenen Sympathie für eine fremde Person.

       Griffitt und Veitch (1974) ließen 13 männliche Freiwillige zehn Tage gemeinsam in einem Raum unter simulierten Atombunker-Bedingungen verbringen, um angeblich die spezifischen Trink- und Ernährungsbedürfnisse zu erforschen. Die verwendete Versuchsanordnung, das von Byrne und Mitarbeitern (vgl. Byrne, 1971) entwickelte Paradigma vom „anonymen Fremden“ („artificial stranger“), wurde auch in vielen anderen Experimenten verwendet. Hierbei hat der Proband längere Zeit vor dem eigentlichen Versuch einen Einstellungsfragebogen ausgefüllt, der Items enthält wie beispielsweise „I strongly belief that there is a God“ oder „I have a slight preference for the Democratic party“. Die Äußerungen des Teilnehmers nutzt der Versuchsleiter, um einen weiteren Fragebogen so zu manipulieren, daß die Antworten mit denen der Versuchsperson entweder exakt übereinstimmen oder das genaue Gegenteil aussagen. Diesen erhält diese dann am Versuchstag vorgelegt, mit dem Hinweis, er sei von einem anderen Versuchsteilnehmer ausgefüllt worden. Der Probanden soll jetzt die andere Person aufgrund der erhaltenen Informationen hinsichtlich verschiedener Kriterien wie z.B. Sympathie oder Attraktivität beurteilen.

       In einem ersten Test wurden 34 College-Studenten eines Psychologiekurses befragt, wobei die eine Hälfte der Versuchsteilnehmer („Similar Attitude group“) je einen 26-Item-Einstellungsfragebogen erhielt, dessen Antworten mit den eigenen übereinstimmten und die andere Hälfte („Dissimilar Attitude group“) eine Skala mit entgegengesetzten Anworten. Die Ergebnisse dieser Untersuchung und anderer Tests dieser Art bestätigen einen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen Einstellungsähnlichkeit und Anziehung. Personen mit ähnlichen Einstellungen und Werthaltungen, wie man sie selbst besitzt, werden mehr gemocht und als sympathischer empfunden, als solche, deren Einstellungen anders sind als die eigenen (Byrne, 1971; vgl. Byrne, Ervin & Lamberth, 1970; Stroebe, Insko, Thompson & Layton, 1971).

Die Übereinstimmungen in Partnerschaften sind jedoch nicht nur das Resultat von Entscheidungs- und Wahlprozessen, sondern auch Folge der im Abschnitt 2.2.1 bereits beschriebenen Faktoren wie Konkurrenzkampf und verschiedene Rahmenbedingungen wie räumliche Nähe, ähnliche Ausbildungen und Hobbys usw., welche dazu führen, daß häufiger solche Menschen zueinander finden, die in biologischen, soziologischen und sozio-ökonomischen Merkmalen übereinstimmen (vgl. Stroebe, 1987).

2.2.4   Situativer Kontext, Stimmung und Selfmonitoring

Der situative Kontext als allgemein die Attraktion beeinflussende Variable wurde neben anderen von Griffitt  (1970), Griffitt und Veitch (1971) untersucht. Als Versuchsanordnung diente auch hier das Paradigma des „anonymen Fremden“ (s.o.). Der situative Kontext wurde über die Temperatur und die Beengtheit (Griffitt, 1970; Griffitt & Veitch, 1971) oder über Gerüche im Labor (Rotton, Barry, Frey & Soler, 1978) verschieden unangenehm gestaltet. Bei diesen Experimenten fiel eine deutliche Beeinflussung der Attraktionsbeurteilung durch die äußeren Bedingungen auf. Je angenehmer die Situation, desto sympathischer wurde auch der anonyme Fremde eingeschätzt. Das galt auch umgekehrt: je unangenehmer die Situation, desto negativer wurde der Fremde beurteilt.

            In einer Studie von Dutton und Aron (1974) wurde der aversive Kontext in Form einer angsterregenden Situation untersucht. Der Unterschied zu den oben beschriebenen Versuchsanleitungen bestand darüber hinaus in der tatsächlichen Anwesenheit der zu beurteilenden Person (gemeinsam mit der Versuchsperson) im jeweiligen situativen Kontext. In unterschiedlich aufgebauten Testbedingungen wurden Probanden in angsterregenden Kontexten untersucht. Dabei handelte sich um 85 männliche Besucher, im Alter zwischen 18 und 35 Jahren, die unaufgefordert eine Brücke überquerten. In einer ersten Situation handelte es sich um Touristen, die entweder eine schmale, gefährlich schwankende Brücke[2] (Angst-Erregungs-Setting der Experimentalgruppe) oder eine neutrale Brücke (Kontrollgruppe) überquerten. Die jungen Männer wurden entweder von einer weiblichen attraktiven Interviewerin oder von einem männlichen Interviewer gebeten, einen Fragebogen auszufüllen, wobei die Interviewer nicht in die Untersuchungshypothesen eingeweiht waren. Als Ergebnis wurde festgehalten, daß der Kontakt (durch Essenseinladungen o.ä.) häufiger zu der attraktiven Interviewerin und häufiger von den Versuchsteilnehmern der angst-erregenden Situation gesucht wurde.

       In einer anderen Versuchsbedingung wurden - angeblich für ein Lernexperiment - Erregungssteigerung elektrische Schocks angekündigt. Bei den Instruktionen war eine attraktive, angeblich ebenfalls am Experiment teilnehmende Frau anwesend. Hier führte die Erwartung eigener Schocks zu einer höheren Attraktion der Frau, als wenn diese die Schocks erhalten sollte. Die Autoren schließen aus den in beiden Versuchsanordnungen aufgetretenen Reaktionen, daß die eigene Erregung generell die Attraktion einer anwesenden andersgeschlechtlichen Person erhöht (Dutton & Aron, 1974). Kenrick und Johnson (1979), die eine aversive Situation durch Lärm[3] schufen, belegen, daß die tatsächliche Anwesenheit der zu beurteilenden Person den entscheidenden Unterschied ausmacht. Der attraktionsfördernde Effekt negativer Kontextbedingungen scheint jedoch nur dann aufzutreten, wenn die Anwesenheit der anderen Person (beispielsweise als trostspendend empfunden) dazu führt, daß die Situation als weniger aversiv erlebt wird.

Aufbauend auf der Gefühlstheorie von Schachter (1964, zitiert nach Walster & Berscheid, 1971) argumentieren Walster und Berscheid (1971), daß es zum Erleben von leidenschaftlicher Liebe einer erhöhten physiologischen Erregung bedürfe. Außerdem müsse der situative Kontext eine Interpretation des Erregungszustandes als Liebe angemessen erscheinen lassen. Physiologische Symptome seien unspezifisch, daher könne es zu Fehlattributionen kommen, d.h., daß ein Erregungszustand, der von etwas anderem ausgelöst würde, fälschlicherweise auf eine anwesende Person zurückgeführt werden könne und - sofern diese Person andersgeschlechtlich und attraktiv sei - als leidenschaftliche Liebe fehlinterpretiert werden könne.

       In den beschriebenen Versuchen führte bei männlichen Versuchspersonen eine stärkere physiologische Erregung zur stärkeren Empfindung von Attraktion gegenüber der weiblichen Person. Diese experimentellen Ergebnisse konnten von weiteren Autoren wie beispielsweise von Allen, Kenrick, Linder und McCall (1989) sowie von Riordan und Tedeschi (1983) repliziert werden. Allerdings trat die Wirkung nicht nur bei Erregungssteigerung durch aversive Kontexte auf, sie ließ sich ebenso über affektiv neutrale oder positive Stimulation wie Laufen am Strand oder das Anhören lustiger oder trauriger Tonbandaufnahmen herbeiführen (White, Fishbein & Rutstein, 1981).

       Der situative Kontext kann die Stimmung einer Person heben oder auch beeinträchtigen. Die Stimmung wiederum kann die Sympathie für eine andere Person beeinflussen. Aus lerntheoretischen Überlegungen heraus fanden solche Verknüpfungen schon in den 60er und frühen 70er Jahren das Interesse der Forscher und Theoretiker, die entsprechende Modelle entwarfen. Solchen Theorien liegt die Annahme zugrunde, daß Sympathie gegenüber einer Person entweder als direkte Folge von als angenehm erlebter Verstärkung entsteht, die durch diese Person erfahren wird, oder aus der raum-zeitlichen Verbindung dieser Person mit einem angenehmen, bedürfnisbefriedigenden Zustand, ohne daß die Person in einem funktionalen Zusammenhang mit diesem Zustand steht. (Mikula & Egger, 1974, S. 132)

       In dem von Lott und Lott (1960) formulierten lerntheoretischen Modell der Entstehung interpersoneller Attraktivität steht die zweite Möglichkeit im Vordergrund. Eine Reihe von Experimenten wurde gestartet, in denen Kindern (z.B. Lott, Lott & Matthews, 1969) oder Studenten (z.B. Mikula & Egger, 1974) bei Spielen und Aufgaben Erfolg oder Mißerfolg vermittelt und die daraufhin entstehende Attraktion gegenüber neutralen Personen gemessen wurde. Erwartungskonform wurden Personen, die in einer Erfolgssituation anwesend waren, sympathischer beurteilt und bevorzugter als Partner für weitere Aktivitäten gewählt als Personen, die mit einer Mißerfolgssituation assoziiert wurden. Eine weitere Untersuchungsreihe nutzte das bereits beschriebene Paradigma des „anonymen Fremden“ (siehe Abschnitt 2.2.3). Dabei wurde der affektive Zustand der Probanden durch das Vorspielen lustiger und trauriger Filmausschnitte (Gouaux, 1971) oder unterschiedlich erfreulicher Radionachrichten (Veitch & Griffitt, 1976) variiert. Die Befunde stimmen mit den lerntheoretischen Ergebnissen überein: Der anonyme Fremde wurde umso positiver beurteilt, je angenehmer der affektive Zustand war und umso unsympathischer wahrgenommen, je negativer die Stimmung war.

       Aber nicht nur externe Bedingungen sind an solchen Prozessen beteiligt, selbstverständlich spielen vor allem auch Eigenschaften der Person eine entscheidende Rolle im Zusammenhang mit interpersonellen Orientierungen. In der sozialpsychologischen Forschung findet diesbezüglich das Persönlichkeitsmerkmal „Self-Monitoring“ besondere Beachtung, vor allem bei der Untersuchung von dessen Einfluß auf die Partnerwahl. Personen mit hohen Self-Monitoring-Werten neigen dazu, ihr Verhalten zu beobachten und zu kontrollieren. Sie orientieren sich an Hinweisen, die von außen kommen, achten mehr auf ihre Selbstdarstellung und modifizieren ihr Verhalten entsprechend der Angemessenheit der jeweiligen Situation (Snyder, 1974). Bierhoff und Grau (1999) gehen noch einen Schritt weiter und beschreiben hohe Self-Monitorer als Personen, die sich immer positiv darzustellen versuchen, die anderen je nach augenblicklicher Lage nach dem Mund reden und ihre Meinung chamäleonartig zu ändern scheinen, während Personen mit niedrigem Self-Monitoring sich eher ihren inneren Gefühlen und Überzeugungen entsprechend verhalten.

       Diese Persönlichkeitsunterschiede beeinflussten die Wahl von Partnern für Freizeitaktivitäten. Hohe Self-Monitorer wählten in einem Test bevorzugt Freunde, die gut zu den eigenen Aktivitäten paßten, während niedrige Self-Monitorer mehr auf eine hohe Übereinstimmung der Persönlichkeit des anderen mit der eigenen achteten (Snyder, Gangestad & Simpson, 1983). In einem weiteren Experiment zur Partnerwahl legten hohe Self-Monitorer häufiger den Schwerpunkt auf die physische Attraktivität des potentiellen Partners. Demgegenüber richteten niedrige Self-Monitorer ihre Aufmerksamkeit mehr auf die Persönlichkeit der Zielperson (z.B. Snyder, Berscheid & Glick, 1985). Hohen Self-Monitorern sei vor allem wichtig, daß der Partner „vorzeigbar“ ist (Bierhoff und Grau, 1999).

2.2.5   Geschlechtsunterschiede bei der Partnerwahl

Viele Forschungsergebnisse im Bereich Partnerschaft deuten auf bestehende Geschlechtsunterschiede hin. Reis, Nezlek und Wheeler (1980) und Reis, Wheeler, Spiegel und Kernis (1982) ließen männliche und weibliche Studenten über einen Zeitraum von mehreren Monaten anhand eines standardisierten Fragebogens Buch über ihre Interaktionen mit anderen Personen führen. Erstaunlicherweise wurde hier für Männer, nicht aber für Frauen ein signifikanter Zusammenhang zwischen ihrem Äußeren und der Häufigkeit von Kontakten mit dem anderen Geschlecht festgestellt. Außerdem traten attraktive Männer selbstbewußter auf und hatten weniger Angst vor Ablehnung in gegengeschlechtlichen Kontakten. Diese Effekte konnten bei attraktiven Frauen nicht festgestellt werden, was zu dem Schluß führen könnte, daß die Attraktivität der Männer eine größere Rolle in gegengeschlechtlichen Kontakten spielt als die der Frauen.

       Diverse Untersuchungen zu geschlechtstypischen Besonderheiten verweisen jedoch auf ein anderes Phänomen, wonach Männer bei ihren Partnerinnen mehr Wert auf deren physische Attraktivität legen und Frauen bei ihren Partnern mehr auf den sozialen Status achten und damit auf die Fähigkeit, eine Familie zu versorgen (Sieverding, 1988, Buss & Barnes 1986; Green, Buchanan & Heuer, 1984; Harrison & Saeed, 1977; Hejj, 1996, Knippel, 1996; Woll, 1986).           Buss und Barnes (1986) befragten 92 Ehepaare nach erwünschten Eigenschaften[4] eines Partners. Eine Messung der Geschlechtsunterschiede ergab dabei, daß Frauen im Vergleich zu Männern mehr Interesse auf die folgenden Merkmale richteten: Aufmerksamkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Freundlichkeit, Verständnis, Kinderliebe, von anderen gemocht werden, gutes Einkommen, ambitioniert und karriereorientiert sein, aus guter Familie stammen und Größe. Männer nannten dagegen häufiger die Attribute: physische Attraktivität, gutes Aussehen, gute Kochkünste und Bescheidenheit („frugal“). Auch die Analysen von Kontaktanzeigen bekräftigen diese unterschiedlichen Präferenzen. Harrison und Saeed (1977) sichteten 800 entsprechende Annoncen mit der Feststellung, daß Frauen häufiger als Männer Attraktivität boten und gleichzeitig finanzielle Sicherheit und jemanden, der älter war, suchten. Wohingegen Männer häufiger als Frauen Attraktivität suchten und finanzielle Sicherheit boten. Darüber hinaus gaben Männer häufiger vor, an einer Heirat interessiert zu sein, und suchten eher eine Frau, die jünger war. Buss und Barnes (1986) deren Ergebnisse ebenfalls in der beschriebenen Richtung ausfielen, resümieren: „Because these sex differences are robust across diverse samples, the intriguing question is why they exist.“ (Buss & Barnes, 1986, S. 569)

       Evolutionspsychologen wie z.B. Hejj (1996) verweisen als Erklärung für dieses Phänomen auf evolutionäre Adaptionen, die zur Herausbildung eines psychischen Mechanismus führten, der Männer dazu bewegen schien, Frauen mit hoher Fruchtbarkeit zu bevorzugen. Da die Fruchtbarkeit nicht unmittelbar sichtbar ist, waren optisch gut wahrnehmbare Merkmale relevant, die damit in enger Beziehung stehen. (Hejj, 1996). Buss und Barnes (1986) sind ebenfalls der Meinung, daß körperliche Merkmale wirksame Hinweise auf Alter und Gesundheit - und damit die reproduktive Fähigkeit - darstellen. Der reproduktive Wert der Männer wird demgegenüber mehr an ihrer Fähigkeit, Sicherheit und Schutz für Nachkommen bieten zu können, gemessen, und gute Vorraussetzungen dafür werden durch einen hohen sozialen Status geschaffen. (Buss & Barnes, 1986; Knippel, 1996).

       In einem anderen Projekt von Knippel (1996) deutete sich an, daß beide Geschlechter bei der Partnerwahl großes Augenmerk auf die Gesundheit des Partners legten. Wobei die Frauen hierbei mehr auf den gegenwärtigen Gesundheitszustand achteten, während den Männern Einstellungsfragen zur Gesundheit wichtiger erschienen. Der Ressourcenaustausch Status/Attraktivität schien auch hier aus der Sicht von beiden Geschlechtern ein akzeptables Kriterium für die Partnerwahl zu sein. Secord (1983) gibt zu Bedenken, daß diese geschlechtsbezogenen Präferenzen auch mit dem jeweiligen Verhältnis der Aufgabenverteilung in einer Gesellschaft zusammen hängen können. In ähnlicher Weise erklären Rubin, Peplau und Hill (1981) die Differenzen damit, daß Frauen sich häufiger in benachteiligten Statussituationen befinden und möglicherweise ihren Lebensstandard über die Partnerwahl entscheiden. Männer würden hingegen eher die Geliebte und Partnerin suchen. Buss (1989, zitiert nach Knippel, 1996) stellte Forschungen in 37 unterschiedlichen Kulturen an und hebt hervor, daß die Frauen die Verdienstkraft ihrer Partner als Auswahlkriterium deutlich wichtiger fanden als die Männer. Auch die Intelligenz des Partners und emotionales Engagement, als möglicher Prädiktor auf die Bereitschaft des Mannes, sich auf die Belastungen einer Vaterschaft einzulassen, seien sehr begehrte Eigenschaften in allen Kulturen gewesen.

       Die Beschreibung geschlechtstypischer Präferenzen sollte jedoch nicht den Eindruck entstehen lassen, daß Frauen das Äußere ihres Partners egal sei. Sowohl für Männer als auch für Frauen scheinen Alter und Attraktivität die wichtigsten Kriterien bei der Partnerwahl zu sein, und Green, Buchanan und Heuer (1984) sowie Woll (1986) betonen, daß generell Partner bevorzugt würden, die über attraktive Statusmerkmale verfügten.

       Weitere Geschlechtsunterschiede werden in der Studie von Kraft (1988), die bereits im Zusammenhang mit dem Begriff der Liebe (siehe Abschnitt 2.1) vorgestellt wurde, geschildert: Hier schienen die Männer bei der Partnerwahl weitaus geringere Maßstäbe anzulegen als die Frauen. Männer verließen sich zudem häufiger auf erotisch gefärbte Verliebtheitsgefühle. Wohingegen Frauen mehr die Wichtigkeit von Kriterien wie Verläßlichkeit, soziale Sicherheit und Übereinstimmung der beruflichen Pläne, politischer Ansichten und Freizeitinteressen betonten. Die Möglichkeit zu Selbständigkeit und freier Entfaltung in der Partnerschaft standen dabei im Mittelpunkt.

       Kraft (1988) sieht die Ursachen für diese Präferenzen ebenfalls in der beruflichen Stellung der Frau: „Die Selbständigkeit, freie Entfaltung und sozial abgesicherte Position, die ihr im Berufsleben verstellt wird, versucht sie in einer Partnerschaft durch die Wahl des ‚Richtigen‘ sicherzustellen.“ (Kraft, 1988, S. 254) Demgegenüber versuchen Männer in der Partnerschaft den Mangel an emotionaler Unterstützung und Sicherheit im Berufsleben auszugleichen, „ein Berufsleben, daß sie - auch sozialisationsbedingt - auf Leistung und Wettbewerb ausrichtet und wenig Raum für Gefühlsäußerungen läßt.“ (Kraft, 1988, S. 259) Auch Beziehungskonzepte sind bei Frauen anders als bei Männern.

       Frauen stellen sich eine Liebesbeziehung weit weniger abgeschlossen vor, sie tendieren zu einem offeneren Beziehungskonzept, das Egalität nach innen und Transparenz nach außen vorsieht. Junge Frauen nahmen Verliebtheit euphorischer wahr als junge Männer. Zugleich verknüpften sie Liebe noch mehr mit höheren Wünschen nach Sinngebung, Selbstfindung und allgemeiner Menschenliebe, worin wiederum die sozialisationsbedingt stärkere Bezogenheit von Frauen auf menschliche Beziehungen zum Ausdruck kommt. Männer verbanden mit einer Beziehung mehr die einseitige Verantwortungsübernahme für das materielle und personelle Wohlergehen.

2.3   Stufenmodelle

Bisher standen Faktoren und Bedingungen im Mittelpunkt, die die Attraktion eines potentiellen Partners positiv beeinflussen können und die weitere Verabredungen wahrscheinlich machen. Wie aber geht es nach den ersten Begegnungen weiter?

        

       Freiwillige Beziehungen zwischen Menschen haben dynamischen Charakter (Mikula, 1977; zitiert nach Hahlweg, 1986). Sie werden enger oder lockerer, intensiver oder oberflächlicher. Die Ursache dieser Dynamik liegt in der Tatsache, daß weder die situativen Bedingungen noch das Verhalten und die Bedürfnisse der Partner über einen längeren Zeitraum konstant bleiben. (Hahlweg, 1986) Welche Elemente sind es, die den weiteren Verlauf der jungen Beziehung beeinflussen? Gibt es Stufen oder Phasen, die für eine Partnerschaft generell typisch sind? Welche Stadien werden differenziert, und welche Bedürfnisse, Einstellungen, Werte oder andere Bedeutungsinhalte stehen jeweils im Vordergrund?

2.3.1   Die Filtertheorie

Eine sehr frühe Arbeit, die sich mit dem Prozeß der Partnerwahl befaßt, stammt von Kirckpatrick und Hobart (1954). Sie befaßt sich mit dem Einfluß der (vermuteten) Ähnlichkeit, der Rollenvorstellungen und der Empathie der Partner auf den Fortschritt junger Beziehungen. Diese wurden in vier Intimitätsstufen unterteilt: erste Verabredungen („favorite date“), feste Partnerschaft („going steady“), verlobt und verheiratet. Den Hypothesen der Autoren zufolge sollten Verheiratete die Fragen zu Rollenerwartungen in der Partnerschaft übereinstimmender beantworten als beispielsweise „favorite dates“ was sich durch höhere Korrelationen bei Paaren in fortgeschrittenen Intimitätsstadien gegenüber solchen, die sich noch im Anfangsstadium befanden, bestätigte. Kirckpatrick und Hobart (1954) vermuten Filterprozesse als Ursache, weil es besonders große Unterschiede zwischen den Paaren im Stadium erster Treffen und den festen Partnerschaften sowie zwischen den verlobten und den verheirateten Paaren gab. Die Filterwirkung wird insbesondere den Übergängen zugeschrieben, denn das Stadium erwies sich als aussagekräftiger für den Fortschritt der Partnerschaft als deren Dauer.

       Eine Langzeitstudie von Kerckhoff und Davis (1962) lieferte ebenfalls Hinweise auf filternde Faktoren beim Partnerwahlprozess. Sie befaßte sich mit der Auswirkung von Komplementarität der Bedürfnisse und Homogenität von Werten der Partner auf den Beziehungsfortschritt. 94 Studentenpaare, die eine Heirat planten, wurden eingeteilt in eine Gruppe von Paaren, die sich weniger als 18 Monate kannten, und in eine Gruppe mit mindestens seit 18 Monaten und länger bestehenden Partnerschaften. Die Stichprobe war bezüglich demographischer Daten wie z.B. Bildungsniveau und Berufskategorien sehr homogen. Im Abstand von 7 Monaten wurden die Paare zur Entwicklung ihrer Partnerschaft und über jeweils für sie relevante Werte und Bedürfnisse befragt. Dabei wurde deutlich, daß ein Beziehungsfortschritt generell mit einer hohen Übereinstimmung in Wertvorstellungen zusammenhing. Das galt jedoch nur für die Gruppe der Paare, die sich weniger als 18 Monate kannten. Interessanterweise hing dieser Fortschritt häufig mit Komplementarität zusammen, woraus Kerckhoff und Davis (1962) den Schluß ziehen, daß Wertkonsens und Bedürfnis-komplementarität zu verschiedenen Zeitpunkten einer Partnerschaft relevant sind. Vor allem der Einfluß der Bedürfniskomplementarität käme erst in späteren Phasen richtig zum Tragen, was damit zusammenhängen könne, daß bei den jüngeren Beziehungen noch ein idealisierter Partner eingeschätzt würde. Komplementarität könne jedoch erst bei realistischer Beurteilung des Partners zur Wirkung kommen.

Die postulierten „filternden Faktoren“ scheinen zu verschiedenen Zeitpunkten auf den Partnerwahlprozeß Einfluß zu nehmen. Zu Beginn wirken demographische Faktoren, später stehen Wertkonsens und Bedürfniskomplementarität der Partner im Vordergrund.

2.3.2   Die Stimulus-Werthaltung-Rollen-Theorie

Die bereits im Zusammenhang mit  Ähnlichkeit im Abschnitt 2.2.3 erwähnte Stimulus-Werthaltung-Rollen-Theorie, auch SVR-Theorie (Stimulus-Value comparison-Role theorie) genannt, ist von Murstein (1970, 1976, 1986) im Zusammenhang mit dem Partnerwahlprozeß entwickelt worden. Drei Phasen werden diesem Prozeß zugeordnet, welche aber nicht in demselben Tempo durchlaufen werden, so daß sich die Partner nicht zur gleichen Zeit in derselben Phase befinden müssen. Durch folgende Inhalte unterscheiden sich die einzelnen Stadien voneinander:

·     In der Stimulusphase, die Murstein (1970) „stimulus stage“ nennt, erfolgt die erste aktive Auswahl einer anderen Person. Hierbei geht der Autor von austauschtheoretischen Überlegungen aus, d.h., daß bei den ersten Werbungsversuchen die Belohnungen und Kosten gegeneinander abgewogen werden und darauf geachtet wird, daß die Belohnungen die Kosten überwiegen. Als Kosten werden beispielsweise die Risiken einer Ablehnung und als Belohnung die physische Attraktivität oder eine gute Ausbildung des potentiellen Partners betrachtet. Wie bereits im Abschnit 2.2.3 beschrieben, tendieren laut Murstein (1972) Personen dazu, sich in ihrer physischen Attraktivität ähnliche Partner zu suchen, wobei der „Stimuluswert“ der Person, d.h. der Eindruck, den sie auf den Beobachter macht, entscheidend ist. Der Stimuluswert kann durch Informationen, die man über die jeweilige Person erhält, noch weiter beeinflußt werden. Berscheid und Walster (1974) sind der Meinung, daß hierbei jedoch die physische Attraktivität der Zielperson ausschlaggebend sei.

·     In der zweiten Phase, der Phase des Wertevergleichs („value stage“), die zwischen der ersten und siebten Begegnung beginnt, prüfen die Partner, ob ihre Wertvorstellungen zusammenpassen. In Gesprächen, deren Inhalte noch auf allgemeine Themen wie Politik, Interessen, Hobbies oder Religion begrenzt sind, werden solche Einstellungen, Werte und Normen, jedoch noch wenige intime Vertraulichkeiten ausgetauscht.

·     Die dritte, die Rollenphase („role stage“), stellt für Murstein die entscheidende Stufe bei der endgültigen Partnerwahl dar. In dieser Phase wird geprüft, ob der andere die eigenen Rollenerwartungen erfüllt, z.B. die eines Freundes oder Liebhabers. Hier treten verstärkt Probleme auf, da diese Prüfung im vorehelichen Stadium nur begrenzt möglich ist. Die Erwartungen, die ein Partner von der Rolle des anderen hat, werden mit dessen Verhaltensweisen verglichen (Murstein, 1986). In dieser Phase werden langfristige Perspektiven für die Partnerschaft entwickelt.

       Die SVR-Theorie wurde empirisch in einem ersten Projekt an 99 Paaren geprüft, die 20-21 Jahre alt waren (Murstein, 1976). In einer weiteren Erhebung wurden College-Studenten befragt, die aus der Mittel- oder oberen Mittelschicht stammten und noch nicht verheiratet waren. Die Paare kannten sich im Durchschnitt etwas weniger als zwei Jahre, hatten aber eine feste Beziehung miteinander oder planten zu heiraten. Neben anderen Meßinstrumenten wurden Fragebögen eingesetzt, die Einstellungen zur Ehe und zur Rollenverteilung in der Ehe, den Wunsch zu heiraten, die Stärke des Sexualbedürfnisses, die Länge der Partnerschaft, Vertrauen in den Erfolg ihrer Partnerschaft und demographische Variablen erfaßten. Die Partner wurden außerdem fotografiert, um ihre Attraktivität einschätzen zu können. Nach sechs Monaten wurden die Paare über den Fortschritt bzw. den Zustand ihrer Partnerschaft befragt. In Übereinstimmung mit dem Modell, stellte sich physische Attraktivität auch in den empirischen Untersuchungen vor allem zum Zeitpunkt der ersten Begegnung als wichtig heraus. Der Wertkonsens war ebenfalls, wie erwartet, in einer früheren Phase der Beziehung mehr von Bedeutung als in einer späteren. Allerdings sind die Ergebnisse hierzu nicht eindeutig. Die Rollenanpassung war für Paare in einem späteren Stadium, nachdem sie sich 18 Monate oder länger kannten, wichtiger als für Paare im Anfangsstadium. Darüber hinaus liegen jedoch nur wenige bestätigende Untersuchungsergebnisse vor, so daß der empirische Status der Theorie bislang noch als ungewiß eingestuft werden muß (Klein, 1991).

2.3.3   Das Modell der vorehelichen Dyadenbildung

Beim Modell der vorehelichen Dyadenbildung legt Lewis (1973) sechs Stufen des Partnerwahlprozesses zugrunde. Wie bei Murstein (1970, 1976, 1986) haben auch hier die Faktoren des ersten Eindrucks, des Wertevergleichs und der Rollenanpassung eine wichtige Funktion für die Entstehung einer engeren Beziehung. Bei Lewis beinhaltet zusätzlich jede Stufe Anforderungen an den Partner, deren erfolgreiche Bewältigung jeweils Voraussetzung für die Erreichung der nachfolgenden Stufe darstellt.

1.    Die potentiellen Partner müssen zunächst einmal Ähnlichkeiten in Werten, Interessen, Persönlichkeitsmerkmalen und im soziokulturellen Hintergrund feststellen.

2.    Erst dann kommt es auf einer zweiten Stufe zu einer Beziehung, die durch Zufriedenheit mit der Gemeinsamkeit, durch Leichtigkeit der Kommunikation, positive Bewertungen und Selbstbestätigung gekennzeichnet ist. 

3.    Hierauf folgen Prozesse der gegenseitigen Selbstöffnung.

4.    Die Abstimmung der Interaktion zwischen den Partnern und das Rollenübereinkommen treten in den Mittelpunkt.

5.    Die gegenseitige Rollenanpassung schreitet fort.

6.    Die letzten drei Phasen sind durch zunehmende Intimität und Enge der Beziehung gekennzeichnet. Die Dyade „kristallisiert“ sich.

Jäckel (1980) bemerkt, daß alle Untersuchungen im Zusammenhang mit Stufenmodellen eine Besonderheit hervorheben, nämlich, daß, unabhängig davon, ob die Stufen nach formalen (Kirckpatrick & Hobart; 1954), zeitlichen (Kerckhoff & Davis, 1962; Murstein, 1970) oder inhaltlichen Kriterien (Lewis, 1973) unterschieden werden, sich andere Konstellationen der Partnerwahrnehmung und des Verhaltens für die weitere Entwicklung als günstig erweisen. Das bedeutet, daß jede Phase ihre eigenen Aufgaben beinhaltet. Sie faßt die Erkenntnisse mehrerer Studien wie folgt zusammen:

Paare, gleichgültig, auf welcher Intimitätsstufe sie sich befinden, haben große Ähnlichkeit in sozialen Merkmalen. Das unterstützt die Annahme von Kerckhoff/Davis und Murstein, daß Ähnlichkeit in sozialen Merkmalen auf einer sehr frühen Stufe des Partnerwahlprozesses von Bedeutung ist und als äußerst wirksamer Filter anzusehen ist. Deshalb erscheint es nicht zweckmäßig, nach generellen Faktoren der Partnerwahl zu suchen, sondern es ist sinnvoller, die Faktoren, die für den Fortschritt im Partnerwahlprozeß als verantwortlich anzusehen sind, jeweils auf ein bestimmtes Stadium zu beziehen. (Jäckel, 1980, S. 55)

Die Inhalte der beschriebenen Modelle integriert Jäckel (1980) in einen Annäherungsprozeß zwischen den Partnern, der in drei Stufen vom ersten Kennenlernen bis zur festen Bindung verläuft:

1.    Aus dem Feld der prinzipiell möglichen Partner werden erste Kontakte geknüpft. Hierbei ist entscheidend, ob die „sichtbaren Merkmale“ der anderen Person eine Gesellung wünschenswert erscheinen lassen. Die Attraktivität, insbesondere die Ähnlichkeit in äußeren und sozialen Merkmalen, aber auch kulturell geprägte Erwartungen spielen auf dieser Stufe eine große Rolle.

2.  Die Stufe „der ersten Paarbeziehungen“ beinhaltet die angenommene Ähnlichkeit in Eigenschaften, Einstellungen und Interessen. Hier kann es zu einer Idealisierung des Partners und einer  „verklärten“  Betrachtung der Beziehung kommen, die - begleitet von dem Gefühl, „zusammenzupassen“ - zum Empfinden romantischer Liebe führen kann

3.   Auf der dritten Stufe vollziehen sich dann die vorehelichen Sozialisationsprozesse, das    gegenseitige Kennenlernen und Abstimmen der Vorstellungen über die Ehe und der Erwartungen an das Verhalten des Partners. Als entscheidende Kriterien für das erfolgreiche Durchlaufen dieser Phase werden Kommunikationsfähigkeit, Empathie, Rollenanpassung und die Prüfung, inwieweit der Partner die Befriedigung der eigenen Bedürfnisse garantiert, angesehen.

Jäckel (1980) formuliert zusammenfassend, daß es wichtig wäre, die durchschnittlichen Zeiträume der einzelnen Stufen, insbesondere der dritten, zu erforschen. Möglicherweise machen die Charakteristika der zweiten Stufe eine schnelle Heirat wahrscheinlich. „Die Konsequenz davon wäre, daß der Angleichungsprozeß der Rollenvorstellungen in vollem Umfang während der ersten Ehejahre absolviert werden muß, wobei ein Mißlingen nicht mehr als Filter der Partnerwahl wirkt, sondern ‚Ehemißerfolg‘ bedeutet.“ (Jäckel, 1980, S.57)

       Klein (1991) gibt einen umfassenden Überblick über Stufenmodelle der Partnerwahl und stellt die verschiedenen Konzepte in einer zusammenfassenden Tabelle vor:

Tabelle 5:  Phasen der Partnerwahl, wie sie in Stufenmodellen häufig zugrunde gelegt werden. (Klein, 1991)

Phase

Beispielkonzepte

Gegenseitige Anziehung

Stimuluswert (Murstein, 1976)

Physische Attraktivität (Dion, Berscheid & Walster, 1972)

Belohnungswert (Lott & Lott, 1974)

Kennenlernen (Jäckel, 1980)

Rapport (Reiss, 1960)

 

Wachsende

Familiarität

Selbstenthüllung (Jourad, 1971; Derlega, 1984; Duck, 1988)

Social penetration (Altmann & Taylor, 1973)

Erste Paarbeziehungen (Jäckel, 1980)

Selbstoffenbarung (Reiss, 1960)

Interaktion

Austausch (Huston & Burgess, 1979, Scanzoni, 1979)

Interaktion (Waller, 1938)

Gefestigte Paarbeziehungen (Jäckel, 1980)

Gegenseitige Abhängigkeit (Reiss, 1960)

Anmerkung. Die Autoren werden zitiert nach Klein (1991).

Die Annahmen über die erwarteten Auswirkungen von Ähnlichkeit, Komplementarität und den sequentiellen Verlauf scheinen nur begrenzt von empirischen Ergebnissen gestützt zu werden (Klein, 1991). Außerdem sei es nach wie vor ungeklärt, welche Faktoren in den in Tabelle 4 unterschiedenen Phasen im einzelnen wirksam werden. Möglicherweise verändert sich zwischen den Phasen die Konfiguration der zentralen Faktoren dadurch, daß beispielsweise mehrere Merkmale in einer Phase eine entscheidende Rolle spielen. Vorstellbar wäre es auch, daß von Phase zu Phase immer mehr Faktoren für das Fortbestehen der Beziehung bedeutsam würden. Dennoch erscheine es nicht unplausibel, daß der Prozeß der Partnerwahl eine gewisse phasenweise Strukturierung aufweise aufgrund dessen sollten Filtertheorien im Zusammenhang mit Partnerwahlprozessen auch weiterhin diskutiert werden (Klein, 1991).

3.    Beziehungszufriedenheit und Stabilität von Paarbeziehungen

Eine Partnerschaft hat auf die physische und psychische Gesundheit einen beträchtilchen Einfluß. Personen, die in einer Partnerschaft leben, weisen eine bessere Gesundheit auf, rauchen weniger, haben weniger Gewichtsprobleme, üben mehr präventive Gesundheitskontrollen aus, betätigen sich körperlich stärker, verbringen insgesamt weniger Tage in einem Krankenhaus und haben ein geringeres Mortalitäts[5]- und Suizidrisiko als ledige oder geschiedene Personen (z.B. Hu & Goldman, 1990; National Council on Family Relations, 1993; zitiert nach Bodenmann, 1997). Wenn es auch in diesen Untersuchungen um verheiratete Personen ging, so belegen weitere Studien, daß es dabei nicht auf den verheirateten Zivilstand sondern auf die soziale Beziehung bzw. die Qualität der Partnerschaft ankommt (Bodenmann, 1997). 

       Die meisten Ehen werden einerseits zwischen dem 3. und 5. Ehejahr und andererseits nach rund 19 Ehejahren geschieden (Braun, 1989; Duss von Werdt & Fuchs, 1980; U.S. National Center for Health Statistics, 1991, zitiert nach Bodenmann, 1995). Diese bimodale Kurve wird laut Heil (1991) ebenfalls in bezug auf die Partnerschaftszufriedenheit berichtet. Die erste Scheidungsspitze nach drei Jahren stimmt mit den Ergebnissen einer Longitudinalstudie von Markman, Duncan, Storaasli und Howes (1987, zitiert nach Heil, 1991) überein, wonach die Partnerschaftszufriedenheit in den ersten drei Ehejahren linear abnimmt. Dieser Zusammenhang läßt darauf schließen, daß Partnerschaftszufriedenheit einen wichtigen Prädiktor für Qualität und Stabilität einer Beziehung darstellt.

       Seit Ende der siebziger Jahre läßt sich eine Zunahme von Untersuchungen zur Dynamik und Entwicklung länger andauernder Beziehungen feststellen. Dabei werden verschiedene Besonderheiten der jeweiligen Partnerschaft sowie Merkmale von Individuen mit dem Glück und der Zufriedenheit in einer Paarbeziehung verglichen. Nachfolgend werden verschiedene Forschungsansätze in diesem Zusammenhang vorgestellt.

3.1    Bindungsstile

3.1.1    Bindungstheorie (attachment theorie)

Menschen haben ein grundsätzliches Bedürfnis, sich an eine andere Person zu binden und diese Bindung aufrechtzuerhalten. Die verschiedenen Ausprägungen und Formen einer solchen Bindung, eventuelle Störungen und deren Ursachen werden in diesem Abschnitt besprochen. Es soll verdeutlicht werden, daß Bindungsstile - bereits im Kleinkindalter erworben - relativ stabil bleiben und einen wichtigen Beitrag zum Verständnis erwachsener Paarbeziehungen leisten.

       Die Bindungstheorie („attachment theory“) wurde von Bowlby (1969, 1973, 1980) auf dem Hintergrund von empirisch und biologisch modifizierten psychoanalytischen Konzepten entwickelt. Ihr zufolge besitzen Individuen eine stabile Neigung, die Nähe und den Kontakt einer oder mehrerer spezifischer Personen zu suchen und aufrechtzuerhalten, die dem Betreffenden subjektiv ein Gefühl von physiologischer und/oder psychologischer Sicherheit vermitteln. Bowlby geht davon aus, daß das Vorhandensein einer Bindung genauso wie Essen, Trinken und Schlafen zu den primären menschlichen Bedürfnissen zu zählen ist. Ein zentraler Begriff bei Bowlby ist das Bindungsverhalten, das aus bestimmten programmierten Verhaltenssequenzen wie z.B. Suchen, Rufen, Anklammern, Nachfolgen, Protest bei Trennung und anderen Äußerungen besteht. Diese Signale sollen die Nähe zur schützenden Person sichern und von Erwachsenen verstanden und beantwortet werden (Bowlby, 1969).

Individuen unterscheiden sich in ihrem Bindungsverhalten. Die Erforschung dieser Unterschiede erfolgt bei kleinen Kindern experimentell durch den von Ainsworth, Blehar, Waters und Wall (1978) entwickelten „Fremde Situation Test“, bei dem das Verhalten des Kleinkindes in acht aufeinanderfolgenden Episoden in einem durch Einwegscheiben beobachtbaren Raum registriert wird. In Tabelle 6 werden die einzelnen Phasen eines solchen Tests beschrieben.

Tabelle 6: Fremde Situation Test nach Ainsworth et al.(1978)

Episode

Ereignisfolge

anwesende Personen

1

2

3

4

5

6

7

8

Mutter und Kind betreten den Raum, Mutter setzt Kind auf den Boden

Mutter und Kind sind allein. Mutter liest, Kind kann Umgebung erkunden

Fremde Person tritt ein, nimmt Kontakt mit Mutter und Kind auf.

Mutter verläßt den Raum, Fremde beschäftigt sich mit Kind, tröstet es, wenn notwendig

Mutter kommt zurück, Fremde geht, Mutter und Kind sind allein

Mutter verläßt den Raum, läßt Kind allein zurück

Fremde Person tritt ein, versucht Kind zu trösten

Mutter kommt zurück, Fremde verläßt den Raum

Kind, Mutter

Kind, Mutter

Kind, Mutter,

Fremde

Kind, Fremde

Kind, Mutter

Kind

Kind, Fremde

Kind, Mutter

Für die Auswertung sind vor allem die Episoden 5 und 8 relevant, die Rückschlüsse auf die Qualität der Bindung zwischen Kind und Bezugsperson zulassen.         Ainsworth et al. (1978) beschreiben drei Bindungsstile, die sich im „Fremde Situation Test“ identifizieren lassen:

„sicherer Bindungsstil“: Kinder mit sicherem Bindungsstil zeigten Streß in der Trennungssituation, ließen sich jedoch schnell durch die Mutter trösten und nahmen wieder Kontakt zu ihr auf. Die Mutter war  hier  die  Sicherheitsbasis.  Dieser  Bindungsstil  traf  auf 66 % der getesteten Kinder zu.

„unsicher-vermeidender Bindungsstil“: Die Interaktion dieser Kinder war wenig emotional. Blick- und Körperkontakte wurden weitgehend vermieden. Bei der Trennung gab es keine äußeren Anzeichen für Streß oder Trauer, und bei der Rückkehr der Mutter wurde kein Kontakt zu ihr aufgenommen. Nach Sroufe und Waters (1977) erlebten diese Kinder dennoch Streß, was sich an einer beschleunigten Herzrate messen ließ. 22 % der Kinder ließen sich dieser Gruppe zuordnen.

„ängstlich-ambivalenter Bindungsstil“: Diese Kinder zeigten, genau wie die mit sicherem Bindungsstil, Trauer bei der Trennung. Im Unterschied zu der zweiten Gruppe fiel hier jedoch eine Gefühlsambivalenz bei der Rückkehr der Mutter auf. Sie suchten die Nähe zu ihr, sträubten sich aber gleichzeitig gegen den Kontakt und zeigten Wut und Ärger. Dieses Bindungsverhalten wurde bei 12 % der Kinder beobachtet.

       Main, Kaplan und Cassidy (1985) und Fremmer-Bombik (1978) fanden noch einen vierten Bindungsstil, den sie „unsicher-desorganisiert/desorientiert“ nennen. Die entsprechenden Kinder zeigten bizarre Verhaltensweisen wie z.B. intensive Vermeidung nach intensiver Kontaktaufnahme, Annäherung mit abgewendetem Kopf und im Ansatz abgebrochene Bewegungen. Bei Befragung der Eltern dieser Kinder wurden gehäuft eigene Mißhandlungen oder schmerzhafte Verluste in der Kindheit erinnert. Die Eltern hatten die eigene Unsicherheit an ihre Kinder weitergegeben.

Nach Bowlby (1979) werden die kindlichen Beziehungserfahrungen zu Bestandteilen der erwachsenen Persönlichkeit. Sie werden zu inneren Arbeitsmodellen („inner working models“), die sich auf das spätere Beziehungsverhalten auswirken. Bowlby (1979/1982) spricht in diesem Zusammenhang von einer „Wiederholungsneigung“, d.h. daß Menschen dazu tendieren, ihre inneren Bindungsschemata in der Beziehung zu ihren Kindern und auch in Partnerschaften zu reinszenieren. „Inner working models“ neigen zwar dazu, stabil zu bleiben, dennoch sind sie auch später noch veränderbar. So kann die Bindungssicherheit beispielsweise durch eine zusätzliche Bezugsperson, durch gelungene Psychotherapie oder durch positive Partnerschaftserfahrungen zunehmen (Feeny & Noller, 1991).

 

3.1.2   Bindungsstile und Paarbeziehungen

Bindungsstile und ihre Auswirkungen auf aktuelle Partnerschaften sind das Thema neuerer Studien (z.B. Grau, 1994, Grau, 1997; Hazan und Shaver, 1987). Hazan und Shaver (1987) entwickelten aus den Bindungsstilen von Ainsworth et al. (1978) eine Meßmethode für erwachsene Paarbeziehungen (siehe Abbildung 2). In einer dreiteiligen Klassifizierung ordnen sich die Probanden selbst zu. Für jede Zeile wird ein Prozentwert eingetragen, so daß die Summe 100 % ergibt. Die erste Feststellung wird von „sicheren“, die zweite von „vermeidenden“ und die dritte von „ängstlich-ambivalenten“ Personen mit den jeweils höchsten Prozentwerten versehen. Bei 620 befragten Personen im Alter von 14-82 Jahren ergab sich eine Zuordnung von 56 % der Befragten zum sicheren, 25 % zum vermeidenden und von 19 % zum ängstlich-ambivalenten Bindungsstil. Diese Aufteilung entspricht ziemlich genau der von Ainsworth et al. (1978) bei Kindern festgestellten (s.o.).

Abbildung 2: Beziehungstypen nach Hazan und Shaver (1987)

Ich finde es relativ leicht, anderen nahe zu sein. Ich mag es, wenn ich mich

von anderen abhängig machen kann und sie sich von mir. Ich mache

mir keine Sorgen darüber, von anderen verlassen zu werden oder daß mir

andere zu nahe kommen.                                                                                       -----------  %

Ich fühle mich irgendwie unwohl, wenn ich anderen nahe bin. Ich finde es

schwierig, anderen vollkommen zu vertrauen und es mir zu erlauben, mich

von ihnen abhängig zu machen. Ich werde nervös, wenn mir jemand zu

nahe kommt, und oft wollen Partner/innen intimere Beziehungen mit mir,

als es mir lieb ist.                                                                                                  -----------  %

Ich finde, daß andere zögern, mir so nahe zu kommen, wie ich es möchte.

Ich mache mir oft Sorgen, daß mein Partner mich nicht wirklich liebt oder

nicht bei mir bleiben will. Ich möchte mit einer anderen Person vollkommen

verschmelzen, und dieser Wunsch verscheucht Leute manchmal.                       -----------  %

                                                                                             Summe =                       100 %                                     

Anmerkung. Die Versuchsteilnehmer tragen die Zustimmung zum jeweiligen Textabschnitt als Prozentwert ein, so daß die Summe 100 %  ergibt.

Grau (1994) entwickelte aufgrund der Bindungstheorie ein Inventar zur Erfassung von Bindungsstilen in Paarbeziehungen und nutzte es für die Befragung von 519 Frauen und Männern. Hier - wie auch in anderen Studien (z.B. Kirkpatrick & Davis, 1994) - fiel auf, daß sich sichere Personen häufig mit sicheren und unsichere überwiegend mit ebenfalls unsicheren Personen als Paar zusammenfinden. Die Bindungstheorie liefert eine theoretische Erklärung dafür, da zwischen sicheren, ängstlich-ambivalenten, gleichgültig-vermeidenden und ängstlich-vermeidenden Personen unterschieden wird. Bei sicheren Paaren besteht Ähnlichkeit (im Bindungsstil), wie sie in sozialpsychologischen Untersuchungen häufig gefunden wird, bei unsicheren besteht Komplementarität, wie in der klinischen Praxis oft beobachtet wird, und zwar in dem Sinne, daß ängstlich-ambivalente und gleichgültig-vermeidende Personen häufig ein Paar bilden. Die letzte Konstellation macht das Auftreten von Nähe-Distanz-Konflikten wahrscheinlich, da der vermeidende Partner sich zurückweisend verhält und der ängstliche Partner sich regelmäßig zurückgewiesen fühlt (Grau, 1997).

       Charakteristisch für Bindungsunsicherheit sind die Angst vor dem Verlassenwerden und das Vermeiden emotionaler Nähe in Beziehungen (Grau, 1994). In ihren Bindungsstilen ähnliche Personen ziehen sich gegenseitig an, wobei die Bindungsstile unter dem Einfluß der Beziehungsdynamik noch modifiziert werden. Zwei sicher gebundene Personen setzen ihr Beziehungsverhalten adäquat ein, sie suchen Nähe und fühlen sich von ihrem Partner angenommen und geliebt (Bierhoff & Grau, 1999). Erklärungen für das Zusammenfinden zweier unsicherer Bindungstypen finden sich z.B. in tiefenpsychologischen Ansätzen. Willi (1975) ist der Ansicht, daß Paare ihre Störungen häufig in komplementärer Weise ausleben: Anfangs übt die Andersartigkeit eines potentiellen Partners noch eine gewisse Faszination insofern aus, als die andere Person Eigenschaften besitzt, die man selber gern hätte (Thomann und Schulz von Thun, 1995). Damit ließe sich beispielsweise die Kombination ambivalenter und vermeidender Individuen interpretieren: Die ambivalente Person wird von der vermeidenden angezogen, weil sie von deren Unabhängigkeit und Selbständigkeit beeindruckt ist und umgekehrt spürt die vermeidende, daß die ambivalente im Gegensatz zu ihr die Fähigkeit zu liebevollem Nahkontakt besitzt. Aus der anfänglichen Faszination kann dann später ein „Teufelskreis“ entstehen, je mehr der Nähesuchende den Distanzierten bedrängt, desto mehr zieht sich dieser zurück und desto mehr wird dieser wieder bedrängt (Thomann & Schulz von Thun, 1995). Auch Willi (1975) weist darauf hin, daß sich in schwierigen Beziehungen die Unterschiede zu vergrößern scheinen und die Beteiligten sich voneinander „wegpolarisieren“.

3.1.3   Bindungsstile und Beziehungsqualität

Angesichts dieser Problematik liegt es auf der Hand, daß die sicheren Beziehungen auch die glücklicheren sind. In der Tat haben Untersuchungen zum Zusammenhang von Bindungsstilen und Beziehungsqualität (z.B. Hazan & Shaver, 1987; Levy & Davis, 1988) ein einheitliches Resultat: Die Partnerschaftszufriedenheit von sicheren Paaren ist höher als von unsicheren. Die sicher gebundenen Paare führen stabilere und längerdauernde Beziehungen.

       Einer Arbeit von Hazan und Shaver (1987) zufolge sind die sicheren Paare durchschnittlich zehn Jahre zusammen, die unsicheren dagegen nur fünf Jahre. Von den sicheren Personen waren nur 6 % geschieden, wohingegen 10 % der ängstlich-ambivalenten und 12 % der vermeidenden Personen eine Scheidung hinter sich hatten. Sichere waren eher bereit, die Beziehung über lange Zeit aufrechtzuerhalten und engagierten sich mehr für die Partnerschaft. Sie empfanden den Partner als zärtlicher und berichteten häufiger von guter Kommunikation, während sich die Unsicheren, besonders die Ängstlich-ambivalenten, mehr mit ihrem Partner stritten und sich wahrscheinlicher im Laufe des nächsten Jahres trennten (Bierhoff et al., 1993a, zitiert nach Bierhoff & Grau, 1999)

            Kirkpatrick und Davis (1994) untersuchten die drei Bindungsstile sicher, ängstlich-ambivalent und vermeidend im Zusammenhang mit der Stabilität einer Beziehung zu zwei Zeitpunkten (12-14 bzw. 30-36 Monate nach der Erstbefragung) und bestätigten die Annahme, daß Beziehungen mit zwei sicheren Partnern am stabilsten und am glücklichsten sind. Bei den unsicheren Paaren waren drei Zusammenhänge auffällig:

1.        Eine Trennung war bei der Kombination vermeidende Frau/ängstlicher Mann am wahrscheinlichsten.

2.        Überzufällig häufig waren vermeidende Männer mit ängstlichen Frauen zusammen und erstaunlicherweise wiesen deren Beziehungen eine hohe Stabilität auf

3.        Der zweite Befund, ist besonders auffällig, da gerade bei dieser Konstellation (vermeidender Mann/ängstliche Frau) die Unzufriedenheit am größten war.

Das Paradoxon der überzufälligen Häufigkeit und Stabilität ausgerechnet der unglücklichsten Beziehungen erklären Bierhoff und Grau (1999) mit zwei Möglichkeiten: Zum einen ist das vermeidende Verhalten des Mannes und das ängstliche Anklammern der Frau gut mit der traditionellen Geschlechterrollenverteilung vereinbar, zum anderen gehen Trennungen meist von Frauen aus, wie Statistiken beweisen, und es ist anzunehmen, daß sich vermeidende Frauen eher trennen als ängstliche. Dies könnte auch die hohe Instabilität der Konstellation vermeidende Frau/ängstlicher Mann erklären. Ängstliche Frauen erleben mit vermeidenden Männern ein hohes Maß an Leidenschaft, sie fühlen sich herausgefordert, den abweisenden Stil ihrer Männer zu durchbrechen. Die sexuelle Zufriedenheit ist bei diesen Paaren sehr viel höher als beispielsweise bei der Kombination vermeidende Frau/ängstlicher Mann, was ebenfalls die Stabilität einer Beziehung fördern kann.

Weitere Korrelationen zwischen Bindungsstilen und Beziehungsqualität finden sich in der nach Bierhoff und Grau (1999) zitierten Übersicht, bei der zusätzlich der von Bartholomew (1990) entwickelte vierte Bindungsstil[6] berücksichtigt wird:

Sicherere Personen bezeichnen sich

·     als glücklicher und zufriedener als unsichere,

·     sie fühlen sich stärker an ihren Partner gebunden und umsorgen den Partner mehr,

       ·     sie haben konstruktive Möglichkeiten der Konfliktlösung zur Verfügung (Pistole, 1989),

·     sind bindungsbereit,

·     investieren viel in ihre Partnerschaft,

·     sind zärtlich,

·     haben eine positive Kommunikation und wenig verletzende Streitereien (Bierhoff, Grau

       & Ludwig, 1993a).

Ängstlich-ambivalente Personen

·     beschäftigen sich ständig mit der Partnerschaft,

·     suchen extreme Nähe und verlieben sich oft auf den ersten Blick,

·     erleben ein Durcheinander von Gefühlen,

·     sind besonders eifersüchtig und klammernd (Bierhoff, Grau & Ludwig, 1993a; Hazan &

       Shaver, 1987),

·     idealisieren den Partner und sind von ihm abhängig (Feeny & Noller, 1990),

·     haben sehr wenig Vertrauen in den Partner (Simpson, 1990).

Gleichgültig-vermeidende Personen

·     akzeptieren den Partner oft nicht so, wie er ist (Hazan & Shaver, 1987),

·     legen Wert darauf, sich selbst zu genügen (Bierhoff et al., 1993a),

·     sind wenig bindungsbereit.

Ängstlich-vermeidende Personen

·     sind besonders frustriert

·     und ambivalent, weil sie sich über ihre Gefühle in der Partnerschaft im unklaren sind,

·     außerdem haben sie besonders wenig Vertrauen (Bierhoff et al., 1993a).

3.2   Theorien des sozialen Austauschs

Im Zusammenhang mit Beziehungszufriedenheit werden immer auch Theorien des sozialen Austauschs diskutiert. Sie befassen sich allgemein mit der Aufrechterhaltung und Dynamik zwischenmenschlicher Beziehungen. Allen Austauschtheorien gemeinsam sind ökonomische Grundüberlegungen (siehe auch Abschnitt 2.2.1). Zwischenmenschliche Interaktionen werden als Austausch von Belohnungswerten unter Abwägung der Kosten angenommen. Dem zugrunde liegt die Behauptung, daß der Mensch stets ein Maximum der eigenen Befriedigung bei einem Minimum an Kosten zu erlangen sucht und demzufolge nur solche Beziehungen eingeht, die ausreichend Belohnungen erwarten lassen. Da der jeweilige Partner ebenfalls auf „seine Kosten“ kommen muß, weil sonst die Beziehung von dessen Seite aus (nicht als belohnend empfunden) beendet werden könnte, erfährt das Maximierungsstreben des eigenen Vorteils eine Einschränkung. Ein sogenanntes Gleichgewicht sollte also angestrebt werden (Walster & Walster, 1979). Der Begriff des Tausches umfaßt in diesem Zusammenhang „alle Dinge, die Partner in eine Beziehung einbringen können und die vom Partner erwartet werden.“ (Asendorpf, 2000, S.205)

3.2.1   Die Theorie von Thibaut und Kelley

Thibaut und Kelly (1959) sind die Pioniere auf diesem Forschungsgebiet. Sie gehen davon aus, daß die Zufriedenheit mit der aktuellen Beziehung abhängig ist von einem Anspruchsniveau und einem Vergleichsniveau für Alternativen, d.h., daß für eine Person nicht das absolute Nettoergebnis entscheidend ist, sondern dessen relative Stellung zu einem dem Anspruchsniveau ähnlichen Vergleichsstandard. Dieses Anspruchsniveau, also die Qualität, die einer Person ihrer Ansicht nach zusteht, wird erschlossen aus Erfahrungen, die in der Vergangenheit gemacht wurden und es entsteht aus dem Vergleich mit anderen Partnerschaften, die beispielsweise im Freundeskreis beobachtet werden. Je höher ein Ergebnis über dem Vergleichsniveau liegt, desto attraktiver und zufriedenstellender wird die jeweilige Beziehung bewertet. Das Vergleichsniveau für Alternativen als Maßstab bezieht sich auf die mögliche Beziehung mit einer anderen Person. Aber auch das Alleinsein kann eine Alternative darstellen. Die Höhe des Vergleichsniveaus ist abhängig von der Qualität der bestmöglichen Option. Je schlechter dessen Ergebnis, verglichen mit dem aktuellen Resultat aus der bestehenden Beziehung, desto stärker ist die Bindung an den jeweiligen Partner.

       Die Bedeutung der Theorie von Thibaut und Kelley für die Beziehungsforschung liegt zum einen in der Erkenntnis, daß neben den Determinanten zwischenmenschlicher Anziehung (siehe Kapitel 2) noch weitere Variablen auf die Dynamik von Beziehungen Einfluß nehmen (Mikula & Stroebe, 1991). Zum anderen ist sie interessant als ein möglicher Ansatz zur Erklärung des merkwürdigen Phänomens, daß Partner in Beziehungen bleiben, die sie als unglücklich erleben. So wird eine Person, die alle erreichbaren Alternativen, inklusive der Möglichkeit allein zu sein, schlechter bewertet, eine unbefriedigende Beziehung nicht verlassen. „Aus der Differenz der Bewertung der Beziehung und möglicher Alternativen läßt sich also die Abhängigkeit von einer Beziehung ableiten.“ (Asendorpf, 2000, S. 207)

 

       In vielen unterschiedlich angelegten Forschungsprojekten (z.B. Levinger & Snoek, 1972) wurden die Theorie von Thibaut und Kelly und andere Austausch- und Interdependenztheorien als deskriptive Modelle für die Beziehungsentwicklung genutzt. Sie sind jedoch - im Gegensatz zum Investmentmodell von Rusbult - nicht empirisch überprüft worden (Mikula & Stroebe, 1991).

3.2.2   Das Investmentmodell von Rusbult

Das Investmentmodell von Rusbult (1980a) baut auf dem Modell von Thibaut und Kelley (1959; Kelley & Thibaut, 1978) auf und nimmt als entscheidende Einflußgrößen für die Bindung („commitment“) das Ausmaß der Zufriedenheit einer Person mit der Beziehung an, ihre Investitionen in die Partnerschaft und die Höhe ihres Vergleichsniveaus für Alternativen. Die Beziehungszufriedenheit hängt vom Nettoergebnis verglichen mit dem Vergleichsniveau ab. Als Investitionen werden hier spezielle Faktoren bezeichnet, die bei Beendigung einer Partnerschaft einen Verlust herbeiführen könnten und somit einen Abbruch „kostspielig“ erscheinen lassen könnten. Dies sind zum einen beziehungsintrinsische Elemente wie in die Partnerschaft investierte Zeit oder dem Partner anvertraute intime Informationen, zum anderen sind es extrinsische Faktoren wie beispielsweise ein gemeinsamer Freundeskreis oder materielle Vorteile und Besitztümer, die an die Beziehung geknüpft sind.

       Das Ausmaß der Bindung entscheidet darüber, ob Partner zusammenbleiben oder sich trennen. In mehreren Folgestudien konnten die Annahmen des Investmentmodells für verschiedenartige Stichproben befürwortet werden (z.B. Rusbult, 1980a, 1983; Sprecher, 1988). Mikula und Ströbe (1991) kritisieren, daß das Vergleichsniveau als zentrale Determinante des Konzeptes in diesen Untersuchungen nicht erhoben wurde[7]. Dennoch bieten insbesondere die Annahmen des Investmentmodells im Zusammenhang mit Trennungsprädiktoren eine gute Grundlage für die Vorhersage der Stabilität einer Beziehung, worauf im Abschnitt  4.1 noch genauer eingegangen wird.

3.2.3   Die Equitytheorie von Walster, Berscheid und Walster

Das einflußreichste Modell des sozialen Austausches, die Equitytheorie von Walster, Berscheid und Walster (1973) und Walster, Walster und Berscheid, (1978, zitiert nach Walster, Berscheid und Walster, 1973) beinhaltet ebenfalls die Abhängigkeit der Zufriedenheit in einer Beziehung davon, wie ausgewogen („equitabel“), gerecht oder fair diese empfunden wird. Die Ausgewogenheit wird aufgrund der Beiträge in die Partnerschaft und der Erträge aus der Partnerschaft gemessen. Gerechtigkeit liegt dann vor, wenn die Nettoergebnisse beider Partner gleich sind. Das Nettoergebnis entsteht aus der Differenz der erhaltenen Erträge von den eingebrachten Beiträgen.

       Je unausgewogener eine Beziehung empfunden wird, desto mehr Unbehagen entsteht bei beiden Partnern, d.h. sowohl nachteilige, als auch vorteilhafte Unausgewogenheit wird als Beeinträchtigung erlebt. Dennoch führt die nachteilige Position zu mehr Unzufriedenheit, die durch Wiederherstellen des Gleichgewichts abzubauen versucht wird. Dies kann entweder über eine Regulierung des Verhältnisses zwischen Beiträgen und Erträgen erfolgen oder auch über eine kognitive Neubewertung, indem die Person beispielsweise ihre Erträge höher einschätzt oder/und ihre Beiträge geringer bewertet. Wenn dies nicht möglich ist, kann es zum Abbruch der Beziehung kommen.

       Empirische Arbeiten, z.B. von Hatfield, Traupmann, Sprecher, Utne & Hay, (1985) und Walster et al. (1978, zitiert nach Walster, Berscheid und Walster, 1973), bei denen Ehen, Liebes- und Freundschaftsbeziehungen untersucht wurden, konnten die Annahmen der Equitytheorie bestätigen. Ausgewogene Beziehungen wurden von den Befragten generell als besser, zufriedenstellender, intimer und sexuell befriedigender eingeschätzt und sie waren stabiler als unausgewogene Beziehungen. Hatfield, Walster und Traupmann (1978) befragten 537 Studentinnen und Studenten nach der Ausgewogenheit ihrer derzeitigen oder der letzten Beziehung, mit dem Ergebnis, daß ausgewogene Beziehungen als zufriedener beurteilt wurden und stabiler waren. Die ausgeglichenen Beziehungen entwickelten sich darüber hinaus eher in Richtung mehr Intimität als unausgeglichene. Außerdem war die sexuelle Aktivität in diesen Beziehungen größer (Hatfield, Walster & Traupmann, 1978). Die Richtung des Kausalzusammenhangs könne aber auch umgekehrt angenommen werden, d.h., daß Unzufriedenheit in der Partnerschaft die Wahrnehmung von deren Unausgewogenheit fördern könne (Huston & Burgess, 1979).  Lujanski und Mikula (1980) konnten die oben beschriebenen Ergebnisse nicht replizieren. Angehörige ausgewogener Beziehungen waren in einer entsprechenden Fragebogenuntersuchung keineswegs zufriedener als Angehörige unausgewogener Beziehungen. Auch ein Zusammenhang zur Stabilität konnte in dieser Studie nicht bestätigt werden.

       Clark und Mills (1979) sind der Meinung, daß sich das Prinzip der Ausgewogenheit im Sinne der Equitytheorie nur auf einen bestimmten Beziehungstyp anwenden läßt, nämlich auf Beziehungen, die durch eine Austauschorientierung gekennzeichnet seien, wozu beispielsweise Beziehungen zwischen Fremden, Bekannten oder Geschäftspartnern zählten. In Beziehungen zwischen Freunden oder Verliebten spielten die Verantwortung für das Wohlergehen des anderen und das Eingehen auf dessen Bedürfnisse eine wichtigere Rolle.

       Zur Überprüfung dieser Annahme analysierten sie die Austauschorientierung von 96 unverheirateten männlichen Studenten. Die verschiedenen Beziehungstypen wurden dadurch variiert, daß die Versuchsteilnehmer entweder mit einer (angeblich) unverheirateten Frau und somit potentiellen Partnerin in einer gemeinschaftsorientierten Beziehung („communal relationship“) oder mit einer bereits verheirateten Frau in einer Austauschbeziehung („exchange relationship“) zusammen Aufgaben bearbeiten mußten, wobei Punkte hin- und hergetauscht werden konnten. Die Reaktionen der Probanden stützen die Überlegungen von Clark und Mills: In der Situation, in der eine engere Beziehung angestrebt wurde, mochte der männliche Versuchsteilnehmer die potentielle Partnerin weniger, wenn sie ihm einen Vorteil verschaffte und mochte sie mehr, wenn sie dies nicht tat. Die verheiratete Frau, mit der keine engere Beziehung angestrebt wurde, wurde vom Probanden mehr gemocht, wenn sie diesem einen Vorteil verschaffte und weniger, wenn sie dies nicht tat. Dieselben Autoren erhielten analoge Effekte in einer weiteren ähnlichen Studie mit 80 Psychologiestudentinnen (Clark & Mills, 1979).

       Rubin (1973) vermutet, daß die Bedeutung der Ausgewogenheit in früheren Phasen einer Partnerschaft eine größere Rolle spielt als in späteren. Cate, Lloyd und Long (1988) konnten zumindest zeigen, daß Ausgewogenheitsmaße zur Vorhersage von Beziehungszufriedenheit bei verschiedenen Erhebungszeitpunkten in einer Partnerschaft unterschiedlich viel leisten, d.h., daß sich die Bedeutung von Ausgewogenheit in verschiedenen Phasen der Beziehung verändert. Neuere empirische Untersuchungen berücksichtigen zusätzlich auch Variablen des Vergleichsniveaus (z.B. Berg, 1984; Berg & McQuinn, 1986; Sprecher, 1988). So erforsche Berg (1984) bei 48 gleichgeschlechtlichen Zimmernachbarn in einem Internat den Einfluß von Belohnungen, Selbstöffnung, Equity und Variablen des Vergleichsniveaus, insbesondere die absolute Gleichheit, die Summe der in einer Beziehung erhaltenen Belohnungen, das Ausmaß der Kosten und die Höhe des Vergleichsniveaus auf die Sympathie zueinander und auf die Zufriedenheit mit dem Zusammenleben. Später untersuchten Berg und McQuinn (1986) 38 Liebespaare einmal zu Beginn der Partnerschaft und ein weiteres Mal vier Monate später. In beiden Erhebungen wurde klar, daß Ausgewogenheit im Sinne der Equitytheorie zwar zur Vorhersage von Beziehungsmerkmalen geeignet ist, deren Aussagekraft jedoch jener der absoluten Gleichheit entspricht und geringer ist als jene der beiden Vergleichsniveaus. Dies könnte bedeuten, daß das Modell von Thibaut und Kelly (1959) oder noch einfachere Verstärkungsmodelle zur Erklärung der Dynamik und Aufrechterhaltung zwischenmenschlicher Beziehungen genauso gut oder sogar besser geeignet sind als die Equitytheorie (Mikola & Stroebe, 1991).

       Weitere Kritik an der Equitytheorie äußern Grau & Bierhoff (1999), indem sie zu Bedenken geben, daß eine Unausgewogenheit in einer intimen Beziehung weitaus schwieriger gemessen werden könne, als in einer oberflächlichen oder geschäftlichen. So könne man bei der Messung von Equity mittels Fragebögen nicht wissen, welche Punkte die Personen als Belohnung, Kosten oder Nutzen betrachten würden. Das Paar könne Gerechtigkeit ganz anders definieren als der Beurteiler. Darüber hinaus betone die Theorie die Bedeutung der Ausgewogenheit anstelle der Maximierung der eigenen Ergebnisse, insbesondere der eigenen Belohnungen. Bei Zutreffen der Theorie müßten also auch Paare glücklich sein, bei denen keiner von beiden etwas gebe oder nähme. In glücklichen Beziehungen würden jedoch generell mehr Ressourcen ausgetauscht als in unglücklichen.

       Cate, Lloyd und Henton (1985) belegten, daß die Anzahl der Belohnungen, die man in der Partnerschaft erhält, stärker mit der Beziehungsqualität zusammenhängt als die Ausgewogenheit. Also reicht Equity allein zum Glücklichsein nicht aus, stattdessen sollte der Absolutwert des Nutzens möglichst hoch sein. Der zentrale Kritikpunkt an Austauschtheorien ist laut Heil (1991) die Überbewertung eines einzigen Funktionsprinzips.

3.3   Soziale Homogamie

Die Hypothesen „Gleich und gleich gesellt sich gern.“ versus „Gegensätze ziehen sich an.“ werden seit geraumer Zeit kontrovers diskutiert und im Zusammenhang mit der Zufriedenheit in Partnerschaften geprüft. Viele der frühen Forschungsberichte beschränkten sich dabei auf die Analyse von Haar- und Augenfarbe, Gewicht, Statur und anderer äußerer Merkmale der Partner. Später wurden auch Intelligenzquotienten und sozio-kulturelle Merkmale wie Rasse, Nationalität, Schichtzugehörigkeit, Bildungsstand, Religionszugehörigkeit und Alter im Zusammenhang mit Zufriedenheit untersucht. Seit Anfang der 70er Jahre erstreckt sich das Forschungsinteresse in diesem Zusammenhang zunehmend auf Wertorientierungen und Einstellungen und auf die Ähnlichkeit der Partner in psychischen Merkmalen (Jäckel, 1980). Im Abschnitt 2.2.3 ging es bereits um die Übereinstimmung von Partnern in Werten und Einstellungen. Es wurde in diversen Versuchen belegt, daß Ähnlichkeit sehr förderlich ist für die Anziehung im Erstkontakt und daß sie sogar fremde Personen sympathisch erscheinen läßt, denen man nie begegnet ist (siehe hierzu Studien mit der Versuchsanordnung des „anonymen Fremden“ im Abschnitt 2.2). Wie wichtig ist Ähnlichkeit in Beziehungen, die schon seit längerem bestehen?

        

       Hammerschmidt und Kaslow (1995) ermittelten in einer Kohortenstudie an 105 deutschen Langzeitehen hohe Übereinstimmungen der Partner in bezug auf Einstellungen, Interessen und bezüglich der Verhaltensorientierung. Es kann also davon ausgegangen werden, daß diese Merkmale gute Prädiktoren für Ehezufriedenheit darstellen. In einer Studie von Grau (1997) wurde entsprechend den Eingangshypothesen untersucht, ob sich gleiche oder gegensätzliche Paare anziehen. Die Daten sprechen für ein Zutreffen beider Aussagen: Paare gleichen sich in der Bindungssicherheit, jedoch nicht immer im Bindungsstil. Sehr sichere Personen bilden häufig ein Paar, sehr unsichere ebenfalls. Wie in Abschnitt 3.2.2 bereits beschrieben, besteht bei unsicheren Paaren häufig eine komplementäre Konstellation, insofern als sich ängstlich-ambivalente Personen mit vermeidenden zusammentun. Komplementäre Partner gleichen sich zwar in dem Thema, das sie beschäftigt, jedoch agieren sie ihr gemeinsames Beziehungsproblem oft in gegensätzlicher Weise aus, was zu großer Unzufriedenheit auf beiden Seiten führen kann.

       Burleson und Denton (1992) entdeckten hohe Übereinstimmungen in den sozial-kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten bei zufriedenen Ehepartnern, in dem Sinne, ob sie in einfachen oder komplizierten Strukturen denken und sich miteinander unterhalten. Die Ähnlichkeit kognitiver Konstrukte ist vor allem in fortgeschrittenen Beziehungen bedeutsam, da diese erst nach einer längeren Bekanntschaft zum Tragen kommen. Einstellungsähnlichkeit läßt sich schneller feststellen als Konstruktähnlichkeit, so daß zahlreiche Beziehungen frühzeitig aufgrund mangelnder Einstellungsähnlichkeit beendet werden (Hassebrauck, 1996). Bei den kognitiven Fähigkeiten der Partner kam es nicht in erster Linie auf die Höhe der Ausprägung, sondern auf die Ähnlichkeit in diesem Merkmal an. Paare, in denen beide einen niedrigen Level kognitiver Fähigkeiten aufwiesen, waren keineswegs unglücklicher als jene, in denen beide hohe Werte zeigten. Die Ursache dafür sehen die Autoren in der Befriedigung, die aus gemeinsamen Gesprächen gezogen wird. Das gegenseitige Verständnis und die gegenseitige Bestätigung ist höher, wenn zwei Personen ähnliche Denkstrukturen haben. Dabei muß die Gleichheit nicht bewußt sein. Es genügt die Feststellung, daß der Kontakt Freude bringt (Burleson & Denton, 1992). Byrne (1971, vgl. Abschnitt 2.2) begründet die positive Wirkung von Einstellungsähnlichkeit ebenfalls damit, daß die Erfahrung, jemand anderes vertritt dieselbe Meinung wie man selbst, deren Richtigkeit bestätigt und somit unmittelbar belohnend wirkt. Mikula und Stroebe (1991) argumentieren in einer ähnlichen Richtung, wenn sie darauf hinweisen, daß Ähnlichkeit in Freizeitinteressen und Hobbys gemeinsame Unternehmungen und Erlebnisse mit sich bringt und sich somit direkt beziehungsfördernd auswirkt.

       Rosenbaum (1986) vermutet umgekehrt, daß Unähnlichkeit zu Zurückweisung führt. Man ist mit ähnlichen Menschen zusammen, weil die unähnlichen abgelehnt werden. Zwei Mechanismen sollen hier wirksam werden: Verstärkung und Zurückweisung. Zuerst werden Personen mit unähnlichen Einstellungen zurückgewiesen, dann, in einem zweiten Schritt, werden die Menschen zum Aufbau enger Beziehungen ausgewählt, die ähnlich sind und die dadurch verstärkend wirken.       Gleichheit muß und kann selbstverständlich nicht in allen Bereichen vorliegen, aber darauf kommt es auch nicht an, sondern auf Ähnlichkeit in den Merkmalen, die für die Partner bedeutsam sind. Wie Leitner und Klion (1986) in einem Test mit 42 Studenten belegen, können Personen Unähnlichkeit in für sie unwichtigen Merkmalen tolerieren. Über die Zeit ändert sich jedoch - zumindest bei Feundespaaren - diese subjektive Wichtigkeit von Eigenschaften, wie Neimeyer und Mitchell (1988) feststellten. Die Autoren führten eine Longitudinalstudie (über acht Wochen) mit gleichgeschlechtlichen Freundespaaren durch und beobachteten, daß zu Beginn der Bekanntschaft die Meinungen und Einstellungen des anderen mehr im Mittelpunkt der Beurteilung standen als später, wenn die Freunde sich näher kennengelernt hatten. Dann erhielten subtilere Charakteristika wie Persönlichkeit und kognitive Strukturen eine größere Relevanz für die Beziehung.

       Im Zusammenhang mit der Partnerwahl wurde die Ähnlichkeit als Folge von Entscheidungs- und Wahlprozessen in den Vordergrund gestellt. Hammerschmidt und Kaslow (1995) weisen insbesondere bei langfristigen Partnerschaften darauf hin, daß umgekehrt auch Anpassungsprozesse die Übereinstimmung von Partnern fördern. Gruber-Baldini, Schaie und Willis (1995) bestätigen die Zunahme der Ähnlichkeit in bestimmten Merkmalen in einer Längsschnittstudie (über 21 Jahre), bei der die Gleichheit der Partner in Intelligenzaspekten und Persönlichkeitsmerkmalen wie Rigidität und Flexibilität untersucht wurde. Vor allem glichen sich die Partner in den Bereichen Wortverständnis, schlußfolgerndes Denken und Flexibilität, und diese Ähnlichkeit war bei späteren Testzeitpunkten höher als bei früheren, woraus geschlossen wurde, daß sich die Partner über die Zeit einander angepaßt haben. Es ließ sich hierbei jedoch nicht sagen, daß die Intelligenteren mehr Einfluß ausgeübt oder daß sich das eine eher dem anderen Geschlecht angepaßt hätte.

       Ausgewogenheit in der Dominanz der Partner und gleichberechtigte Entscheidungsmuster korrelieren positiv mit Ehequalität (Newcomb & Bentler, 1981). Bei gegensätzlichen Paaren findet sich oft ein großes Machtgefälle, d.h., daß einer der Partner regressiv und abhängig, der andere dagegen progressiv und distanziert ist. Willi (1975) vermutet, daß sich in diesem Zusammenhang seelisch gesunde Personen einen ähnlichen, gestörte Individuen dagegen einen gegensätzlichen Partner wählen. In Bezug auf die Ähnlichkeit der Dominanz von Partnern stellte Fuhrmann (1979) in einer Studie mit 1167 Personen heraus, daß Ehen in Deutschland vorwiegend von ausgeglichenen Machtstrukturen gekennzeichnet sind.

       Von ähnlichen Personen erwartet man Sympathie, und umgekehrt fördert Sympathie auch die Erwartung von Ähnlichkeit. Dies fanden LaPrelle, Hoyle, Insko und Bernthal (1990) in zwei Experimenten, mit insgesamt 184 Studenten, heraus. Die Ergebnisse einer Untersuchung von Bierhoff, Grau und Ludwig (1993a) zur eingeschätzten Ähnlichkeit der eigenen Einstellungen mit denen des Partners, bekräftigen diesen Befund, denn hier fiel auf, daß die Partner ihre Gleichheit in allen untersuchten Merkmalen enorm überschätzten.

Alle Ergebnisse zusammengefaßt „läßt sich feststellen, daß sich in der Mehrzahl der Untersuchungen ergeben hat, daß sich die Partner - und das gilt insbesondere für Ehe-partner - in verschiedensten Persönlichkeitsmerkmalen ähnlicher sind als Personen sich im allgemeinen ähneln“. (Jäckel, 1980, S. 27) Murstein und Christie (1976) veröffentlichten bereits in den siebziger Jahren anhand der Daten von 22 Paaren aus der Mittelschicht die Feststellung, daß die Ähnlichkeit bei Ehepaaren größer war als bei nur befreundeten Paaren. Auch Hassebrauck (1996) findet, daß sich im Zusammenhang mit den beiden eingangs erwähnten Sprichwörtern „relativ konsistent ein förderlicher Einfluß von Ähnlichkeit auf die Beziehungsqualität“ (Hassebrauck, 1996, S.184) feststellen läßt.    Wenn auch für die momentane Beziehungs-qualität die subjektiv eingeschätzte Ähnlichkeit wichtiger war als die tatsächliche, wie Hassebrauck (1996) bei 85 Paaren feststellte, so konnte auf längere Sicht jedoch nur die reale Ähnlichkeit als Stabilisator für die Ehe wirksam werden. Für wirklich stabile Beziehungen müssen sich die Partner also tatsächlich ähnlich sein.

       Hassebrauck (1990) verweist darauf, daß - mehr noch als die Ähnlichkeit von Persönlichkeitsmerkmalen - die Ähnlichkeit von Einstellungen und Überzeugungen mit der Beziehungszufriedenheit korreliert. Schon die Sympathie fremden Personen gegenüber wird durch Einstellungsähnlichkeit beeinflußt (siehe Abschnitt 2.2.3). Zur Erklärung der Bedeutung von Ähnlichkeit für die Qualität von Paarbeziehungen bieten sich Hassebrauck (1996) zufolge verschiedene Überlegungen an. Zum einen kann die Wahrnehmung von Übereinstimmung nach der Theorie sozialer Vergleichsprozesse (z.B. Festinger, 1954, zitiert nach Hassebrauck, 1996) zu einer Reduzierung von Unsicherheit und damit zur Attraktion führen. Zum anderen stellen Konsistenztheoretiker (z.B. Heider, 1958, zitiert nach Hassebrauck, 1996) die attraktionssteigernde Wirkung von wahrgenommener Ähnlichkeit an sich in den Vordergrund.

       Ausgehend von austauschtheoretischen Überlegungen (z.B. Thibaut & Kelly, 1959) kann man darüber hinaus erwarten, daß die Interaktion der Partner mit geringeren Kosten verbunden ist, weil z.B. weniger Mißverständnisse und Interessenkonflikte vorhanden sind. Dasselbe gilt auch hinsichtlich der Ähnlichkeit von Freizeitinteressen oder Hobbys. Hassebrauck (1996) betont weiterhin, daß die Beziehungsqualität an sich ein besonders wichtiges „Konstrukt oder Konzept“ darstellt, da Personen, wenn sie die Qualität ihrer Beziehung einschätzen wollen, auf ihr Wissen um die Merkmale einer guten Partnerschaft zurückgreifen müssen. Wie Leitner und Klion (1986) und Neimeyer und Mitchell (1988) behauptet auch Hassebrauck (1996), daß es dabei erhebliche interindividuelle Unterschiede gibt bezüglich der Wichtigkeit, die verschiedenen Kriterien zugeschrieben wird.

3.4   Weitere Beziehungsmerkmale

Ähnlichkeit ist ganz offensichtlich eine gute Grundlage für eine glückliche Beziehung. Parternschaftszufriedenheit wurde darüber hinaus noch im Zusammenhang mit weiteren Besonderheiten der Partner und der Beziehung erkundet. Beispielsweise wurden die im Abschnitt 2.1.2 vorgestellten Liebesstile zusammen mit partnerschaftlich relevanten Variablen untersucht. Weiterhin wurden Kompetenzen der Personen, Gesundheitsvariablen und dyadische Interaktionsprozesse unter dem Blickwinkel der Qualität der Paarbeziehung erforscht. Außerdem wird das Phänomen der Stabilität unglücklicher Beziehungen diskutiert. Und schließlich sind auch in diesem Bereich Geschlechtsunterschiede beobachtet worden, auf die am Ende des Abschnittes eingegangen wird.

3.4.1    Liebe und Liebesstile

In der Fragebogenstudie von Kraft (1988) wurde als wichtigste Voraussetzung für die emotionale Zufriedenheit in einer Liebesbeziehung das absolute Vertrauen in die Ernsthaftigkeit der Absichten des Partners und in seine Verläßlichkeit angegeben. Die Zufriedenheit in Beziehungen, die als tief charakterisiert wurden, war bei beiden Geschlechtern übereinstimmend hoch, und die Vorstellungen von einer Liebesbeziehung und die reale Partnerschaft stimmten nahezu überein. Anders sah es aus bei Beziehungen, die nicht als tief empfunden wurden. Vor allem die Frauen im Alter von 26 bis 35 Jahren stellten hier im Vergleich zu den jüngeren verstärkt eine Diskrepanz zwischen ihren Vorstellungen und der realen Partnerschaft fest und waren dementsprechend in dieser Beziehungsform nur wenig zufrieden. Dieses Ergebnis wird mit den Anforderungen in diesem Lebensabschnitt erklärt, in dem in der Regel Familiengründung, Kindererziehung und berufliche Veränderungen zum Lebensmittelpunkt werden und Aufmerksamkeit von der Liebesbeziehung abziehen.

Zur Bedeutung des Verliebtseins für die Langzeitbeziehung fand Willi (1997) bei einer Befragungsaktion mit 606 Versuchspersonen heraus, daß Liebe auf den ersten Blick verglichen mit sich langsam entwickelnder Liebe zumindest keine schlechtere Prognose der Ehe zu sein scheint als Ehezufriedenheit und Glücklichsein. Rubin (1981) stellte in einer Untersuchung mit 231 Personen fest, daß sich Männer schneller verlieben als Frauen. Hingegen gaben die Männer und Frauen bei Willi (1997) an, sich gleich häufig zu verlieben (siehe Abschnitt 2.1). Die Frauen gingen hier allerdings häufiger davon aus, daß ihr Partner sich auf den ersten Blick in sie verliebt hatte. Wer verliebt war bzw. seine große Liebe geheiratet hatte, beschrieb sich als glücklicher in der Partnerschaft als diejenigen, bei denen dies nicht zutraf. Aus paartherapeutischer Sicht schien jedoch das Ausmaß der Verliebtheit weniger wichtig zu sein als der weitere Umgang mit dem, was vorhanden war oder fehlte bzw. mit dem Konfliktpotential, das den untersuchten und generell romantischen Beziehungen innewohnt (Riehl-Emde und Willi, 1997).

       Die Liebesstile von Lee (siehe Abschnitt 2.1.1) wurden in zahlreichen Studien mit Merkmalen der Beziehung verglichen (z.B. Hendrick, Hendrick & Adler, 1988; Levy & Davis, 1988). Dabei ergaben sich deutliche Zusammenhänge zwischen dem Liebesstil und der wahrgenommenen Zufriedenheit in der Partnerschaft. Ein Postulat konnte in allen Untersuchungen repliziert werden: Am höchsten korreliert mit eingeschätztem Glück der Liebesstil Eros, und auch Agape hängt deutlich mit wahrgenommener Partnerschaftszufriedenheit zusammen. „Eros and Agape were associated with Intimacy, Passion, Commitment and Satisfaction, and the use of constructive approaches to conflict.“ (Levy & Davis, 1988, S. 469) Dagegen korreliert Ludus konsistent negativ mit Zufriedenheit und Länge der aktuellen Partnerschaft und positiv mit der Häufigkeit von Beziehungswechseln. Bierhoff, Grau und Ludwig (1993) untersuchten in drei Studien Zusammenhänge zwischen dem Liebesstil und Aussagen über die Partnerschaft. Die Bindung als Ausdruck der Bereitschaft, eine Beziehung aufrechtzuerhalten, war dann besonders groß, wenn Eros und Agape hoch ausgeprägt waren, und die Bereitwilligkeit, im Interesse der Partnerschaft Investitionen zu tätigen und Mühen aufzuwenden, stieg mit dem Ausmaß von Eros, Agape und Mania. Diese drei Stile hingen darüber hinaus eng mit der Intensität berichteter positiver Emotionen zusammen. Negative Emotionen wurden dagegen im Zusammenhang mit Ludus genannt (siehe auch Abschnitt 2.1.2).

       Bei Hendrick, Hendrick und Adler (1988) fielen die positiven Korrelationen der Beziehungszufriedenheit und Eros und die negativen mit Ludus sogar noch höher aus, als in der zuvor beschriebenen Studie. Bei einer Follow up-Erhebung nach zwei Monaten, wiesen die noch existierenden der untersuchten Partnerschaften höhere Werte in Eros, Beziehungszufriedenheit, Selbstwertgefühl, Bindung und Selbstenthüllung auf sowie niedrige Werte in Ludus. Auch in den Bereichen Gemeinsamkeit, Kommunikation, Zärtlichkeit und Streitverhalten, als Qualitätsmerkmale einer Paarbeziehung, fanden sich signifikante Zusammenhänge: Eros korrelierte negativ mit Streit, positiv mit Zärtlichkeit, Gemeinsamkeit und Kommunikation. Ludus wies auch hier wieder genau entgegengesetzte Korrelationen auf.

3.4.2   Gesundheit, Kompetenzen und Interaktion

Ausgehend von den Befunden der Partnerschaftsforschung der letzten 20 Jahre sind individuelle und dyadische Kompetenzen laut Bodenmann (1997) die besten Prädiktoren für die Qualität und Stabilität einer Paarbeziehung. Damit gemeint sind Sozialkompetenzen, Kommunikations- und Interaktionsfertigkeiten, die Bereitschaft zu Selbstöffnung, adäquater Gefühlsausdruck sowie Problemlösefähigkeiten beider Partner. Der Autor verdeutlicht, daß solche Fähigkeiten auch für die Gesundheit der Partner zentral sind. In Paarexperimenten erwiesen sie sich für den Partnerschaftserfolg als wichtigere Prädiktoren als die Partnerschaftszufriedenheit oder Streß im Alltag. Vor allem die individuelle Belastungsbewältigungskompetenz war hier für die psychische und physische Befindlichkeit der Partner besonders relevant. Die Kompetenzen der Männer waren interessanterweise für das Befinden der Frauen wichtiger als umgekehrt, was in Bezug auf eine höhere Sensibilität von Frauen und ihre wahrgenommene Verpflichtung zum Ausgleichen der Kompetenzdefizite der Männer interpretiert wird.

       Hammerschmidt und Kaslow (1995) analysierten in Langzeitehen eindeutige Unterschiede zwischen den beiden Extremgruppen sehr zufriedener und unzufriedener Paare. Diese bezogen sich auf partnerschaftlich relevante Merkmale wie Konfliktpotential, Paar-Ressourcen, Motivprofile in bezug auf die Ehestabilität sowie der von den Probanden selbst am wichtigsten erachteten Bedingungen für Ehezufriedenheit. Als beste Prädiktoren für Ehezufriedenheit galten bei Frauen und Männern hohe Kohäsion und intradyadische Übereinstimmung hinsichtlich Einstellungen, Interessen und Verhaltensorientierung sowie kooperatives Problemlösen.

       Bodenmann (1993) zeigte in einem Experiment, daß durch Streß die Interaktion der Partner negativer und intensiver wurde, insbesondere der verbale Austausch. Dabei teilten zufriedene Personen dem Partner eigenen Streß häufiger mit, und sie nahmen gemeinsames Coping wahr, d.h. sie bewältigten anstehende Probleme gemeinsam. Auch korrelierte die Möglichkeit, dem Partner in Streßsituationen Aufgaben abtreten zu können, signifikant mit der Partnerschaftszufriedenheit. Bei einer Wahrnehmung der Partnerschaft als eher unbefriedigend fand sich das inverse Bild. Wahrgenommene erfolgreiche Konfliktbewältigung schlägt sich in Zufriedenheit mit der Partnerschaft insgesamt nieder (Heavy, Lane & Christensen, 1993, zitiert nach Hahlweg,1991) und ist daher für die Stabilität und Beziehungszufriedenheit von großer Bedeutung (Hahlweg, 1991).

       Auch die Außenbeziehungen einer Partnerschaft haben Einfluß auf die Zufriedenheit. Dementsprechend waren in glücklichen Beziehungen gemeinsame „Netzwerkanteile“ anzutreffen, also Freunde und Bekannte die beide gemeinsam hatten. Von besonderer Bedeutung war aber auch die Tatsache, daß die Partner jeweils eigene Bereiche hatten, die insbesondere bei Partnerkrisen wichtig waren. Bei der Gewinnung der Kontaktpersonen des sozialen Netzes hatte der Mann mehr Gewicht als die Frau (Pointner & Baumann, 1990).

3.4.3        Geschlechtsunterschiede in der festen Partnerschaft hinsichtlich der Beziehungs-

            zufriedenheit

Frauen sind in ihrer Partnerschaft unzufriedener als Männer. Dieses Phänomen wurde von Kreische (1995), der Paare mit neurotischen Partnerkonflikten und Paare aus der „Normalbevölkerung“ untersuchte, in Übereinstimmung mit mehreren Untersuchungen in diesem Bereich (vgl. Heil, 1991) bestätigt. In der in Abschnitt 3.3 bereits beschriebenen Studie von Hammerschmidt und Kaslow (1995) war die Ehezufriedenheit bei den Frauen ebenfalls  niedriger als bei den Männern. Mehrere Erklärungsansätze dafür werden von den Autoren stichwortartig zusammengefaßt:

1.      Progressive Ehezufriedenheit: Frauen sind anspruchsvoller als Männer und wollen die  Beziehung verbessern.

2.      Konstruktive Eheunzufriedenheit: Es werden Problemlösungsversuche unternommen.

3.      Fixierte Eheunzufriedenheit: Man hat aufgegeben, an der Verbesserung der Beziehung zu arbeiten.

4.      Resignative Ehezufriedenheit: Diese wird vermutet, wenn die Zufriedenheitswerte der Frauen ab 65 Jahren ansteigen und sich denen der Männer angleichen. Diese Anpassung wird mit Dissonanzreduktion erklärt, da man im Alter mehr aufeinander angewiesen ist.

5.      Pseudozufriedenheit: Es kann vermutetet werden, daß Männer eher dazu neigen, die Situationswahrnehmung zu verfälschen, wohingegen Frauen die Beziehung realistischer  einschätzen. Gottmann (1986, zitiert nach Hammerschmidt und Kaslow, 1995) erkärt das   Sich-Abschirmen der Männer durch ihre stärkeren physiologischen Reaktionen auf Ehestreß, die er in Untersuchungen nachweisen konnte.

Meinungsverschiedenheiten gab es bei den Frauen und Männern in dieser Studie vor allem in bezug auf das Äußern von Gefühlen und die sexuelle Beziehung. Für Frauen führten darüber hinaus die persönlichen Gewohnheiten des Partners häufiger zu Unzufriedenheit. Hochsignifikante Effekte zeigten sich bei allen Beziehungsvariablen im Vergleich von sehr zufriedenen und unzufriedenen Paaren. Bei unglücklichen Paaren waren die Meinungsverschiedenheiten im emotionalen und sexuellen Bereich besonders ausgeprägt. Auffällig war die Beobachtung, daß die Ehezufriedenheit der Frauen stärker durch das vom Partner bewertete Problemlöseverhalten beeinflußt wurde als durch die selbst eingeschätzte Problemlösefähigkeit (vgl. Bodenmann, 1997). Bei den Männern hatte die von der Partnerin beurteilte Kommunikationsfähigkeit den größeren Effekt als die von den Männern selbst eingeschätzte. Diese Wirkung wird dahingehend interpretiert, daß in partnerschaftlichen Interaktionen die Reaktionen des Partners verstärkten Einfluß nehmen (Hammerschmidt & Kaslow, 1995).

       Fairneß als Grundhaltung ist vor allem in schwierigen Situationen ausschlaggebend für das Bestehen einer Beziehung (Hammerschmidt & Kaslow, 1995). In der Analyse von Kraft (1988) stand mit großem Abstand das Bekenntnis zur Liebe als Ursache für Stabilität im Vordergrund. Weiterhin wurden von den zufriedenen Paaren intrinsische[8] Motive angegeben. Die zweitgrößte Bedeutung hatten Motive, die die Wertschätzung des Für- und Miteinander und das Bemühen darum zum Ausdruck bringen. Es gab hierbei keine nennenswerten Geschlechtsunterschiede. Bei den unglücklichen Paaren waren die Motivkategorien viel stärker gestreut. Bei dieser Gruppe wurden eine erfüllende Sexualbeziehung sowie das Bemühen darum und eine gewisse Zuversicht, die Konflikte zu bewältigen, weit stärker von den Männern als von den Frauen hervorgehoben. Des weiteren wurden von den Männern mehr neurotische Motive für das Zusammenbleiben angesprochen als von den Frauen. Diese gaben demgegenüber mehr extrinsische Motive und hier insbesondere materielle Gründe dafür an, die Ehe trotz Unzufriedenheit aufrechtzuerhalten. Die derzeit unzufriedensten Paare standen ihre schwierigste Krise aus Verantwortungsbewußtsein für die Familie durch (Hammerschmidt &  Kaslow, 1995).

       In einer Studie über Ursachen der Stabilität unglücklicher Ehen wurde als größte Barriere für die Trennung das Alter angegeben (Heaton & Albrecht, 1991). Als weitere Gründe für das Zusammenbleiben mit dem Partner wurden eine traditionelle Einstellung zur Ehe, der Mangel an Alternativen, die verbindenden Gemeinsamkeiten des Lebensweges und von Frauen häufig auch die materielle Abhängigkeit genannt. Überdies wurden gleichzeitig Überzeugungen hervorgehoben, daß die Ehe einem Single-Dasein vorzuziehen sei und daß man der Kinder wegen zusammenzubleiben habe.

       Stabilisierende Faktoren in unglücklichen Beziehungen sind oft auch subtile Verstrickungen, die Willi (1991) Kollusionen nennt. Damit sind Störungsmuster in Beziehungen gemeint, bei denen sich Partner in ein unbewußtes Zusammenspiel verstricken. Ein Partner verhält sich in der regressiven, der andere in der progressiven Position. Personen in regressiven Positionen neigen dazu, sich als hilflos, passiv, fügsam und abhängig zu verhalten, die Partner in progressiven Positionen treten dagegen als hilfreich, aktiv, führend, autonom und imponierend auf. Das Gestörte einer Kollusion liegt darin, daß jeder den anderen mit seiner Verhaltensweise zur Stabilisierung braucht und daß die Partner einander keine Freiheit lassen, sondern sich gegenseitig streng reglementieren.

4.       Störungen in Paarbeziehungen und Trennungsprädiktoren

„Die individuelle Entwicklung jedes Partners und die Anforderungen des Lebens erfordern eine ständige Anpassungsleistung des Individuums und des Paares. Solche Entwicklungsprozesse verlaufen selten reibungslos“ (Hammerschmidt & Kaslow, 1995, S. 98). Laut Statistischem Bundesamt (1997) wurden im Jahr 1992 gerichtliche Ehescheidungen in einer Höhe von 135.179 registriert, 1993 waren es schon 156.646, 1994 dann 166.496 und im Jahre 1995 bereits 170.000 Scheidungen. Die Ursachen für die steigende Anzahl liegen zu einem großen Teil sicher in der Vereinfachung des Scheidungsrechts, im Schwinden traditioneller Bevormundung und auch in der zunehmenden wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Frauen. Scheidungen verdeutlichen aber auch die Unbeständigkeit von Ehen. Außerdem liegt die statistisch nicht erfaßte Trennungsquote der nicht verheirateten Paare vermutlich weitaus höher (Bierhoff & Grau, 1999). Woran aber zerbrechen Partnerschaften? Sind bestimmte Beziehungen von vornherein zum Scheitern verurteilt? Woran erkennt man sie?

       Im vierten Kapitel sind Merkmale besprochen worden, die im Zusammenhang mit der Zufriedenheit und Stabilität in Partnerschaften erforscht wurden. Nachfolgend wird es um solche Variablen gehen, die vornehmlich in Studien mit unglücklichen Paaren gefunden wurden und die schon zu Beginn einer Beziehung eine mögliche Trennung vorhersagen können.

4.1    Trennungsprädiktoren

Im Vergleich zu Faktoren, die das Zusammenfinden eines Paares fördern, sind solche, die zur Auflösung einer Beziehung führen können, vergleichsweise wenig untersucht worden. Vier Studien sollen im folgenden vorgestellt werden, bei denen zum ersten Meßzeitpunkt verschiedene Charakteristika der Partner und der Beziehung erhoben und zu einem späteren Zeitpunkt ermittelt wurde, welche Paare noch zusammen waren und welche sich getrennt hatten, um daraus allgemeine Prognosen für den Verlauf von Partnerschaften abzuleiten.

       Block, Block und Morrison (1981) untersuchten Erziehungseinstellungen und Wertvorstellungen von 57 Paaren und überprüften zu einem zweiten Meßzeitpunkt zehn Jahre später, ob die Beziehung noch intakt war. 16 Ehen waren inzwischen geschieden. In den intakten Familien hatte beim ersten Meßzeitpunkt eine höhere Übereinstimmung in Erziehungseinstellungen bestanden. Bentler und Newcomb (1978, zitiert nach Bierhoff & Grau, 1999) und Kelly und Conley (1987) stellten die Ähnlichkeit von Partnern in Persönlichkeits- und Einstellungsmerkmalen in den Vordergrund.

       Die bislang umfangreichste Studie in Bezug auf Stichprobenumfang und Anzahl der untersuchten Merkmale ist die von Kurdek (1993): 7899 jungverheiratete Paare wurden angeschrieben und gebeten, an einer Untersuchung zur Partnerschaft teilzunehmen. Im ersten Jahr schickten 538 Paare einen ausgefüllten Fragebogen zurück. Fünf Jahre lang wurden so einmal jährlich eine Fülle von Merkmalen erhoben. Beim letzten Meßzeitpunkt waren 222 der verbliebenen Paare noch zusammen, 64 Ehen geschieden. Kurdek verglich die Daten der stabilen Partnerschaften mit denen der geschiedenen und konnte so eine Vielzahl von Trennungsfaktoren herauskristallisieren. Demnach unterscheiden sich die geschiedenen Paare von den Nicht-Geschiedenen in folgenden Merkmalen:

-         niedrigeres Alter, vor allem der Frau,

-         niedrigere Bildung des Ehemannes,

-         niedrigeres Einkommen des Ehemannes und der Ehefrau,

-         mehr Ehemänner, die einen Stiefvater hatten,

-         mehr frühere Scheidungen eines der Partner,

-         keine Zusammenlegung der Finanzen,

-         kürzere Zeit des Kennenlernens vor der Eheschließung,

-         mehr Neurotizismus des Ehemannes und der Ehefrau,

-         mehr irrationale Einstellungen zur Partnerschaft des Ehemannes und der Ehefrau,

-         weniger Gewissenhaftigkeit der Frau und des Mannes,

-         weniger Zufriedenheit mit sozialer Unterstützung aus der Sicht der Frau,

-         weniger partnerschaftliche Zufriedenheit von Mann und Frau,

-         mehr extrinsische Erklärungen des Mannes wie z.B.: Sie hat interessante Bekannte; Meine  Eltern finden sie gut, und weniger intrinsische Erklärungen der Frau, z.B. weniger      Zustimmung zu Aussagen wie: Es macht mir Freude, ihn zu unterstützen; Wir sind       füreinander die besten Freunde,

-         weniger Vertrauen der Frau.

Neurotizismus ist das vermutlich am stärksten mit Trennungen im Zusammenhang stehende Persönlichkeitsmerkmal. Auch Kelly und Conley (1987)[9], die bei 300 Paaren neben anderen Faktoren Prädiktoren für Ehestabilität suchten, stellten heraus, daß Persönlichkeitsvariablen wichtige Prädiktoren sowohl für Stabilität als auch für Zufriedenheit in Partnerschaften sind. Die drei wichtigsten Merkmale waren hier ebenfalls Neurotizismus des Ehemannes, Neurotizismus der Ehefrau und Impulskontrolle des Ehemannes. Persönlichkeitsmerkmale waren sogar bessere Prädiktoren der Stabilität und Beziehungszufriedenheit als demographische Faktoren oder Einstellungen zur Ehe.

Bei der Studie von Kurdek hing die Wahrscheinlichkeit einer Trennung darüber hinaus mit Unterschieden der Partner zusammen und zwar in folgenden Merkmalen:

-         Neurotizismus,

-         Unterstützung,

-         partnerschaftliche Zufriedenheit,

-         Autonomiestreben,

-         extrinsische Erklärungen.

Die genannten Prädiktoren sind teilweise voneinander abhängig. Daher wurde ein zusammenfassender Test durchgeführt mit der Erkenntnis, daß demographische und individuelle Merkmale sowie Interdependenz und Unähnlichkeit gleichermaßen gut dazu beitragen, die Trennung vorherzusagen. Des weiteren wurde die Frage überprüft, ob sich bei stabilen und unstabilen Partnerschaften unterschiedliche Veränderungsverläufe finden lassen, d.h. ob bestimmte Entwicklungen eine Trennung ankündigen. So waren Scheidungspaare im Vergleich zu stabilen Partnerschaften durch folgende Verläufe gekennzeichnet:

-         mehr Reduktion der partnerschaftlichen Zufriedenheit,

-         mehr Reduktion von Vertrauen,

-         mehr Verlust an Bindung,

-         zunehmende Diskrepanz in der Bindung,

-         mehr Verlust an intrinsischen Motiven,

-         mehr Reduktion der instrumentellen Motive wie beispielsweise das gegenseitige

      Informieren, eine belohnende intellektuelle Beziehung pflegen oder emotionale

      Unterstützung erhalten.

Den Autoren zufolge erlauben diese Ergebnisse tatsächlich bereits zum Zeitpunkt der Hochzeit eine Vorhersagbarkeit der Beständigkeit einer Ehe. Bierhoff und Grau (1999) fassen die zentralen Punkte noch einmal zusammen:

-         Bestimmte demographische Faktoren wie niedrige Bildung und niedriges Einkommen,

      eigene frühere Scheidungen, Stiefväter bei den Ehemännern sowie Persönlichkeits-

      merkmale (insbes. Neurotizismus) sind Risikofaktoren, die schon vor der Eheschließung 

      bestehen.

-         Ein Mangel an sozialer Kompetenz und an Vorbereitung auf die Ehe sind ebenfalls ungünstige Voraussetzungen. Dazu zählen unrealistische Meinungen wie „Ehepartner verstehen sich immer und streiten sich nie“.

-         Strukturelle Faktoren der Ehe wie getrennte Finanzen, unterschiedliches Autonomiestreben und externale Motive wirken sich ungünstig aus.

-         Veränderungsmuster während der Ehe bezüglich der Bindung und intrinsischer Motive können die Stabilität nachträglich beeinträchtigen.

-         Partnerschaftliche Zufriedenheit ist zwar ein wichtiger Prädiktor, kann aber die Stabilität einer Beziehung nicht ausreichend erklären.

-         Merkmale der Männer und der Frauen lassen sich gleichermaßen als Risikofaktoren identifizieren.

Gottman und Levenson (1992) bezogen emotionale, physiologische Maße und auch die Gesundheit der Ehepartner in ihre Analyse ein, um die Stabilität der Beziehung über einen Zeitraum von vier Jahren vorherzusagen. 73 Ehepaare wurden 1983 und 1987 untersucht, dabei hatten  - verglichen mit stabilen Paaren - Personen in instabilen Partnerschaften:

a)      ihre Eheprobleme als schwerwiegender eingeschätzt (zum ersten Erhebungszeitpunkt),

b)      eine geringe Ehezufriedenheit (zu beiden Meßzeitpunkten),

c)      einen schlechteren Gesundheitszustand (zum zweiten Zeitpunkt),

d)      einen niedrigeren Fingerpuls (die Frau),

e)      mehr negative Interaktionen,

f)        mehr negativen emotionalen Ausdruck,

g)      weniger positiven emotionalen Ausdruck,

h)      mehr Eigensinnigkeit und Rückzug in Interaktionen (Schmollen),

i)        eine größere Verteidigungshaltung

j)        und sie waren gefährdeter für eine Trennung (niedrigere Ehezufriedenheit und häufigeres Erwägen der Auflösung und der aktuellen Trennung).

Bodenmann (1995) erforschte Trennungsprädiktoren im Zusammenhang mit gemeinsamer Belastungsbewältigung in einer Partnerschaft „dyadischem Coping“ (siehe auch Abschnitt 3.4.2). In Experimentalsituationen wurden die 70 zu testende Paare unter Streß gesetzt. Dadurch wurde deren dyadische Interaktion negativer und intensiver, insbesondere die verbale Interaktion. Die mit der Partnerschaft zufriedeneren Probanden teilten dabei dem Partner eigenen Streß häufiger mit und sie nahmen gemeinsames Coping wahr. Auch korrelierte die Möglichkeit, dem Partner in Streßsituationen Aufgaben abtreten zu können, signifikant mit der Partnerschaftszufriedenheit. Bei einer Wahrnehmung der Partnerschaft als eher unbefriedigend fand sich das inverse Bild. Ein und zwei Jahre nach dem EISI-Experiment (EISI = Experimentell Induzierter Streß in dyadischen Interaktionen) erfolgte eine Nachuntersuchung der Partnerschaften. In der Zusammenfassung seiner Ergebnisse unterschied Bodenmann (1995) Vorhersagen nach einem und nach zwei Jahren.

Trennungsprädiktoren nach einem Jahr waren:

-         geringes dyadisches Coping,

-         ungünstige psychische Befindlichkeit und Gesundheit,

-         paraverbal negatives Verhalten gegenüber dem Partner,

-         eine niedrige relative Dauer von emotionalem unterstützendem dyadischem Coping

-         und geringe sachliche Streßäußerungen.

Trennungsprädiktoren nach zwei Jahren waren:

-         das Alter (die Personen in stabilen Partnerschaften waren im Durchschnitt 31 Jahre

-         alt, die Personen in Partnerschaften, die sich getrennt hatten, waren durchschnittlich 25 Jahre alt),

-         nonkontingentes, emotionales unterstützendes dyadisches Coping auf emotionale Streßsignale des Partners,

-         eine geringere Dauer nonverbaler Positivität,

-         eine höhere paraverbale Negativität und die subjektive Belastetheit vor zwei Jahren.

Daneben erwiesen sich eine niedrige eigene emotionale Streßkommunikation und somatische Beschwerden zum Zeitpunkt der ersten Messung ebenfalls als prädiktiv für eine Trennung.

Nicht alle Partner, die unzufrieden sind, trennen sich. Die letzten Überlegungen in diesem Abschnitt beziehen sich auf Merkmale unglücklicher Partnerschaften, die noch bestehen.

       Im Abschnitt 3.1 wurden austauschtheoretische Überlegungen im Zusammenhang mit Ausgewogenheit in menschlichen Beziehungen als ein grundlegendes Bedürfnis diskutiert. Sind unglückliche Ehen also unausgewogen im Sinne der Austauschtheorien?      Dagegen spricht die Tatsache, daß nicht nur glückliche Ehen nicht durch austauschtheoretische Einstellungen gekennzeichnet sind, sondern daß - im Gegenteil - Austauschorientierungen eher in unglücklichen Ehen zu finden sind. Denn Menschen beginnen sich vor allem dann mit der Ausgewogenheit in ihrer Beziehung auseinanderzusetzen, wenn sie mit der Beziehung nicht mehr glücklich und zufrieden sind (Mikula & Stroebe, 1991). Einen weiteren Beleg dafür bietet das im Kapitel 3.1.3. vorgestellte Experiment von Clark und Mills (1979), in dem ein ökonomischer Austausch nur im nicht-romantischen Setting favorisiert wurde.

       Bierhoff und Grau (1999) stellen demgegenüber eine eigene Studie mit 130 Paaren vor, die auf den Annahmen der Investmenttheorie von Rusbult (1983, siehe Kapitel 3.2.2) basiert. Neben anderen Faktoren wurden hier die drei Determinanten, die das Ausmaß der Bindung („Commitment“) bestimmen, untersucht: Zufriedenheit, Investitionen und Qualität von Alternativen. Diese Merkmale erlaubten tatsächlich eine Vorhersage der Trennung. So haben sich Personen, die sich zum ersten Meßzeitpunkt weniger an ihren Partner gebunden fühlten, im Laufe eines Jahres getrennt. Auch das Engagement für die Beziehung war geringer, die Investmentskala war bei den getrennten Personen zum Erhebungszeitpunkt signifikant niedriger ausgeprägt. Zusammenfassend werden Personen, die sich trennen (im Vergleich zu nicht-getrennten Paaren) wie folgt beschrieben:

-         die Zufriedenheit ist eher niedrig,

-         das Investment fällt relativ niedrig aus,

-         die Bindung ist relativ gering,

-         sie streiten häufiger

-         und beeinflussen sich gegenseitig weniger.

Aus der Investmenttheorie von Rusbult (1983) läßt sich ableiten, daß Zufriedenheit, Investment und Bindung Paarbeziehungen, die auseinanderbrechen, von solchen, die Bestand haben, unterscheiden (Bierhoff & Grau, 1999). Den Autoren zufolge stehen die Ergebnisse der Studie mit dieser Annahme in Einklang. Hahlweg (1991) bemerkt abschließend, daß die empirischen Befunde jedoch weder bei jungen Paaren vor der Eheschließung, noch bei scheidungswilligen Paaren eine Trennungsempfehlung rechtfertigen würden.

4.2     Geschlechtsunterschiede in Hinblick auf Trennungsgründe

In der Studie von Kraft (1988) stellte der Verlust von Vertrauen den vordringlichsten Trennungsgrund dar. Dieses Kriterium wurde von Frauen und Männern generell ähnlich beurteilt. Geschlechtsunterschiede nahmen jedoch mit wachsendem Alter zu und waren in der Gruppe der 36 bis 45jährigen am häufigsten und am stärksten ausgeprägt. Fehlende Leidenschaft, fehlendes Vertrauen und eine veränderte soziale Position waren für die älteren Frauen ein wichtigeres Trennungskriterium als für Männer dieser Altersgruppe. Frauen hatten höhere Erwartungen an Liebe und waren vorsichtiger beim Eingehen einer Beziehung. Außerdem konnten sie sich eine Trennung eher vorstellen als Männer. Diese Unterschiede werden durch Statistiken gestützt, denen zufolge Frauen häufiger die Scheidung einreichen. Darüber hinaus stimmen sie überein mit veschiedenen Studien im Zusammenhang mit  Partnerschaftszufriedeneheit, in denen Frauen in ihren Beziehungen unzufriedener sind als Männer (z.B. Kreische, 1996; Hammerschmidt & Kaslow, 1995, vgl.Heil, 1991).

       Die Ergebnisse einer Langzeitstudie von Rubin (1981), bei der 231 Studentenpaare mündlich und schriftlich befragt wurden, bestätigen ebenfalls solche Geschlechtsunterschiede: Männer verlieben sich schneller als Frauen, demgegenüber trennen sich Frauen schneller als Männer. Laut Kraft (1988) leiden Männer nach einer Trennung stärker an Depressionen. Des weiteren gehen Männer nach einer Scheidung schneller als Frauen eine neue Ehe ein. Außerdem werden die Schwierigkeiten in Beziehungen mit zunehmendem Alter von Frauen höher eingeschätzt. Die Autorin stellt heraus, daß sich Frauen mehr als Männer verantwortlich für das Gelingen ihrer Partnerschaft fühlen, was sich darin äußert, daß die Initiative zum Aufsuchen von Eheberatungsstellen in der Mehrheit von Frauen ausgeht. Insgesamt konnten Männer sich schlechter als Frauen Störungen oder Gründe für eine Trennung vorstellen. Geschlechtsunterschiede werden auch von Gottman und Levenson (1992) dokumentiert: Männer können sich in einer wenig zufriedenstellenden Paarbeziehung immer noch die positiven Seiten zunutze machen, während für Frauen eine negative Beziehungsqualität besonders ungünstig zu sein scheint.

       Das Muster des Nähesuchenden und des Distanzierten (siehe Abschnitt 3.1.2) wurde in mehreren Studien als für unglückliche Ehen charakteristisch bestätigt (z.B. Gottman & Levenson, 1988, Kirckpatrick & Davis, 1994). In dieser Konstellation ist oft die Frau diejenige, die das Problem anspricht und die Auseinandersetzung damit einfordert. Und der Mann ist derjenige, der versucht, dies zu vermeiden und sich dem zu entziehen. Einschränkend muß jedoch darauf hingewiesen werden, daß sich dieses Muster auch bei glücklichen Paaren finden läßt.

4.3     Häufige Problembereiche in Ehen und Partnerschaften

In der vorliegenden Studie sollen neben anderen Faktoren auch solche Bereiche und Themen erfaßt werden, die von den Partnern als problematisch für ihre Beziehung eingeschätzt werden und Unzufriedenheit auslösen. Eine frühe Untersuchung dazu stammt von Mitchell, Bullard, und Mudd (1962), die Berichte von Ehepaaren zusammenfaßten über die Häufigkeit, mit der 22 Bereiche in der Partnerschaft als problematisch angegeben wurden. Die fünf am meisten genannten Themen waren:

-         Geldangelegenheiten,

-         Haushaltsführung,

-         Unzufriedenheit mit der Person des Partners,

-         sexuelle Anpassung

-         und Verteilung der Hausarbeit.

Demgegenüber wurden die Bereiche soziale Herkunft und Bildung am seltensten als relevant hervorgehoben. Interessanterweise ließ die Rangordnung keine Unterscheidung zwischen Frauen und Männern oder glücklichen und unglücklichen Beziehungen zu.

       Geiss und O´ Leary (1981, zitiert nach Hammerschmidt und Kaslow, (1995) befragten Ehetherapeuten nach den am meisten die Ehe belastenden sowie den am schwierigsten zu behandelnden Bereichen in der therapeutischen Praxis. Dabei wurde mit großem Abstand die Kommunikation genannt, gefolgt von unrealistischen Erwartungen, Machtkämpfen und ernsten individuellen Krisen. Alkoholismus stellte sich als das am schwierigsten zu behandelnde Problem heraus, gefolgt von Mangel an Liebesgefühlen, ernsten individuellen Krisen und Machtkämpfen. Zum Thema Kinderwunsch fand Thiels (1987) bei kinderlosen Paaren im Vergleich mit Elternpaaren keine größere Beeinträchtigung der Zufriedenheit mit ihrer Beziehung oder der Sexualität. Bei Hammerschmidt und Kaslow (1995) wurden von den Partnern häufig Unstimmigkeiten bei Themen beklagt wie:

-         Lebensphilosophie,

-         gemeinsam verbrachte Zeit,

-         Freizeitinteressen und -aktivitäten,

-         Zielvorstellungen sowie der Umgang mit den Kindern.

Wenn Paare sich trennen, erhebt sich mitunter auch die Frage, welche äußeren Faktoren auf die Beziehung gewirkt haben könnten. Füchsle (1983) vermutete, daß die Berufstätigkeit von Frauen zu Konflikten in der Beziehung beitragen könnte, und da bei jüngeren und berufstätigen Frauen größere Machtressourcen bestehen sollten als bei älteren, sollte seiner Meinung nach in dieser Gruppe ein erhöhtes eheliches Konfliktpotential vorliegen. Diese Annahme konnte jedoch nicht bestätigt werden, lediglich der Vergleich von älteren und jüngeren Frauen erbrachte einige Effekte in der erwarteten Richtung.

       Demgegenüber stellt Arbeitslosigkeit in diesem Zusammenhang tatsächlich eine wichtige Einflußgröße dar, wie in einer Studie von Bleich (1989) zur Arbeitslosigkeit des Mannes und Veränderungen in der Paarbeziehung deutlich wurde. Die in der Literatur häufig anzutreffende Annahme eines positiven Zusammenhangs der Beziehungsqualität mit der Erwerbstätigkeit bzw. Erwerbslosigkeit bestätigte sich. Als einflußnehmende Variablen der individuellen Belastung, die ebenso für die Belastung der Paarbeziehung Gültigkeit besitzen, erwiesen sich insbesondere die Stellung der Arbeit im Selbstkonzept bzw. die Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl, die Unterstützung durch das soziale Netz, die Auflösung der Zeitstruktur, die Ursachenattribuierung, die finanzielle Situation und das Alter des arbeitslosen Mannes. Interessanterweise konnte nur ein eingeschränkter Zusammenhang zwischen der Qualität der Paarbeziehung vor Eintritt der Arbeitslosigkeit mit der Belastung des arbeitslosen Mannes für die Variablen gesundheitliche Beeinträchtigung sowie die Zufriedenheit im Sexualleben gefunden werden. Insgesamt können die Ergebnisse dahingehend interpretiert werden, daß Arbeitslosigkeit des Mannes nicht nur Auswirkungen auf den direkt Betroffenen besitzt, sondern auch eine Beeinträchtigung der Paarbeziehung mit sich bringen kann (Bleich, 1989).

4.4     Umgang mit Konflikten

Im Kontakt zweier verschiedener Individuen kann es zwangsläufig dann und wann zu Meinungsverschiedenheiten kommen. Wie aber ist damit umzugehen? Welche Unterschiede bestehen zwischen glücklichen und unglücklichen Paaren bezüglich ihrer Art und Weise, Konflikte auszutragen? Was machen die Unglücklichen falsch? Die folgenden Ausführungen beschreiben ein Konfliktverhalten, wie es insbesondere in problematischen Paarbeziehungen zu beobachten ist und das zu großer Unzufriedenheit in der Partnerschaft führen kann.

Beispielsweise forschte Balck (1982, siehe auch Abschnitt  4.5) zum Thema Zufriedenheit und Konfliktverhalten in Zweierbeziehungen. Er ließ 30 Paare (unter Laborbedingungen) ihren letzten Ärger diskutieren und beobachtete sie dabei. Dabei fiel auf, daß bei den unzufriedenen Paaren im Verhältnis zu den zufriedenen weitaus häufiger Themen wie Aggressionen und Ärger, das Dominanzverhältnis zwischen den beiden und negative Eigenschaften des Partners angesprochen wurden. Außerdem wurde bei unglücklichen Paaren eher versucht, sich mit „Tricks“ gegenseitig zu beeinflussen. Darüber hinaus war das destruktive Konfliktverhalten durch Angriffe auf die Person des Partners gekennzeichnet. Nur in geringem Maße wurden dagegen Probleme wirklich besprochen oder Vorplanungen gemacht. Bei den Partnern mit destruktivem Konfliktverhalten weitete sich jeder Streit zu heftigen Auseinandersetzungen aus, in denen es aber nicht zu Konfliktlösungen kam (Hahlweg, 1991). In „normalen“ Paarbeziehungen, in denen zwar ebenfalls Streit und Auseinandersetzungen vorkamen, die Partner jedoch über konstruktive Konfliktverhaltensformen verfügten, uferten die Diskussionen nicht aus, sondern führten letztendlich zu einer Konfliktlösung. In bezug auf die intradyadische Ähnlichkeit des Konfliktverhaltens war es so, daß sich die zufriedenen Paare im konstruktiven und die unzufriedenen Partner im destruktiven Konfliktverhalten ähnelten.

       Gottman (1979, zitiert nach Hahlweg, 1991) entdeckte in Situationen der Konflikteskalation, daß gestörte Paare mehr negative Reziprozität zeigen als nichtgestörte. Die Wahrscheinlichkeit einer negativen Reaktion war über das normale Maß hinaus erhöht, wenn ein negativer Reiz vorausgegangen war. Revenstorf, Vogel, Wegener, Hohlweg & Schindler (1980, zitiert nach Margolin, 1988) stellten ebenfalls fest, daß unglückliche Paare dazu tendieren, Konflikte eskalieren zu lassen. So werden Probleme endlos „wiedergekäut“ und von ständigen Wiederholungen negativer Reaktionen begleitet. Darüber hinaus schaffen die Partner durch wechselseitige negative Reaktionen eine unüberbrückbare Distanz zwischen sich.

       Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß in Studien zum Umgang mit Konflikten in der Partnerschaft immer wieder folgende Unterschiede deutlich werden: Im Vergleich zu nichtgestörten Paaren zeigen gestörte Paare mehr negative Gefühle, negative Stimme und nonverbale Nichtbeachtung, mehr negatives verbales Verhalten wie Kritik oder Nichtübereinstimmung, weniger positive Gefühlsäußerungen wie Lächeln, positive Stimme und weniger positives Verhalten wie Zustimmung oder Akzeptanz (Margolin, 1988). Weiterhin wird darauf hingewiesen, daß der Konfliktstil unglücklicher Paare zu einem häufigeren Auftreten und zu längeren Ketten bestrafender Verhaltensweisen innerhalb der Partnerschaft führt und weniger produktive Ergebnisse erbringt. Margolin und Christensen (1983) führten in Form von Tag-zu-Tag-Abfolgen telefonische Interviews über Häufigkeit und Dauer von realen Ehe- und Familienkonflikten. Anders als in Laborsimulationen, konnten hier verschiedene Tageszeiten wie Morgen, Mittag und Abend mit einbezogen werden. Ehefrauen gaben in Tagesberichten an, ob während einer der Zeitperioden ein Konflikt in der Ehe aufgetreten war.

       Dabei wurde deutlich, daß der Ausbruch eines Ehestreits in den meisten Fällen einen weiteren Konflikt am selben oder darauffolgenden Tag nach sich zog. Margolin (1988) spricht in diesem Zusammenhang von einem „Überlaufeffekt“. In gestörten Partnerschaften wurde ein fünf mal höherer Tageswert an Ehekonflikten gemessen als in nichtgestörten Partnerschaften. Außerdem wurde durch den Ausbruch eines Ehekonflikts auch die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Eltern-Kind-Konflikts im folgenden Zeitraum erhöht (Margolin & Christensen, 1983). Die schädigende Wirkung von Konflikten auf die Gesundheit der Partner wurde neben anderen von Klann und Hahlweg (1994) in einer beratungsbegleitenden  Forschungsarbeit  untersucht.  Hier waren etwa 45 % der Frauen und 30 % der Männer mit Ehekonflikten klinisch depressiv und klagten über erhebliche körperliche Beschwerden.

       Jungnickel, Nisius und Sibbert (1983) analysierten in ihrer Diplomarbeit Zusammenhänge zwischen Partnerschaftskonflikten, den Persönlichkeitsmerkmalen der Partner, der familialen Sozialisation, und den Strukturen der Partnerschaft. Bei der Betrachtung der Verkopplung von Partnerschaftsstrukturen mit der emotionalen Situation und den Konflikten in der Beziehung konnte die Wichtigkeit der drei Funktionsprinzipien von Willi (1975, zitiert nach Jungnickel et al., 1983) für die Zufriedenheit der Partner bestätigt werden. Diese für die emotionale Situation wichtigen Voraussetzungen sind:

1.        Die eindeutige Definition der Beziehung gegenüber dem Partner und gegenüber Dritten       (Abgrenzungsprinzip).2.        Die Möglichkeit für beide Partner sowohl erwachsene, unabhängige als auch nach       Geborgenheit suchende, abhängige Rollen zu übernehmen       (Ausgewogenheit der progressiven und regressiven Rollen).3.        Die Gleichwertigkeit der Partner in ihren Beiträgen zur Partnerschaft       (Gleichwertigkeitsprinzip)Die Verletzung eines dieser Prinzipien führt zu einem deutlichen Anwachsen der Unzufriedenheit und der Nähe-Distanz-Konflikte in Form von Auseinandersetzungen um Macht und Divergenz in der Partnerschaft. Paarbeziehungen, die auf gegenseitiger Ergänzung beruhen (komplementäre Partnerschaften) bieten mehr Gelegenheit für das Aufkommen von Unstimmigkeiten als auf Gleichheit der Partner beruhende (symmetrische) Partnerschaften.Neurotizismus, Kontrollerwartung, Ängstlichkeit und soziale Erwünschtheit lassen eine Differenzierung zwischen Personen mit höherer und niedrigerer Konfliktbereitschaft zu. Dennoch wird von den Autoren der eigentliche Erklärungswert von Persönlichkeitsmerkmalen für Konfliktverhalten eher gering eingeschätzt. Als einzige Ausnahme wird auch hier das Merkmal Neurotizismus angegeben, das 21 % der Varianz für Unzufriedenheit in Partnerschaften erklärte und sich den Autoren zufolge als diagnostisches Instrument für Konflikte eignet. Bei Kelly und Conley (1987) sowie Kurdek (1993, siehe Abschnitt 4.1) war das Persönlichkeitsmerkmal Neurotizismus ein Faktor, der häufig mit der späteren Trennung des Paares zusammenhing.Jungnickel et al. (1983) bemerken, daß der Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmal und Unzufriedenheit keine einseitige Ursache-Wirkung-Richtung angeben kann. Wenn auch einige Persönlichkeitszüge eher die Voraussetzung für Konflikte schaffen als andere, so können aber auch Partnerschaftskonflikte die Persönlichkeit der Beteiligten beeinflussen. Persönlichkeitsmerkmale könnten laut Jungnickel et al. (1983) zur Fokussierung in einer Ehetherapie mit herangezogen werden und zum Verständnis des Konfliktverhaltens einer Person beitragen.

       Gottman (1998) faßt zusammen, daß sich in sämtlichen Studien zu Stabilität und Zufriedenheit in der Ehe durchweg sieben konsistente Muster finden, die für eine dysfunktionale Beziehung charakteristisch sind:

a)        der Umgang miteinander ist mehr von negativen Affekten begleitet, was mit der geringen Neigung zum Einlenken bei Konflikten zusammenhängt;

b)        die negativen Erfahrungen überwiegen gegenüber den positiven Erfahrungen in der Beziehung, was die Paare auf die Scheidung zusteuern läßt (demgegenüber steht ein besseres Übereinstimmen in glücklichen Ehen);

c)        in unglücklichen Beziehungen werden weniger positive Gefühle empfunden;

d)        d) die in der Partnerschaft übermäßig präsente Kritik, Selbstverteidigung, gegenseitige Verachtung und gegenseitiges Blockieren sprechen für eine Trennung;

e)        häufigeres Vorkommen des Nähe-Distanz-Musters (abhängige Frau, distanzierter Mann) bei unglücklichen Ehen (wenngleich dieses Muster in einigen glücklichen Ehen ebenfalls zu finden ist);

f)          negative und stabile Attributionen den Partner betreffend und mehr negative Äußerungen über die Ehe und den Partner;

g)        größere physiologische Erregung in unglücklichen Beziehungen.

Gottman (1998) resümiert, daß es darauf ankäme, ein theoretisches Modell zu finden, das all diese Erkenntnisse integriert, wobei zwei Fragen immer im Vordergrund stehen sollten: „The question of what is dysfunctional in marriages  . . .  , and the question of what is functional, that is, what couples whose marriages are doing well are doing (thinking, feeling, etc) differently“ (Gottman, 1998, S. 190).

4.5       Kommunikation und Interaktionsverhalten: Ein Vergleich von

          glücklichen und unglücklichen Paaren

Bodenmann (1993) unterstreicht die in der Forschungsliteratur häufig thematisierte enge Verbindung von Partnerschaftszufriedenheit und Kommunikation innerhalb der Beziehung. Kommunikation sei eine grundlegende Bedingung für dyadisches Coping, und ein Paar würde Probleme gemeinsam meistern können, „wenn es beiden Partnern mittels einer guten Kommunikation“ gelänge, „die Problemlage und Ziele verständlich zu definieren, die Bewältigungsbemühungen zu koordinieren und den Alltag funktional zu organisieren“ (Bodenmann, 1995, S.78). Im sachbezogenen Bereich betrifft dies vor allem das offene Planen, das Diskutieren von Lösungsstrategien sowie das Sprechen über paarinterne Regeln und Muster. Kommunikation kann als Basis für Kooperation und Organisation in der Partnerschaft betrachtet werden.

Unter angemessener Kommunikation versteht der Autor in diesem Zusammenhang die klare, unmißverständliche Mitteilung emotionaler oder sachlicher Inhalte seitens des Senders sowie entsprechende Wahrnehmungs- und Dekodierungsfertigkeiten des Empfängers. Die Ergebnisse einer Studie zur Partnerschaftschaftszufriedenheit, die Bodenmann (1993) mit 70 Paaren durchführte, bestätigen den positiven Zusammenhang zwischen einer guten Kommunikation und Beziehungszufriedenheit. Kommunizieren unzufriedene Paare anders als zufriedene?  Die Ergebnisse einer sehr frühen Veröffentlichung von Navran (1967) sprechen dafür. Folgende typische Muster wurden für das Kommunikationsverhalten in unglücklichen Partnerschaften - im Vergleich mit glücklichen - gefunden:

-         sie sprechen seltener über angenehme Tagesereignisse,

-         fühlen sich seltener von ihrem Partner verstanden,

-         brechen häufiger das Gespräch ab, bzw. schmollen häufiger,

-         gebrauchen weniger Worte mit privater Bedeutung (z.B. Kosenamen),

-         gehen im Gespräch seltener auf die Gefühle des Partners ein

-         und sprechen weniger über intime Belange.

Wolf (1983) stellte in einem Experiment zum Zusammenhang zwischen Verhaltens- und Erlebensvariablen in der Kommunikation von glücklichen und unglücklichen Paaren fest, daß das Ausmaß der Wertschätzung, die Männer in unglücklichen Partnerschaften ihren Partnerinnen entgegenbringen, mit ihren eigenen verbalen Reaktionen und mit denen ihrer Partnerinnen zusammenhing. Je geringer die Wertschätzung der Männer, desto weniger positive verbale Reaktionen wie z.B. Zustimmen, Paraphrasieren etc. zeigten sie ihrer Partnerin gegenüber und desto weniger erhielten sie umgekehrt von diesen. Geringe Wertschätzung führte darüber hinaus bei den Partnerinnen zu mehr negativen verbalen Verhaltensweisen und zur Reduktion von Problemlöseverhalten.

       Römer und Hahlweg (1986) beobachteten, daß Paare mit niedriger Ehequalität seltener nonverbal positiv und verbal negativ und demgegenüber häufiger nonverbal negativ und verbal positiv kommunizierten als Paare mit hoher Ehequalität. Eine Sequenzanalyse der Gespräche zeigte, daß unglückliche Paare im Verlauf eines Gespräches sowohl konsistent als auch inkonsistent kommunizierten, während bei glücklichen Paaren in einer Gesprächssequenz entweder konsistente oder inkonsistente Äußerungen vorkamen.

        

Im Zusammenhangs mit der Erforschung von Partnerunzufriedenheit und Konfliktverhalten bezog Balck (1982) auch Variablen wie Aggressivität, Streithäufigkeit und das Mitteilen von Gefühlen in die Erhebung mit ein. Bei Konflikten verhielten sich die unzufriedenen Paare im Gegensatz zu den zufriedenen weniger konstruktiv und häufiger destruktiv. Außerdem erlebten die Paare mit starkem destruktiven Verhalten länger anhaltende Verstimmungen nach einem Streit.

       Gottman (1979, zitiert nach Hahlweg, 1991) fand heraus, daß unglückliche Paare eine größere Rigidität im Interaktionsverhalten zeigen als glückliche. Bei unglücklichen Paaren lief eine Diskussion häufig so ab, daß man sich am Anfang in wechselseitigen Vorwürfen verlor, dann in eine Phase des negativen Wortwechsels trat, die bis zum Ende der Auseindandersetzung keinen Raum für gegenseitige Verständigung bot. Normale Paare begannen demgegenüber meist mit einer Validierungssequenz, sie vermieden die Phase des negativen Wortwechsels und schafften es meistens, die Diskussion mit einer Übereinkunft zu beenden. Bei unglücklichen Paaren war bei Initiativen eines Partners die Aufmerksamkeit des anderen mehr auf die begleitenden negativen Affekte gerichtet als auf die metakommunikative Botschaft. In einer nichtgestörten Beziehung könnte beispielsweise ein: „Laß´ mich doch erst einmal ausreden!“ eher mit einem Einlenken beantwortet werden wie „Tut mir leid, aber das hat mich eben auf die Palme gebracht“, wohingegen in einer gestörten Partnerschaft die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die unterschwellige Aggression gerichtet war, der mit einem Vorwurf begegnet werden könnte, wie z.B.: „Ich müßte dich nicht unterbrechen, wenn ich bei dir nur einmal zu Wort kommen würde!“

Weitere deutlich positive Zusammenhänge zwischen der Güte der Kommunikation und der Ehequalität entdeckte Hahlweg (1991), der die wichtigsten Resultate seiner Untersuchung wie folgt zusammenfaßt:

Partner in erfolglosen Beziehungen hatten Defizite in den Bereichen Kommunikation und Problemlösen. Paare mit niedriger Ehequalität verhielten sich bei der Diskussion ihrer Probleme nonverbal wesentlich negativer, sprachen wenig über ihre eigenen Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse und vermittelten dem Partner seltener, daß sie ihn und seine Äußerungen akzeptierten als es Partner in Beziehungen mit hoher Ehequalität taten. Außerdem kritisierten und werteten sie ihre Partner häufiger ab, stimmten deren Äußerungen seltener zu und rechtfertigten sich öfter als die glücklichen Partner, deren Problemdiskussion auch wesentlich neutraler verlief.

Bei erfolglosen Partnerschaften war die Rate positiver Verstärkung durch den Partner geringer, die Rate bestrafender Verhaltensweisen dagegen höher als bei den erfolgreichen Paaren. Paare mit mittlerer und niedriger Ehequalität schilderten weitaus mehr Bereiche in ihrer Partnerschaft als konfliktauslösend, waren aversiver in ihrem Streitverhalten, kritisierten ihre Partner häufiger und lehnten deren Äußerungen öfter ab als Paare mit hoher Ehequalität. Diese waren miteinander deutlich belohnender. So öffneten sie sich ihrem Partner im Gespräch häufiger, akzeptierten ihn mehr und stimmten seinen Äußerungen häufiger zu, schilderten ihn als zärtlicher und insgesamt kommunikativer. Es gab eine Tendenz, daß Paare mit hoher Ehequalität positive Verhaltensweisen reziproker austauschten.

Paare mit niedriger Ehequalität waren bei Eskalationen nicht in der Lage, sich aus einem negativen Zirkel zu lösen. Während Paare mit hoher Ehequalität negative Eskalationen nach kurzer Zeit abbrechen konnten.

Die Bedeutung verschiedener Variablen für die Ehequalität war unterschiedlich, d.h. sozio-ökonomische Variablen wie Alter, Altersdifferenz, Dauer der Ehe, Schulbildung, Beruf, Einkommen, Kinderzahl und individuelle Variablen wie IQ und Religiosität korrelierten nicht mit Maßen der Qualität der Partnerschaft, während alle Beziehungsvariablen wie Streitverhalten, Sexualität, Zärtlichkeit und Kommunikation deutliche Korrelationen mit der Ehequalität aufwiesen.

Hahlweg (1991) betont, daß Kommunikations- und Problemlösefertigkeiten von entscheidender Bedeutung für die Ehequalität und- stabilität sind. Daher sind Maßnahmen zur Verbesserung dieser Fähigkeiten auch zentraler Bestandteil verhaltenstherapeutischer Ehetherapie bzw. präventiver Programme zur Ehevorbereitung. Durch eine Paarberatung können die Anzahl der Konfliktbereiche, die globale Zufriedenheit mit der Partnerschaft sowie die affektive Kommunikation und damit auch die körperlichen Beschwerden und die depressive Befindlichkeit signifikant verbessert werden (Klann & Hahlweg, 1994).

Beispielhaft für den Erfolg solcher Programme sind die Ergebnisse einer Wirksamkeitsstudie zu einem Ehevorbereitungskurs, die von Engl, Thurmaier, Eckert und Hahlweg (1994) ins Leben gerufen wurde. Dabei wurden Paare, die an EPL-Kursen (Ehevorbereitung - Ein partnerschaftliches Lernprogramm) teilgenommen hatten, mit nichtteilnehmenden Paaren verglichen. In diesen Kursen wurden Kommunikations- und Problemlösefertigkeiten vermittelt, die einen erfolgreicheren Umgang mit Konflikten ermöglichen. Die EPL-Paare konnten sich in Nachuntersuchungen, sogar drei Jahre später noch, signifikant konstruktiver auseinandersetzen als die Kontrollpaare, bei denen mit der Güte der Kommunikation auch die Ehezufriedenheit sank, was sich - in der dafür relativ kurzen Zeit - schon in einer wesentlich höheren Trennungs- und Scheidungsrate niederschlug. Die Kontrollpaare zeigten Zeichen einer negativen Interaktionsentwicklung, die sich auch im subjektiven Erleben bemerkbar machte. EPL-Paare wurden darüber hinaus häufiger und früher Eltern.

4.6     Attributionsstile in unglücklichen Beziehungen

Kognitive Phänomene können einen „eigenen Einfluß auf die Dynamik von Beziehungen ausüben.“ (Asendorpf, 2000, S. 150) Daher wird abschließend noch kurz auf kognitive Prozesse wie Attributionsstile und deren Einflußnahme auf Zufriedenheit und Glück in der Partnerschaft eingegangen. Attributionen, also Ursachenzuschreibungen, spielen vor allem in unglücklichen Beziehungen eine herausragende Rolle. So können Attributionstendenzen oder -fehler zu Mißverständnissen, Schuldzuweisungen und Kommunikationsstörungen in Partnerschaften beitragen.

Zerstrittene Partner gelangen durch kognitive Prozesse oft zu gegensätzlichen Erklärungen für ihre Konflikte, darüber hinaus sind sie häufig blind für Attributionen aus einer anderen Perspektive, d.h. sie können sich nicht in die Sichtweise ihrer Partner hineinversetzen (Fiedler & Ströhm, 1991). Vielmehr projizieren sie die eigenen Attributionen auf das Gegenüber (Harvey, Wells & Alvarez, 1978) In Experimenten fiel auf, daß die Partner diese Diskrepanzen gar nicht bemerkten und nicht verstanden. Solche Ergebnisse sind allerdings schwer zu erklären, denn die Erforschung von Attributionsprozessen unterliegt einem methodischen Dilemma insofern, als es sich allein aufgrund von Korrelationen nicht entscheiden läßt, „ob Attributionsstile eine Ursache von Partnerschaftskonflikten sind, oder aber ein Coping-Mechanismus, ein bloßer diagnostischer Indikator, oder ob Konflikt und Attributionsstil die gemeinsame Folge von anderen Ursachen darstellen“. (Fiedler und Ströhm, 1991, S.95)

Von diesen Schwierigkeiten abgesehen, gibt es dennoch einige gesicherte Erkenntnisse in der Attributionsforschung. So hat sich ein gut bestätigtes Grundmuster herauskristallisiert, das unglückliche von glücklichen Paaren unterscheidet: Unzufriedene attribuieren das Verhalten des Partners zu dessen Ungunsten, wohingegen die Attributionen in glücklichen Beziehungen für den jeweils anderen wohlwollend sind. Unzufriedene suchen die Verantwortung für negative Ereignisse beim Partner, die Verantwortung für positive dagegen bei sich, außerdem wird negatives Verhalten eher Persönlichkeitsmerkmalen des anderen zugeschrieben, eigenes negatives Verhalten hingegen durch äußere Umstände entschuldigt (Fiedler und Ströhm, 1991; vgl. Gottman, 1998). Darüber wird häufiger das Verhalten des Partners und die Beziehung für Partnerschaftsschwierigkeiten verantwortlich gemacht, womit globale Schuldzuweisungen verbunden sind. Außerdem werden dem negativen Verhalten des Partners oft noch zusätzlich absichtsvolle und selbstsüchtige Motive unterstellt (Heil, 1991).

Fiedler und Ströhm (1991) weisen auf die große Bedeutung der Attributionsforschung für das weite Gebiet der Partnertherapie hin. Sie gehen davon aus, daß eine Veränderung problematischer Attributionsmuster generell möglich ist. Paare können verstehen lernen, wie perspektivische Irrtümer und Teufelskreise entstehen und sie können lernen, dieses Wissen anzuwenden.

 Empirische Studien zur Partnerwahl, Beziehungszufriedenheit

      und Stabilität sowie zu Problembereichen in Partnerschaften

      im Überblick

Nachfolgend werden Untersuchungen zu in den Kapiteln 2-4  dargestellten Themen tabellarisch zusammengefaßt, mit Angabe des Autors, des Erscheinungsjahres, der angewandten Methode sowie einer Kurzbeschreibung der Stichprobe und der Ergebnisse (siehe Tabelle 7).


Tabelle 7: Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Byrne, Ervin, Lamberth,

1970

N = 88,

44 Paare, zusammen-gestellt aus einem Pool von 420 Psycho-logiestudenten der University of Texas, auf der Basis mini- oder maximaler Ähnlichkeit ihrer Antworten im APQ

APQ, SSC, CDC,

Feldexperiment: arrangiertes Treffen,

Attraktions-messung,

IJS

Die Kontinuität zwischen Laborexperimenten zur Attraktion und einem „echten“ Computer-dating

Das wichtigste bei dieser Studie ist die Feststellung, daß die bisherigen Ergebnisse aus Laborstudien vom Papier-Bleistift-Test über audiovisuelle Studien bis hin zu quasi-realen Experimenten eine Bestätigung durch eine Felduntersuchung erfuhren. Attraktion  korrelierte signifikant mit der Ähnlichkeit und der physischen Attraktivität. Physische Attraktivität korrelierte signifikant mit dem (im Fragebogen anzukreuzenden) Wunsch nach weiteren Treffen, dem Wunsch, denjenigen zu heiraten und mit sexueller Attraktivität. Beide Variablen, Ähnlichkeit und Attraktivität, korrelierten mit der körperlichen Nähe der beiden Personen während der Nachtreffen beim Versuchsleiter.  In einer Folgeuntersuchung am Ende des Semesters korrelierten die beiden Variablen mit der Erinnerung des Namens des damaligen „Partners“, mit dem Vorkommen von Gesprächen nach dem experimentellen Treffen und mit dem Wunsch, den anderen zukünftig zu treffen.

Stroebe, Insko, Thompson & Layton,

1971

N = 200,

100 männliche und 100 weibliche Psychologie-studenten der University of North Carolina, davon 90 männliche und 90 weibliche direkt am Experiment, die rest-lichen an der Vorun-tersuchung zur Aus-wahl der Fotografien teilnehmend, nicht näher beschrieben

Fotoauswahl,

APQ, AI, SRI, MMPI,

ANOVA

Effekte physischer Attraktivität, Einstellungsähnlichkeit und Geschlecht auf verschiedene Aspekte interpersoneller Anziehung

Als Hauptergebnis konnte gezeigt werden, daß eine größere Anziehung ausging von attraktiven Personen verglichen mit unattraktiven und von ähnlichen im Vergleich zu unähnlichen Personen. Ähnlichkeit war bei Frauen wichtiger als bei Männern für Mögen und Zusammenarbeiten, während bei Männern physische Attraktivität einen größeren Effekt auf Zusammenarbeiten, Treffen und Heiraten hatte. Für Männer (für diese noch mehr) und Frauen hatte die physische Attraktivität einen größeren Effekt auf Treffen als auf Mögen oder Heiraten. Verglichen mit Personen, die sich selbst als attraktiv einschätzten, bevorzugten die sich selbst als unattraktiv einschätzenden Personen ebenfalls eher unattraktive als attraktive Personen für ein Treffen.

Birchler, Weiss, & Vincent,

1975

N = 48,

24 Paare, geworben durch Zeitungsaufrufe, in denen Paare mit Eheproblemen und glücklich verheiratete Paare gesucht wurden, Teilnahme gegen Be-zahlung von 17 $, Alter von 25,5 - 26 Jahren, Ehedauer von 4,2 - 3,6 Jahren

MAI, MICS, Beobachtung

Eine multimethodische Analyse der sozialen Verstärkung in glücklichen und unglücklichen Ehen und in fremden Dyaden

Ausgehend von der Annahme, daß eheliche Interaktionen auf Theorien des sozialen Lernens beruhen, untersucht diese Studie die positive und negative Verstärkung in glücklichen und unglücklichen Ehen und in fremden Dyaden. Dafür wurden Verhaltensdaten, die zu Hause und in Laborinteraktionen gewonnen wurden, genutzt. Im Labor erleichterte ein operationalisiertes Design den Vergleich zwischen Ehe- und Fremdinteraktionen. Die Ergebnisse aus dem natürlichen Umfeld zeigten, daß unglückliche im Vergleich zu glücklichen Paaren weniger Erfreuliches, dafür aber mehr Unerfreuliches äußerten, mehr in Konflikten verwickelt sind und weniger gemeinsame Aktivitäten durchführen. Die Laborergebnisse ergaben ebenfalls, daß unglückliche Paare weniger Positives und mehr Negatives in einem neutralen und in einem Problemklärungsgespräch äußerten als glückliche Paare. Beide - unglückliche und auch glückliche - Dyaden waren mehr negativ und weniger positiv als fremde Dyaden.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Fuhrmann,

1979

N = 1167

repräsentativ ausge-wählte, verheiratete Personen aus dem gesamten Bundesge-biet, 580 Frauen, 587 Männer

Fragebogen

Macht und Ohnmacht zwischen Ehepartnern

Ergebnisse: 1.) Psychologische Kriterien haben den höchsten Erklärungswert für ein

Machtgefälle in einer Ehe. 2.) Ehen in Deutschland sind vorwiegend von Partnerschaft im Sinne ausgeglichener Machtstrukturen gekennzeichnet. 3.) Wahrgenommene Macht ist - je nach untersuchter Dimension - geschlechtsspezifisch lokalisierbar.

Lujanski & Mikula,

1980

N = 92

männliche Studenten in festen heterosexuellen Beziehungen, Beziehungsdauer mindestens drei Monate

Fragebogen

Ausgewogenheit, Zufriedenheit und Stabilität in heterosexuellen Paarbeziehungen

Entgegen der Equity-Theorie konnten die Hypothesen, daß als ausgewogen beurteilte Beziehungen sowohl mit einer größeren Zufriedenheit mit der Beziehung als auch mit einer größeren Stabilität derselben einhergehen, nicht bestätigt werden. Angehörige ausgewogener Beziehungen waren keineswegs zufriedener als Angehörige unausgewogener Beziehungen. Auch die Stabilität zeigte keinen Zusammenhang . Vielmehr erwies sich die Beziehung als um so stabiler, je positiver die Freundin eingeschätzt wurde, unabhängig von der Selbsteinschätzung der Versuchspersonen.

Aufgrund der Bewertung der „inputs“ und „outcomes“ wurde eine Vielzahl verschiedener Equity-Maße errechnet. Keines dieser Maße war geeignet, die emotionale Qualität und die Stabilität der Paarbeziehung vorherzusagen.

Reis, Nezlek & Wheeler,

1980

N = 71,

35 Männer und 36 Frauen der North Eastern University im ersten Semester, mit jeweils einem Zimmergenossen einen Schlafraum teilend, nicht näher beschrieben

Tagebuchaufzeich-nungen („Interaction record form“),

Attraktivitäts-beurteilung

Physische Attraktivität und soziale Interaktion

Die Versuchsteilnehmer führten Buch über ihre sozialen Interaktionen, deren Häufigkeit mit der physischen Attraktivität der Probanden in Beziehung gesetzt wurde, mit den folgenden Ergebnissen: Physische Attraktivität korrelierte bei Männern hoch mit der Häufigkeit sozialer Kontakte und zwar positiv mit weiblichen und negativ mit gleichgeschlechtlichen Begegnungen, bei Frauen ergaben sich diesbezüglich keine signifikanten Effekte. Für beide Geschlechter, insbesondere bei den gegengeschlechtlichen Interaktionen, war über die Zeit eine steigende Tendenz in Richtung positiver Korrelation zwischen Zufriedenheit und Attraktivität zu verzeichnen. Frauen mit unbeständigen Attraktivitätsratings schienen zufriedener mit ihren sozialen Kontakten. Attraktive Männer tendierten in Bezug auf gegengeschlechtliche Begegnungen mehr zu Kontakten, die beidseitig und weniger nur von der eigenen oder der anderen Seite initiiert wurden. Attraktive Männer hatten mehr Gespräche und weniger Aktivitäten. Attraktive Frauen hatten weniger aufgabenbezogene Kontakte und mehr party- und freizeitbezogene Treffen.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Schwarzen-

auer,

1980

N = 1100,

570 Frauen und 530 Männer im Alter von 20-75 Jahren, reprä-sentativ für alle Er-wachsenen zwischen 20-75 Jahren in der BRD 1980

Fragebogen

Was macht eine Ehe glücklich? Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage

Eine Ehe ist um so harmonischer, je ähnlicher sich die Ehegatten sind. Ähnliche Interessen, Ähnlichkeit der Charaktere, ähnliche Konstitution wirken sich fördernd auf das subjektive Wohlbefinden beider Ehepartner aus. Dagegen sind gleiche Konfession und soziale Herkunft nicht entscheidend für das Eheglück. Selbst größere Altersunterschiede und mangelnde äußere Fundierung der Ehe können nur geringfügig das eheliche Glück beeinträchtigen. Eine gute Ehe entwickelt sich meist dann, wenn bereits die jeweiligen Elternehen glücklich verlaufen waren. Ehezufriedenheit wird außerdem gefördert durch späte Heirat und eine längere Verlobungszeit. Echte Zuneigung als Motiv hinter dem Entschluß zu heiraten ist eine weitere Voraussetzung für eine glückliche Ehe. Emotionale Stabilität ist die wichtigste Eigenschaft, um den Ehepartner glücklich zu machen. Die Ehezufriedenheit nimmt in den ersten Jahren nach der Heirat ab und ist bei den Ehefrauen relativ niedrig, solange sie noch Klein- oder Schulkinder aufzuziehen haben. Bei Ehemännern scheinen die Tiefpunkte nach den ersten sieben Ehejahren und kurz vor Eintritt in das Pensionsalter zu liegen. Später werden beide Ehepartner wieder glücklicher. Die Berufstätigkeit der Ehefrau scheint sich im Alter von unter 30 und über 40 Jahren eher positiv auf die Zufriedenheit mit der Ehe auszuwirken. Bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren - die in der Regel einen größeren Haushalt und mehrere Kinder zu betreuen haben - dürfte dagegen die Berufstätigkeit auf Kosten der ehelichen Harmonie gehen.

Reiter & Steiner,

1981

N = 122,

61 Ehepaare, die einer Paar- oder Familien-therapie zugewiesen worden waren, Durch-schnittsalter der Männer 37 Jahre, der Frauen 34 Jahre, Ehedauer durchschnittlich 11 Jahre

Fragebogen über Sozialdaten, DAS, GT, Gießener Be-schwerdefragebo-gen

Ist eheliche Anpassung ein latentes Therapieziel in der Paartherapie? Theoretische und empirische Untersuchungen zur „Dyadic Adjustment Scale“ von G. B. Spanier

Die gesellschaftlichen Vorstellungen von Ehe und Familie ändern sich laufend, daher wird eine ideologiekritische Analyse der Meßinstrumente für „eheliche Anpassung“, „Eheglück“ und „Ehe-zufriedenheit“ für ebenso wichtig erachtet wie ihre Validierung. Es zeigte sich, daß Paare, die im Sinne des Tests als „gut angepaßt“ zu bezeichnen waren, in Hinsicht auf psychotherapeutische Leitvorstellungen keineswegs als „ungestört“ angesehen werden konnten. Hohe Testscores fanden sich auch bei „Fassadenehen“ und bei Konfliktaustragung über die Kinder sowie bei ängstlich-verstrickten Paaren.

Balck,

1982

 N = 138,

69 Paare im Alter zwischen 20-40 Jahren aus der Mittelschicht,

84 verheiratet, Beziehungsdauer zwischen 47,2 und 134,8 Monate

Fragebogen,

Verhaltens-

beobachtung

Zufriedenheit in der Zweierbeziehung: Eine empirische Untersuchung zu Konfliktstrategien und zum Konfliktverhalten zufriedener und unzufriedener Freundes- und Ehepaare

Bei der Untersuchung des Zusammenhangs von Partnerunzufriedenheit und Konfliktverhalten wurden Variablen wie Aggressivität, Streithäufigkeit und Mitteilen von Gefühlen berücksichtigt. Die zufriedenen Paare zeigten im Gegensatz zu den unzufriedenen Paaren eher konstruktives und selten destruktives Konfliktverhalten. Personen mit starkem destruktiven Verhalten erlebten länger anhaltende Verstimmungen nach einem Streit. Die Betrachtung der intradyadischen Ähnlichkeit ergab, daß sich zufriedene Paare im konstruktiven und unzufriedene im destruktiven Konfliktverhalten ähnelten.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Jungnickel,

1983

N = 144,

77 Frauen, 77 Männer, im Alter von 21-45 Jahren, 40 % verheiratet, 60 % ledig, 75 zusammenlebend,

69 % ohne, 19 % mit 1 Kind, 9 % mit 2 Kindern, Dauer der Partnerschaft von 1-28 Jahren

Fragebogen

Analyse von Konflikten in Partnerschaften

Zur Bestimmung der Unzufriedenheit von Personen in ihrer Partnerschaft erweist sich die Konfliktthemenskala als günstiges Meßinstrument. Sie liefert über die Einschätzung von 21 Themen eine Aussage über das Konfliktpotential in der Partnerschaft. Der Machtkampf in seiner nicht-neurotischen Form bleibt nicht auf symmetrische Partnerschaften beschränkt, sondern kommt auch in Beziehungen vor, in denen sich die Partner gegenseitig ergänzen. Bei der Betrachtung des Zusammenhangs der Partnerschaftsstruktur mit der emotionalen Situation und den Konflikten in der Partnerschaft konnte die Wichtigkeit der drei Funktionsprinzipien von Willi für die Zufriedenheit der Partner bestätigt werden. Diese für die emotionale Situation wichtigen Voraussetzungen sind: 1.) Die eindeutige Definition der Beziehung gegenüber dem Partner und gegenüber Dritten (Abgrenzungsprinzip). 2.) Die Möglichkeit für beide Partner sowohl erwachsene, unabhängige als auch nach Geborgenheit suchende, abhängige Rollen zu übernehmen (Ausgewogenheit der progressiven und regressiven Rollen). 3.) Die Gleichwertigkeit der Partner in ihren Beiträgen zur Partnerschaft (Gleichwertigkeitsbalance). Bei Verletzung eines der Prinzipien wächst die Unzufriedenheit. Komplementäre Partnerschaften bieten mehr Gelegenheit für das Aufkommen von Konflikten. Neurotizismus, Kontrollerwartung, Ängstlichkeit und soziale Erwünschtheit lassen Differenzierungen zwischen Personen mit höherer und niedrigerer Konfliktbereitschaft zu. Jedoch war der eigentliche Erklärungswert der Persönlichkeitsmerkmale für Konfliktverhalten eher gering, mit Ausnahme des Neurotizismuswertes, der 21 % der Varianz für Unzufriedenheit erklärte.

Füchsle,

1983

N = 167,

43 berufs- und 18 nichtberufstätige Frauen im Durchschnittsalter von 26 Jahren, 39 berufs- und 67 nicht-berufstätige Frauen im Alter von ca. 49 Jahren

Fragebogen

Partnerschaft bei berufstätigen und nicht-berufstätigen jüngeren und älteren Frauen

Ausgehend von den vermutlich bei jüngeren und berufstätigen Frauen vorliegenden größeren Machtressourcen wurde erwartet, daß dies zu einem erhöhten ehelichen Konfliktpotential führt. Während sich in bezug auf Berufstätigkeit, familiäre Macht und eheliches Konfliktpotential nicht überall die erwarteten Zusammenhänge zeigten, erbrachte der Vergleich von älteren und jüngeren Frauen erwartungskonforme Ergebnisse.

Riordan & Tedeschi,

1983

N = 110

männliche Studenten, davon 100 direkt am Experiment und 10 als Helfer teilnehmend, nicht näher beschrieben

Experiment

Attraktion in aversiven Kontexten: Bestätigung von Annahmen der Klassischen Konditionierung und der Negativen Verstärkung

Männliche Versuchspersonen, in Erwartung hoher oder niedrig dosierter Elektroschocks, nahmen zusammen mit einer Mitteilnehmerin oder einem Mitteilnehmer, die während der Einweisung anwesend waren oder nicht, am Experiment teil. Die Erregung, die Erklärung dafür und die Attraktion gegenüber dem oder der Mitteilnehmer/in wurden gemessen. Die Anwesenheit der Mitteilnehmer reduzierte die Angst vor den Schocks und beruhigte die Versuchspersonen. Darüber hinaus attribuierten sie ihre Erregung auf die Bedrohung und den beruhigenden Einfluß auf den Mitteilnehmer. Die Attraktion war am höchsten gegenüber den Mitteilnehmern, die nicht bei der „Hoher-Schock“-Androhung dabei waren, obwohl deren Anwesenheit als beruhigend empfunden wurde. Das spricht für Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Klassischen Konditionierung und der Negativen Verstärkung.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Rusbult,

1983

N = 34

17 weibliche und 17 männliche Studenten in Partnerschaften, Durchschnittsalter 20,1 Jahre, durchschnittliche Partnerschaftsdauer 4,2  Wochen, eingeteilt in Kategorien von 0-2, 2-4, 4-6 und 6-8 Wochen

Fragebogen

Eine Longitudinalstudie zum Investmentmodell: Die Entwicklung (und Verschlechterung) der Zufriedenheit und des Engagements in heterosexuellen Beziehungen

Es zeigte sich, daß die Zunahme von Belohnungen mit einem Ansteigen der Zufriedenheit einherging, wohingegen Schwankungen bei den Kosten die Zufriedenheit nicht signifikant beeinflußten. Das Engagement stieg mit Zunahme der Zufriedenheit, mit der Abnahme erreichbarer Alternativen und steigenden Investitionen. Größere Belohnungen förderten darüber hinaus das Engagement, die Beziehung aufrechtzuerhalten, wohingegen Veränderungen bei den Kosten generell keinen Einfluß auf das Engagement hatten. Für Paare, die zusammen blieben, stiegen die Belohnungen, die Kosten wuchsen ein wenig, die Zufriedenheit stieg an, die Qualität von Alternativen nahm ab, die Investitionen stiegen und das Engagement erhöhte sich, wohingegen für die Paare, die sich trennten, das Gegenteil zutraf.

Schenk & Pfrang,

1983

N = 750,

375 Ehepaare, durchschnittliche Ehedauer 7,6 Jahre

Fragebogen

Aspekte des Geschlechtsrollenbildes bei Verheirateten

Es werden reale und ideale Geschlechtsrollenbilder untersucht und zum subjektiv erlebten Eheglück und ehelichen Interaktionsverhalten in Beziehung gesetzt. Im Fragebogen wurde eheliches Interaktionsverhalten bezüglich der Dimensionen „Wertschätzung“ und „Unterstützung“, „vertrauende Offenheit“, „verweigerte Unterstützung“ und „Konfliktverhalten“ erfaßt. Ein Vergleich der Selbsteinschätzungen von Frauen und Männern ergab, daß Männer sich als durchsetzungsfähiger und Frauen sich als emphatischer beschreiben. Allerdings erwiesen sich diese Unterschiede lediglich als Akzentsetzungen. Ein Vergleich von Selbst- und Fremdbeschreibung ergab, daß Frauen ihre Männer als nicht weniger einfühlsam als sich selbst erlebten und daß sich die Männer selbst als weniger einfühlsam einschätzten als Frauen. Hinsichtlich des Vergleichs der Real- und Idealvorstellungen ergab sich, daß beide Geschlechter von sich selbst mehr Einfühlungsvermögen erwarten, als sie tatsächlich zeigen, daß sie jedoch mit dem gezeigten Durchsetzungsvermögen zufrieden sind.

Wolf,

1983

N = 28,

14 Paare, entweder verheiratet oder schon länger zusammenle- bend, die sich auf Annoncen gemeldet hatten, in denen sowohl glückliche als auch mit Problemen belastete Paare gesucht wurden

RI, PFB,

Verhaltens-

beobachtung Diskussion eines eigenen Problems und eines Sprich-wortes,

Auswertung mit MICS-II

Zusammenhänge zwischen Verhaltens- und Erlebensvariablen in der Kommunikation von glücklichen und unglücklichen Paaren

Wie erwartet, korrelierte das Niveau der Wertschätzung der Männer unglücklicher Partnerschaften mit ihren eigenen positiven verbalen Reaktionen und mit denen ihrer Partnerinnen. Inhaltlich heißt das, je geringer das Niveau der Wertschätzung der Männer unglücklicher Partnerschaften, desto weniger positive verbale Reaktionen wie z.B. Zustimmen, Paraphrasieren etc. werden vom Mann seiner Partnerin entgegengebracht und desto weniger wird ihm seine Partnerin entgegenbringen. Je weniger positive Wertschätzung der Mann seiner Partnerin entgegenbringt, desto weniger Problemlöseverhalten wird diese zeigen. Je weniger positive Wertschätzung ein Mann seiner Frau entgegenbringt, desto mehr negative verbale Verhaltensweisen wird diese zeigen. Insgesamt wird darauf hingewiesen, daß ein einseitiger Ansatz zur Erklärung einer gestörten Partnerschaft nicht ausreicht. Eine Möglichkeit zur besseren Erklärung der Ergebnisse wird in der stärkeren Berücksichtigung der kognitiven Ebene gesehen.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Snyder, Berscheid &

Glick,

1985

Studie I:

N = 39

männliche Studenten, 19 hohe (Score > 15) und 20 niedrige (Score < 11) Self-Monitorer,

Studie II:

N = 32

männliche Studenten, 16 hohe (Score > 15) und 16 niedrige (Score < 11) Self-Monitorer der University of Minnesota zwischen 17 und 19 Jahren, ohne feste Partnerin

Experiment,

Fragebogen,

Interview

Fokus auf äußere oder innere Eigenschaften: Zwei Untersuchungen zur Partnerwahl

In beiden Studien sollten hohe und niedrige Self-Monitorer anhand von Fotomaterial und Beschreibungen der  Charaktereigenschaften eine Partnerin für ein Treffen auswählen. In der ersten Versuchsanordnung wurden die Probanden beobachtet, wieviel Aufmerksamkeit sie dem Fotomaterial und wieviel den Beschreibungen der Charaktereigenschaften widmeten und wurden anschließend interviewt. In der zweiten Studie hatten die Versuchsteilnehmer die Wahl zwischen einer unattraktiven Partnerin mit erwünschten Eigenschaften („Kristen“) und einer attraktiven Partnerin mit unerwünschten Eigenschaften („Jennifer“). In der ersten Versuchsanordnung widmeten die hohen Self-Monitorer mehr Aufmerksamkeit dem Fotomaterial und die niedrigen Self-Monitorer den Charaktereigenschaften. Die zweite Untersuchung bestätigte die Ergebnisse der ersten Untersuchung: Mehr als 2/3 der hohen Self-Monitorer entschieden sich für die attraktive „Jennifer“ mit den unerwünschten Charaktermerkmalen und 81 % der niedrigen Self-monitorer für die unattraktive „Kristen“ mit den erwünschten sozialen Eigenschaften.

Hahlweg,

1986

N = 120,

60 Mittelschicht-Paare, Durchschnittsalter 33,5 Jahre (24-46 Jahre), durchschnittiche Dauer des Zusammenlebens 8,1 Jahre (1-21 Jahre), 87,9 % der Paare ver-heiratet, 79 % mit mindestens einem Kind, Ausschlußkriterium: psychotische oder schwere neurotische Störung eines Partners

PL, PFB,

Verhaltens-beobachtung,

MICS, KPI

Partnerschaftliche Interaktion

Zur Analyse partnerschaftlicher Interaktion wurden 60 Mittelschichtpaare mit niedriger, mittlerer und hoher Ehequalität untersucht. Obwohl sich die beiden Gruppen mit niedriger und mittlerer Ehequalität hinsichtlich der Dauer einer Störung, der Streithäufigkeit und der Dauer der Mißstimmung nach einem Streit nicht unterschieden, litten die Paare mit niedriger Ehequalität stärker unter ihrer Beziehung und dachten häufiger an Trennung, wohingegen sich die Paare mit mittlerer Ehequalität weniger beeinträchtigt fühlten. Vor allem im sexuellen Bereich wurde die Unzufriedenheit der Paare mit niedriger Ehequalität deutlich. Partner in unzufriedenen Beziehungen haben Defizite im Bereich der Kommunikation und des Problemlösens. Sozio-ökonomische Variablen wie Alter, Altersdifferenz, Dauer der Ehe, Schulbildung, Beruf, Einkommen, Kinderzahl und individuelle Variablen wie IQ und Religiosität korrelierten nicht mit Ehequalität, demgegenüber zeigten alle Beziehungsvariablen wie Streitverhalten, Sexualität, Zärtlichkeit und Kommunikation deutliche Korrelationen mit der Ehequalität.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Hendrik & Hendrick,

1986

N = 807,

341 weibliche, 466 männliche Studenten der University of Miami, 41 % im Alter von 18 Jahren oder jünger, 29 % im Alter von 19 Jahren, 30 % im Alter von 20 Jahren oder älter, 96 % Single und noch nie verheiratet, 15 % noch nie verliebt, der Rest ein oder mehrmals zuvor verliebt

Fragebogen,

LAS, SAS

Eine Teorie der Liebe

Die Love-Attitude-Scale wurde entwickelt, um die sechs Hauptdimensionen der Liebesstile nach Lee zu überprüfen.

Es wurden signifikante Korrelationen gefunden zwischen den Einstellungen der Liebe und verschiedenen Hintergrundvariablen wie Geschlecht, Volkszugehörigkeit, bisherige Erfahrungen, gegenwärtige Liebeseinstellung und Selbstachtung. Die Love-Attitude-Scale ist ein vielversprechendes Instrument der Liebesforschung.

Römer & Hahlweg,

1986

N = 150,

75 Paare, Teilnehmer am Trainingsprogramm, Paare mit hoher, mittler-er, niedriger Ehequali-tät, Durchschnittsalter 33,3 Jahre

Beobachtungs-

verfahren,

KPI

Inkonsistente Kommunikation in glücklichen und unglücklichen Paarbeziehungen

Die Paare mit hoher Ehequalität kommunizierten häufiger nonverbal positiv/verbal negativ und seltener nonverbal negativ/verbal positiv als die Paare mit mittlerer und niedriger Ehequalität. Die Sequenzanalyse zeigte, daß glückliche Paare im Verlauf einer Gesprächssequenz entweder konsistent oder inkonsistent kommunizierten, während bei unglücklichen Paaren in einer Gesprächssequenz sowohl konsistente als auch inkonsistente Äußerungen wahrscheinlich waren.

Woll,

1986

N = 80

40 weibliche und 40 männliche Mitglieder

einer bekannten „Video-dating“ - Organisation in Los Angeles, Durch-schnittsalter von 37,8 Jahren ( 22-53 Jahre), Frauen im Durchschnitt von 34,2 Jahren (22-43 Jahre), Männer im Durchschnitt von 40,3 Jahren ( 27-53 Jahre)

Interview, „lautes Denken“

Entscheidungsstrategien beim Videodating

Mitglieder einer prominenten Videodating-Organisation wurden gebeten, die Autobiographien von Personen bevorstehender Treffen zu lesen. Sie wurden weiter gebeten, „laut zu denken“, welche Faktoren (z.B. Alter, Attraktivität, Verdienst, Interessen) sie den Personen zuschrieben. Daraufhin entschieden sie, ob sie das Viedeoband der entsprechenden Person ansehen wollten oder nicht. Alter und Attraktivität nahmen mit Abstand den größten Einfluß auf die Entscheidungsstrategien der Probanden. Das Ergebnis galt gleichermaßen für Frauen und Männer, Jüngere und Ältere sowie lang- oder kurzzeitige Mitglieder der Organisation.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Hazan & Shaver,

1987

Studie I: N = 620,

415 Frauen, 205 Männer, Durch-schnittsalter 36 Jahre (14-82 Jahre), 42 % verheiratet, 28 % geschieden oder ver-witwet, 51 % Pro-testanten, 22 % Katho-liken, 3 % Juden, 10 % Atheisten, 13% sonsti-ges, 91 % heterosexuell, 4 % homosexuell, 2 % bisexuell,

Studie II: N = 108,

70 weibliche, 38 männliche Studenten, im Durchschnittsalter von 18 Jahren

Fragebogen

Romantische Liebe als Bindungsprozeß

Erforscht wird die romantische Liebe als Bindungsprozeß, als biosozialer Prozess, bei dem die Bindungserfahrungen aus der Kindheit auf erwachsene Liebesbeziehungen übertragen werden. Aus den Schlüsselkomponenten der Bindungstheorie von Bowlby und Ainsworth wurde eine Meßmethode für erwachsene Paarbeziehungen entwickelt. Im Mittelpunkt standen die drei Hauptbindungsstile der Kinder: sicher, vermeidend und ängstlich-ambivalent und der Begriff der inneren Arbeitsmodelle (Bowlby´s „inner working models“). Diese Modelle und daraus resultierende Bindungsstile einer Person wurden als Folge der kindlichen Beziehung zu den Eltern betrachtet. Zwei Fragebogenstudien fanden folgende Hinweise: a) die Verteilung auf die einzelnen Bindungsstile entspricht mit 56 % sicheren, 25 % vermeidenden und 19 % ängstlich-ambivalenten ziemlich genau der Verteilung, die bei Kindern gefunden wurde, b) die drei Bindungstypen bei Erwachsenen lassen Vorhersagen auf Erfahrungen mit romantischer Liebe zu, c) Bindungsstile korrelieren mit Vorstellungen über soziale Beziehungen und mit den Beziehungserfahrungen, die mit den eigenen Eltern gemacht wurden.

 

Kelly & Conley,

1987

N = 600

300 Paare, die planten zu heiraten,

95 % der Personen zu Beginn der Studie im Alter zwischen 20-30 Jahren, das Durch-schnittsalter lag bei 68 Jahren, 90 % lebten in Connecticut und Umgebung, durchschnittlicher IQ 113, 2/3 der Personen hatten mindestens 1 Jahr lang das College besucht

Interview,

Fragebogen,

3 Meßzeitpunkte:

t1: 1935-38

t2: 1954-55

t3: 1980-81

Persönlichkeit und Kompatibilität: Eine prospektive Analyse zur Ehestabilität und Ehezufriedenheit

Die Prädiktoren von Ehestabilität (Scheidung oder verheiratet bleiben) und Ehezufriedenheit wurde untersucht an einer Gruppe von 300 Paaren, die von ihrer Verlobung in den 30er Jahren bis 1980 begleitet wurden. 22 der Paare lösten ihre Verlobung. Von den 278 Paaren, die heirateten, ließen sich 50 in der Zeit von 1935-1980 scheiden. Persönlichkeitsvariablen waren wichtige Prädiktoren sowohl für Stabilität als auch für Zufriedenheit. Die drei wichtigsten Merkmale waren dabei Neurotizismus des Ehemannes, Neurotizismus der Ehefrau und Impulskontrolle des Ehemannes. Diese drei Variablen erklärten die Hälfte der Gesamtvarianz (R = .49), der Rest entfiel auf Einstellungsvariablen, soziales Umfeld und Variablen, die mit sexuellen Erfahrungen zusammenhängen.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Thiels,

1987

N = 72,

36 Patientenpaare der Kinderwunschsprech-stunde einer Klinik, sowie 21 Ehepaare, die zur Verhütung weiterer Schwangerschaften eine Klinik aufsuchten

MMQ, GRIoSS, GHQ

Sind kinderlose Ehen unglücklich?

Es wird untersucht, ob sich Kinderwunschpaare als weniger glücklich verheiratet und/oder unzufriedener mit ihren sexuellen Beziehungen dastellen als Paare mit Kindern, die keine weiteren wollen. Es zeigte sich, daß kein statistisch bedeutsamer Unterschied zwischen den beiden Gruppen vorlag.

Bierhoff, Fink & Montag,

1988

N = 100,

50 Paare, Personen im Alter zwischen 21-46 Jahren, durchschnitt-liche  Beziehungsdauer ca. 4 Jahre

Fragebogen

Vertrauen, Liebe und Zufriedenheit in partnerschaftlichen Beziehungen

Mit der Zufriedenheit des Mannes korrelierte positiv die erotische Liebe der Frau, seine Vertrauenswürdigkeit aus ihrer Sicht und die Neigung der Frau zu sozial erwünschten Antworten. Negativ war die Beziehung zu Abwechslung suchender Liebe der Partnerin und zu ihrer Einschätzung seines Streitverhaltens.

Die gegenwärtige Zufriedenheit der Frau korrelierte mit den folgenden Partnermerkmalen positiv: Gemeinsamkeit/Kommunikation aus der Sicht des Mannes, ihre Vertrauenswürdigkeit aus seiner Sicht, ihre Zärtlichkeit aus seiner Sicht, erotische Liebe, altruistische Liebe und ihre Verläßlichkeit aus seiner Sicht. Es fand sich nur eine negative Korrelation zwischen Zufriedenheit der Frau und ihrem Streitverhalten aus der Sicht des Mannes.

Kraft,

1988

N = 1329

in der Bundesrepublik lebende Personen, im Alter von 16-45 Jahren

Fragebogen

Sozialpsychologische Aspekte einer Ideologie der Liebe

Liebe wird als ein Gefühl wahrgenommen, das Identität und emotionale Stabilität verleiht und das Respekt für die Persönlichkeit des Partners sowie gegenseitige Unterstützung beinhaltet. Verliebtheit wird vor allem mit sexuellem Begehren assoziiert, weniger mit abstrakten Verschmelzungswünschen oder euphorischen Zuständen. Zwischen Liebe und Verliebtsein wird deutlich unterschieden, wobei dem Gefühl der Liebe Vorrang eingeräumt wird. Verliebtheit gilt als vergleichsweise oberflächlich. Der Annahme von der Einzigartigkeit zweier Liebender wird weder wirklich zugestimmt, noch wird sie abgelehnt. Das Gewährleisten von Selbständigkeit und freier Entfaltung stellt das wichtigste Partnerwahlkriterium dar. In der Liebesbeziehung wird eine Gleichheit in bezug auf die Beiträge für die Beziehungsgestaltung bevorzugt. Vordringlichstes Trennungskriterium ist Vertrauensverlust.

Sieverding,

1988

N = 194

Frauen, im Alter von 18-40 Jahren, akade-misch vorgebildet

Fragebogen

Attraktion und Partnerwahl: Geschlechtsrollenstereotype bei der Partnerwahl

Die Erwartungen der Geschlechter aneinander bezüglich expressiver und instrumenteller Eigenschaften - verglichen mit Geschlechtsstereotypen aus den fünfziger Jahren - haben sich deutlich aneinander angenähert. Beide Geschlechter wünschten sich von ihren Partnern vor allem expressive Eigenschaften (etwa „zärtlich“ oder „einfühlsam“), aber auch instrumentelle Fähigkeiten wie „unabhängig“ und „selbständig“. Bezüglich des „schönen Aussehens“ ergaben sich jedoch traditionelle Muster: Männer legten signifikant mehr Wert auf das schöne Aussehen ihrer Partnerin als umgekehrt.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Allen, Kenrick, Linder &

Mc Call,

1989

Studie I: N = 120

männliche Psycho-logiestudenten einer großen Weststaaten-Universität

Studie II: N = 201

ebenfalls männliche Psychologiestudenten einer großen West-staaten-Universität

Experiment,

STAI, Attraktions-messung

Arousal und Attraktion: Die Antworterleichterung (Responce-Facilitation) als Alternative zu Fehlattributions- und Negativ-Verstärkungsmodellen

In Studie I zeigte sich bei den männlichen Versuchsteilnehmern eine erhöhte Attraktion gegenüber einer weiblichen Person in der Situation hoher Angst-Erregung (high arousal), die durch das Ankündigen von Elektroschocks („painful shocks“) in einem angeblichen Lernexperiment induziert wurde (wobei in der „low-arausal“-Bedingung nur leise Geräusche angekündigt wurden). Entgegen dem Fehlattributionsmodell hatte die Manipulation des Aufmerksamkeitsfokusses keine Auswirkung auf die Attraktion.

Die Ergebnisse der Studie II, in der die physiologische Erregung durch gymnastische Übungen manipuliert wurde und in der ebenfalls eine Manipulation des Aufmerksamkeitsfokusses enthalten war, widersprechen ebenfalls der Theorie falscher Attribuierung. Wenngleich die Studie I die Annahmen der Negativ-Verstärkungsmodelle stützt. Die Ergebnisse der Studie II und verschiedener anderer Studien tun es nicht. Das einfache Modell der Antworterleichterung dient am besten zur Erklärung dieser Ergebnisse und denen von ähnlichen Studien.

Bleich,

1989

N = 108,

54 Paare mit aktueller Arbeitslosigkeit des Mannes, Durchschnittsalter der Männer 35 Jahre, der Frauen 32,5 Jahre, durchschnittliche Partnerschaftsdauer 8,9 Jahre, 44 % zusammen, 15 % in getrennten Wohnungen lebend, durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit 18 Monate

Fragebogen,

FACES III

Arbeitslosigkeit des Mannes und Veränderungen in der Paarbeziehung

Es konnte die in der Literatur häufig anzutreffende Annahme eines positiven Zusammenhangs der Beziehungsqualität mit der Erwerbstätigkeit bzw. Erwerbslosigkeit bestätigt werden. Als einfluß-nehmende Variablen der individuellen Belastung, die ebenso für die Belastung der Paarbeziehung Gültigkeit besitzen, erwiesen sich insbesondere die Stellung der Arbeit im Selbstkonzept bzw. die Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl, die Unterstützung durch das soziale Netz, die Auflösung der Zeitstruktur, die Ursachenattribuierung, die finanzielle Situation und das Alter des arbeitslosen Mannes. Ein vermuteter Zusammenhang der Qualität der Paarbeziehung vor Eintritt der Arbeitslosigkeit mit der Belastung des arbeitslosen Mannes konnte nur eingeschränkt für die Variablen gesundheitliche Beeinträchtigung sowie die Zufriedenheit im Sexualleben gefunden werden. Die Ergebnisse können dahingehend interpretiert werden, daß Arbeitslosigkeit des Mannes nicht nur Auswirkungen auf den direkt Betroffenen besitzt, sondern auch eine deutliche Beeinträchtigung der Paarbeziehung mit sich bringen kann.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Hendrik & Hendrick,

1989

N = 391

unverheiratete College-Studenten, nicht näher beschrieben

LAS, PLS

Liebesforschung: Ist Liebe meßbar?

Fünf Meßinstrumente der Liebe wurden auf ihre Gültigkeit überprüft: LAS, TtoLS, PLS, RRF, Messung der Bindungsstile nach Shaver  & Hazan (1987, zitiert nach Hendrick & Hendrick, 1989)

Die Faktorenanalyse über alle Subskalen ergab 5 Faktoren, die denen der leidenschaftlichen Liebe, der Nähe, Ambivalenz, Bindungssicherheit und Pragmatismus entsprechen. Darüber hinaus erfuhren die Liebesstile nach Lee durch diese Studie eine Bestätigung.

Feeny & Noller,

1990

N = 374,

212 weibliche und 162 männliche Psychologie-studenten, im Alter von 17-58 Jahren (mehr als 2/3 im Alter zwischen 17-19 Jahren, die über-wiegende Mehrheit Singles, 4 in einer Partnerschaft lebend,

3 geschieden,

22 verheiratet

Fragebogen

Bindungsstile als Prädiktoren in romantischen Beziehungen

374 Studenten beantworteten Fragen zu Bindungsstilen, Bindungerfahrungen in der Vergangenheit, Einstellungen zu Beziehungen, Selbstachtung, „limerence“, Liebe, derzeitige Liebesbeziehung und Liebesstile. Bindungsstile wurden in bezug gesetzt zu Bindungserfahrungen und zu Einstellungen zu Beziehungen. Sicher gebundene Personen berichteten von relativ positiven Erinnerungen frühkindlicher Beziehungen. Personen mit vermeidendem Bindungsstil berichteten häufiger von Trennungen von ihrer Mutter in der Kindheit und brachten anderen mehr Mißtrauen entgegen. Ängstlich-ambivalente Personen hatten weniger als Vermeidende ihren Vater als unterstützend wahrgenommen, und sie berichteten von einem Mangel an Unabhängigkeit und ein Verlangen nach großer Nähe in Beziehungen. Der Bindungsstil korrelierte hoch mit der Selbstachtung und verschiedenen Formen der Liebe. Die Ergebnisse zeigen, daß sich die Bindungstheorie auch zur Erklärung erwachsener Beziehungen eignet.

Hassebrauck, 1990

N = 80

40 Ehepaare, die mindestens eine 6 Monate währende Beziehung hatten, durchschnittliche Paarbeziehungsdauer ca.7 Jahre (6 Monate bis 29 Jahre), Durch-schnittsalter der Frauen ca.28 Jahre, der Männer ca.31 Jahre

Fragebogen, FPI

Über den Zusammenhang der Ähnlichkeit von Attitüden, Interessen und Persönlichkeitsmerkmalen und der Qualität heterosexueller Beziehungen

Die von Frauen berichtete Qualität der Paarbeziehung korrelierte primär mit der wahrgenommenen Einstellungsähnlichkeit. Die von den Männern berichtete Beziehungsqualität korrelierte darüber hinaus mit der Ähnlichkeit von Persönlichkeitsmerkmalen. Zur Prüfung des Einflusses von Neurotizismus und Extraversion wurden Persönlichkeitswerte und die Ähnlichkeit der Partner in diesen Merkmalen mit der Beziehungsqualität korreliert. Allerdings war keine dieser Korrelationen signifikant.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Langenmayr & Schubert,

1990

N = 180,

90 Ehepaare aus Essen, zufällig ausgewählt, nicht näher beschrieben

Fragebogen

Unterschiede in der Geschwisterzahl und die Wahl von Ehepartnern

Es wurde der Einfluß der Größen der Herkunftsfamilien bei Paaren, d.h. die Differenzen zwischen den Geschwisterzahlen der Ehepartner, auf die selbst eingeschätzte Qualität der Paarbeziehung überprüft. Ein positiv korrelierender Zusammenhang zwischen der Ähnlichkeit der Geschwisterzahlen und der Zufriedenheit in der Ehe konnte für die Ehemänner bestätigt werden. Darüber hinaus wurden signifikant positive Assoziationen zwischen der Ähnlichkeit der Geschwisterzahlen und der Bedeutung der Sexualität in der Beziehung ermittelt.

Pointner & Baumann,

1990

N = 40,

20 Ehepaare, Ehedauer mindestens 5 Jahre

Fragebogen

Soziales Netzwerk und soziale Unterstützung bei Ehepaaren: Eine Pilotstudie

In „nichtgestörten“ Partnerschaften war ein gemeinsamer Netzwerkanteil vorhanden, aber die einzelnen Partner hatten auch jeweils eigene Bereiche. Diese erwiesen sich insbesondere bei Partnerkrisen wie Trennung, Scheidung und Tod als bedeutsam. Bei der Gewinnung der Kontaktpersonen des sozialen Netzwerks hatte der Mann mehr Gewicht als die Frau.

Feeny & Noller,

1991

N = 74,

37 weibliche und 37 männliche Psycholo-giestudenten der Uni-versität Queensland (Australien) im Durch-schnittsalter von 19 Jahren (17-30 Jahre), durchschnittliche Partnerschaftsdauer 10 Monate (1-40 Monate)

Interview, Frage-bogen

Bindungsstile und verbale Beschreibungen des Partners

Die Studie erforscht Unterschiede im Bindungsstil und den Berichten der Versuchspersonen über ihren Partner. Zur Messung der Bindungsstile wurde der Fragebogen zu Bindungsstilen von Hazan und Shaver (1987) genutzt. Die verbalen Beschreibungen wurden aufgenommen und transkribiert. Unter den Personen waren 26 sicher gebundene, 24 vermeidende und 24 ängstlich-ambivalent gebundene. Die Zufriedenheit der Probanden mit ihren derzeitigen Beziehungen korrelierte hoch mit deren selbst berichtetem Bindungsstil und stimmte mit den Charakteristiken der drei Bindungsstile überein. Die Zufriedenheitsskalen zeigten Bindungsstileffekte auf die Skalen Idealisierung, Beziehungsqualität und Einstellungen zum sozialen Netz des Partners. Sicher gebundene idealisierten mehr und äußerten günstigere Einstellungen zu der Familie des Partners und hoben mehr positive Seiten der Beziehung hervor. Vermeidende Personen hatten generell einen niedrigeren Level an emotionaler Intensität, während die ambivalenten ein sehr hohes Ausmaß an Idealisierung zeigten. Die Ergebnisse zeigen insgesamt den hohen Einfluß des Bindungsstils auf romantische Beziehungen.

Klein & Bierhoff,

1991

N = 100

50 verheiratete und nichtverheiratete Paare, Durchschnitts-alter 28 Jahre

Fragebogen

Liebesstile nach Lee und konkrete Rahmenbedingungen der Partnerschaft

Die Beziehung zwischen den Liebesstilen nach Lee und konkreten Rahmenbedingungen der Partnerschaft (gemeinsame Wohnung, Kinder, Verheiratetsein, Dauer der Beziehung, Zahl bisheriger Sexualpartner) wurden analysiert. Unter anderem wurde ermittelt, daß die pragmatische und die altruistische Liebe einen zentralen Stellenwert für die Beständigkeit einer Beziehung besaßen.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Burleson & Denton,

1992

N = 120,

60 Paare, 59 verhei-ratet, 16 Paare über eine Campus-Zeitung, 41 über Therapeuten, 3 privat geworben, Durchschnittsalter 32,6 (18-53) Jahre, durch-schnittliche Ehedauer 6,8 (1-28) Jahre, bezahlte Teilnahme

Fragebogen, RCQ, DAS, PFQ, communication box,

Eine neue Sichtweise zu Ähnlichkeit und Attraktion in der Ehe: Ähnlichkeit in sozial-kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten als Prädiktoren für Attraktion und Zufriedenheit

Es wird angenommen, daß Ähnlichkeit in sozial-kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten erfreuliche Interaktionen bewirkt. Um dies zu testen, wurden Ehepartner in diesen Merkmalen verglichen. Die sozialen Fähigkeiten der Partner korrelierten positiv und sehr hoch miteinander. Außerdem waren die Partner sich in diesem Punkt ähnlicher als zufällig zusammengesetzte Paare. Partnerbeziehungen, in denen beide einen niedrigen Level sozialer Fähigkeiten hatten, waren nicht unzufriedener als Partnerschaften, in denen beide eine hohe Punktzahl erreichten. Der Grad der Ähnlichkeit der Partner hing nicht mit der Partnerschaftsdauer zusammen. Unglückliche Partner waren sich unähnlicher als glückliche. Die Ursache für diese Ähnlichkeit in stabilen Partnerschaften sehen die Autoren in der Befriedigung, die aus gemeinsamen Gesprächen gezogen wird. Das gegenseitige Verständnis und die gegenseitige Bestätigung sind höher, wenn beide ähnliche Denkstrukturen haben.

Gottman & Levenson,

1992

N = 146,

73 Ehepaare aus Indiana, durchschnitt-liches Alter der Frauen 29 Jahre, der Männer 31,8 Jahre,

durchschnittliche Ehe-dauer 5,2 Jahre

Fragebogen zu de-mographischen Faktoren und Part-nerschaftszufrie-denheit, physiolo-gische Messungen,

Beobachtung von initiierten Ge-sprächssequenzen

Eheprozesse als Prädiktoren späterer Trennung: Verhalten, physiologische Maße und Gesundheit

Verheiratete Paare wurden 1983 und 1987 untersucht. Um Eheprozesse mit späteren Trennungen assoziieren zu können, wurde eine Balancetheorie der Ehe zugrunde gelegt. Die Paare wurden in zwei Gruppen unterteilt, regulative und nichtregulative („regulated“ and „nonregulated“ groups). Um Vorboten einer Scheidung identifizieren zu können, wurde ein Mehrstufenmodell („cascade“ model) der Trennung angenommen. Verglichen mit regulativen Paaren hatten die nonregulativen Paare: a) ihre Eheprobleme als schwerwiegender eingeschätzt (zu t1); b) eine niedrigere Ehezufriedenheit (t1 und t2); c) einen schlechteren Gesundheitszustand (t2); d) einen niedrigeren Fingerpuls (die Frau); e) mehr negative Interaktionen; f) mehr negativen emotionalen Ausdruck; g) weniger positiven emotionalen Ausdruck; h) mehr Eigensinnigkeit und Rückzug in Interaktionen (Schmollen); i) eine größere Verteidigungshaltung; j) waren gefährdeter für eine Trennung ( niedrigere Ehezufriedenheit und häufigeres Erwägen der Auflösung und der aktuellen Trennung)

Huch-Boeni & Bösch,

1992

N = 60

30 Ehepaare, in der Schweiz lebend, Ehedauer mehr als 50 Jahre, Durchschnitts-alter der Männer 80 Jahre, der Frauen 78 Jahre

Strukturiertes Interview

Haushaltsaufteilung und Ehezufriedenheit bei 50-Jahre-lang verheirateten Paaren in der Schweiz

Es wurde eine deutliche Multimorbidität festgestellt. Der Gesundheitszustand der Frauen war schlechter als derjenige der Männer. 75 % der Ehepaare führten eine Ehe mit traditionell-komplementärer Aufteilung der Hausarbeit. Je schlechter der Gesundheitszustand der Ehefrau war, desto mehr beteiligte sich der Ehemann am Führen des Haushalts. Der größte Teil der Befragten gab eine hohe Ehezufriedenheit an. Die Ehezufriedenheit korrelierte weder mit der tatsächlichen Haushaltsaufteilung, noch mit der Differenz zwischen erwünschter und realer Aufteilung im Haushalt. Die Ergebnisse der Studie zeigten ebenfalls keinen Zusammenhang zwischen Ehezufriedenheit und der Gesundheit sowie der Anzahl ärztlicher Konsultationen.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Bodenmann,

1993

N = 140,

70 Paare, Personen im Alter von 20-54 Jahren,

Durchschnittsalter 29,65 Jahre, durchschnittliche Dauer der Partnerschaft 7,22 Jahre, Mindest- beziehungsdauer 1 Jahr, 48 % verheiratet, 78 % zusammenlebend, 87 % Schweizer, 76 % mit höherem ildungsniveau

I. Teil:

EISI-Experiment:

MNS, STAXI,

SD- Becker, PSSO, SDS-CM, Beobachtung

II. Teil:

MNS, Fragebögen

zur Partnerschaftszu-

friedenheit

Streß und Coping in Partnerschaften: Experimentelle Ergebnisse

Es wurde der Einfluß individuellen und dyadischen Copings auf die Ehezufriedenheit und die Qualität dyadischer Interaktion untersucht. Die Paare wurden in einer Experimentalsituation unter Streß gesetzt. Es zeigte sich, daß dadurch die dyadische Interaktion negativer und intensiver wurde, insbesondere die verbale Interaktion.

Erfassung und Bedeutung von Partnerschaftszufriedenheit: Eine Vergleichsuntersuchung

Mit der Partnerschaft zufriedenere Probanden teilten dem Partner eigenen Streß häufiger mit und sie nahmen gemeinsames Coping wahr. Auch korrelierte die Möglichkeit, dem Partner in Streßsituationen Aufgaben abtreten zu können, signifikant mit der Partnerschaftszufriedenheit. Bei einer Wahrnehmung der Partnerschaft als eher unbefriedigend findet sich das inverse Bild. Dyadisches Coping scheint somit eine wichtige Variable zum Verständnis von Paarbeziehungen zu sein und kann in Ergänzung zu anderen Datenarten wichtige Informationen über das Funktionieren der Partnerschaft geben.

Bodenmann,

1995

N = 140,

70 Paare (s.o.)

III. Teil:

Längsschnitt-

untersuchung

Ergebnisse zur Partnerschaftsstabilität: Trennungsprädiktoren

Ein und zwei Jahre nach dem EISI-Experiment erfolgte eine Nachuntersuchung. Trennungsprädiktoren

nach 1 Jahr waren: geringes dyadisches Coping, ungünstige psychische Befindlichkeit und Gesundheit, paraverbal negatives Verhalten gegenüber dem Partner, eine niedrige relative Dauer von emotionalem supportivem dyadischem Coping und sachlichen Streßäußerungen.

Trennungsprädiktoren nach 2 Jahren waren: das Alter (die Personen in stabilen Partnerschaften waren im Durchschnitt 31 Jahre alt, die Personen in Partnerschaften, die sich getrennt hatten, waren durchschnittlich 25 Jahre alt), nonkontingentes emotionales supportives dyadisches Coping auf emotionale Streßsignale des Partners, eine geringere Dauer nonverbaler Positivität, eine höhere paraverbale Negativität und die subjektive Belastetheit vor zwei Jahren. Daneben erwiesen sich eine niedrige eigene emotionale Streßkommunikation und somatische Beschwerden zum

Zeitpunkt der ersten Messung als prädiktiv.

Kurdek,

1993

1995

im 1. Jahr: N = 1076,

538 Paare

im 2. Jahr: N = 804,

402 Paare,

im 3. Jahr: N = 638,

319 Paare,

im 4. Jahr: N = 544,

272 Paare,

im 5. Jahr: N = 482,

241 Paare

Fragebogen

Vorhersage der Trennung: Eine 5-jährige prospektive Longitudinalstudie mit jungverheirateten Paaren

Die Studie zeigte, daß demographische und individuelle Merkmale sowie Interdependenz und Unähnlichkeit gleichermaßen gut dazu beitragen, die Trennung vorherzusagen. Über den Zeitraum von 5 Jahren blieben 222 der Paare zusammen, 64 Paare ließen sich scheiden. Zu jedem Testzeitpunkt unterschieden bestimmte Variablen zwischen stabilen und unbeständigen Partnerschaften. Geschiedene Paare zeigten im Vergleich mit stabilen Partnerschaften ein stärkeres Absinken des Ausmaßes der Interdependenz und zunehmende Diskrepanzen in Interdependenzvariablen. Eine Reihe von spezifischen Merkmalen, die zwischen stabilen und geschiedenen Ehen unterscheiden, wurden herausgestellt.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Nevaril-Wenisch,

1993

N = 207

Personen in dyadischen heterosexuellen Beziehungen, 20 Personen bis zu einem Jahr, 27 bis fünf Jahre und 33 mehr als fünf Jahre in fester Beziehung lebend

Fragebogen

Strukturanalyse dyadischer heterosexueller Beziehungen

Bei Partnern bestand eine signifikante Ähnlichkeit bezüglich der in der Beziehung wahrgenommenen erotischen Komponenten, in der spielerischen Einstellung zur Liebe sowie dem Stellenwert der Freundschaft in der Liebesbeziehung. Bezüglich der sexuellen Einstellungsstruktur zeigten die Partner nur Ähnlichkeit hinsichtlich Verantwortungsbewußtsein und Freizügigkeit. Signifikante Ählichkeiten zwischen den Partnern ergaben sich bezüglich der inder Beziehung wahrgenommenen Komponenten, in der spielerischen Einstellung zur Liebe sowie dem Stellenwert der Freundschaft in der Liebesbeziehung. Auf die Zufriedenheit einer Beziehung wirkten sich insbesondere die Liebesstile Eros, Agape, Nähe und hohe Investitionen positiv aus. Ludus, Mania, hohe Kosten und hoch bewertete Alternativen wirkten sich hingegen negativ aus. Männer neigten zu einer wesentlich altruistischeren und freizügigeren Einstellung zur Liebe.

Engl, Thurmaier, Eckert & Hahlweg,

1994

N = 218,

109 Paare, davon 77 in EPL-Gruppen, 32 in Kontrollgruppen, aus dem Münchner Raum

Replikationsstudie:

N = 136,

66 Paare, davon 54 EPL-Paare,

12 Kontrollpaare aus anderen Regionen und aus Luxemburg, alle Paare wollten heiraten bzw. waren verheiratet (bis zu zwei Jahren Ehedauer), Kontroll-paare wurden je zur Hälfte aus anderen  Ehevorbereitungs-kursen oder über Zeitungsanzeigen gewonnen

Fragebogen, systematische Verhaltensbeob-achtung, vier Meßzeitpunkte (t):

t1 vor den Kursen

t2 kurz danach

t3 nach 1 ½ Jahren

t4 nach 3 Jahren

Ehevorbereitung – Ein partnerschaftliches Lernprogramm (EPL)

In EPL-Kursen werden jungen Paaren Gesprächs- und Problemlösefertigkeiten vermittelt, die einen erfolgreicheren Umgang mit Konflikten ermöglichen.

In dieser Wirksamkeitsstudie konnte nachgewiesen werden, daß EPL-Paare sich signifikant konstruktiver auseinandersetzen konnten als die Kontrollpaare. Bei den Kontrollpaaren sank mit der Güte der Kommunikation auch die Ehezufriedenheit, was sich nach drei Jahren bereits in einer wesentlich höheren Trennungs- und Scheidungsrate niederschlug.

EPL-Paare kommunizieren wesentlich positiver (z.B bringen sie mehr akzeptierende Äußerungen, sprechen häufiger ihre eigenen Gefühle an) und weniger negativ (z.B. machen sie weniger Vorwürfe, rechtfertigen sich weniger als Kontrollpaare). Die längerfristigen Effekte des Trainings zeigen sich demnach in einer Stabilisierung effektiver Kommunikation. Kontrollpaare zeigten Zeichen einer negativen Interaktionsentwicklung, die sich nach drei Jahren auch im subjektiven Erleben bemerkbar machte. EPL-Paare wurden darüber hinaus häufiger und früher Eltern.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Grau,

1994

N = 519

Frauen und Männer im Alter von 18-61 Jahren, Beziehungsdauer durchschnittlich 6 Jahre (1 Monat bis 36 Jahre)

Bindungsstil-FB, NDF, SFPF, Gießen-Test, PFB,

5 Studien

Entwicklung und Validierung eines Inventars zur Erfassung von Bindungsstilen in Paarbeziehungen

Hintergrund der Studie ist die Bindungstheorie von Bowlby.

Angst vor dem Verlassenwerden und Vermeidung emotionaler Nähe in Beziehungen stellten sich als zwei Dimensionen der Bindungsunsicherheit heraus. Sicher gebundene Personen fanden sich bevorzugt als Paar zusammen und sie hatten sich seltener nach einem halben Jahr getrennt als unsicher gebundene.

Klann & Hahlweg,

1994

N = 494

Klienten von 84 Beraterinnen in Ehe- und Partnerschafts-beratung

Fragebogen

Beratungsbegleitende Forschung

Zusätzlich zu den erwarteten starken Belastungen im partnerschaftlichen Bereich waren etwa

45 % der Frauen und 30 % der Männer klinisch depressiv und klagten über erhebliche körperliche Beschwerden. Signifikante Verbesserungen ergaben sich nach einer Paarberatung vor allem in bezug auf die körperlichen Beschwerden und die depressive Befindlichkeit, die Anzahl der Konfliktbereiche, die globale Zufriedenheit mit der Partnerschaft sowie die affektive Kommunikation.

Buhl & Hassebrauck,

1995

N = 100,

46 weibliche, 54 männliche Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen der Universität Mannheim, Durchschnittsalter 25,5 Jahre (19-39 Jahre)

Fragebogen

Liebe in 3-D. Eine empirische Untersuchung zur Dreieckstheorie von Sternberg

Die Dreieckstheorie der Liebe von Sternberg (1986, 1987) stellt einen potentiell nützlichen Ansatz zur Integration von Forschungsbefunden im Phänomenbereich „Liebe“ dar. Gegenstand der Untersuchung war die Frage, ob die theoretische Unterteilung in drei unabhängige Dimensionen („Intimität“, „Leidenschaft“, „Entscheidung/Bindung“) empirisch gerechtfertigt ist. Ein empirisches Modell wurde darüber gewonnen, welche Dimensionen Probanden von sich aus verwenden, wenn sie Liebesbeziehungen auf ihre Ähnlichkeit hin einschätzen. Es ergab sich eine überzufällig hohe globale Übereinstimmung zwischen dem empirischen Modell und dem dreieckstheoretischen Modell. Im einzelnen erwies sich hauptsächlich die Leidenschaft-Dimension als gut isolierbar. Festzuhalten bleibt, daß eine dimensionale Klassifikation grundsätzlich zur Systematisierung unterschiedlicher Paarbeziehungen geeignet ist.

Hammer-

Schmidt & Kaslow,

1995

N = 210

105 freiwillige Paare in Langzeitehen, durchschnittliche Ehedauer 25-46 Jahre, nicht näher beschrieben

DAS

Langzeitehen: Eine Analyse der Zufriedenheit

Ziel der Untersuchung war es, die Voraussetzungen für Ehezufriedenheit in Langzeitehen zu analysieren. Erwartungsgemäß ergaben sich eindeutige Unterschiede zwischen den beiden Extremgruppen sehr zufriedener und unzufriedener Paare hinsichtlich Konfliktpotential, Paar-Ressourcen, Motivprofile in bezug auf Ehestabilität sowie der von den Probanden selbst am wichtigsten erachteten Bedingungen für Ehezufriedenheit. Als beste Prädiktoren für Ehezufriedenheit wurden bei Frauen und Männern hohe Kohäsion und intradyadische Übereinstimmung hinsichtlich Einstellungen, Interessen und Verhaltensorientierung sowie kooperatives Problemlösen ermittelt.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Bierhoff & Grau,

1996

N = 260,

130 Paare aus unter-schiedlichen Berufs-gruppen, 26 verheiratet, 72 zusammenlebend, durchschnittliche Partnerschaftsdauer zum ersten Meßzeitpunkt 5 Jahre, 8 Paare hatten sich im Laufe des folgenden Jahres getrennt

Fragebögen zu Commitment, In-vestment, Zufrie-denheit, Liebesstile, Bindungsstile, PFB

Zur Vorhersage der Trennung in romantischen Beziehungen

Die Untersuchung befaßte sich mit der Frage, welche Partner- und Beziehungsmerkmale eine Voraussage auf die Trennung in romantischen Beziehungen über einen Zeitraum von 12 Monaten erlauben. Partner, die zum zweiten Meßzeitpunkt noch zusammen waren, brachten zum ersten Meßzeitpunkt mehr Bindung und mehr Investment zum Ausdruck, waren zufriedener mit der Partnerschaft, schrieben dem Partner weniger Streitverhalten zu und hatten eher einen niedrig ausgeprägten ängstlich-ambivalenten Bindungsstil. Die Annahme der Investmenttheorie von Rusbult (1983), daß Zufriedenheit, Investment und Bindung Partnerschaften, die auseinandergehen, von solchen, die Bestand haben, unterscheiden, wurde bestätigt. Liebesstile konnten nicht zwischen den Gruppen der Getrennten und der Nicht-Getrennten differenzieren. In der Tendenz deutete sich allerdings an, daß romantische Liebe mit der Stabilität der Beziehung zusammenhängt.

Hassebrauck, 1996

N = 170,

85 Ehepaare, Durchschnittsalter der Frauen 29 Jahre (18-55 Jahre), der Männer 31 Jahre (19-58 Jahre), durchschnittliche Beziehungsdauer ca. 9 Jahre (1 Monat-34 Jahre), 35 Paare waren verheiratet, 47 Paare wohnten zu-sammen

Fragebogen

Beziehungskonzepte und Beziehungszufriedenheit: Die Bedeutung tatsächlicher und wahrgenommener Konzeptähnlichkeit in Paarbeziehungen

In dieser Korrelationsstudie wurde der Zusammenhang zwischen der Ähnlichkeit von Ehepartnern im Hinblick auf ihre Vorstellungen von einer guten Paarbeziehung und der Beziehungszufriedenheit untersucht. 32 Merkmale des Konzepts Beziehungsqualität wurden hinsichtlich ihrer Zentralität beurteilt, wobei die jeweiligen Ehepartner diese Beurteilung einmal aus der eigenen Sicht und einmal aus der Sicht ihres Partners vornahmen. Die Ergebnisse stützen ein Mediationsmodell, nach dem die tatsächliche Konzeptähnlichkeit, vermittelt über wahrgenommene Ähnlichkeit, Konsequenzen für die Beziehungszufriedenheit hat.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Knippel,

1996

N = 400,

200 weibliche und 200 männliche Studenten, je zur Hälfte an West-berliner und an Ostberliner Hoch-schulen immatrikuliert

Fragebogen

Empirische Untersuchungen zu Modellbeschreibungen der menschlichen Partnerwahl

Die Bedeutung der Gesundheit des Partners für die Partnerwahl wurde deutlich bestätigt. Frauen schienen hierbei mehr auf den gegenwärtigen Gesundheitszustand zu achten, während für Männer bei der Partnerwahl Einstellungsfragen zur Gesundheit bedeutsamer zu sein schienen. Auch Wertesystemen und politischen Einstellungen wurde eine große Bedeutung zugeschrieben. Für Frauen schienen hierbei politische Einstellungen eine wichtigere Entscheidungshilfe für die Partnerwahl darzustellen als für Männer. Der Ressourcenaustausch Status/Attraktivität schien aus der Sicht von beiden Geschlechtern ein akzeptables Teilmodell für die Partnerwahl zu sein. Für Frauen schien der Sozialstatus des möglichen Partners wichtiger zu sein, während Männer mehr Wert auf Äußerlichkeiten legten. Die Aktivität bei der Partnersuche schien bei Männern größer zu sein als bei Frauen. Dennoch wurde von beiden Geschlechtern ein ausgewogenes Verhältnis in dieser Frage gewünscht. Der erste Partner schien einen deutlichen Einfluß auf das Partnerleitbild zu haben. Dieser Einfluß bezog sich mehr auf Charakterfragen als auf Äußerlichkeiten.

Kreische,

1996

N = 80

zufällig ausgewählte Patienten (40 Paare) einer ambulanten Therapie, deren Daten mit denen einer  repräsentativen Stichprobe (Eich-stichprobe aus der „Normalbevölkerung“) von 1761 Personen und denen von 379 psychia-trischen Patienten verglichen wurden

Fragebogen,

4 Meßzeitpunkte:

t1 : vor der Thera-pie, N = 80;

t2: nach 5-10 Sitzungen; N = 45;

t3: nach einjähriger Gruppentherapie,

N = 28;

tk: Katamnese 1 Jahr später, N = 23

Gestörte Paarbeziehungen bei neurotischen Erkrankungen und ihre psychotherapeutische Behandlung

Es wurden Untersuchungen mit dem Gießen-Test an Paaren mit neurotischen Partnerkonflikten vorgestellt. Hierbei wurden die Männer mit den Frauen und die klinische Stichprobe mit einer Eichstichprobe verglichen. Die Paare mit neurotischen Partnerkonflikten zeichneten sich durch ein Beziehungsideal von symbioseähnlicher Offenheit und durch hohe Dominanz- und Autonomieansprüche aus, die sich sowohl auf die Person als auch auf den Partner bezogen. Sie neigten also dazu, Eigenschaften anzustreben, die partnerschaftliche Probleme entstehen lassen, statt sie zu verhindern. In zufriedenen Ehen sind die Ansprüche an den Partner niedriger als in neurotisch gestörten. In die Idealvorstellungen der Frauen und Männer mit neurotischen Paarkonflikten gingen soziale Rollenstereotype ein: Die depressiven Züge der zwanghaften Männer wurden als Zuverlässigkeit und Ernsthaftigkeit interpretiert, so daß sie hier nicht störten, während Frauen eher hysterisch, charmant, liebenswürdig und lebenslustig sein sollten, so daß Depressivität bei ihnen unerwünscht war. Die Zufriedenheit der Männer mit ihren Partnerbeziehungen war größer als die der Frauen. Frauen litten unter Störungen in der Paarbeziehung mehr als Männer und antworteten darauf mit psychischen bzw. psychosomatischen Beschwerden. Männer wurden durch eine konfliktmobilisierende Therapie stärker beunruhigt als Frauen.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Pietsch,

1996

N = 120

Frauen, davon 30 in ambulanter und 30 in stationärer psycho-therapeutischer Behandlung,

Kontrollgruppe:

N = 60

Frauen ohne Bedarf einer Psychotherapie

Fragebogen

Die Farben der Liebe

Es zeigte sich u.a., daß die Frauen in den Therapiegruppen sich und ihre Partner als weniger glücklich einschätzten als die Frauen der Kontrollgruppe. Das Glück der Frauen in den Theapiegruppen hing deutlich mit deren Liebesstil zusammen. Mit hohen Glückseinschätzungen war der Liebesstil Eros verbunden. In der Kontrollgruppe gab es in diesem Zusammenhang eine wechselseitige Abhängigkeit des Liebesstils des Partners und der eigenen Glückseinschätzung. Bei den Frauen der Kontrollgruppe bestand eine höhere Übereinstimmung zwischen aktueller und wünschenswerter Ähnlichkeit der eigenen Person und dem Partner. Glückliche und unglückliche Probandinnen unterschieden sich in den Attributionsmustern. Frauen mit Partnerschaftsproblemen berichteten signifikant häufiger von Streit und geringer ausgeprägter Zärtlichkeit sowie weniger Gemeinsamkeit/Kommunikation als die Frauen mit anderen Therapieanliegen. Das Ausmaß wahrgenommener konflikthafter Bereiche in der Partnerschaft war vom eigenen Lebensstil und von den beim Partner vermuteten Einstellungen abhängig.

Bierhoff & Grau,

1997

N = 260,

130 Paare, Alter zwischen 20-50 Jahren,

Replikationsstudie:

N = 131

Psychologiestudenten, zum Untersuchungs-zeitpunkt in einer Liebesbeziehung stehend

Fragebogen

Dimensionen enger Beziehungen: Entwicklung von globalen Skalen zur Einschätzung von Beziehungseinstellungen

Auf der Grundlage von Theorien enger Beziehungen wurden Skalen zur Erfassung eines breiten Spektrums von Einstellungen und Erfahrungen in solchen Beziehungen konstruiert: Liebesstile, Bindungsstile, Investment und sozial-motivierte Orientierung, Gemeinsamkeit und Konflikt sowie Nähe der Partner. Eine Faktorenanalyse führte zu fünf Faktoren, die „Konflikt“, „Liebe“ „Altruismus“, „Investment“ und „Sicherheit“ genannt wurden. Weitere Ergebnisse, die die Vorhersage des Glücks in der Beziehung und der Bindung an die Beziehung betreffen, zeigen, daß jede der fünf globalen Skalen einen speziellen Beitrag zur Vorhersage der Beziehungsqualität leistet. Diese Ergebnisse verweisen auf die Validität der globalen Skalen.

Engl,

1997

N = 218,

109 heiratswillige und jungverheiratete Paare aus München, Teil-nehmer am Ehe-vorbereitungspro-gramm (EPL)

BSI, BL, MAT, ZZS, BER, PFB, EP, FMNN, KPI

Determinanten der Ehequalität und Ehestabilität. Eine fünfjährige Längsschnittstudie an heirats-willigen und jungverheirateten Paaren

Untersucht wurden Merkmale, die eine Beziehung schon vor oder am Beginn der Ehe charakterisieren und deren Prognostizität des Eheverlaufs sowie Begleiterscheinungen des empfundenen Eheglücks. Neben anderen Variablen wurde vor allem die Kommunikationsqualität erfaßt. Die Ergebnisse weisen auf die zentrale Bedeutung der partnerschaftlichen Interaktionsqualität für langfristig zufriedene Ehen hin und fügen sich gut in die Annahmen der sozialen Lerntheorie ein.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Bodenmann,

1997

N = 146,

73 Paare, Durch-

schnittsalter 32,8 Jahre, 63 % ledig,

37 % verheiratet,

mittlere Paarbe-ziehungsdauer 7,2 Jahre, gehobenes Bildungsniveau,

61 % zusammen- u.

24 % alleinlebend durchschnittliche Kinderanzahl 1,1

FDCT, MCI, SKOMP, UFB, INCOPE, PFB

Kompetenzen und Gesundheit in Paarbeziehungen

Ausgehend von den Befunden der Partnerschaftsforschung, wonach Kompetenzen die besten Prädiktoren für die Qualität und Stabilität von Paarbeziehungen sind, wird erwartet, daß Kompetenzen ebenfalls für die Gesundheit der Partner zentral sind. Das wurde durch die Studie bestätigt. Kompetenzen erwiesen sich als wichtigere Prädiktoren als die Partnerschaftszufriedenheit oder Streß im Alltag. Vor allem die individuelle Belastungsbewältigungskompetenz erwies sich für die psychische und physische Befindlichkeit als besonders relevant. Die Kompetenzen der Männer waren für das Befinden der Frauen wichtiger als umgekehrt. Dieser Befund wird mit Bezug auf eine höhere Sensibilität von Frauen und ihre wahrgenommene Verpflichtung zur Kompensation der Kompetenzdefizite der Männer interpretiert.

Grau,

1997

N = 350,

175 Paare, durch-schnittliches Alter 28 Jahre (18-61 Jahre), 50 % berufstätig, 50 % Studenten, durchschnittliche Beziehungsdauer 2,5 Jahre (2 Monate - 36 Jahre, Durchschnitt

Reanalyse einer eigenen Studie, Bindungsfragebo-gen

Ähnlichkeit oder Komplementarität in der Partnerschaft - Wer mit wem?

In der Sozialpsychologie werden in der Regel Ähnlichkeiten, in der klinischen Praxis demgegenüber häufig Komplementarität zwischen Partnern betont, die sich in Nähe-Distanz-Konflikten äußert. Die Bindungstheorie von Bowlby liefert eine theoretische Erklärung dafür. Es wird zwischen sicheren, ängstlich-ambivalenten, gleichgültig-vermeidenden und ängstlich vermeidenden Personen unterschieden. Anhand der Reanalyse wird gezeigt, daß sich Partner überzufällig in der Bindungssicherheit ähneln. Bei unsicheren Paaren besteht Komplementarität in dem Sinne, daß ängstlich-ambivalente und gleichgültig-vermeidende oft ein Paar bilden. Diese Konstellation macht das Auftreten von Nähe-Distanz-Konflikten wahrscheinlich, da der vermeidende Partner sich zurückweisend verhält und der ängstliche Partner sich regelmäßig zurückgewiesen fühlt.

Klein,

1997

N = 196

98 Paare, (fast aus-schließlich College-Studenten), im Alter von 19-25 Jahren, 92 Paare verheiratet, 4 unverheiratet, 17 zu-sammenlebend, Be-ziehungsdauer bei 43 % ca. 1 Jahr, bei 43 % ca. 3 Jahre, bei 15 % länger als 3 Jahre

Fragebogen

Zufriedenheitsurteile in Paarkonflikten: Ähnlichkeiten und interpersonelle Genauigkeit

Es wurde die Frage untersucht, ob Partner Einsicht in die Gefühlslage des anderen haben und zum Beispiel einschätzen können, wie zufrieden der oder die andere ist. Die Einsicht in die Zufriedenheit der jeweils anderen Seite war relativ hoch und beruhte nicht auf Projektion. Die Einsicht in den eigenen Partner war geringfügig höher ausgeprägt als die in einen „generalisierten anderen“.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Lamm & Wiesmann,

1997

N = 99

Studenten, 81 Frauen, 15 Männer, 3 ohne Angabe des Ge-schlechts, Durch-schnittsalter 22,5 Jahre

Fragebogen

Subjektive Attribute der Anziehung: Wie Personen ihr Mögen, ihre Liebe und ihr Verliebtsein charakterisieren

Am häufigsten erwähnt wurden positive Gefühle in der Gegenwart des anderen (62 % für Mögen, 53 % für Lieben) und Erregung (62 % für Verliebtsein). Die charakteristischsten Merkmale waren für Mögen: Verlangen nach Interaktion mit dem anderen, für Lieben: Vertrauen in den anderen und für Verliebtsein: Erregung.

Mees,

1997

1.        Untersuchung:

N = 69,

44 weibliche, 25 männliche Studenten der Universität Olden-burg, Altersdurch-schnitt 23 Jahre

2.Untersuchung:

N = 72,

47 weibliche, 25 männliche Psycholo-giestudenten, Alters-durchschnitt 24 Jahre

Fragebogen

Ein Vergleich der eigenen Liebe zum Partner mit der vom Partner erwarteten Liebe

Es wurde die Frage untersucht, ob es zwischen den Konzepten der eigenen Liebe zum Partner und der Liebe, die man vom Partner erwartet, systematische Unterschiede gibt. Erwartet man vom Partner vielleicht mehr als man selbst zu zeigen bereit ist? Im Anschluß an eine Befragung wurde von 81 Studierenden jeweils ein eigenes Liebesprofil sowie ein vom Partner erwartetes Profil erstellt. Es zeigte sich, daß die Profile einander sehr ähnlich waren, allerdings wurden vom Partner mehr „sichtbare Liebesbeweise“ erwartet, als man selber zu zeigen bereit war.

Willi,

1997

N = 605

Personen im Alter von 18-82 Jahren, verhei-ratete, unverheiratete und Personen mit neuen Partnern

Fragebogen

Die Bedeutung von Verliebtheit für die Ehe

Verheiratete Personen unterschieden sich von unverheirateten und geschiedenen mit neuen Partnern durch häufigeres Zusammenleben mit ihrer großen Liebe, mehr Erwiderung in der Liebe und weniger Enttäuschungen in früheren Liebesbeziehungen. Aber sie beschreiben sich als weniger glücklich und zufrieden, insbesondere in Bezug auf Zärtlichkeit, Sexualität und Konversation mit ihren Partnern. Liebe auf den ersten Blick verglichen mit sich langsam entwickelnder Liebe scheint keine schlechtere Prognose der Ehe zu sein als Ehezufriedenheit und Glücklichsein.

Tabelle 7: (Fortsetzung) Empirische Studien zu ausgewählten Themen aus dem Bereich der Partnerschaft

Autor

Stichprobe

Methode

Ergebnisse

Riehl-Emde & Willi,

1997

N = 605

(siehe Willi, 1997)

Fragebogen

Sich verlieben und die große Liebe. Eine Fragebogenaktion und Überlegungen aus paartherapeutischer Sicht

Intensives Verliebtsein war ein fast allen Befragten bekanntes Phänomen. Nach den Selbstauskünften unterschieden sich Männer und Frauen nicht in der Häufigkeit und der Schnelligkeit des Verliebens. Frauen glaubten häufiger, daß die Männer sich auf den ersten Blick in sie verliebt hätten, während Männer davon ausgingen, ihre Partnerin hätte sich erst später in sie verliebt. Beide Geschlechter zeigten dabei deutliche Veränderungen im körperlichen und seelischen Befinden, wobei die Frauen noch größere Veränderungen beschrieben als die Männer. Wer verliebt war bzw. die große Liebe geheiratet hatte, beschrieb sich als glücklicher in der Partnerschaft. Aus paartherapeutischer Sicht scheint das Ausmaß der Verliebtheit weniger wichtig zu sein, als der weitere Umgang mit dem, was vorhanden ist oder fehlt bzw. mit dem Konfliktpotential, das romantischen Beziehungen innewohnt.

Grau & Bierhoff, 1998

N = 260,

130 Paare, im Durchschnittsalter von 29 Jahren (19-51 Jahre), durchschnittliche Partnerschaftsdauer 5 Jahre, 26 Paare verheiratet, 72 Paare zusammenlebend, 70 Personen mit Kindern, 130 Erwerbstätige, 122 Studenten, 2 Hausfrau-en, 6 Schüler und Lehrlinge

Fragebogen, MEIL

Tatsächliche und wahrgenommene Einstellungsähnlichkeit als Prädiktoren für die Beziehungsqualtität

Der hier zugrunde liegende Untersuchungsansatz ermöglichte die Unterscheidung von wahrgenommener und tatsächlicher Einstellungsähnlichkeit. Es wurde untersucht, inwieweit sich die Partner richtig einschätzten. Dafür wurde die Ähnlichkeit in der Einstellung zur romantischen Liebe und zur Bindungsbereitschaft ermittelt. Ein Jahr später wurden das Glück und die Stabilität der Beziehung (besteht noch/ist aufgelöst) erhoben. Die Ergebnisse zeigen, daß die Ähnlichkeit die zukünftige Beziehungsqualität vorhersagt. Dabei ist, insbesondere bei der Vorhersage der Stabilität, die tatsächliche Ähnlichkeit wichtiger als die wahrgenommene. Die Einbeziehung der Stabilität, deren Analyse nicht mit der des Glücks gleichgesetzt werden kann), stellt eine wichtige Erweiterung des Ansatzes der Prognose von Beziehungsqualität auf der Grundlage von Ähnlichkeit der Partner dar.


Anmerkungen.

AI.......................... Attitude Inventory

APQ...................... Attitude-Personality Questionaire

BER....................... Bereiche des Zusammenlebens

BL.......................... Beschwerdenliste

BR-PAT................ Behavioral Role-Playing Assertion Test

BSI........................ Brief Symptom Inventory

CDC...................... Computer Dating Condition

DAQ..................... Dating and Assertion Questionaire

DAS...................... Dyadic Adjustment Scale

EISI....................... Experimentell Induzierter Streß in dyadischen Interaktionen

EP.......................... Erwartungen an die Ehe/Partnerschaft

FACES III............. Family Adaptability and Cohesion Evaluation Scales (Paarversion)

FDC....................... Fragebogen zur Erfassung des dyadischen Copings

FMSS.................... Five-Minute-Speech-Sample

FoNES.................. Fear of Negative Evaluation Scale

GHQ...................... General Health Questionaire

GRIoSS ................ Glombok Rust Inventory of Sexual Satisfaction

GT......................... Gießen-Test

IJS......................... Interpersonal Judgement Scale

INCOPE................ Fragebogen zur Erfassung des individuellen Copings

KPI........................ Kategoriensystem zur Analyse partnerschaftlicher Interaktion

LAS....................... Love-Attitude-Scale

MAI...................... Marital Activities Inventory

MAT..................... Marital Adjustment Test

MCI....................... Marital Communication Inventory

MEIL..................... Marburger Einstellungsinventar für Liebesstile

MICS.................... Marital Interaction Coding System

MMPI................... Minnesota Multiphasic Personality Inventory

MMQ ................... Maudsley Marital Questionaire

MNS..................... Marital Need Satisfaction Scale      

MoLaA................. Measure of Love and Attachment

NDF...................... Nähe-Distanz-Fragebogen

Pbn........................ Probanden

PFB....................... Partnerschaftsfragebogen

PFQ....................... Positive Feelings Questionaire

PSSO..................... Fragebogen zur Erfassung körperlicher Beschwerden

PAS....................... Passionate Attitude Scale

PLS........................ Passionate Love Scale

RAS...................... Rathus Assertiveness Schedule

RCQ...................... Role Category Questionaire

RI........................... Relationship Inventory

RRF....................... Relationship-Rating-Form

SADS.................... Social Avoidance and Distress Scale

SAS....................... Sexual-Attitude-Scale

SD- Becker........... Fragebogen zur Erfassung der seelischen Gesundheit

SDS-CM............... Fragebogen zur sozialen Erwünschtheit

SFPF..................... Selbst-, Fremd- und Partnerbild-Fragebogen

Skomp................... Sozialkompetenzfragebogen

SRI........................ Self-Rating Inventory

SSC....................... Simulated Stranger Condition

STAI..................... State-Trait Anxiety Inventory

STAXI.................. State-Trait Anger Expression Inventory

t............................. Meßzeitpunkt (t1 = erster Meßzeitpunkt)

TSBI...................... Texas Social Behavior Inventory

TtoLS.................... Triangular Theory of Love Scale

UFB....................... Unsicherheitsfragebogen

Vpn....................... Versuchspersonen

ZZS....................... Zufriedenheit in den Bereichen Zärtlichkeit und Sexualität

6.     Hypothesen

6.1    Unterschiede zwischen unglücklichen und glücklichen Paar- 

         beziehungen in bezug auf bevorzugte Partnereigenschaften

         und Paarbeziehungsqualität

Das Vorhaben der vorliegenden Untersuchung ist es, Frauen und Männer, die in ihren Beziehungen unglücklich sind, mit solchen, die glücklich sind, zu vergleichen und zu prüfen, ob die Unterschiede bereits in einer bestimmten Art und Weise der Partnerwahl begründet sind. Haben sich die später Unglücklichen beispielsweise anders verliebt als die später Glücklichen und kann man hieraus Indikatoren für Unzufriedenheit in einer Beziehung ableiten? Gibt es Konfliktthemen, die typisch sind für unglückliche Partnerschaften? Und warum bleiben die Unglücklichen zusammen?

       Hinführend auf diese Fragestellungen soll untersucht werden, inwieweit sich die beiden Gruppen unglücklicher und glücklicher Männer und Frauen in Hinsicht auf die Paarbeziehungsqualität unterscheiden.

Hypothese 1. Unterschiede in der Paarbeziehungsqualität: Flexibilität und Zusammenhalt sowie die Zufriedenheit hinsichtlich der Sexualität innerhalb der Partnerschaft sind in der Gruppe der  unglücklichen Frauen und Männer niedriger ausgeprägt als in der Gruppe der glücklichen.

Hypothese 2. Unterschiede in den Konfliktbereichen: In bezug auf Konfliktbereiche wird angenommen, daß es bestimmte Themen gibt, die insbesondere für unglückliche Partnerschaften typisch sind. Da viele Studien darauf hinweisen, daß dies vor allem den Bereich Kommunikation und Interaktionsverhalten betrifft (siehe Kapitel 4), wird dies auch für die vorliegende Stichprobe erwartet.

Hypothese 3. Unterschiede beim Verlieben und bei der Partnerwahl: Es wird angenommen, daß unglückliche Personen sich schneller und unüberlegter auf eine Partnerschaft einlassen und ihre Partner zu diesem Zeitpunkt noch nicht sehr gut kennen. Möglicherweise verlieben sie sich auch schneller.

Außerdem wird vermutet, daß unglückliche Frauen und Männer zum Zeitpunkt des Verliebens weniger auf beziehungsbezogene Merkmale wie beispielsweise Sensibiliät und Zärtlichkeit, und stattdessen mehr auf Status oder Aussehen des Partners achten.

Hypothese 4. Unterschiede in der festen Partnerschaft: Die vierte Hypothese bezieht sich auf die fortgeschrittene Beziehung. In empirischen Studien (z.B. Hammerschmidt & Kaslow, 1995) wurden als Gründe dafür, in unglücklichen Beziehungen zu bleiben, häufig externale und hierbei vor allem materielle Gründe von den Partnern angegeben. Dementsprechend wird vermutet, daß in ihren Beziehungen unglückliche Personen eher aus materiellen Gründen beim Partner bleiben, daß sie diesen weniger lieben und dementsprechend seltener auf Liebe und Zärtlichkeit bezogene Motive für das Bleiben beim Partner angeben.

6.2.   Geschlechtsunterschiede in Hinsicht auf Verlieben und Partnerwahl

         sowie Zufriedenheit in festen Paarbeziehungen

Im theoretischen Teil der Arbeit wurden empirische Ergebnisse zu den Unterschieden zwischen Frauen und Männern beschrieben (siehe z.B. Abschnitte 2.2.5 & 4.2). Auch an der vorliegenden Stichprobe sollen Geschlechtsunterschiede analysiert werden.

Hypothese 5. Geschlechtsunterschiede beim Verlieben und bei der Partnerwahl: Nach Aussage einiger Autoren (z.B. Riehl-Emde & Willi, 1994) glauben Frauen häufiger als Männer, daß sich ihre Partner auf den ersten Blick, während Männer davon ausgehen, daß sich ihre Partnerinnen erst später in sie verliebt haben. Dieses Phänomen wird auch anhand der vorliegenden Stichprobe untersucht.

       Ein anderes empirisches Ergebnis, das ebenfalls anhand des vorliegenden Datenmaterials überprüft werden soll, betrifft Besonderheiten bei der Partnerwahl: Männer legen beim Verlieben mehr Wert auf Attraktivität der Partnerin, Frauen achten demgegenüber mehr auf den Status des Partners (z.B. Buss & Barnes 1986; Hejj, 1996; Knippel, 1996; Woll, 1986; Sieverding, 1988).

Hypothese 6. Unterschiede in der festen Partnerschaft: Die beim Verlieben postulierten Geschlechtsunterschiede bezüglich der Wichtigkeit von Aussehen bzw. Status werden auch in der fortgeschrittenen Partnerschaft als Motivation zusammen zu bleiben ergründet.

       Darüber hinaus wird angenommen, daß ein bisheriges Forschungsergebnis in bezug auf Geschlechtsunterschiede innerhalb der Partnerschaft auch in dieser Untersuchung repliziert wird: Frauen sind in Hinsicht auf Beziehungen anspruchsvoller als Männer (z.B. Kraft, 1988, Hammerschmidt & Kaslow, 1995). Dies ließe sich beispielsweise aus dem Umstand ableiten, daß Frauen beziehungsbezogenen Partnerqualitäten wie z.B. Verläßlichkeit und Einfühlungsvermögen mehr Bedeutung für das Bleiben beim Partnern beimessen als Männer. Ein weiteres recht beständiges Ergebnis aus der Partnerschaftsforschung - möglicherweise eine Folge des höheren Anspruches - ist die größere Unzufriedenheit von Frauen in Beziehungen (z.B. Kreische, 1996), was in der vorliegenden Studie durch eine schlechtere Einschätzung der Paarbeziehungsqualität durch die Frauen sowie eine größere Unzufriedenheit der Frauen in bezug auf Konfliktthemen und hinsichtlich des Sexuallebens zum Ausdruck kommen könnte. Möglicherweise lassen sich auch geschlechtsspezifische Konfliktbereiche differenzieren.

7.    Methode

7.1   Untersuchungsdesign

Als Untersuchungsdesign zur Prüfung der formulierten Hypothesen wurde ein quantitatives Verfahren unter Einsatz standardisierter Fragebögen (siehe Abschnitt 7.2) gewählt. Diese Vorgehensweise läßt sich forschungsökonomisch begründen, d.h. sie ist zeit- und kostensparend und ermöglicht die Befragung einer hohen Anzahl geographisch verstreuter Personen. Darüber hinaus sind die  Ergebnisse mit denen anderer Studien vergleichbar. Ein weiterer Vorteil, nämlich das Ausschließen der direkten Beeinflussung durch den Untersuchungsleiter während der Befragung, kann allerdings auch einen Nachteil bedeuten, da Erläuterungen bei auftretenden Fragen der Probanden durch den Interviewer nicht gegeben werden können. Den Fragebögen wurde jeweils ein frankierter und adressierter Rückumschlag beigelegt, so daß die Versuchspersonen ihre Bögen unabhängig von ihren Partnern bzw. Partnerinnen zurücksenden konnten. Außerdem wurde versucht, durch konkrete Anweisungen zum Ausfüllen des Fragebogens und die Bitte, diesen allein (ohne den Partner) zu beantworten, auf die Erhebungssituation Einfluß zu nehmen, wobei eine Kontrolle derselben letztendlich jedoch nicht möglich ist. Einen weiteren Nachteil stellt die niedrige Rücklaufquote bei Fragebogenaktionen dar, worauf im Abschnitt 7.3.1 im Zusammenhang mit der vorliegenden Erhebung noch eingegangen wird. 

       Die Befragung erfolgte nur zu einem Zeitpunkt, so daß die Variablen zu den Themen „Anfang der Beziehung“ und „Verlieben in den Partner“ retrospektiv beantwortet wurden. Eine retrospektive Befragung birgt zwar die Gefahr möglicher Verzerrungen („hindsight bias“, Hawkins & Hastie, 1990), sie „bietet jedoch den Vorteil eines relativ stabilen internen Standards der Befragten.“ (Bleich & Witte, 1992). Da sich die vorliegende Untersuchung auf dauerhafte Paarbeziehungen konzentriert, wurde als Teilnahmevoraussetzung eine als „fest“ definierte, seit mindestens einem Jahr bestehende Partnerschaft vorausgesetzt (siehe Abschnitt 6.3.1).

       Für die Auswertung wurden zwei Gruppen gebildet: Die erste Gruppe setzt sich zusammen aus Personen, die in Partnerschaften leben, die entweder als unglücklich oder dysharmonisch zu bezeichnen sind. Dazu werden die Frauen und Männer gezählt, die entweder im Fragebogen-Item Nr. 6 „Wie würden Sie Ihre Partnerschaft im Augenblick einschätzen?“ 1 = „eher unglücklich“, 2 = „unglücklich“ oder 3 = „sehr unglücklich“ angegeben haben oder die Partner eines solchen Teilnehmers sind, weil angenommen werden kann, daß eine Partnerschaft, in der einer der Partner unglücklich ist, insgesamt nicht als glücklich zu charakterisieren ist. Ebenfalls zur ersten Gruppe zählen die Personen,  die im Fragebogen 5 = „eher glücklich“ angekreuzt haben, da nach Hahlweg (1991) davon ausgegangen werden kann,  daß diese „in Partnerschaften leben, die noch als gerade erträglich empfunden werden ... “ (Hahlweg, 1991, S. 117).

       Die zweite Gruppe besteht aus Personen, die in glücklichen und harmonischen Paarbeziehungen leben, d.h. aus Teilnehmern, die - genau wie ihre Partner - angeben, in ihrer Beziehung „glücklich“ oder „sehr glücklich“ zu sein. Die Probanden, deren Partner nicht an der Untersuchung teilgenommen haben, wurden bei einer Glückseinschätzung von 1-5 (s.o.) der ersten, und bei Angaben von 6-7 der zweiten Gruppe zugeordnet. Die beiden Gruppen werden im folgenden kurz „Unglückliche“ und „Glückliche“ genannt.

7.2     Fragebogen

Dem Fragebogen wird ein Anschreiben an die Versuchsperson vorangestellt (siehe Anhang), in dem diese über Ziele und Inhalte der Untersuchung informiert wird. Außerdem sind Instruktionen zum Ausfüllen des Fragebogens, die Zusicherung der absoluten Anonymität und der streng vertraulichen Behandlung der Daten sowie ein Dank an die Teilnehmer für deren Bereitschaft zur Mitarbeit enthalten. Zur besseren Lesbarkeit wurde der Fragebogen in zwei (ansonsten identischen) Ausführungen erstellt, die jeweils die weibliche und die männliche Form berücksichtigen. Nach den Instruktionen wird für den Fall, daß die jeweiligen Partner oder Partnerinnen ebenfalls einen Bogen ausfüllen, darum gebeten, ein gemeinsames Partner-Stichwort zu vereinbaren, damit bei der Auswertung der Anteil der Paare an der Gesamtstichprobe festgestellt werden kann.

Der Fragebogen ist in sechs Hauptbereiche strukturiert:

1.      Demographische Daten,

2.      Anfang der Beziehung,

3.      Verlieben in den Partner / Bleiben bei dem Partner,

4.      Konfliktthemen,

5.      Familiy and Adaptability Evaluation Scales (FACES III)

6.      Zufriedenheit mit dem Sexualleben innerhalb der Partnerschaft.

7.2.1    Demographische Daten und Glückseinschätzung

Zunächst werden Merkmale der Person und der Partnerschaft erhoben wie Geschlecht, Alter, Schulabschluß, berufliche Position, feste Partnerschaft, Zusammenleben mit dem Partner, Kinderanzahl und Anzahl der Trennungen. Anschließend wird die Versuchsperson um eine Einschätzung gebeten, wie glücklich sie sich in der momentanen Beziehung fühlt (Item Nr.6, siehe Abschnitt 7.1.1).

7.2.2    Anfang der Liebesbeziehung

Die Versuchsperson wird eingangs darauf hingewiesen, daß sie beim Beantworten der Fragen an die momentane Beziehung denken möchte. Sodann wird sie gebeten, sich an den Beginn ihrer Partnerschaft zu erinnern. Das Thema „Anfang der Beziehung“ gliedert sich in vier Skalen, die der unveröffentlichten Diplomarbeit von Putz (2000, siehe Tabelle 8) entnommen sind: „Entstehungsmodell der Liebesbeziehung“, „Entstehungsmodell der Liebesbeziehung aus Sicht des Partners“, „Erkennen und Bewerten des Partners“, „Persönliche Situation beim Verlieben“. Die Antwortskalierung erfolgt entsprechend den Empfehlungen von Rohrmann (1978) fünfstufig und wird verbal unterstützt durch 1 = „trifft gar nicht zu“, 2 = „trifft wenig zu“, 3 = „trifft mittelmäßig zu“, 4 = „trifft ziemlich zu“, 5 = „trifft sehr zu“. Die Items zu den einzelnen Skalen sind in Tabelle 9 aufgelistet.

Tabelle 8: Items der Skalen zum Thema „Anfang der Beziehung“ (nach Putz 2000)

Entstehungsmodell der Liebesbeziehung                                             weibliche   männliche Vp

14. Es war für mich „Liebe auf den ersten Blick“.                                   .80              .87

16. Die Liebe entwickelte sich bei mir langsam.                               -.80*          -.76*

18. Ich habe mich sehr um meinen Partner bemüht.                                 .66              .57

Entstehungsmodell der Liebesbeziehung aus Sicht des Partners

15. Es war für meinen Partner „Liebe auf den ersten Blick“.                    .80              .73

17. Die Liebe entwickelte sich bei meinem Partner langsam.           -.77*          -.82*

19. Mein Partner hat sich sehr um mich bemüht                                      .71              .68

Erkennen und Bewerten des Partners

24. Viele Dinge, die mich an meinem Partner stören,

      habe ich erst später bemerkt.                                                           .77              .68

26. Heute würde ich auf andere Dinge achten, wenn ich

      eine enge Partnerschaft einginge.                                                      .71              .72

27. Am Anfang hat sich mein Partner anders dargestellt,

      als er eigentlich ist.                                                                           .78              .71

Persönliche Situation beim Verlieben

20. Ich war derzeit in einer guten Stimmung.                                    -.75*          -.66*

21. Ich fühlte mich einsam.                                                                     .74              .66

22. Ich war sehr vorsichtig darin, mich auf eine

      Liebesbeziehung einzulassen.                                                            .31              .64

Anmerkung. Vp = Versuchsperson

Diese Skalen beinhalten die Sponaneität beim Verlieben, d.h. ob sich eine Person „auf den ersten Blick“ bzw. relativ schnell in ihren Partner verliebt hat oder ob sich diese Gefühle erst allmählich entwickelt haben. Hat sie sich eher „Hals über Kopf“ in die Beziehung „gestürzt“, war sie einsam und sehnte sich nach einem festen Partner oder war sie eher vorsichtig und zurückhaltend und hat versucht, den anderen erst einmal näher kennenzulernen.

7.2.3        Verlieben in den Partner und Bleiben bei dem Partner

Die zugrundeliegenden Fragebogenitems der Inhalte „Verlieben in den Partner“ und „Bleiben bei dem Partner“ sind ebenfalls von Putz (2000) übernommen worden. Das Thema „Verlieben in den Partner“ umfaßt verschiedene Eigenschaften der Partner und deren Bedeutung dafür, sich in diesen verliebt zu haben. Beim Thema „Bleiben bei dem Partner“ geht es um die selben Eigenschaften und deren Wichtigkeit dafür, beim Partner zu bleiben. Dem Thema „Verlieben“ geht die Frage voraus: „Wie wichtig, glauben Sie, waren folgende Punkte dafür, daß Sie sich in ihren Partner verliebt haben?“, beim Thema „Bleiben“ ist die gleiche Frage auf die augenblickliche Situation gerichtet: „Wie wichtig, glauben Sie, sind folgende Punkte dafür, daß Sie bei Ihrem Partner bleiben?“ Die fünfstufige Skalierung wird verbal unterstützt durch: 1 = „gar nicht wichtig“, 2 = „wenig wichtig“, 3 = „mittelmäßig wichtig“, 4 = „ziemlich wichtig“, 5 = „sehr wichtig“. Auf die Entwicklung der Skalen zum Bereich des Verliebens (siehe Tabelle 9) wird am Ende des Abschnittes eingegangen.

Tabelle 9: Skalen zum Thema „Verlieben in den Partner“ (varimaxrotierte Faktorenanalysen)

Skalen / Items                                                                    Ladung

1. Sensibilität und Zärtlichkeit

43. seine Sensibilität                                                                .79        

44. seine Gefühlsbetontheit                                                      .74

45. seine Warmherzigkeit                                                        .72

42. sein Einfühlungsvermögen                                                  .72        

34. wie er Dinge gesagt hat                                                      .53

35. daß er sich um mich bemüht hat                                         .50

33. eine zärtliche Geste                                                            .47

38. daß ich mich ganz auf ihn verlassen konnte                         .45

39. daß er meine Selbständigkeit respektierte                           .41

53. seine Ruhe                                                                        .40

2. Intelligenz und Interessiertheit                                           

52. seine vielseitige Interessiertheit                                           .61

46. seine Intelligenz                                                                 .59

49. seine Strebsamkeit                                                            .58

57. seine Bildung                                                                     .56     

48. sein Selbstbewußtsein                                                        .51

56. daß er ähnliche Hobbies hatte wie ich                                .40

55. seine musische Interessiertheit                                            .36

3. Ausstrahlung und Anziehung

40. daß er aufregend war                                                        .67

60. daß ich mich sexuell von ihm angezogen fühlte                    .65

30. sein Aussehen                                                                   .62

32. sein Geruch                                                                       .50

47. seine Aufgeschlossenheit                                                    .44

31. seine Kleidung                                                                   .43

59. seine Stimme                                                                     .39

51. sein Humor                                                                       .39

36. eine körperliche Berührung                                                .38     

50. seine Unternehmungslust                                                    .31

4. Status

58. sein gutes Einkommen                                                       .67

41. daß er eine Familie versorgen konnte                                 .65     

37. daß meine Freunde und Bekannten ihn mochten                 .52

Bei Putz (2000) enthält jedes Thema 30 Items. Im vorliegenden Fragebogen wurden insgesamt fünf Items hinzugefügt. Dies sind beim Thema „Verlieben“ die Items Nr. 59: „seine/ihre Stimme“ und Nr. 60: „daß ich mich sexuell von ihm/ihr angezogen fühlte“. Beim „Bleiben“ handelt es sich um die gleichlautenden Items Nr. 92: „seine/ihre Stimme“ und Nr. 93: „daß ich mich sexuell von ihm/ihr angezogen fühle“, wobei zusätzlich die Antwortmöglichkeit Nr. 94: „daß ich ihn liebe“ aufgenommen wurde. Die Versuchsperson hat jeweils im Anschluß an die vorgegebenen Antworten die Möglichkeit, eigenes hinzuzufügen und noch einmal mit eigenen Worten auszudrücken, warum sie sich gerade in diesen Partner verliebt hat bzw. welche Eigenschaften in der bestehenden Beziehung für sie besonders wichtig sind.

       Für die Auswertung der Bereiche „Verlieben in den Partner“ (siehe Tabelle 9) und „Bleiben bei dem Partner“ (siehe Tabelle 10) wurden mithilfe von Faktorenanalysen (Varimaxrotation) Skalen entwickelt.

Tabelle 10: Skalen zum Thema „Bleiben bei dem Partner“ (varimaxrotierte Faktorenanalysen)

1. Selbstbewußtsein und Aufgeschlossenheit

90. seine Bildung                                                                     .69

85. seine vielseitige Interessiertheit                                           .68

81. sein Selbstbewußtsein                                                        .68

82. seine Strebsamkeit                                                            .61

80. seine Aufgeschlossenheit                                                    .58

79. seine Intelligenz                                                                 .56

83. seine Unternehmungslust                                                    .54

88. seine musische Interessiertheit                                            .53

84. sein Humor                                                                       .46

87. seine Sportlichkeit                                                             .43

89. daß er ähnliche Hobbies hat wie ich                                   .40

2. Sensibilität und Verläßlichkeit

76. seine Sensibilität                                                                .77

75. sein Einfühlungsvermögen                                                  .76

77. seine Gefühlsbetontheit                                                      .66

78. seine Warmherzigkeit                                                        .65

68. daß er sich um mich bemüht                                               .64

71. daß ich mich auf ihn verlassen kann                                    .55

67. wie er Dinge sagt                                                               .51

72. daß er meine Selbständigkeit respektiert                            .48

3. Sexuelle Attraktivität

69. seine körperlichen Berührungen                                         .64     

93. daß ich mich sexuell von ihm angezogen fühle                     .61

65. sein Geruch                                                                       .58

66. seine zärtlichen Gesten                                                       .57

92. seine Stimme                                                                     .55     

74. daß er eine Familie versorgen kann                               -.45

91. sein Einkommen                                                            -.43

4. Äußerlichkeiten und Angepaßtheit

64. seine Kleidung                                                                   .74

63. sein Aussehen                                                                   .70

70. daß meine Freunde und Bekannten ihn mögen                    .62

Die Ladungen und die Varianzaufklärung ließen zum Thema „Verlieben in den Partner“ eine Faktorenanalyse auf vier Faktoren zu, die ihren Inhalten entsprechend „Sensibilität und Zärtlichkeit“, „Intelligenz und Interessiertheit“, „Ausstrahlung und Anziehung“ sowie „Status“ genannt wurden. Auch zum Thema „Bleiben bei dem Partner“ wurden vier Faktoren gefunden (siehe Tabelle 10). Die hierzu extrahierten Skalen erhielten die Bezeichnungen „Selbstbewußtsein und Aufgeschlossenheit“, „Sensibilität und Verläßlichkeit“, „Sexuelle Attraktivität“ sowie „Äußerlichkeiten und Angepaßtheit“.

       Die beiden Bereiche „Verlieben in den Partner“ und „Bleiben bei dem Partner“ weisen eine unterschiedliche Faktorenstruktur auf (vgl. Tabellen 9 & 10). Es zeigt sich also, daß die Eigenschaften des Partners, die für das Verlieben ausschlaggebend waren, nicht die gleichen sind wie diejenigen, die für das Bleiben beim Partner wichtig sind. Es kann somit von einer Veränderung der Prioritäten in der Partnerschaft ausgegangen werden.

       Beim Verlieben zählen zum ersten Faktor Eigenschaften wie des Partners Sensibilität, Einfühlungsvermögen und Gefühlsbetontheit. An zweiter Stelle werden Variablen gefunden, die des Partners Bildung, Intelligenz und Selbstbewußtsein charakterisieren. Darauf folgt ein  Faktor, der die Wirkung des Partners auf die Versuchsperson und dessen sexuelle Ausstrahlung beinhaltet. Zuletzt geht es um den Verdienst des Partners und dessen Anerkanntheit im Freundes- und Bekanntenkreis. Beim Thema „Bleiben“ werden als erste Skala Charaktereigenschaften des Partners zusammengefaßt wie z.B. Selbstbewußtsein und Aufgeschlossenheit. Auch Bildung und Intelligenz sind dabei von Bedeutung. Die nächsten beiden Faktoren beziehen sich auf Qualitäten des Partners, die mit Liebe, Anziehung und dem Umgang miteinander zu tun haben. Die letzten Merkmale betreffen Äußerlichkeiten: das Aussehen des Partners, dessen Art, sich zu kleiden und dessen Beliebtheit im Freundeskreis.

       Der folgende Abschnitt des Fragebogens enthält Angaben zu Differenzen der Versuchspersonen und ihrer Partner hinsichtlich Alter, Beruf, Freizeit und Interessen. Diese Diskrepanzen fanden jedoch keinen Eingang in die folgenden statistischen Analysen.

7.2.4   Konfliktbereiche in der festen Partnerschaft

Jungnickel, Nisius und Sibbert (1983) entwickelten den an vierter Stelle verwendeten Fragebogen zu Konfliktthemen  in der Partnerschaft. Sie sind der Meinung, daß sich die Konfliktthemenskala als günstiges Meßinstrument zur Bestimmung der Unzufriedenheit von Personen in ihrer Partnerschaft erwiesen hat. Sie liefert über die Einschätzung von 21 Themen, die den Ergebnissen der Voruntersuchungen zufolge, wichtige und häufige Inhalte von Konflikten in Beziehungen darstellen, eine Aussage über das Konfliktpotential innerhalb der Partnerschaft. Die Konfliktthemenskala bietet Möglichkeiten zur Ermittlung eines generellen Konfliktpotentials und zur Bestimmung einzelner Bereiche in der Partnerschaft, in denen Konflikte geführt werden. Sie ist somit zur Diagnostik geeignet, um sowohl die emotionale Situation in der Partnerschaft als auch die Häufigkeit von Auseinandersetzungen einzuschätzen.

         Die entsprechenden Items werden im vorliegenden Fragebogen durch eine Instruktion eingeleitet: „Es folgen jetzt eine Reihe von Themen, die in einer Partnerschaft eine Rolle spielen können, schätzen Sie bitte jeden Punkt danach ein, wie unzufrieden Sie persönlich zur Zeit damit sind.“ Die Antwortvarianten sind wiederum fünfstufig skaliert und werden verbal unterstützt durch 1 = „sehr unzufrieden“, 2 = „ziemlich unzufrieden“, 3 = „mittelmäßig unzufrieden“, 4 = „wenig unzufrieden“, 5 = „gar nicht unzufrieden“.

Für die Auswertung des vorliegenden Datenmaterials wurden jeweils über inhaltlich zusammen gehörende Konfliktthemen Faktorenanalysen mittels Varimaxrotation auf einem Faktor gerechnet (siehe Tabelle 11).

Tabelle 11: Skalen zum Thema „Konfliktbereiche“ (varimaxrotierte Faktorenanalysen)

1. Interaktion und Konfliktverhalten

120. Vormachtstellung des Partners                                         .76

111. Verhalten bei Konflikten                                                  .70

110. Streit mit dem Partner                                                      .67     

112. Art und Weise, in der Entscheidungen

        getroffen werden                                                             .67

118. verschiedene Vorstellungen über die Partnerschaft            .65

121. Verwirklichung von Emanzipation                                    .63

119. eigene Vormachtstellung                                                  .57

122. Aufteilung der Hausarbeit                                                .50

147. handgreiflicher Streit                                                        .48

123. Verteilung und Verwendung des Geldes                           .40

2. Sexualität und Treue

130. Sexualität des Partners                                                    .69

128. Untreue des Partners                                                       .65

129. eigene Sexualität                                                              .62

148. unterschiedliches Umgehen mit Eifersucht                         .60

127. eigene Untreue                                                                .59

3. Binnenbeziehung

116. Offenheit in der Partnerschaft                                           .72

117. gegenseitiges Akzeptieren mit allen Problemen,

        Schwächen und Eigenarten                                              .72

125. Nähe und Distanz in der Partnerschaft                              .70

113. unerfüllte Erwartungen                                                     .65

114. eigene seelische Probleme                                               .58

115. seelische Probleme des Partners                                      .56

4. Gemeinsame Freizeit

132. Freizeitgestaltung                                                             .77

131. Ausmaß der gemeinsamen Zeit                                        .76

133. nächster Urlaub                                                               .73

5. Berufliche Probleme

145. Ärger im eigenen Beruf                                                    .81

141. eigene berufliche Überlastung                                           .73

143. eigene berufliche Zukunft                                                 .70

142. berufliche Überlastung des Partners                                 .65

146. Ärger im Beruf des Partners                                            .54

Items mit Ladungen unter .50 flossen nicht in die Skalenbildung mit ein, wodurch Themen wie z.B. Krankheit, Kinder oder religiöse Fragen herausfallen mußten. Die Skalen beziehen sich nunmehr auf die Bereiche „Interaktion und Konfliktverhalten“, „Sexualität und Treue“, „Binnenbeziehung“, „Gemeinsame Freizeit“ sowie „Berufliche Probleme“.

7.2.5        Kohäsion und Adaptabilität (Familiy Adaptability Cohesion Evaluation Scale:

            FACES III)

Im fünften Abschnitt des Fragebogens geht es um Angaben zu Flexibilität (Adaptabilität) und Zusammenhalt (Kohäsion) innerhalb der Partnerschaft. Das zur Messung dieser Dimensionen entwickelte Instrument, die Familiy Adaptability Cohesion Evaluation Scale: FACES III von Olson, Portner und Lavee (1985) ist eine Weiterentwicklung der 30 Items umfassenden Faces II von  Olson, Bell und Portner (1982). Diese war einer umfangreichen Stichprobe von N = 2412 Personen aus „`non-problem´ families“ vorgelegt worden, die anschließend in zwei unabhängige, zufällige Stichproben geteilt wurde. Über die erste Stichprobe wurde eine Faktorenanalyse gerechnet und dann diejenigen Items ausgewählt, die klar auf einem von zwei ausgewählten Faktoren luden. Durch Zufügen, Eliminieren und Austauschen wurden schließlich 20 Items gewonnen. Die Faktorenanalyse über die zweite Stichprobe erbrachte die gleiche Struktur wie die erste (Olson et al., 1985, S.20 ff). Die FACES III zeichnet sich aus durch zufriedenstellende statistische Kennwerte wie eine gute Reliabilität sowie eine sehr gute Validität. In Tabelle 12 werden Charakteristik und statistische Kennwerte der FACES III dargestellt.

Tabelle 12: Charakteristik und statistische Kennwerte der Family Adaptability and Cohesion Evaluation Scales (FACES III; Cierpka, 1988, nach Bleich, 1986)

Theoretische Basis:                                          Systemmodell, „circumplex model“

Untersuchungsebene:                                        Familie als Ganzes

Anzahl der Items:                                              20 Items: 10 je Dimension (Adaptabilität und

                                                                            Kohäsion)

Standardisierung:

Normalpopulation                                                n = 2453 Erwachsene,

                                                                            n = 412 Adoleszente

Klinische Population                                             Medikamentenabhängige Problemfamilien

Reliabilität:                                                        gut

interne Konsistenz                                                Kohäsion: alpha = .77

                                                                            Adaptabilität: alpha = .62

                                                                            Gesamt: alpha = .68

Korrelation zwischen den Skalen                          Kohäsion und Adaptabilität r = .03

Korrelation zwischen den

Familienmitgliedern                                               Kohäsion: r = .42

                                                                            Adaptabilität: r = .20

Korrelation mit sozialer Erwünschtheit                   r = .39 für Kohäsion

                                                                            R = .00 für Adaptabilität

Validität:

„face validity“ und inhaltliche Validität                   sehr gut

Kriteriumsvalidität                                                fehlt noch

Diskrimination der Gruppen                                  sehr gut

Klinische Anwendbarkeit:                                 gut

Zeitaufwand 20 Minuten

Leichtigkeit der Einstufung, Verrechnung               sehr leicht, 10 Minuten

Die Paarversion der FACES III wurde hier in der deutschen Übersetzung von Sattelmayer und Cierpka (1985) verwendet. In Tabelle 13 werden die Items mit der jeweiligen Zuordnung zu den einzelnen Dimensionen aufgelistet. Zwei Items werden in der von Bleich und Witte (1992) umformulierten Version übernommen: das Item Nr. 6: „Verschiedene Personen übernehmen die Führungsrolle in unserer Partnerschaft“ war dort geändert worden in: „Wir haben abwechselnd die Führungsrolle in unserer Partnerschaft“ und Item Nr. 14: „Die Regeln unserer Beziehung ändern sich“ in: „Die ‚Spielregeln‘ in unserer Partnerschaft ändern sich“. Darüber hinaus wird der in Bleich (1996) modifizierte Häufigkeitsbegriff von „ab und zu“ in „selten“ übernommen, so daß die FACES III (Paarversion) in der vorliegenden Untersuchung folgende Antwortmöglichkeiten vorgibt: 1 = fast nie, 2 = selten, 3 = öfter, 4 = häufig,  5 = fast immer.

Tabelle 13:  Items der Paarversion der Familiy ans Adaptability Evaluation Scales (FACES III, Olson et al., 1985, zitiert nach Bleich, 1986)

                                                                              Korrelation des Items mit     C                   A

1.      Wir bitten einander um Hilfe.                                                                          .59

2.      Wenn Probleme auftauchen, schließen wir Kompromisse.                                                             n.m.

3.      Wir akzeptieren die Freunde des anderen.                                                      .51

4.      Wir kommen mit unseren Meinungsverschiedenheiten gut zurecht.                                      n.m.

5.      Wir unternehmen gern etwas gemeinsam.                                                       n.m.

6.      Wir haben abwechselnd die Führungsrolle in unserer Partnerschaft.                                    .47

7.      Wir sind gefühlsmäßig enger miteinander verbunden, als mit

Leuten außerhalb unserer Beziehung.                                                              .59

8.      Bei der Bewältigung von Aufgaben sind wir flexibel.                                                          .53

9.      Wir verbringen gern die Freizeit miteinander.                                                  .74

10.  Bei der Lösung von Problemen erproben wir neue Wege.                                                             n.m.

11.  Wir sind gefühlsmäßig sehr eng miteinander verbunden.                                  .67

12.  Entscheidungen treffen wir gemeinsam.                                                                              n.m.

13.  Wir haben gemeinsame Hobbies und Interessen.                                            n.m.

14.  Die „Spielregeln“ in unserer Partnerschaft ändern sich.                                                       .45

15.  Es fallen uns leicht Dinge ein, die wir gemeinsam tun können.                          .54

16.  Wir teilen die Erledigung von Haushaltspflichten untereinander auf.                                     .49

17.  Wenn wir Entscheidungen treffen, beraten wir vorher miteinander.                  .56

18.  Es ist schwer zu sagen, wer in unserer Beziehung das Sagen hat.                                        .48

19.  Zusammengehörigkeitsgefühl steht bei uns an erster Stelle.                              .63

20.  Es ist schwer zu sagen, wer welche Haushaltspflichten übernimmt.                                     .46

Anmerkungen. C = Kohäsion, A = Adaptabilität, n.m. = nicht mitgeteilt

Die Skalen Kohäsion und Adaptabilität werden ohne Änderungen für die vorliegende Auswertung genutzt. Am Ende des Fragebogens wird die Zufriedenheit mit dem Sexualleben innerhalb der Partnerschaft erhoben (siehe Tabelle 14). Dazu wird eine Skala von Bleich und Witte (1992) eingesetzt, die sich auf die eigene Zufriedenheit mit und das Interesse an Sexualität sowie auf die subjektive Wahrnehmung der Zufriedenheit und des Interesses des Partners bezieht.

Tabelle 14: Verteilungskennwerte, Trennschärfe und Faktorladungen (PCA) der Items der Skala „Zufriedenheit mit dem gemeinsamen Sexualleben“ (N = 312; Bleich & Witte, 1992)

Variable                                                                            M              SD               rit          ai1

173. Zufriedenheit mit dem Sexualleben                              2.10            1.05              .80         .90

174. Zufriedenheit des Partners mit dem Sexualleben           2.29            1.08              .76         .88

175. sexuelles Verlangen in Hinblick auf Partner                  2.08              .90              .59         .76

176. sexuelles Verlangen des Partners                                 2.19              .93              .56         .74

Anmerkung. Faktor 1 erklärt 67,6 % der Varianz in der PCA.

Hierbei wird eine fünfstufige Antwortskalierung verbal begleitet durch: 1 = „gar nicht zufrieden“, 2 = „wenig zufrieden“, 3 = „mittelmäßig zufrieden“, 4 = „ziemlich zufrieden“, 5 = „sehr zufrieden“ bzw. 1 = „sehr gering“, 2 = „ziemlich gering“, 3 = „mittelmäßig“, 4 = „ziemlich groß“, 5 = „sehr groß“.

7.3    Stichprobe

7.3.1   Rekrutierung der Stichprobe

Um repräsentative Aussagen treffen zu können, wurde die Rekrutierung einer möglichst umfangreichen Stichprobe angestrebt, wobei ein großer Anteil aus Personen bestehen sollte, die in ihrer Partnerschaft unzufrieden sind. Ausgehend davon, daß solche Paare vornehmlich in Beratungsstellen zu finden sein sollten, wurden 70 solcher Einrichtungen in Hamburg und Umgebung angeschrieben. Neben einem Beispielfragebogen zur Ansicht enthielt das Anschreiben an die Beratungsstellen Erläuterungen zum Anliegen der Untersuchung, die Bitte um Mitarbeit bei der Verteilung der Bögen sowie die Zusicherung der absoluten Anonymität der Versuchspersonen. Als Anliegen der Fragebogenaktion wurde geschildert, daß die Ergebnisse Hinweise auf eine bessere Unterstützung von Paaren in ähnlichen Situationen liefern könnten. Um einen Anreiz für Versuchsteilnehmer zu bieten, wurde auf die Möglichkeit hingewiesen, sich nach Abschluß der Studie deren Ergebnisse zusenden zu lassen. Den Beratungsstellen wurde die Information über die Ergebnisse von vornherein garantiert.

Ein bis zwei Wochen später wurden die angeschriebenen Berater bzw. Therapeuten telefonisch kontaktiert, um die Möglichkeit und Bereitschaft zu erkunden, Fragebögen vorort auszulegen bzw. direkt an die Klienten zu verteilen. Insgesamt erklärten sich ca. die Hälfte der angesprochenen Beratungsstellen dazu bereit, uns in der beschriebenen Form zu unterstützen. So wurden in der Zeit vom 21.06. bis zum 22.12.99 an 33 Einrichtungen insgesamt 600 Fragebögen verschickt.

       Der Rücklauf mit 66 ausgefüllten Bögen war - trotz Erinnerungsschreiben - äußerst gering, weshalb zusätzlich verschiedene Zeitungs- und Zeitschriftenverlage gebeten wurden, einen  Aufruf zu schalten. Das Hamburger Abendblatt, die taz und die Hamburger Rundschau veröffentlichten im Abstand von drei Monaten insgesamt fünf Aufrufe (siehe Anhang). Es wurde dabei betont, daß Frauen und Männer gesucht würden, deren Beziehung „nicht unproblematisch“ sei. Als einzige Teilnahmebedingung wurde eine feste Partnerschaft, die seit mindestens einem Jahr bestehen sollte, vorausgesetzt, unabhängig davon, ob mit dem Partner zusammen oder in getrennten Wohnungen lebend. Von den insgesamt 142 an Zeitungsleser/innen verschickten Fragebögen kamen 110 vollständig ausgefüllte Bögen zurück. Weitere Teilnehmer wurden über den Bekannten- und Freundeskreis (95 verteilte Fragebögen, Rücklauf 25 Bögen) sowie über die Universität im Rahmen der vorgeschriebenen Ableistung von Versuchspersonen-Stunden (118 verteilte Bögen, Rücklauf 95 Exemplare) geworben.
       Jedem versandten Fragebogen wurde eine Postkarte beigelegt, auf der die Versuchsteilnehmer ihre Bereitschaft zu der Teilnahme an weiteren Untersuchungen zum Thema „Liebe und Partnerschaft“, ihr Einverständnis zur Speicherung ihrer Daten zu Forschungszwecken und - als Anreiz - ihr Interesse an den Ergebnissen der Untersuchung durch Ankreuzen mitteilen konnten. Die Studenten holten die Bögen selbst in einem Büro ab und erhielten keine Postkarten, da deren Anreiz in den zu erhaltenden Versuchspersonen-Stunden bestand. Das Interesse der Teilnehmer an den Ergebnissen ist relativ hoch, wie der Rücklauf von  97  Karten verdeutlicht, wobei die Paare offenbar jeweils eine Karte genutzt haben. Durch die beschriebene Schwierigkeit, eine hohe Anzahl unglücklicher Probanden zu werben, zog sich die Rekrutierung über acht Monate hin, vom 12.06.99 bis zum 15.02.2000.

7.3.2    Charakterisierung der Stichprobe

Für die endgültige Auswertung wurden Fragebögen berücksichtigt, welche bis zum 15.04.2000 vorlagen, vollständig ausgefüllt waren sowie das Kriterium „feste Partnerschaft seit mindestens einem Jahr“ erfüllten, woraus sich eine Stichprobe von insgesamt 293 Personen ergab: 164 Frauen und 129 Männer, im Alter von 16 bis 65 Jahren. Darunter sind 106 Paare (ca. zwei Drittel der Stichprobe). Die erhobenen Stichprobencharakteristika werden im einzelnen in Tabelle 15 dargestellt.

       Die Gesamtgruppe der Unglücklichen ist ca. 5 Jahre älter als die der Glücklichen: MU = 37.47, SDU = 11.28; MG = 33.36, SDG = 10.66 (tAlter = 3.181, p < .010). Die unglücklichen Frauen sind zwischen 16 und 63 Jahren alt, bei einem durchschnittlichen Alter von 36.7 Jahren, während die Männer dieser Gruppe zwischen 17 und 65 Jahren alt sind (M = 38.3 Jahre). Die glücklichen Frauen sind zwischen 18 und 60 Jahren (M = 32.5 Jahre), die glücklichen Männer zwischen 21 und 64 Jahren (M = 34.6 Jahre) alt. Die Altersunterschiede zwischen den Frauen und Männern sind jedoch nicht signifikant.

            Die Stichprobe ist insgesamt durch ein heterogenes Bildungsniveau charakterisiert. Nur eine Person besitzt keinen, und nur 7 % einen Hauptschulabschluß.  Nahezu ein Drittel aller Befragten hat das Abitur gemacht, und fast ein Viertel der Teilnehmer hat ein Hochschulstudium absolviert. Unterschiede zwischen Frauen und Männern wurden jeweils getrennt für die beiden Gruppen der Unglücklichen und der Glücklichen untersucht. Die Variablen „Schulbildung“ und „Berufliche Position“ wurden jeweils dichotomisiert ausgewertet. Bei der Schulbildung wurde eine Unterscheidung vorgenommen zwischen „mit Abitur“ (Abitur, Fachhochschule, Hochschule) vs. „ohne Abitur“ (kein Abschluß, Hauptschule, Realschule, Fachschule). Ferner wurde unterschieden zwischen „erwerbstätig“ (Arbeiter/in, Facharbeiter/in, Angestellte/r, Beamter/in, Selbständige/er) und „nicht erwerbstätig“ (Hausfrau/mann, Auszubildende/r, Student/in, Schüler/in, erwerbslos, Rentner/in). Die  Position „Rentner/in“ war im Fragebogen ursprünglich nicht vorgegeben, wurde jedoch von 3 Personen hinzugefügt und daher mit in die Auswertung übernommen. Die Gesamtgruppen der Unglücklichen und Glücklichen unterscheiden sich nicht hinsichtlich der dichotomisierten Variable „niedriger Abschluß“ vs. „hoher Abschluß“, jedoch haben die Frauen der Gruppe „Unglücklich“ niedrigere Schulabschlüsse als die Frauen der Gruppe „Glücklich“ (Chi2(1, N = 164) = 5.79, p < .05). Für die Männer der beiden Gruppen ergeben sich keine signifikanten Unterschiede in den überprüften Variablen.

            Als Merkmale der Partnerschaft werden die Variablen „feste Partnerschaft“, „Dauer der Partnerschaft“, „Wohnform“ und „Anzahl der Kinder“ erhoben (siehe Tabelle 16). Die Frage nach dem Vorhandensein einer festen Partnerschaft wurde von allen Teilnehmern mit „ja“ beantwortet. Die Gesamtgruppen der Unglücklichen leben in zwei Jahre länger dauernden Partnerschaften als die Glücklichen: MU = 9.14, SDU = 9.30; MG = 7.02, SDG = 8.13 (tDauer = 2.053, p > .050). Unglückliche unterscheiden sich von Glücklichen jedoch weder hinsichtlich des Vorhandenseins, noch bezüglich der Anzahl von Kindern. Auch die Anzahl früherer Trennungen sowie die Häufigkeit des Zusammenlebens mit dem Partner (vs. allein wohnend) ist bei beiden Gruppen gleich.


Tabelle 15: Demographische Angaben der untersuchten Stichprobe (n = 161 Unglückliche, n = 132 Glückliche)

                                                                                                       Unglückliche                                                                                                                  Glückliche

                                                                    Frauen                            Männer                      Gesamt                                              Frauen                             Männer                     Gesamt                

                                                                  Häufigkeit                     Häufigkeit                  Häufigkeit                                       Häufigkeit                      Häufigkeit              Häufigkeit

Variable                                                   (Prozent)                       (Prozent)                    (Prozent)                                          (Prozent)                        (Prozent)                   (Prozent)

Alter in           16 - 19                               2           (2)                        1           (1)                     3           (2)                                          3           (4)                        0                         (0)                                    3           (2)

Jahren            20 - 24                               9         (10)                      10         (14)                   19         (12)                                        18         (24)                        8           (14)      26                                     (20)

                         25 - 29                             11         (13)                      8          (11)                   19         (12)                                        17         (22)                         11                                     (20)      28                        (21)

                                               30 - 34                             16         (18)                      10         (14)                   26         (16)                                        12         (16)                                               13                                     (23)      25                        (19)

                                               35 - 39                             22         (25)                      15         (21)                   37         (23)                                          8         (11)                                               12                                     (21)      20                        (15)

                                               40 - 44                               9         (10)                        8         (11)                   17         (11)                                          7           (9)                        2                                               (4)                                    9           (7)

                                               45 - 49                               7           (8)                        6           (8)                   13           (8)                                          3           (4)                        4                                               (7)                                    7           (5)

                                               50 - 54                               6           (7)                        6           (8)                   12           (8)                                          5           (7)                         1                                               (2)                                    6           (5)

                                               55 - 59                               3           (3)                        5           (7)                     8           (5)                                          2           (3)                         2                                               (4)                                    4           (5)

                         60 - 65                               3           (3)                        4           (6)                     7           (4)                                          1           (1)                         3                         (5)                                    4           (3)

                                               M / SD                            36.7 / 10.6                        38.3 / 12                        37.5 / 11.3                                          32.5 / 10.7                                               34.6 / 10.6                       33.4 / 10.7

Schul-             kein Abschluß                 1           (1)                        0           (0)                     1           (1)                                          0           (0)                        0                         (0)                                    0           (0)

abschluß         Hauptschule                    5           (6)                      10         (14)                   15           (9)                                          1           (1)                        5                         (9)                                    6           (5)

                         Realschule                     18         (20)                      14         (19)                   32         (20)                                          8         (11)                        9                       (16)                                  17         (13)

                         Abitur                             27         (31)                      15         (21)                   42         (26)                                        39         (51)                         14                                     (25)      53                        (40)

                         Fachschule                      7           (8)                        5           (7)                   12           (8)                                          5           (7)                        4                         (7)                                    9           (7)

                         Fachhochschule           13         (15)                      11         (15)                   24         (15)                                          2           (3)                        9                       (16)                                  11           (8)

                         Hochschule                   17         (19)                      18         (25)                   35         (22)                                        21         (28)                         15                                     (27)      36                        (27)

                        

Berufliche      Arbeiter/in                       0           (0)                        3           (4)                     3           (2)                                          2           (3)                        3                         (6)                                    5           (4)

Position          Facharbeiter/in                0           (0)                        4           (6)                     4           (3)                                        27         (36)                        4                         (7)                                    4           (3)

                         Angestellte/r                   9         (10)                      28         (39)                   69         (43)                                          3           (4)                         25                                     (46)      52                        (40)

                         Beamte/r                           6           (7)                        9         (13)                   13           (8)                                        10         (13)                        2                         (4)                                    5           (4)

                         Selbständige/r                 9         (10)                      12         (17)                   21         (13)                                          3           (4)                        8                       (15)                                  18         (14)

                         Hausfrau/mann               6           (7)                        1           (1)                     7           (4)                                          1           (1)                        0                         (0)                                    3           (2)

                         Auszubildende/r             4           (5)                        3           (4)                     7           (4)                                        30         (40)                        0                         (0)                                    1           (1)

                         Student/in                      21         (24)                        8         (11)                   29         (18)                                          0           (0)                         12                                     (22)      42                        (32)

                         Schüler/in                         0           (0)                        1           (1)                     1           (1)                                          0           (0)                        1                         (2)                                    1           (8)

                         erwerbslos                       1           (1)                        1           (1)                     2           (1)                                          0           (0)                        0                         (0)                                    0           (0)

                         Rentner/in                        1           (1)                        2           (3)                     3           (2)                                          0           (0)                        0                         (0)                                    0           (0)

                        

Tabelle 15: (Fortsetzung) Demographische Angaben der untersuchten Stichprobe

                                                                                                     Unglückliche                                                                                                                     Glückliche

                                                                   Frauen                             Männer                        Gesamt                                             Frauen                           Männer               Gesamt                      

                                                                 Häufigkeit                      Häufigkeit                  Häufigkeit                                       Häufigkeit                     Häufigkeit        Häufigkeit

Variable                                                  (Prozent)                        (Prozent)                    (Prozent)                                          (Prozent)                        (Prozent)           (Prozent)

Dauer der         1 -   4                             42         (48)                      42         (58)                   84         (52)                                        36         (47)                         28                                     (50)      64                        (49)

Partner-            5 -   9                             19         (22)                      11         (15)                   30         (19)                                        23         (30)                         17                                     (30)      40                        (30)

schaft              10 - 19                               5           (6)                        3           (4)                     8           (5)                                          7           (9)                        3                         (5)                                  10           (8)

                         20 - 24                             11         (13)                        9         (12)                   20         (12)                                          5           (7)                        5                         (9)                                  10           (8)

                         25 - 38                             11         (13)                        8         (11)                   19         (12)                                          5           (7)                        3                         (5)                                    8           (6)

                         M / SD                            9.4 / 9.4                              8.8 / 9.2                       9.1 / 9.3                                                7 / 8                                  7.1 / 8.4              7 / 8.1

                        

Wohnform      allein                               21         (24)                      19         (26)                   40        (25)                                        23         (30)                         14                                     (25)      37                        (28)     

                         mit Partner                      67         (76)                      54         (74)                   121       (75)                                        53         (70)                         42                                     (75       95                        (72)

                        

Kinder-           kein Kind                        55         (63)                      49         (67)                 104        (65)                                        48         (63)                         36                                     (64)      84                        (64)

anzahl             1 Kind                               9         (10)                        8         (11)                   17        (11)                                        14         (18)                        6                       (11)                                  20         (15)

                         2 Kinder                          13         (15)                      13         (18)                   26        (16)                                          9         (12)                        7                       (13)                                  16         (12)

                         3 Kinder                            7           (8)                        2           (3)                      9          (6)                                          3         (4)                         5                         (9)                                    8         (6)

                         4 Kinder                            3           (3)                        0           (0)                      3          (2)                                          2         (3)                         2                         (4)                                    4         (3)

                         5 Kinder                            1           (1)                        0           (0)                      1          (6)                                          0         (0)                         0                         (0)                                    0         (0)

                         6 Kinder                            0           (0)                        1           (1)                      1          (6)                                          0         (0)                         0                         (0)                                    0         (0)

                        

Anzahl              0                                     23         (26)                      17         (23)                   40         (25)                                        13         (17)                         10                                     (18)      23                        (17)

der                     1                                     18         (21)                      15         (21)                   33         (21)                                        21         (28)                         17                                     (30)      38                        (29)

Trenn-               2                                     16         (18)                      12         (16)                   28         (17)                                        17         (22)                         16                                     (29)      33                        (25)

ungen                3                                     14         (16)                      14         (19)                   28         (17)                                        13         (17)                        4                         (7)                                  17         (13)

                           4                                       5           (6)                        2           (3)                     7           (4)                                          7           (9)                        3                         (5)                                  10           (8)

                           5                                       6           (7)                        6           (8)                   12           (8)                                          5           (7)                        2                         (4)                                    7           (5)

                           6                                       1           (1)                        4           (6)                     5           (3)                                          0           (0)                        1                         (2)                                    1           (8)

                           7                                       1           (1)                        1           (1)                     1           (1)                                          0           (0)                        0                         (0)                                    0           (0)

                           8                                       2           (2)                        2           (3)                     3           (2)                                          0           (0)                        0                         (0)                                    0           (0)

                           9                                       2           (2)                        0           (0)                     2           (1)                                          0           (0)                        2                         (4)                                    2           (2)

                         10                                       0           (0)                        0           (0)                     2           (1)                                          0           (0)                        1                         (2)                                    1           (1)

                         M / SD                              2.2 / 2.2   2.3 / 2.2          2.2 / 2.2                         1.9 / 1.5                                              2.2 / 2.6                            2 / 2                    


7.4   Statistische Verfahren

Zur Entwicklung der Skalen für die Bereiche „Verlieben in den Partner“, „Bleiben bei dem Partner“ und „Konfliktthemen, die in der Partnerschaft zu Unzufriedenheit führen“ wurden Faktorenanalysen durchgeführt (siehe Abschnitt 7.2).

       Allgemeines Ziel von Faktorenanalysen ist es, eine größere Anzahl von Variablen anhand der gegebenen Fälle auf eine kleinere Anzahl unabhängiger Einflußgrößen (Faktoren) zurückzuführen. Diejenigen Variablen, die untereinander stark korrelieren, werden zu einem Faktor zusammengefaßt, wobei solche Faktoren ermittelt werden sollen, welche die beobachteten Zusammenhänge zwischen den gegebenen Variablen möglichst vollständig erklären. Für die Bereiche „Verlieben in den Partner“ und „Bleiben bei dem Partner“ wurden anhand von varimaxrotierten Faktorenanalysen je vier, für den Bereich „Konfliktthemen“ fünf Faktoren extrahiert und entsprechende Skalen gebildet (siehe Tabellen 9, 10 & 11). Die Varimaxrotation ist ein orthogonales Verfahren, bei der die Anzahl der Variablen mit hoher Faktorladung minimiert wird. Diese Rotationsmethode wurde gewählt, weil die so gewonnenen Faktoren leichter zu interpretieren sind (vgl. Bühl & Zöfel, 1999).

       Zur Überprüfung der Unterschiedshypothesen werden Mittelwertsvergleiche durchgeführt. Dabei soll die Frage geklärt werden, ob auftretende Mittelwertsunterschiede sich mit zufälligen Schwankungen erklären lassen oder ob die Unterschiede überzufällig, also signifikant sind. Da die vorliegenden Daten aus Stichproben mit normalverteilten Werten stammen, werden t-Tests für unabhängige Stichproben (zweiseitige Testung) durchgeführt.

       Weil bei größeren Stichproben unter Anwendung des Signifikanztests die Gefahr besteht, daß selbst geringe Differenzen hoch signifikant werden, so wie bei kleinen Stichproben die Möglichkeit gegeben ist, daß große Mittelwertsunterschiede keine Signifikanz aufweisen, werden die von J. Cohen (1988) vorgeschlagenen Effektgrößen d für den Vergleich zweier Mittelwerte mittels t-Test bestimmt. Das Effektmaß d zeigt an, ob gefundene Unterschiede auch bei statistisch nicht vorliegender Signifikanz empirisch bedeutsam sind. Im Falle ungerichteter Hypothesenprüfung sollen Werte von .20 £ |d| £ .49 als kleiner, von .50 ³ |d| £ .79 als mittlerer und von |d| ³ .80 als großer Effekt interpretiert werden (J. Cohen, 1988; Witte, 1980).

       Die Berechnungen werden mittels des Statistikprogramms SPSS für Windows, Version 8.0 bzw. Version 9.0 durchgeführt. Das Signifikanzniveau wird in der vorliegenden Untersuchung mit  a = .05 festgelegt.

8.    Ergebnisse

Zur Überprüfung der im Kapitel 6 formulierten Hypothesen werden Unglückliche mit Glücklichen sowie Frauen mit Männern mittels t-Tests für unabhängige Stichproben in den einzelnen Skalen des Fragebogens sowie in ausgewählten Einzelitems verglichen.

8.1     Unterschiede zwischen Unglücklichen und Glücklichen

Zunächst werden die Resultate der Mittelwertsvergleiche zwischen Unglücklichen und Glücklichen dargestellt. Die Ergebnisse werden im Anschluß an die jeweiligen Tabellen beschrieben. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird nachfolgend in den meisten Fällen auf die zusätzliche Nennung der weiblichen Form verzichtet. Wenn also bspw. nur von den „Partnern“ der Frauen und Männer die Rede ist, so schließt das immer auch die Partnerinnen der Männer mit ein.

       Entsprechend der Hypothese 1, wonach die Unglücklichen sich schneller verlieben und schneller auf eine Partnerschaft einlassen, erfolgt ein Mittelwertsvergleich zwischen den beiden Gruppen „Unglückliche“ und „Glückliche“ in bezug auf die verschiedenen Skalen zum Anfang der Paarbeziehung (siehe Tabelle 16). Das Entstehungsmodell der Liebesbeziehung mißt die Spontaneität beim Verlieben, d.h. ob sich eine Person auf den ersten Blick verliebt oder ob sich die Liebe bei ihr eher langsam entwickelt hat. Das Entstehungsmodell aus Sicht des Partners bezieht sich auf die subjektive Annahme der Versuchsperson, wie die Liebe bei ihrem Partner entstand (siehe Tabelle 8).

       Im Zusammenhang mit der Annahme, daß sich Unglückliche schneller auf Partnerschaften einlassen, wird darüber hinaus eine Einzelitemanalyse des Items Nr. 7 durchgeführt, welches Auskunft darüber gibt, wie gut man den Partner am Anfang kannte: „Bevor wir eine Partnerschaft eingegangen sind, kannte ich meine/n Partner/in... .“ Die Anwortmöglichkeiten lauten: 1 = „gar nicht“, 2 = „wenig“, 3 = „mittelmäßig“, 4 = „ziemlich gut“, 5 = „sehr gut“.

Tabelle 16: Mittelwertsvergleiche zwischen Unglücklichen und Glücklichen für die Skalen „Anfang der Beziehung“ sowie für das Einzelitem Nr. 7 „Kennen des Partners“ (t-Tests für unabhängige Stichproben)

Skalen/Gruppen                                     n       M       SD                    t          df          p        d

Entstehungsmodell der Liebesbeziehung

        

Unglückliche (gesamt)                         161    3.09     .98                    .09     291      .929    -.01    

Glückliche (gesamt)                             132    3.08     .89

Entstehungsmodell der Liebesbeziehung aus Sicht des Partners

Unglückliche (gesamt)                         161    3.02     .60                 -2.26     291      .025     .27

Glückliche (gesamt)                             132    3.18     .59

Erkennen und Bewerten des Partners

Unglückliche (gesamt)                         161    2.72     .88                  6.14     291      .000    -.72

Glückliche (gesamt)                             132    2.05     .97

Persönliche Situation zum Zeitpunkt des Verliebens

Unglückliche (gesamt)                         161    2.69     .91                    .39     291      .697    -.06

Glückliche (gesamt)                             132    2.64     .90

Item Nr. 7 „Bevor wir eine Partnerschaft eingegangen sind, kannte ich meine/n Partner/in ...“

Unglückliche (gesamt)                         161    2.26     1.08               -2.53     291      .012      .29  

Glückliche (gesamt)                             132    2.58     1.10

Anmerkung.  Hohe Werte bedeuten schnelleres Verlieben in den Partner, schnelleres Verlieben aus Sicht des Partners, negativere Bewertung, größere Einsamkeit zum Zeitpunkt des Verliebens und besseres Kennen des Partners zum Zeitpunkt des Eingehens der Partnerschaft.

Die Unterschiede im „Entstehungsmodell der Liebesbeziehung aus Sicht des Partners“ und „Erkennen und Bewerten des Partners“ weisen darauf hin, daß die Unglücklichen seltener als die Glücklichen davon ausgehen, daß ihre Partner sich eher schnell bzw. auf den ersten Blick in sie verliebt haben und sie finden seltener, daß diese sich am Anfang sehr um sie bemüht haben. Die Unglücklichen „stören“ häufiger „viele Dinge“ an ihren Partnern, die sie erst später bemerkt haben, außerdem finden sie viel mehr als Glückliche, daß sich ihre Partner am Anfang anders dargestellt haben und sie würden beim erneuten Eingehen einer engen Partnerschaft „auf andere Dinge achten“.

       Bei der Einzelitemanalyse bedeuten niedrige Werte, daß die Person den Partner bzw. die Partnerin zu Beginn der festen Partnerschaft noch gar nicht oder erst wenig kennengelernt hatte. Es zeigt sich also, daß die Unglücklichen ihre Partner zu diesem Zeitpunkt tatsächlich weniger gut kannten als die Glücklichen.

       Die Unglücklichen haben sich jedoch nicht schneller als die Glücklichen in ihre Partner verliebt und sie fühlten sich in der damaligen Situation nicht einsamer, waren in keiner schlechteren Stimmung und auch nicht vorsichtiger als die Glücklichen, sich auf die Liebesbeziehung einzulassen.

Im folgenden wird überprüft, ob den Unglücklichen beim Verlieben andere Partnereigenschaften wichtig waren als den Glücklichen, und ob die Unglücklichen hierbei mehr externale und gleichzeitig weniger auf Liebe bezogene Merkmale angeben (siehe Tabelle 17).

Tabelle 17: Mittelwertsvergleiche zwischen Unglücklichen und Glücklichen für die Skalen zum Thema „Verlieben in den Partner“ (t-Tests für unabhängige Stichproben)

Skalen/Gruppen                                     n       M       SD                    t          df          p        d

Sensibilität und Zärtlichkeit

Unglückliche (gesamt)                         161    3.74     .66                -3.33     291      .001     .38

Glückliche (gesamt)                             132    3.98     .59

Intelligenz und Interessiertheit

Unglückliche (gesamt)                         161    3.17     .72                -1.61     291      .108     .20

Glückliche (gesamt)                             132    3.30     .59

Sexuelle Ausstrahlung

Unglückliche (gesamt)                         161    3.60     .55                -2.60     291      .011     .39

Glückliche (gesamt)                             132    3.80     .48

Status

Unglückliche (gesamt)                         161    2.10     .89                  2.57     291                    .010     .39

Glückliche (gesamt)                             132    1.86     .66

Anmerkung.  Höhere Werte bedeuten größeren Einfluß der einzelnen Eigenschaften für das Verlieben in den Partner.

Bei den Unglücklichen im Vergleich zu den Glücklichen waren für das Verlieben in den Partner seltener solche Eigenschaften ausschlaggebend, die mit Sensibilität und Zärtlichkeit des Partners sowie dessen sexueller Ausstrahlung zusammenhängen. Die Unglücklichen hatten mehr auf den Status des Partners geachtet. Die Inhalte der einzelnen Skalen lassen sich der Tabelle 9 entnehmen.

       In der Skala „Intelligenz und Interessiertheit“ gibt es keine Unterschiede zwischen Unglücklichen und Glücklichen.

Die nächsten Ausführungen behandeln die Unterschiede zwischen Unglücklichen und Glücklichen in der fortgeschrittenen Partnerschaft, nach mindestens einem Jahr, hinsichtlich der Bedeutung bestimmter Eigenschaften des Partners für das Bleiben in dieser Beziehung (siehe Tabelle 18).

Tabelle 18: Mittelwertsvergleiche zwischen Unglücklichen und Glücklichen für die Skalen zum Thema „Bleiben bei dem Partner“ (t-Tests für unabhängige Stichproben)

Skalen/Gruppen                                     n       M       SD                    t          df          p        d

Selbstbewußtsein und Aufgeschlossenheit

Unglückliche (gesamt)                         161    3.20     .68                -3.40     291      .001     .35

Glückliche (gesamt)                             132    3.41     .51

Sensibilität und Verläßlichkeit

Unglückliche (gesamt)                         161    3.94     .67                -4.85     291      .000     .58

Glückliche (gesamt)                             132    4.28     .51

Sexuelle Attraktivität

Unglückliche (gesamt)                         161    3.30     .61                -4.01     291      .000     .52

Glückliche (gesamt)                             132    3.60     .55

Äußerlichkeiten und Angepaßtheit

Unglückliche (gesamt)                         161    2.79     .80                   -.13     291      .895     .01

Glückliche (gesamt)                             132    2.80     .77

den Partner lieben

Unglückliche (gesamt)                         159    4.44     .94                -5.50     287      .000     .76

Glückliche (gesamt)                             130    4.92     .33

Anmerkung.  Höhere Werte bedeuten größere Wichtigkeit der einzelnen Partnereigenschaften bzw. der Tatsache, den Partner zu lieben, für das Zusammenbleiben mit diesem.

Entsprechend den Werten in Tabelle 18 ist Unglücklichen für das Fortsetzen der Beziehung weniger wichtig als Glücklichen, daß der Partner selbstbewußt, humorvoll, intelligent etc. ist. Eine genaue Beschreibung der einzelnen Skaleninhalte ist in der Tabelle 10 nachzulesen.

       Außerdem geben sie seltener des Partners Sensibilität und Verläßlichkeit sowie dessen sexuelle Attraktivität als Grund dafür an, mit ihm zusammen zu sein. Die Unglücklichen geben darüber hinaus signifikant seltener an, aus Liebe bei dem Partner zu bleiben. In der Skala „Äußerlichkeiten und Angepaßtheit“ werden keine Unterschiede zwischen Unglücklichen und Glücklichen festgestellt.

Um herauszufinden, was bei den Frauen und Männern der ersten Gruppe zu größerer Unzufriedenheit führt, werden Konfliktbereiche untersucht, welche mit entsprechenden Frustrationen zusammenhängen können. Außerdem wird analysiert, ob in unglücklichen Partnerschaften einzelne Themen besonders häufig vorkommen und ob also spezielle „Konfliktherde“ als „typisch“ für unglückliche Beziehungen bezeichnet werden können (siehe Tabelle 19).

Tabelle 19: Mittelwertsvergleiche zwischen Unglücklichen und Glücklichen für die Skalen „Konfliktthemen, die zu Unzufriedenheit führen“ (t-Tests für unabhängige Stichproben)

Skalen/Gruppen                                     n       M       SD                    t          df          p        d

Interaktion und Konfliktverhalten

Unglückliche (gesamt)                         161    3.65     .67                -7.80      291      .000     .96

Glückliche (gesamt)                             132    4.20     .48

Sexualität und Treue

Unglückliche (gesamt)                         161    3.78     .76                -7.26      291      .000     .89

Glückliche (gesamt)                             132    4.35     .52

Binnenbeziehung

Unglückliche (gesamt)                         161    3.17     .78              -10.95      291      .000   1.32

Glückliche (gesamt)                             132    4.05     .55

Gemeinsame Freizeit

Unglückliche (gesamt)                         161    3.42     .86                -4.96      291      .000     .59

Glückliche (gesamt)                             132    3.88     .70

Berufliche Probleme

Unglückliche (gesamt)                         160    3.66     .88                1.30      290      .195    -.15

Glückliche (gesamt)                             132    3.54     .73

Anmerkung.  Niedrige Werte bedeuten große Unzufriedenheit in den jeweiligen Konfliktbereichen.

Unglückliche bringen, mit Ausnahme der Skala „Berufliche Probleme“, bei allen anderen Konfliktthemen eine größere Unzufriedenheit zum Ausdruck. Es handelt sich hierbei um die Bereiche „Interaktion und Konfliktverhalten“, „Sexualität und Treue“, „Binnenbeziehung“ sowie „Gemeinsame Freizeit“.

In der folgenden Tabelle werden die Ergebnisse der Mittelwertsvergleiche zwischen Unglücklichen und Glücklichen hinsichtlich Kohäsion und Adaptabilität sowie in bezug auf die Zufriedenheit mit dem Sexualleben innerhalb der Partnerschaft dargestellt.

Tabelle 20: Mittelwertsvergleiche zwischen Unglücklichen und Glücklichen für die Skalen von „FACES III: Kohäsion und Adaptabilität“ sowie für die „Zufriedenheit mit dem Sexualleben innerhalb der Partnerschaft“ (t-Tests für unabhängige Stichproben)

Skalen/Gruppen                                     n       M       SD                    t          df          p        d

Kohäsion

Unglückliche (gesamt)                         161    3.59     .70                -9.25      290      .000   1.13

Glückliche (gesamt)                             131    4.24     .45

Adaptabilität

Unglückliche (gesamt)                         159    3.13     .56                -6.81      287      .000     .80

Glückliche (gesamt)                             130    3.56     .51

Zufriedenheit mit dem Sexualleben

Unglückliche (gesamt)                         161    3.11     .91                -7.13      291      .000     .86

Glückliche (gesamt)                             132    3.83     .77

Anmerkung. Höhere Werte weisen auf die stärkere Wahrnehmung von Kohäsion und Adaptabilität sowie größere Zufriedenheit mit dem Sexualleben innerhalb der Partnerschaft hin.

Die unglücklichen Frauen und Männer unterscheiden sich von den glücklichen in den Skalen der FACES III höchst signifikant in der erwarteten Richtung. So nehmen die Unglücklichen weniger Kohäsion und Adaptabilität in der Partnerschaft wahr, d.h. sie sind z.B. weniger flexibel und haben ein weniger ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl in der Partnerschaft (Items siehe Tabelle 13).

       Auch in Hinsicht auf die Zufriedenheit mit dem Sexualleben stellen sich die Unterschiede höchst signifikant in der prognostizierten Richtung dar: Unglückliche Frauen und Männer sind demzufolge unzufriedener mit ihrem Sexualleben.

8.2   Geschlechtsunterschiede

      

In mehreren Forschungsberichten (siehe Abschnitte 2.2.5, 3.4.3 & 4.2) wurden Geschlechtsunterschiede hinsichtlich der Partnerwahl sowie in bezug auf Prioritäten in festen Partnerschaften und Konfliktthemen beschrieben. Auch an der vorliegenden Stichprobe werden solche Unterschiede erforscht. Hierbei wird auf die Mittelwertsunterschiede in den einzelnen Skalen des Fragebogens Bezug genommen. Dafür wird die Gesamtgruppe der Männer mit der Gesamtgruppe der Frauen anhand von t-Tests für unabhängige Stichproben in ihren Mittelwerten verglichen.

       Nachfolgend werden die Ergebnisse der Mittelwertsvergleiche in den einzelnen Skalen des Fragebogens sowie in speziellen Einzelitems dokumentiert. Signifikante Befunde werden im Anschluß an die jeweiligen Tabellen beschrieben.

In der ersten Tabelle werden die Geschlechtsunterschiede in den Skalen zum Anfang der Liebesbeziehung dokumentiert.

Tabelle 21: Mittelwertsvergleiche zwischen Frauen und Männern für die Skalen „Anfang der Beziehung“ (t-Tests für unabhängige Stichproben)

Skalen/Gruppen                                     n       M       SD                    t          df          p        d

Entstehungsmodell der Liebesbeziehung

Frauen (gesamt)                                   164    2,90     .94                -4.00      291      .000     .47

Männer (gesamt)                                  129    3.33     .90

Entstehungsmodell der Liebesbeziehung aus Sicht des Partners

Frauen (gesamt)                                   164    3.12     .63                    .90     291      .369    -.10

Männer (gesamt)                                  129    3.06     .55

Erkennen und Bewerten des Partners

Frauen (gesamt)                                   164    2.41     .94                   -.17     291      .859     .02

Männer (gesamt)                                  129    2.43   1.02

Persönliche Situation zum Zeitpunkt des Verliebens

Frauen (gesamt)                                   164    2.73     .94                  1.26       291     .208    -.14

Männer (gesamt)                                  129    2.60     .86

Anmerkung.  Hohe Werte bedeuten schnelleres Verlieben in den Partner, schnelleres Verlieben aus Sicht des Partners, negativere Bewertung, größere Einsamkeit zum Zeitpunkt des Verliebens und besseres Kennen des Partners zum Zeitpunkt des Eingehens der Partnerschaft.

Die Ergebnisse in der Tabelle 21 lassen sich wie folgt interpretieren: Männer geben häufiger als Frauen an, sich schnell bzw. auf den ersten Blick in ihre Partnerin verliebt und sehr um diese bemüht zu haben. In den Skalen „Entstehungsmodell der Liebesbeziehung aus Sicht des Partners“, „Erkennen und Bewerten des Partners“ sowie „Persönliche Situation zum Zeitpunkt des Verliebens“ sind die Unterschiede zwischen den Frauen und Männern nicht signifikant, d.h. die Frauen geben nicht häufiger als Männer an, daß sich ihr Partner schnell in sie verliebt hat, sie bewerten ihren Partner nicht negativer als umgekehrt, und es besteht keine größere Einsamkeit auf Seiten der Frauen oder der Männer.

Die Tabelle 22 gibt eine Übersicht über die Ergebnisse der Vergleiche von Männern und Frauen hinsichtlich der bevorzugten Partnereigenschaften beim Verlieben. Bezugnehmend auf die Erkenntnisse aus anderen empirischen Studien, in denen Geschlechtsunterschiede insbesondere bei der Wichtigkeit des Aussehens der Partner für das Verlieben gefunden wurden, wird außerdem eine Einzelitemanalyse mit dem Item Nr. 30: „sein/ihr Aussehen“ vorgenommen.

Tabelle 22: Mittelwertsvergleiche zwischen Frauen und Männern  für die Skalen „Verlieben in den Partner“ sowie für das Einzelitem Nr. 30 „sein/ihr Aussehen“ (t-Tests für unabhängige Stichproben)

Skalen/Gruppen                                     n       M       SD                   t          df           p        d

Sensibilität und Zärtlichkeit

Frauen (gesamt)                                   164    3.95     .65                3.15      291      .002    -.37

Männer (gesamt)                                  129    3.72     .60

Intelligenz und Interessiertheit

Frauen (gesamt)                                   164    3.23     .69                    .05     291      .957     .00

Männer (gesamt)                                  129    3.23     .66

Ausstrahlung und Anziehung

Frauen (gesamt)                                   164    3.64     .51                   -.92     291      .360     .11

Männer (gesamt)                                  129    3.70     .54

Status

Frauen (gesamt)                                   164    2.05     .84                  1.40     291      .167    -.16

Männer (gesamt)                                  129    1.92     .74

Item Nr. 30 „sein/ihr Aussehen“

Frauen (gesamt)                                   164    3.40     .91                 -3.75     291      .000     .44

Männer (gesamt)                                  129    3.80     .91

Anmerkung.  Höhere Werte bedeuten größere Wichtigkeit der einzelnen Eigenschaften für das Verlieben in den Partner.

Es gibt einen signifikanten Geschlechtsunterschied in den Skalen zum Thema „Verlieben in den Partner“: Die Frauen haben im Unterschied zu den Männern beim Verlieben mehr auf Sensibilität und Zärtlichkeit des Partners geachtet. Demgegenüber haben die Männer beim Verlieben mehr als die Frauen auf das Aussehen der Partnerin Wert gelegt.

Bezüglich der Bedeutung der Partnereigenschaften „Intelligenz und Interessiertheit“, „Ausstrahlung und Anziehung“ sowie „Status“ für das Verlieben in den Partner lassen sich keine Geschlechtsunterschiede erkennen.

Im nächsten Abschnitt geht es um Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Hinsicht auf die Wichtigkeit von Partnereigenschaften für das Bleiben in dieser Beziehung. Auch hier wird in bezug auf das Aussehen eine Einzelitemanalyse mit dem Item Nr. 63: „sein/ihr Aussehen“ vorgenommen, um zu prüfen, ob es diesbezüglich auch in der festen Partnerschaft Unterschiede zwischen Frauen und Männern und gibt.

Tabelle 23: Mittelwertsvergleiche zwischen Frauen und Männern für die Skalen sowie ausgewählte Einzelitems zum Thema „Bleiben bei dem Partner“ (t-Tests für unabhängige Stichproben)

Skalen/Gruppen                                     n       M       SD                    t          df          p        d

Selbstbewußtsein und Aufgeschlossenheit

Frauen (gesamt)                                   164    3.26     .68                  -.48      291      .629     .07

Männer (gesamt)                                  129    3.30     .54

Sensibilität und Verläßlichkeit

Frauen (gesamt)                                   164    4.20     .65                  2.33       291     .020    -.33

Männer (gesamt)                                  129    4.00     .58

        

Sexuelle Attraktivität

Frauen (gesamt)                                   164    3.49     .65                  1.98     291      .048    -.24

Männer (gesamt)                                  129    3.35     .53

Äußerlichkeiten und Angepaßtheit

Frauen (gesamt)                                   164    2.70     .82                -2.25      291      .025     .27

Männer (gesamt)                                  129    2.91     .72

den Partner lieben

Frauen (gesamt)                                   160    4.63     .80                -.560      287      .576     .09

Männer (gesamt)                                  129    4.70     .73

Item Nr. 63 „sein/ihr Aussehen“

Frauen (gesamt)                                   164    2.77     .94                 -4.62     291      .000     .55

Männer (gesamt)                                  129    3.29     .95

Item Nr. 74 „daß er/sie eine Familie versorgen kann“

Frauen (gesamt)                                   164    2.77   1.32                 3.05      291      .003    -.36

Männer (gesamt)                                  129    2.31   1.22

Item Nr. 91 „sein/ihr gutes Einkommen“

Frauen (gesamt)                                   164    2.31   1.11                 4.86      291      .000    -.58  

Männer (gesamt)                                  129    1.74     .85

Anmerkung.  Höhere Werte bedeuten größere Wichtigkeit der einzelnen Partnereigenschaften bzw. der Tatsache, den Partner zu lieben, für das Zusammenbleiben mit diesem.

Auch in der „Bleiben“-Skala bedeuten höhere Werte größere Wichtigkeit der entsprechenden Partnerqualitäten für das Bleiben in der Beziehung. Frauen sind Merkmale wie Sensibilität und Verläßlichkeit des Partners bedeutsamer für das Bleiben in der Beziehung als Männern.

       Die Ergebnisse in der Einzelitemanalyse zum Aussehen sowie die höheren Werte der Männer in der Skala „Äußerlichkeiten und Angepaßtheit“ zeigen: Wie beim Verlieben ist Männern auch in der fortgeschrittenen Beziehung das Aussehen ihrer Partnerinnen wichtiger für das Zusammenbleiben. Frauen ist in diesem Zusammenhang die sexuelle Attraktivität der Partner wichtiger als Männern.

       Hinsichtlich des Einkommens und der Familienversorgungsfunktion der Partner in der fortgeschrittenen Gemeinschaft werden ebenfalls signifikante Geschlechtsunterschiede deutlich, und zwar dahingehend, daß Frauen für das Bestehen der Beziehung ein gutes Einkommen des Partners und die Fähigkeit, eine Familie versorgen zu können, höher bewerten als Männer.

       Partnereigenschaften wie „Selbstbewußtsein und Aufgeschlossenheit“ sowie die Tatsache den Partner zu lieben, haben für beide Geschlechter eine übereinstimmende Bedeutung für das Zusammenbleiben.

Der folgende Abschnitt bezieht sich ebenfalls auf die fortgeschrittene Partnerschaft. Hier werden Frauen mit Männern verglichen, um herauszufinden, ob Frauen in mehr Konfliktbereichen unzufrieden sind, und ob es solche Konfliktbereiche gibt, die speziell bei Frauen zu mehr Unzufriedenheit führen und andere, die bei Männern eher Frustrationen auslösen (siehe Tabelle 24).

Tabelle 24: Mittelwertsvergleiche zwischen Frauen und Männern für die Skala „Konfliktthemen, die zu Unzufriedenheit führen“ (t-Tests für unabhängige Stichproben)

Skalen/Gruppen                                     n       M       SD                    t          df          p        d

Interaktion und Konfliktverhalten

Frauen (gesamt)                                   164    3.84     .70                 -1.35     291      .178     .16

Männer (gesamt)                                  129    3.94     .58

Sexualität und Treue

Frauen (gesamt)                                   164    4.04     .72                   -.02     291      .284     .00

Männer (gesamt)                                  129    4.04     .72

Binnenbeziehung

Frauen (gesamt)                                   164    3.52     .87                 -1.07     291      .284     .14

Männer (gesamt)                                  129    3.63     .74

Gemeinsame Freizeit

Frauen (gesamt)                                   164    3.57     .88                -1.20      291      .230     .15

Männer (gesamt)                                  129    3.69     .75

Berufliche Probleme

Frauen (gesamt)                                   164    3.60     .83                   -.35     290      .725     .04

Männer (gesamt)                                  128    3.63     .80

Anmerkung.  Niedrige Werte bedeuten große Unzufriedenheit in den jeweiligen Konfliktbereichen.

Es lassen sich bezüglich der verschiedenen Konfliktbereiche keine signifikanten Unterschiede zwischen Männern und Frauen feststellen, d.h. es gibt unter den analysierten keine speziellen „Frauen- oder Männerthemen“, und die Frauen sind insgesamt in Hinsicht auf Konfliktbereiche auch nicht unzufriedener als Männer.

Nachfolgend werden Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Hinsicht auf Kohäsion und Adaptabilität in der Partnerschaft analysiert (siehe Tabelle 25).

 

Tabelle 25: Mittelwertsvergleiche zwischen Frauen und Männern für FACES III: Kohäsion und Adaptabilität (t-Tests für unabhängige Stichproben)

Skalen/Gruppen                                     n       M       SD                    t          df          p        d

Kohäsion

Frauen (gesamt)                                   164    3.84     .72                -1.13     290      .259     .13

Männer (gesamt)                                  128    3.93     .63

Adaptabilität

Frauen (gesamt)                                   163    3.30     .62                -1.13     287      .259     .12

Männer (gesamt)                                  126    3.37     .52

Anmerkung. Höhere Werte bedeuten stärkere Wahrnehmung von Kohäsion und Adaptabilität innerhalb der Partnerschaft.

Zwischen Frauen und Männern lassen sich auch hier keine Unterschiede feststellen. Die Wahrnehmung von Kohäsion und Adaptabilität innerhalb der Partnerschaft scheint also nicht geschlechtsspezifisch zu sein.

Der folgende Bereich beschäftigt sich mit dem Sexualleben in der Beziehung, wozu Mittelwertsvergleiche in der Skala zur Zufriedenheit mit dem Sexualleben sowie zu Einzelitems bezüglich des sexuellen Verlangens vorgenommen werden (siehe Tabelle 26).

Tabelle 26: Mittelwertsvergleiche zwischen Frauen und Männern für die Skala „Zufriedenheit mit dem Sexualleben innerhalb der Partnerschaft“ sowie Einzelitemanalysen zum sexuellen Verlangen (t-Tests für unabhängige Stichproben)

Skalen/Gruppen                                     n       M       SD                    t          df          p        d

Zufriedenheit mit dem Sexualleben

Frauen (gesamt)                                   164    3.40     .94                   -.96     291      .340     .10

Männer (gesamt)                                  129    3.49     .90

Item Nr. 175 „sexuelles Verlangen“

Frauen (gesamt)                                   164    3.30   1.10                -5.61     291      .000     .19

Männer (gesamt)                                  129    3.49     .90

Item Nr. 176 „sexuelles Verlangen des Partners“

Frauen (gesamt)                                   164    3.73     .90                  2.79     291      .006    -.33

Männer (gesamt)                                  129    3.40   1.12

Anmerkung. Höhere Werte bedeuten größere Zufriedenheit bezüglich des Sexuallebens sowie ein größeres sexuelles Verlangen.

Die Frauen und Männer unterscheiden sich nicht hinsichtlich der Zufriedenheit mit dem Sexualleben innerhalb der Partnerschaft. Im Hinblick auf das sexuelle Verlangen zeigen sich demgegenüber signifikante Effekte: Die Männer geben ein größeres sexuelles Verlangen hinsichtlich ihrer Partnerinnen an als die Frauen in bezug auf ihre Partner. Das sexuelle Verlangen der Partnerinnen wird von den Männern entsprechend niedriger eingeschätzt.

Abschließend erfolgt eine Analyse der Mittelwerte in Hinsicht auf die globale Glückseinschätzung, um zu prüfen, ob die Frauen der vorliegenden Stichprobe analog empirischen Ergebnissen (z.B. Hammerschmidt & Kaslow, 1995) generell unzufriedener in ihren Beziehungen sind (siehe Tabelle 27).

Tabelle 27: Mittelwertsvergleich zwischen Frauen und Männern für die Einschätzung des Glücks in der Partnerschaft (t-Tests für unabhängige Stichproben)

Skalen/Gruppen                                     n       M       SD                    t          df          p        d

Item Nr. 6 „Wie würden Sie Ihre Partnerschaft im Augenblick einschätzen?“

Frauen (gesamt)                                   164    5,01     1.78              -1.46      291      .144     .17     

Männer (gesamt)                                  129    5,29     1.53

Anmerkung. Niedrigere Werte weisen auf eine geringere Glückseinschätzung hin.

Der Mittelwertsunterschied ist auch hier nicht signifikant, womit davon auszugehen ist, daß Frauen in ihren Beziehungen genauso glücklich oder unglücklich sind wie Männer.

9.      Diskussion

Ziel dieser Arbeit ist am Anfang der Liebesbeziehung das Erkennen von Indikatoren, mit deren Hilfe eine ungünstige Entwicklung in der Paarbeziehung prognostiziert werden kann. Dazu wurden in ihrer Partnerschaft unglückliche mit glücklichen Personen in bezug auf Kriterien bei der Partnerwahl verglichen. Außerdem wurde untersucht, welche Gründe für das Bleiben in unglücklichen Beziehungen angegeben werden. Zur Beantwortung der Frage, welche Problembereiche besonders häufig in solchen Partnerschaften vorkommen, wurden verschiedene Konfliktthemen sowie das Ausmaß der damit einhergehenden Unzufriedenheit analysiert. Darüber hinaus wurden entsprechend dem aktuellen Forschungsstand Geschlechtsunterschiede untersucht (siehe Abschnitte 2.2.5, 3.4.3 & 4.2). Außerdem wurden zeitliche Veränderungen hinsichtlich der bevorzugten Kriterien bei der Partnerwahl sowie in der fortgeschrittenen Partnerschaft analysiert.

       Eine Stichprobe von n = 293 (164 Frauen und 129 Männer, davon 106 Paare) wurde hierzu mittels standardisierter Fragebögen zu einem Meßzeitpunkt schriftlich befragt. In Abhängigkeit von der angegebenen Glückseinschätzung wurde eine Gruppe unglücklicher und eine Gruppe glücklicher Frauen und Männer gebildet und in Hinsicht auf die subjektive Wichtigkeit bestimmter Partnermerkmale für das Verlieben in den Partner (retrospektiv) sowie für das Zusammenbleiben mit dem Partner miteinander verglichen. Weiterhin wurden Variablen zu Konfliktbereichen, Kohäsion und Adaptabilität innerhalb der Beziehung sowie zur aktuellen Zufriedenheit mit dem Sexualleben in der Partnerschaft erhoben. Nachfolgend werden die Ergebnisse getrennt nach den jeweils überprüften Hypothesen (siehe Kapitel 6) diskutiert.

9.1     Unterschiede zwischen Unglücklichen und Glücklichen hinsichtlich  der

   Paarbeziehungsqualität sowie in bezug auf Partnerwahlkriterien und Gründe für

   das Bleiben in  der Beziehung

Hypothese 1. Paarbeziehungsqualität: Es wurde angenommen, daß die Unglücklichen im Vergleich mit den Glücklichen eine niedrigere Paarbeziehungsqualität aufweisen, was sich bestätigen ließ: Kohäsion und Adaptabilität sind in unglücklichen Beziehungen niedriger ausgeprägt als in glücklichen. Dies beinhaltet den Zusammenhalt und die Flexibilität innerhalb der Partnerschaft, beispielsweise ob die Partner einander um Hilfe bitten, ob sie kompromißbereit sind, die Freizeit gern miteinander verbringen und ob sie sich eng miteinander verbunden fühlen. Das Ergebnis stimmt mit Alltagserfahrungen und auch mit Erkenntnissen von Hammerschmidt und Kaslow (1995) überein, die einen direkten Zusammenhang zwischen hoher Kohäsion sowie intradyadischer Übereinstimmung und Zufriedenheit in der Partnerschaft feststellten. D.h. auch hier nahmen die Unglücklichen weniger Zusammenhalt und Übereinstimmung in ihren Beziehungen wahr.

       Weiterhin wurde postuliert, daß Unglückliche ein weniger befriedigendes Sexualleben beschreiben. Durch Aussagen der Versuchspersonen in bezug auf die Zufriedenheit mit dem gemeinsamen Intimleben sowie bezüglich der Intensität des sexuellen Verlangens beider Partner ließ sich auch diese Annahme bestätigen: In ihrer Beziehung unglückliche Frauen und Männer sind auch unzufriedener mit ihrem Sexualleben. Außerdem ist das Verlangen hinsichtlich ihrer Partner bei den Unglücklichen geringer ausgeprägt als bei den Glücklichen. Schon Balck (1982) stellte neben einem destruktiven Konfliktverhalten bei unzufriedenen Paaren nach einem Streit länger anhaltende Verstimmungen fest, und postulierte, daß diese sich auch auf den Bereich der Sexualität auswirkten. Hahlweg (1991) fand ebenfalls deutliche Korrelationen zwischen der Qualität der Partnerschaft und der Beziehungsvariablen Sexualität (siehe Abschnitt  4.5). Er betont, daß sich vor allem im sexuellen Bereich die Unzufriedenheit der Paare mit niedriger Partnerschaftsqualität manifestiert (Hahlweg, 1986), was durch die vorliegenden Ergebnisse unterstrichen wird.

      

Hypothese 2. Konfliktbereiche: Die zweite Hypothese bezog sich auf die Unzufriedenheit der Versuchspersonen bezüglich verschiedener Themen, die in einer Partnerschaft eine Rolle spielen können. Es wurde erhofft, daß sich spezielle Konfliktbereiche als typisch für unglückliche Beziehungen herausarbeiten lassen, was jedoch nicht möglich war. Stattdessen läßt sich festhalten, daß die Unglücklichen in sämtlichen mit der Partnerschaft zusammenhängenden Inhalten unzufriedener sind als die Glücklichen. In der vorliegenden Arbeit waren dies die Bereiche Sexualität und Treue, Binnenbeziehung und gemeinsame Freizeit. Dabei beinhaltet das Thema Sexualität die eigene sowie die Sexualität des Partners, eigene sowie Untreue des Partners und unterschiedliches Umgehen mit Eifersucht. Der Bereich Binnenbeziehung umfaßt die Offenheit in der Partnerschaft, Nähe und Distanz, unerfüllte Erwartungen sowie eigene oder seelische Probleme des Partners. Bei der „gemeinsamen Freizeit“ geht es um Urlaubsplanung sowie Ausmaß und Gestaltung der gemeinsamen freien Zeit. Mit „beruflichen Problemen“ sind Ärger, Überlastung sowie die Zukunft im eigenen bzw. im Beruf des Partners gemeint. Bei diesem Thema gibt es keine Unterschiede zwischen Unglücklichen und Glücklichen, was auf eine Beschränkung der Unzufriedenheit auf Bereiche, die direkt die Paarbeziehung betreffen, schließen läßt.

      

       Da der Umgang mit Konflikten, das Interaktionsverhalten und die Kommunikation bereits in mehreren unterschiedlich angelegten Studien als die am stärksten belastenden Bereiche in unglücklichen Beziehungen betont werden (z.B. Balck, 1982; Bodenmann, 1993; Hahlweg, 1991, Margolin, 1988; Pietsch, 1996), wurde auch in der vorliegenden Arbeit ein besonderes Augenmerk auf diesen Bereich gelegt. Das Thema „Interaktion und Konfliktverhalten“ beschäftigt sich mit der Art und Weise, wie sich die Partner bei einem Streit oder bei Konflikten verhalten, in welcher Form Entscheidungen getroffen werden, und ob einer der Partner die Vormachtstellung innerhalb der Beziehung einnimmt. Darüber hinaus spielen die Aufteilung der Hausarbeit und die Verteilung und Verwendung des Geldes eine Rolle. Hier sind ebenfalls Unterschiede zwischen Unglücklichen und Glücklichen erwartet und nachgewiesen worden: Die Unglücklichen sind unzufriedener in den Bereichen Interaktion und Konfliktverhalten. Ähnlich wie in der vorliegenden Studie waren in einer älteren Untersuchung von Mitchell, Bullard und Mudd (1962) von 22 untersuchten die fünf am häufigsten genannten Problembereiche in Partnerschaften Geldangelegenheiten, Haushaltsführung, Unzufriedenheit mit der Person des Partners, sexuelle Anpassung und Verteilung der Hausarbeit. Zwanzig Jahre später schätzten hierzu befragte Ehetherapeuten aus ihren Erfahrungen die Kommunikation, Machtkämfe und unrealistische Erwartungen als die problematischsten Angelegenheiten in Partnerschaften ein (Geiss & O´ Leary, 1981). In der Studie von Hammerschmidt und Kaslow (1995) stellten sich die Themen Lebensphilosophie, gemeinsam verbrachte Zeit, Freizeitinteressen und- aktivitäten als die am meisten Unstimmigkeiten hervorrufenden heraus. Mit Ausnahme des Themas Lebensphilosophie sind die genannten Punkte laut den vorliegenden Ergebnissen auch heute noch relevant für die Zufriedenheit in Partnerschaften.

       Die deutlichen Unterschiede zwischen Unglücklichen und Glücklichen bezüglich der Paarbeziehungsqualität können wiederholt als Hinweise dafür gewertet werden, daß Variablen wie Kohäsion und Adaptabilität, Zufriedenheit mit dem Sexualleben sowie Zufriedenheit in bezug auf Konfliktthemen innerhalb der Partnerschaft als zuverlässige Indikatoren für Glück in einer Liebesbeziehung bezeichnet werden können. Gleichzeitig können hierdurch die in Abschnitt 7.1.1 beschriebenen Kriterien für die Einteilung der Gruppen als geeignet zur Unterscheidung zwischen unglücklichen und glücklichen Paarbeziehungen eingeschätzt werden.

Hypothese 3. Partnerwahl: Anhand der retrospektiven Angaben der Versuchspersonen in Hinsicht auf den Zeitpunkt des Verliebens sollten sich Indikatoren für spätere Unzufriedenheit in einer Paarbeziehung aufzeigen lassen. In der dritten Hypothese wurde dementsprechend postuliert, daß sich Unglückliche und Glückliche bezüglich des Verliebens und hinsichtlich der Partnerwahl unterscheiden. Es wurde vermutet, daß die Unglücklichen bei der Partnerwahl weniger vorsichtig waren und sich eher unüberlegt auf die Partnerschaft eingelassen haben als die Glücklichen.

       Dies konnte bestätigt werden: Die Unglücklichen hatten ihre Partner zum Zeitpunkt des Eingehens der Partnerschaft tatsächlich weniger gut gekannt als die Glücklichen ihre Partner, was die Hypothese stützt, daß die später Unglücklichen weniger vorsichtig und überlegt bei der Partnerwahl vorgegangen sind. Die Unglücklichen haben ihre Partner zum Zeitpunkt des Eingehens der Partnerschaft weniger gut gekannt und sie bewerten diese im nachhinein negativer als die Glücklichen. Analog zu diesen Angaben sind die Unglücklichen auch häufiger der Meinung, daß ihre Partner sich am Anfang anders dargestellt hätten, und sie erklären, daß sie viele Dinge, die sie an diesen stören, erst später bemerkt hätten. Beim erneuten Eingehen einer festen Partnerschaft würden sie ihren Angaben zufolge auf andere Dinge achten, was als Ausdruck für ihre Enttäuschung gewertet werden kann.

       Die Unglücklichen sind diese Partnerschaft zwar schneller eingegangen, haben sich jedoch nicht häufiger auf den ersten Blick bzw. schneller in ihre Partner verliebt. Hier wird zum einen deutlich, daß Verlieben und das Eingehen einer Partnerschaft zwei voneinander unabhängige Phänomene sind, und zum anderen ließe sich mutmaßen, daß die Unglücklichen beim Eingehen der Partnerschaft weniger verliebt waren als die Glücklichen, was allein schon zu einer unbefriedigenden Partnerschaft beitragen könnte. Riehl-Emde und Willi (1997) weisen darauf hin, daß Liebe auf den ersten Blick (verglichen mit sich langsam entwickelnder Liebe) eine ebenso gute Prognose für die Ehe darstellen kann wie Ehezufriedenheit und Glücklichsein, d.h. daß schnelles Verlieben ein Indikator für einen positiven Verlauf in der späteren Partnerschaft sein kann, was sich durch die vorliegenden Ergebnisse zu bestätigen scheint. Darüber hinaus glauben die Unglücklichen seltener als die Glücklichen, daß ihre Partner sich auf den ersten Blick bzw. eher schnell in sie verliebt haben.

       In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, daß solche Unterschiede nicht nur auf die tatsächliche „Geschwindigkeit“ beim Verlieben, sondern auch auf eine verzerrte Rückschau der Unglücklichen zurückgeführt werden können. Es wäre vorstellbar, daß Unglückliche die Anfänge ihrer Beziehung weniger gern und auch weniger gut erinnern als Glückliche. Die Erinnerungen der Unglücklichen könnten diesbezüglich durch unvorteilhafte Attributionen (siehe Abschnitt 4.6) negativ gefärbt sein. Unter Umständen könnte auch das Gefühl, der Partner habe sich eher langsam verliebt, als Zögern oder Unentschlossenheit gewertet werden und ebenfalls einen ungünstigen Einfluß auf die Einschätzung des Beginns der Partnerschaft ausüben.

       Für die Annahme, daß bei den Unglücklichen zum Zeitpunkt der Partnerwahl eine größere Sehnsucht nach einer Zweierbeziehung bestanden habe, ließen sich keine konkreten Hinweise finden. So gaben die Unglücklichen nicht häufiger als die Glücklichen an, daß sie zu diesem Zeitpunkt jemanden kennenlernen wollten. Unter den Unglücklichen waren auch nicht mehr Personen ohne Partner. Sie waren weder in einer besseren noch in einer schlechteren Stimmung, und sie fühlten sich auch nicht einsamer als die Glücklichen.

       Demgegenüber zeigte sich, daß es beim Verlieben in den Partner deutliche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gab. So waren den Unglücklichen gefühlsbezogene Eigenschaften des Partners weniger wichtig als den Glücklichen: Die Unglücklichen haben beim Verlieben weniger auf Partnermerkmale wie Sensibilität und Zärtlichkeit sowie Ausstrahlung und Anziehung geachtet. Ihnen kam es also weniger darauf an, daß der Partner einfühlsam, sensibel, warmherzig und zärtlich war, daß sie sich auf ihn verlassen konnten und daß er sich um sie bemühte. Aber auch des Partners Aussehen, seine Aufgeschlossenheit, sein Humor und das Gefühl, sexuell von ihm angezogen zu sein, spielten eine geringere Rolle. Die Formulierung der Fragestellung „Wie wichtig, glauben Sie, waren folgende Punkte dafür, daß sie sich in Ihren Partner verliebt haben?“ gibt zwar keinen genauen Aufschluß darüber, ob diese Eigenschaften weniger vermißt wurden oder weniger vorhanden waren, es wird jedoch davon ausgegangen, daß beides zutrifft: Diese Qualitäten werden vermutlich bei den Partnern weniger ausgeprägt sein und die Unglücklichen selbst werden wahrscheinlich weniger Wert darauf gelegt haben.

       Stattdessen haben diese mehr als Glückliche auf den Status des Partners geachtet, wobei der Begriff „Status“ das Einkommen, die Fähigkeit des Partners, eine Familie versorgen zu können und die Beliebtheit im Freundes- und Bekanntenkreis beinhaltet. Entsprechend der Hypothese scheint dies ein Indikator für einen möglicherweise unglücklichen Verlauf in einer Partnerschaft zu sein: Den Unglücklichen war zur Zeit des Verliebens des Partners Status wichtiger als den Glücklichen, gleichzeitig  wurden anderen die Liebe und die Beziehung betreffenden Partnereigenschaften weniger Bedeutung beigemessen. Hier könnte sich die Frage aufdrängen, ob Verliebtsein und die Wahl eines Partners aufgrund von materiellen Überlegungen sich überhaupt vereinbaren lassen. Laut Henzler (1994) dominieren in diesem Zustand kortikale „Verliebtheits“-Netzwerke, und eine leidenschaftlich verliebte Person weist, genau wie eine mit niedrigem Intelligenzquotienten, eine geringere kortikale Komplexität auf. Intensives Verlieben hat offenbar wenig mit Verstand und Vernunft zu tun (siehe Abschnitt 2.1). Hieraus und auch aus den Ergebnissen bezüglich der „Geschwindigkeit“ beim Verlieben (siehe Hypothese 3) könnte sich die Vermutung ableiten lassen, daß die Unglücklichen weniger intensiv verliebt waren als die Glücklichen. Möglicherweise haben sie ihren Partner eher aus rationalen Erwägungen gewählt. Entsprechend weniger haben sie offenbar auf Merkmale geachtet, die beim Verliebtsein zum Ausdruck kommen können wie sexuelle Ausstrahlung und Gefühlsbetontheit. In einer Studie über individuelle Vorstellungen von Liebe (Kraft, 1988, siehe Abschnitt 2.1) wurden von zufriedenen Paaren mehr intrinsische Motive und das Bekenntnis zur Liebe als stabilisierend für die Beziehung angegeben. Analog zu diesem Ergebnis wurden von Kurdek (1993) u.a. extrinsische Motive beider Partner als Trennungsprädiktoren herausgestellt.

       Hypothese 4. fortgeschrittene Partnerschaft: Auch für das Bleiben in unglücklichen Partnerschaften wurden häufig externale, insbesondere materielle Zwänge angegeben (Hammerschmidt & Kaslow, 1995). Bei den Unglücklichen der vorliegenden Stichprobe wurde diesen Studien entsprechend in Hypothese 4 ebenfalls eine häufigere Angabe externaler Motive erwartet. Wie bei der Partnerwahl, so wurde auch in der festen Partnerschaft angenommen, daß sich die Unglücklichen von den Glücklichen bezüglich der Kriterien, die für das Bleiben in dieser Beziehung angegeben  werden, unterscheiden, was sich bestätigen ließ: Analog zur Partnerwahl schätzen die Unglücklichen auf Liebe bezogene Eigenschaften als weniger bedeutsam für den Erhalt der Beziehung ein: Für das Zusammenbleiben mit dem Partner geben Unglückliche seltener Partnereigenschaften wie Sensibilität und Verläßlichkeit sowie sexuelle Attraktivität als ausschlaggebend an. Darüber hinaus ist Unglücklichen des Partners Selbstbewußtsein und Aufgeschlossenheit für das weitere Zusammensein weniger wichtig, und sie geben seltener an, aus Liebe beim Partner zu bleiben. Diese geringeren Ansprüche scheinen zum einen eine Konsequenz der Partnerwahl zu sein, denn schon am Anfang der Beziehung haben die später Unglücklichen weniger auf Merkmale, die mit einer Liebesbeziehung assoziiert werden, geachtet. Auf der anderen Seite ist es vorstellbar, daß in einer unglücklichen Beziehung die Merkmale des Partners kognitiv weniger präsent sind bzw. negativer wahrgenommen werden. Eine andere Überlegung könnte wiederum dahin gehen, daß die Partner der Unglücklichen diese Merkmale nicht haben, und daß die Unzufriedenheit mit einem Vermissen dieser Qualitäten zusammenhängt (vgl. Hypothese 3).

      

       Im Kontrast zu den Ergebnissen bei der Partnerwahl ließen sich in der fortgeschrittenen Partnerschaft keine konkreten Anhaltspunkte darauf finden, daß die Unglücklichen häufiger aus materiellen oder anderen externalen Gründen bei dem Partner bleiben: Die Unglücklichen geben nicht häufiger als die Glücklichen an, aus materiellen Gründen mit ihren Partnern zusammen zu bleiben. Gegebenenfalls haben die unglücklichen Versuchspersonen diesbezüglich eher entsprechend sozialer Erwünschtheit geantwortet. Andererseits hätten sich dann vielleicht auch beim  Thema „Status“ als Kriterium für die Partnerwahl keine entsprechenden Unterschiede ergeben. Möglicherweise fällt es aber aus der retrospektiven Sicht leichter, einzugestehen, die Partnerschaft vorrangig aus materiellen Gründen eingegangen zu sein. Fehler bei der Partnerwahl (in der Vergangenheit) werden von den Unglücklichen durchaus eingeräumt (siehe Ergebnisse zu Hypothese 3). Die Feststellung jedoch, (gegenwärtig) die Beziehung aus materiellen Gründen aufrechtzuerhalten, dabei unglücklich zu sein, und trotzdem beim Partner zu bleiben, könnte eine Dissonanz verursachen, ein „kognitives Ungleichgewicht“ (Haider, 1958), welches ein aversives Gefühl von Spannung erzeugt. Nach der Dissonanztheorie von Festinger (1957) ist eine Person im allgemeinen motiviert, einstellungskongruente Informationen zu suchen und dissonante Informationen zu vermeiden, um eine getroffene Entscheidung oder eine Einstellung zu stabilisieren und auf diese Wiese kognitive Konsonanz zu bewahren und Spannung zu vermeiden. D.h. das Eingestehen dieser Feststellung könnte bei den Personen zu kognitiver Spannung führen und deshalb vermieden werden. Ein Eingeständnis müßte theoretisch (zur Vermeidung von Inkongruenz) das Verlassen der Beziehung zur Folge haben. Auf Gründe für das Vermeiden der Trennung in unglücklichen Beziehungen wird im Kapitel 10 noch ausführlicher eingegangen.

9.2     Unterschiede zwischen Männern und Frauen in bezug auf Partnerwahlkriterien

         und Gründe für das Bleiben in  der Beziehung sowie hinsichtlich der

         Partnerschaftszufriedenheit

Auch zwischen der Gruppe der Frauen und der Gruppe der Männer wurden Unterschiede bei  der Partnerwahl, beim Verlieben und in der festen Partnerschaft hinsichtlich der Kriterien für das Zusammenbleiben, bezüglich der Partnerschaftszufriedenheit und in Hinsicht auf Konfliktbereiche angenommen. Die Ergebnisse werden nachfolgend im Zusammenhang mit den einzelnen Hypothesen diskutiert.

Hypothese 5. Verlieben: Analog dem Stand der Forschung wurden Unterschiede zwischen Männern und Frauen beim Verlieben postuliert: So fand Kraft (1988) bei Frauen höhere Erwartungen an Liebe und mehr Vorsicht beim Eingehen einer Liebesbeziehung. Dementsprechend scheinen sich Frauen „langsamer“ als Männer zu verlieben. In einer Fragebogenaktion von Riehl-Emde und Willi (1997) gaben Frauen und Männer zwar gleich häufig an, sich zu verlieben, jedoch waren die Frauen häufiger der Meinung, ihre Partner hätten sich auf den ersten Blick, während die Männer glaubten, ihre Partnerinnen hätten sich eher langsam in sie verliebt. In einer Langzeitstudie von Rubin (1981) hatten sich die Männer eindeutig schneller verliebt als die Frauen. Die Ergebnisse der vorliegenden Stichprobe stützen den letzten Befund: Die Männer verliebten sich schneller als die Frauen und häufiger auf den ersten Blick, und sie bemühten sich am Anfang mehr um ihre Partnerinnen. Dieses Ergebnis kann als Beleg für die Annahmen der fünften Hypothese gewertet werden, wonach Frauen beim Verlieben langsamer bzw. vorsichtiger sind als Männer. Evolutionsbiologisch könnten die Ursachen für diesen Unterschied damit erklärt werden, daß Männer im Bestreben, die eigenen Gene fortzupflanzen, um Partnerinnen rivalisieren mußten, d.h. sie mußten Partnerinnen  sehr schnell erobern, bevor es ein anderer tat. Frauen hingegen mußten darauf achten, Partner zu wählen, die bereit und in der Lage waren, die Nachkommen aufzuziehen und zu versorgen. Dazu mußten sie diese erst sorgfältig prüfen und ausreichend kennenlernen.

       Damit verbunden weisen auch viele Studien darauf hin, daß Frauen mehr als Männer auf den Status des Partners achten (z.B. Buss & Barnes, 1986; Green, Buchanan & Heuer, 1984; Hejj, 1996; Knippel 1996; Sieverding, 1988), was von den Autoren soziobiologisch mit der Familienversorgungsfunktion des Mannes und gesellschaftspolitisch mit der Rollenverteilung in Partnerschaften begründet wird. In der vorliegenden Untersuchung wurde dieses Phänomen allerdings nicht festgestellt, es zeigten sich in bezug auf den „Status“ keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern, d.h. die Frauen haben bei der Partnerwahl nicht mehr als Männer auf den Status des Partners geachtet. Dies könnte als Hinweis auf die zunehmende finanzielle Unabhängigkeit der Frauen gewertet werden. So sind Frauen heute weniger gezwungen, die „sozial abgesicherte Position, die ihr“ laut Kraft (1988, S. 254) „im Berufsleben verstellt wird, ... durch die Wahl des ‚Richtigen‘ sicherzustellen.“

       Männer legen laut der im Zusammenhang mit dem Status genannten Studien mehr Augenmerk als Frauen auf die Attraktivität der Partnerin. Diese ebenfalls in der fünften Hypothese postulierte Annahme findet durch die vorliegenden Ergebnisse klare Zustimmung: Für Männer ist das Aussehen der Partnerin beim Verlieben ausschlaggebender als für Frauen. Diese Präferenz wird von Evolutionspsychologen (z.B. Buss & Barnes, 1986; Hejj, 1996; Knippel, 1996) ebenfalls durch evolutionäre Adaptionen zu erklären versucht, die zur Herausbildung eines psychischen Mechanismus geführt haben könnten, der Männer dazu bewegt, Frauen mit hoher Fruchtbarkeit zu bevorzugen, welche - an sich äußerlich nicht erkennbar - an körperlichen Merkmalen der Frauen gemessen werden soll (siehe Abschnitt 2.2.5).

       Ein weiterer Geschlechtsunterschied äußert sich darin, daß Frauen beim Verlieben häufiger als Männer auf Sensibilität und Zärtlichkeit des Partners achten und kann ein weiterer Ausdruck dessen sein, daß Frauen bei der Wahl des Partners hinsichtlich Beziehungsqualitäten anspruchsvoller sind. Auch hier lassen sich evolutionsbiologische Erklärungen heranziehen, die davon ausgehen, daß Frauen einen Partner mit sozialen Fähigkeiten bevorzugten, um Liebe und Obhut für die Nachkommen sicherzustellen.

       Die zum Zeitpunkt der Partnerwahl untersuchten Geschlechtsunterschiede im Zusammenhang mit der Bevorzugung von Attraktivität durch Männer und von Status durch Frauen wurden auch in  bezug auf die fortgeschrittene Partnerschaft analysiert. Zur Frage, wie wichtig Einkommen und Familienversorgungsfunktionen für das Bleiben beim Partner sind, zeigte sich im Kontrast zur Partnerwahl ein anderes Ergebnis: In der fortgeschrittenen Partnerschaft messen Frauen dem Einkommen ihrer Partner größere Bedeutung für das Bleiben in der Beziehung bei als Männer. Auch Hammerschmidt und Kaslow (1995) sowie Heaton und Albrecht (1991) haben bei Frauen, als Motive für das Bleiben in Beziehungen häufiger als bei Männern materielle Abhängigkeit festgestellt. Dieser Geschlechtsunterschied kann dahingehend interpretiert werden, daß, wenn auch finanziell unabhängiger bei der Partnerwahl, Frauen doch immer noch diejenigen sind, die die Kinder bekommen und deswegen aufhören zu arbeiten, wohingegen deren Partner im Beruf bleiben und die Familie finanziell versorgen. Während einer Studie von Reichle (1994, 1996) zufolge vor der Geburt eines Kindes noch 96 % der untersuchten Frauen erwerbstätig waren, (98 % der Männer), so waren es fünf Monate darauf noch 15 %, und vier Jahre nach der Geburt des Kindes 45 % gegenüber 100 % der Männer (Bleich, 2000).

       Analog dem höheren Anspruch von Frauen an eine Partnerschaft, sollen Frauen in ihren Beziehungen auch generell unzufriedener sein als Männer. Dies jedenfalls wurde in diversen Studien festgestellt (vgl. Abschnitt 4.2, z.B. Kreische, 1996; Hammerschmidt & Kaslow, 1995; Heil, 1991). In der vorliegenden Stichprobe sind die Unzufriedenheitswerte der Frauen bezüglich der globalen Einschätzung des Glücks in der Partnerschaft zwar höher als die der Männer, jedoch ist dieser Unterschied statistisch nicht bedeutsam. Das gleiche gilt für die Einschätzung der Unzufriedenheit mit einzelnen Konfliktthemen und bezüglich der Sexualität in der Partnerschaft: Frauen sind in der Partnerschaft nicht unglücklicher und in bezug auf Konfliktbereiche sowie die Sexualität innerhalb der Partnerschaft nicht unzufriedener als Männer.

       Allerdings geben Männer in Hinsicht auf ihre Partnerinnen ein größeres sexuelles Verlangen an als Frauen hinsichtlich ihrer Partner. Und umgekehrt vermuten Frauen ein größeres sexuelles Verlangen ihrer Partner in bezug auf sie und Männer ein geringeres Verlangen ihrer Partnerinnen ihnen gegenüber. Dieser Geschlechtsunterschied wurde auch in der Studie von Hammerschmidt und Kaslow (1995) gefunden, in der eine gute, erfüllende Sexualbeziehung weit stärker von den Männern als von den Frauen hervorgehoben wurde. Die Angaben der Frauen stimmen mit denen der Männer überein, wodurch eine realistische Einschätzung beider Geschlechter bezüglich des gemeinsamen Sexuallebens zum Ausdruck kommt.

Zusammenfassend läßt sich festhalten, daß sich Prioritäten in der Partnerschaft in deren Verlauf ändern. Für das Verlieben in den Partner sind andere Partnereigenschaften ausschlaggebend als für das Bleiben bei diesem in der fortgeschrittenen festen Beziehung.

Der Vergleich von in ihrer Partnerschaft unglücklichen mit glücklichen Frauen und Männern zeigt in sämtlichen untersuchten Bereichen eine deutlich niedrigere Einschätzung der Paarbeziehungsqualität und größere Unzufriedenheit in allen direkt mit der Beziehung im Zusammenhang stehenden Konfliktthemen. Unglückliche nehmen weniger Zusammenhalt und Flexibilität (Kohäsion und Adaptabilität) in der Partnerschaft wahr und sie sind unzufriedener mit ihrem Sexualleben.

      

Obwohl die Unglücklichen sich nicht schneller verliebt haben, und obwohl sie seltener davon ausgehen, daß ihre Partner sich spontan in sie verliebt haben, sind sie diese Partnerschaft schneller eingegangen als Glückliche. Sie gehen häufiger davon aus, daß sich ihre Partner am Anfang anders dargestellt haben und sie würden beim nächsten Eingehen einer festen Beziehung „auf andere Dinge achten.“

       Beim Verlieben in den Partner war für die Unglücklichen dessen Status wichtiger, wohingegen dessen Sensibilität und Zärtlichkeit oder von ihm ausgehende Ausstrahlung und Anziehung weniger Bedeutung zugemessen wurde. Daraus ließe sich folgern, daß Unglückliche möglicherweise von Anfang an weniger in den Partner verliebt waren. Auch für das Bleiben sind ihnen sämtliche auf Liebe und Anziehung bezogene Partnereigenschaften weniger wichtig als den Glücklichen, und es bleibt offen, warum sie mit dem Partner zusammen bleiben.

Die Geschlechtsunterschiede lassen sich wie folgt zusammenfassen: Männer verlieben sich schneller als Frauen. Frauen achten bei der Partnerwahl mehr auf  Sensibilität und Zärtlichkeit,  Männer dagegen mehr auf das Aussehen der Partnerin. Für das Zusammenbleiben mit dem Partner sind Frauen Partnereigenschaften wie Sensibilität und Verläßlichkeit sowie sexuelle Attraktivität wichtiger als Männern. Außerdem hat für Frauen diesbezüglich das Einkommen und die Familienversorgungsfunktion des Partners eine größere Bedeutung, was sich durch eine traditionelle Aufgabenverteilung beim Vorhandensein von Kindern erklären läßt. Männern sind Aussehen sowie „Äußerlichkeiten und Angepaßtheit“ der Partnerin wichtiger für das Zusammenbleiben als Frauen.

       Männer geben darüber hinaus ein größeres sexuelles Verlangen in Hinsicht auf ihre Partnerinnen an, und diese vermuten analog dazu ein größeres sexuelles Verlangen ihrer Partner ihnen gegenüber. Dennoch ist Frauen die sexuelle Attraktivität des Partners in der fortgeschrittenen Beziehung wichtiger als Männern. In Hinsicht auf die Zufriedenheit mit dem Sexualleben, in bezug auf Konfliktbereiche sowie bezüglich der generellen Glückseinschätzung in der Beziehung gibt es keine Geschlechtsunterschiede: Die Frauen und Männer der vorliegenden Stichprobe scheinen gleichermaßen glücklich bzw. unglücklich in ihrer Partnerschaft zu sein.

10.    Fazit und Ausblick

Abgesehen von einer Vielzahl nicht zu beeinflussender Zufallsfaktoren, die den Verlauf einer Partnerschaft mitbestimmen, wird vermutlich bereits durch die Art und Weise der Partnerwahl ein Grundstein dafür gelegt, ob die daraus entstehende Partnerschaft glücklich oder unglücklich wird. Den Ergebnissen der vorliegenden Untersuchung zufolge ist es eher ungünstig, einen Partner vorrangig nach Statuskriterien auszuwählen, insbesondere wenn dabei der sexuellen Anziehung und der Sensibilität des Partners wenig Beachtung geschenkt wird. Ebenso scheint das Zusammensein mit einem Partner, der sich eher „langsam“ oder „zögerlich“ verliebt hat, mit weniger Zufriedenheit zusammenzuhängen. Auch das schnelle Eingehen einer festen Bindung scheint eine ungünstige Grundlage für eine glückliche Beziehung darzustellen, umso mehr wenn die Partner sich noch nicht gut kennen.

       Die unglücklichen Frauen und Männer leben in Partnerschaften, die durch eine deutlich schlechtere Paarbeziehungsqualität charakterisiert sind. Sie sind diesbezüglich realistisch und erkennen, daß sie bei der Partnerwahl Fehler gemacht haben, aber sie beenden diese Beziehungen nicht. Dieses Phänomen kann nur beschrieben und versuchsweise interpretiert, jedoch nicht ursächlich geklärt werden. Dennoch sollen einige Erklärungsvarianten in Betracht gezogen werden, die darüber hinaus zur Anregung weiterführender Studien dienen können:

       Die Möglichkeit, daß es sich bei den Unglücklichen um Partner handelt, die zum Zeitpunkt der Befragung gerade kurz vor der Trennung standen und diese mittlerweile vollzogen haben, wird vermutlich nur für einzelne Paare zutreffen, denn insgesamt zeigen die Angaben zur Dauer der Partnerschaften (siehe Abschnitt 7.3.2), daß die unglücklichen Beziehungen sogar ca. zwei  Jahre länger bestehen als die glücklichen, und somit relativ stabil zu sein scheinen.

       Eine Interpretationsmöglichkeit hierzu bietet die Austauschtheorie von Thibaut und Kelley (1959), derzufolge Personen, die alle erreichbaren Alternativen (inklusive der Möglichkeit, allein zu sein) schlechter bewerten, in unglücklichen Beziehungen bleiben (Asendorpf, 2000). Sie sind subjektiv von dieser Beziehung abhängig, d.h. die Unglücklichen sind möglicherweise der Meinung, keinen passenderen Partner finden zu können. Eventuell haben sie schon in früheren Beziehungen ähnliche Erfahrungen gemacht oder/und sie registrieren bei den Partnerschaften im Bekanntenkreis ebenfalls eher Unzufriedenheit, so daß sie resignieren und die Beziehung wie bisher weiterführen. Vielleicht werden aber auch die Dissonanzen, die bei der Einschätzung der Beziehungsqualität entstehen, umbewertet, d.h. die negativen Aspekte werden als nicht so wichtig eingeschätzt und die Vorzüge der Partnerschaft wie z.B. nicht allein, finanziell abgesichert zu sein, ein Zuhause zu haben, werden höher bewertet (vgl. Dissonanztheorie nach Festinger, 1957; Haider, 1958, s.a. Abschnitt 9.1).

       Möglicherweise haben die Personen Angst vor dem Neuen, dem „großen Unbekannten“ nach einer Trennung. Vertraute Umstände werden von vielen Menschen, wenn sie auch negativer bewertet werden, dem Fremden vorgezogen. Außerdem spielen diesbezüglich sicher die Scheu vor einer Auflösung des „Reichtums an ökologischen Vernetzungen“ die „mit dieser Beziehung geschaffen wurde,“ (Willi, 1991) sowie die Belastung, die eine Trennung in Hinsicht auf die Kinder und die gemeinsame Wohnung mit sich bringt, eine nicht zu unterschätzende Rolle.

       Wie verhält es sich in bezug auf die materielle Abhängigkeit, gibt es Unterschiede zwischen Unglücklichen und Glücklichen in der vorliegenden Stichprobe, die auf eine größere finanzielle Abhängigkeit der unglücklichen Frauen schließen lassen? Die Gesamtgruppe der Unglücklichen ist durchschnittlich ca. fünf Jahre älter als die der Glücklichen, und die unglücklichen Frauen haben niedrigere Schulabschlüsse als die glücklichen Frauen (siehe Abschnitt 7.3.2). Dies könnte dafür sprechen, daß die unglücklichen Paare häufiger einer älteren Generation angehören, bei der häufiger Rollenverteilungen vorkommen, die traditionell orientiert sind, d.h. daß der Mann berufstätig und die Frau für Haushalt und Kinder zuständig ist. Bei solchen Konstellationen ist eine größere materielle Abhängigkeit der Frauen von den Männern anzunehmen. Auch wird in konventionell eingestellten Familien häufiger die Meinung vertreten, daß man der Kinder wegen zusammenbleiben sollte und daß die Ehe einem Single-Dasein vorzuziehen sei (vgl. Heaton & Albrecht, 1991).

Sind diese Partnerschaften also unglücklich, weil sie traditionell orientiert sind? Dagegen spricht das Ergebnis einer empirischen Studie von Huch-Boeni und Boesch (1992), der zufolge der größte Teil der aus traditionell-komplementär strukturierten Ehen stammenden Befragten eine hohe Ehezufriedenheit angab. Auch die Tatsache, daß in der vorliegenden Stichprobe in bezug auf Merkmale der Partnerschaft wie Wohnform, Kinderanzahl und Anzahl früherer Trennungen keine Unterschiede zwischen den Unglücklichen und Glücklichen zu erkennen sind, scheint eher gegen diese Annahme zu sprechen. Denn in konventionellen Paarbeziehungen würden wahrscheinlich mehr Kinder vorhanden sein und die Partner würden häufiger als in „modernen“ Beziehungen über einen gemeinsamen Haushalt verfügen. Allerdings muß in diesem Zusammenhang auf die Selektivität der vorliegenden Stichprobe hingewiesen werden. In Folgestudien sollten auch diesbezügliche Einstellungen der Partner, insbesondere in unglücklichen Beziehungen mit berücksichtigt werden.

       Liebesstile sind bisher eher im Zusammenhang mit Untersuchungen zur Stabilität glücklicher Paarbeziehungen bzw. mit Trennungsprädiktoren erforscht worden (z.B. Bierhoff, Grau & Ludwig, 1993; Bierhoff, Fink & Montag, 1988; Hendrick, Hendrick & Adler, 1988; Hendrick, Hendrick, Foote & Slapion-Foote, 1984; Levy & Davis, 1988). Hier haben sich die Liebesststile „Eros“ und „Agape“ als gesicherte Prädiktoren für Glück und Stabilität in der Beziehung erwiesen. „Ludus“ korreliert demgegenüber konsistent hoch mit häufigen Trennungen und Unzufriedenheit (siehe Abschnitt 3.4.1). Eine weiterführende Fragestellung könnte den Zusammenhang von Liebesstilen mit hoher Stabilität bei gleichzeitiger Unzufriedenheit in Partnerschaften zum Gegenstand haben.

       Auch Persönlichkeitsfaktoren wurden bislang eher im Zusammenhang mit Trennungsprädiktoren als einflußnehmende Variablen untersucht (z.B. Jungnickel et al., 1983; Kelly & Conley, 1987; Kurdek, 1993). Dabei hatte sich insbesondere das Persönlichkeitsmerkmal Neurotizismus als nachteilig für die Stabilität einer Paarbeziehung dargestellt. In weiterführenden Untersuchungen sollten auch Persönlichkeitsfaktoren in Gegenwart von beständigen unglücklichen Beziehungen analysiert werden. Unter diesem Aspekt wäre es auch interessant, noch genauer zu untersuchen, welche Partner Unglückliche im Unterschied zu Glücklichen wählen.

       Geeignete Erklärungsansätze für die Stabilität unglücklicher Paarbeziehungen lassen sich gegenwärtig aus empirischen Ergebnissen zu Bindungsstilen ableiten. So hat sich das Muster des Paares, das aus einem nähesuchenden und einem distanzierten Partner besteht, als charakteristisch für unglückliche Beziehungen herausgestellt (z.B. Gottman & Levenson, 1988). Dabei finden sich häufig vermeidende Männer mit ängstlichen Frauen zusammen, und diese Konstellation weist bei großer Unzufriedenheit beider Partner eine hohe Stabilität auf (Kirkpatrick und Davis, 1994). Vor allem unter Berücksichtigung der Modifizierbarkeit von Bindungsstilen, beispielsweise durch einen neuen Partner („richtige“ Partnerwahl) oder durch Einzel- bzw. Paartherapie (Feeny & Noller, 1991) könnte eine weiterführende Forschung in diesem Bereich von großem Nutzen in Hinsicht auf die Beratung von Personen in unglücklichen Paarbeziehungen sein.

       Abschließend läßt sich festhalten, daß die Unglücklichen bei der Partnerwahl offenbar nicht so sehr auf den Partner, sondern eher auf äußere Umstände, die mit der Partnerschaft zusammenhängen wie beispielsweise den Status, geschaut haben, wohingegen den Glücklichen direkte Eigenschaften des Partners wichtiger waren, und daß somit die Partnerwahl aus materiellen oder aus anderen externalen Gründen offenbar eine schlechtere Grundlage für eine glückliche Beziehung bietet. Ein Fazit aus dieser Studie, auch für Beratung und Therapie, könnte in dem Appell bestehen, bei der Partnerwahl weniger auf äußere Umstände und stärker auf Partnereigenschaften wie zB. Sensibilität, Zärtlichkeit und sexuelle Anziehung zu achten.

11.   Kurzzusammenfassung

Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit ist es, zum Zeitpunkt des Verliebens und der Partnerwahl Indikatoren zu erkennen, die Hinweise auf einen ungünstigen Verlauf in einer Partnerschaft geben können. Darüber hinaus werden Unterschiede zwischen unglücklichen und glücklichen Paarbeziehungen in der fortgeschrittenen Partnerschaft, nach mindestens einem Jahr, erforscht. Außerdem werden Geschlechtsunterschiede bezüglich der Partnerwahl und in Hinsicht auf Prioritäten in der festen Partnerschaft analysiert.

       Versuchsteilnehmer wurden in Paarberatungsstellen, über Zeitungsaufrufe und über Aushänge an der Universität rekrutiert. Die Stichprobe, bestehend aus 293 Personen, 164 Frauen und 129 Männern im Alter von 16-65 Jahren (davon 106 Paare), wurde mittels standardisierter Fragebögen schriftlich befragt. Dabei wurden Merkmale der Partner und deren Wichtigkeit für das Verlieben (retrospektiv) und für das Zusammenbleiben erhoben. Darüber hinaus wurden Variablen zu Konfliktbereichen, zu Kohäsion und Adaptabilität innerhalb der Beziehung (Family Adaptability and Cohesion Evaluation Scale: FACES III) sowie zur aktuellen Zufriedenheit mit dem Sexualleben in der Partnerschaft erforscht. Es wurden zwei Gruppen gebildet. Die erste bestand aus Personen, die in unglücklichen oder dysharmonischen Paarbeziehungen leben (N = 161), die zweite aus Personen, deren Beziehung als glücklich bzw. harmonisch zu bezeichnen ist (N = 132. Die Gruppe der „Unglücklichen“ wurde mit der der „Glücklichen“ anhand von Mittelwertsvergleichen (t-Tests für unabhängige Stichproben) verglichen.

                   Unterschiede zwischen Unglücklichen und Glücklichen: Von den Unglücklichen wird die Paarbeziehungsqualität in sämtlichen erhobenen Bereichen deutlich niedriger eingeschätzt, und es besteht eine größere Unzufriedenheit bezüglich des Sexuallebens sowie in Hinsicht auf alle mit der Beziehung im Zusammenhang stehenden Konfliktbereiche. Darüber hinaus nehmen Unglückliche weniger Zusammenhalt und Flexibilität (Kohäsion und Adaptabilität) in der Partnerschaft wahr. Obwohl die Unglücklichen sich nicht schneller in ihre Partner verliebt haben, und auch nicht häufiger davon ausgehen, daß ihre Partner sich gleich in sie verliebt haben, sind sie diese Partnerschaft schneller eingegangen als Glückliche. Sie gehen häufiger davon aus, daß sich ihre Partner am Anfang anders dargestellt haben und sie würden beim nächsten Eingehen einer festen Beziehung „auf andere Dinge achten.“ Beim Verlieben haben die Unglücklichen mehr Wert auf  den Status des Partners und weniger auf Sensibilität und Zärtlichkeit sowie Ausstrahlung und Anziehung gelegt. Außerdem haben sie sich „langsamer“ ineinander verliebt als Glückliche. Als Gründe in der Partnerschaft zu bleiben, sind den Unglücklichen sämtliche Partnereigenschaften weniger wichtig (mit Ausnahme von  „Äußerlichkeiten und Angepaßtheit) und es bleibt offen, aus welchen Gründen sie in dieser Beziehung bleiben. Als mögliche Erklärungsansätze werden u.a. Austauschtheorien, Dissonanztheorien, Liebesstile, Persönlichkeitsfaktoren und Erkenntnisse aus der Bindungsforschung diskutiert.

       Geschlechtsunterschiede: Männer verlieben sich schneller als Frauen und achten bei der Partnerwahl mehr auf das Aussehen der Partnerin, wohingegen Frauen zu diesem Zeitpunkt mehr auf  Sensibilität und Zärtlichkeit des Partners Wert legen. Auch im späteren Verlauf der Beziehung sind den Frauen für das Zusammenbleiben mit dem Partner Eigenschaften wie Sensibilität und Verläßlichkeit sowie sexuelle Attraktivität wichtiger als den Männern. Außerdem messen Frauen dem Einkommen und der Familienversorgungsfunktion des Partners mehr Bedeutung für den Erhalt der Beziehung bei, was sich durch eine traditionelle Rollenaufteilung beim Vorhandensein von Kindern erklären läßt. Für das Zusammenbleiben legen Männer mehr Wert als Frauen auf das Aussehen sowie auf „Äußerlichkeiten und Angepaßtheit“ der Partnerin. Männer haben ein größeres sexuelles Verlangen bezüglich ihrer Partnerinnen als Frauen in bezug auf ihre Partner. Frauen sind in Hinsicht auf das Sexualleben jedoch nicht unzufriedener und innerhalb der Partnerschaft nicht unglücklicher als Männer. Generell zeigte sich, daß für das Bleiben in einer Beziehung andere Partnereigenschaften ausschlaggebend sind als für das Verlieben in den Partner.

Schlagwörter: Verlieben -  Partnerwahl - Partnerschaft - Paarbeziehungsqualität - Unzufriedenheit - Konfliktbereiche - Kohäsion und Adaptabilität - Geschlechtsunterschiede

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Erklärung

Ich versichere hiermit, daß ich die vorliegende Arbeit mit dem Thema:

Aspekte unglücklicher Paarbeziehungen:

Subjektive Kriterien für die Partnerwahl und für das Verbleiben in Partnerschaften

selbständig verfaßt und keine anderen Hilfsmittel als die angegebenen benutzt habe. Die Stellen, die anderen Werken dem Wortlaut oder dem Sinne nach entnommen sind, habe ich in jedem einzelnen Falle durch Angabe der Quelle, auch der benutzten Sekundärliteratur, als Entlehnung kenntlich gemacht.

Hamburg, den 26.09.2000

Grit Hoffmann

Anhang



[1]     [Sappho, Fragments, No. 101], zitiert nach Dion, Berscheid und Walster (1972, S. 285)

[2]      Die Capilano Canyon Suspension Bridge in Kanada führt über einen ca. 200 m tiefen Abgrund, ist sehr schmal, sehr lang, schwankt gefährlich, vermittelt den Eindruck, leicht hinabzustürzen und hat ein sehr niedriges Geländer, ist also stark angsterregend.

[3]     Ein Tonband wurde abgespielt mit ohrenbetäubenden Lärmattacken (bis 95db), die für die Probanden wiederholt und ohne Vorwarnung auftraten.

[4]     In einer Rangfolge von 76 Merkmalen wurden als sehr erwünscht von beiden Geschlechtern am häufigsten genannt: Kameradschaftlichkeit, Aufmerksamkeit, Ehrlichkeit, liebevolles Wesen, Zuverlässigkeit, Intelligenz, Freundlichkeit, Verständnis, Interesse an Gesprächen und Treue.

[5]     Sterblichkeit

[6]     Bartholomew (1990) erweitert die Bindungstheorie erwachsener Beziehungen um den ängstlich-vermeidenden Bindungsstil, mit der Begründung, daß Erwachsene im Gegensatz zu Kindern eine gewisse Kontrolle darüber haben, inwieweit sie sich auf eine Beziehung einlassen wollen. Ängstlich-vermeidende Personen sind sich ihrer Nähebedürfnisse nicht bewußt, obwohl diese durchaus vorhanden sind.

[7]     Die Nichterhebung wurde damit begründet, daß es den Probanden schwerfallen würde, eine klare Trennung vorzunehmen zwischen einerseits den tatsächlichen Kosten und Belohnungen und andererseits den dem Vergleichsniveau zugrundeliegenden abstrahierten Erwartungen.

[8]     Intrinsische Motive beziehen sich in diesem Zusammenhang auf Gefühle in Hinsicht auf den Partner und die Beziehung selbst. Extrinsische Motive können z.B. das gemeinsame Haus, der gemeinsame Freundeskreis oder Kinder sein.

[9]     Hier wurden Paare über fünf Jahrzehnte begleitet, angefangen in der Verlobungszeit der Paare in den dreißiger Jahren, über die fünfziger bis zum Anfang der achtziger Jahre. Von 249 am Ende der Studie noch zur Verfügung stehenden Paaren waren 50 geschieden und 199 noch zusammen (bzw. war einer der Partner verstorben). Das entspricht Angaben, denen zufolge jede 3. Ehe geschieden wird (z.B. Statistisches Jahrbuch, 1996).